{"id":873810,"date":"2026-03-16T20:39:12","date_gmt":"2026-03-16T20:39:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/873810\/"},"modified":"2026-03-16T20:39:12","modified_gmt":"2026-03-16T20:39:12","slug":"zehntausenden-sportvereinen-droht-eine-fette-steuerbombe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/873810\/","title":{"rendered":"Zehntausenden Sportvereinen droht eine fette Steuerbombe"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Eine aktuelle Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) sorgt bei den vielen Tausenden Sportvereinen in <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Deutschland\" data-rtr-id=\"6c48d7d5b099c64b41367070a52ae27833560fd5\" data-rtr-score=\"24.9498485995458\" data-rtr-etype=\"location\" data-rtr-index=\"36\" href=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/thema\/deutschland\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Deutschland<\/a> f\u00fcr Unruhe: Ende Februar hatte der BFH im Rahmen eines Gerichtsurteils klargestellt, dass gemeinn\u00fctzige Vereine unter bestimmten Bedingungen Umsatzsteuer auf die erhobenen Mitgliedsbeitr\u00e4ge erheben m\u00fcssen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eDie Verwaltungspraxis zur Nichtsteuerbarkeit der von Sportvereinen gegen\u00fcber ihren Mitgliedern erbrachten Leistungen widerspricht der st\u00e4ndigen Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs und dem Unionsrecht\u201c, schreibt der BFH in seiner Urteilsbegr\u00fcndung. Gleichzeitig \u00fcbten die Richter Kritik an der Bundesregierung und den Finanz\u00e4mtern. Diese h\u00e4tten vorangegangene Urteile des Bundesfinanzhofs und des Europ\u00e4ischen Gerichtshofs in dieser Sache permanent ignoriert.<\/p>\n<p>Verhandelter Fall ist speziell<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Der verhandelte Fall ist speziell. Geklagt hatte ein Sportverein, der ausdr\u00fccklich Umsatzsteuer zahlen wollte. Der Verein hatte einen neuen Kunstrasenplatz bauen lassen. Deshalb war es f\u00fcr ihn finanziell lukrativ, die daf\u00fcr gezahlte Umsatzsteuer geltend zu machen. Dieser sogenannte Vorsteuerabzug ist aber nur m\u00f6glich, wenn der Verein der Umsatzsteuer unterliegt. Dies erkannte das Finanzamt nicht an, wogegen der Verein klagte.<\/p>\n<p class=\"tw-text-neutral-10 tw-py-2 tw-border-t tw-mb-0 tw-text-title-md tw-font-medium tw-border-solid tw-border-b-neutral-10 tw-font-primary\">Empfohlene Artikel<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die allermeisten Vereine d\u00fcrften allerdings kein Interesse daran haben, Umsatzsteuer auf ihre Mitgliedsbeitr\u00e4ge zu erheben. Ihre gr\u00f6\u00dften Kostenbl\u00f6cke sind Personalkosten, bei denen sie keine Vorsteuer geltend machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">\u201eDie BFH-Entscheidung betrifft neben Sportvereinen auch zahlreiche Vereine in anderen Bereichen, und hat erhebliche Praxisrelevanz f\u00fcr Investitionen, Vorsteuerabzug und Beitragsgestaltung\u201c, erkl\u00e4rt Peter Binger, Experte f\u00fcr Steuerrecht bei Grant Thornton, im Gespr\u00e4ch mit der Schw\u00e4bischen Zeitung. Deutschlandweit gibt es \u00fcber 600.000 eingetragene Vereine (e. V.), von denen ein Gro\u00dfteil gemeinn\u00fctzig ist.<\/p>\n<p>BFH kritisiert bisherige Verwaltungspraxis<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Bislang besteuern die Finanz\u00e4mter Mitgliedsbeitr\u00e4ge etwa von Sportvereinen nicht, wenn diese lediglich ein allgemeines Sportangebot vorhalten, das von allen Mitgliedern genutzt werden kann. Etwa der Fu\u00dfballplatz eines Fu\u00dfballvereins. Ein individuelles Coaching wird im Gegensatz dazu auch jetzt schon besteuert.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Doch diese Praxis, darauf hat der BFH ausdr\u00fccklich hingewiesen, stehe schon seit Jahren im Widerspruch zur st\u00e4ndigen Rechtsprechung. Bereits mehrfach hatte der BFH entschieden, dass Mitgliedsbeitr\u00e4ge zu versteuern sind, wenn zwischen Beitrag und Leistungsangebot ein unmittelbarer Zusammenhang besteht. Dar\u00fcber hinaus stellte das oberste Gericht f\u00fcr Steuer- und Zollsachen auch noch einmal klar, dass Gemeinn\u00fctzigkeit von Vereinen nicht automatisch zur Umsatzsteuerfreiheit f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Vereine sollten Folgen des Urteils pr\u00fcfen<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Das Bundesfinanzministerium hat sich bisher nicht zur konkreten Anwendung der BFH-Entscheidung ge\u00e4u\u00dfert. Daher k\u00f6nnen sich Vereine zun\u00e4chst weiter auf die bestehende Verwaltungsauffassung berufen. \u201eSie m\u00fcssen aber damit rechnen, dass sich diese zuk\u00fcnftig noch \u00e4ndern kann \u2013 schlimmstenfalls r\u00fcckwirkend f\u00fcr alle offenen Jahre\u201c, warnt Binger.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Er r\u00e4t Vereinen, die ihre Mitgliedsbeitr\u00e4ge bisher nicht der Umsatzsteuer unterworfen haben, die Folgen des Urteils zu pr\u00fcfen und gegebenenfalls Vorbereitungen zu treffen. Finanzgerichte sind an diese Verwaltungsauffassung aber nicht gebunden; im Falle eines Rechtsstreits droht daher auch jetzt schon die Anwendung der genannten Rechtsprechung. Der Handlungsdruck, so Binger, sei ganz unterschiedlich.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Kleinere Vereine sollten pr\u00fcfen, ob sie unter die Kleinunternehmerregelung fallen und damit nicht der Umsatzsteuer unterliegen. Das ist der Fall, wenn der Gesamtumsatz bestimmte Grenzen nicht \u00fcbersteigt. Eine relevante Grenze liegt bei 25.000 Euro. Gr\u00f6\u00dfere Vereine k\u00f6nnten \u00fcberlegen, pro forma einen Beschluss einzuholen die Mitgliedsbeitr\u00e4ge zu erh\u00f6hen, sollte sich an der bisherigen Verwaltungspraxis der Finanz\u00e4mter oder der Gesetzeslage etwas \u00e4ndern, so Binger.<\/p>\n<p>Finanzministerium: Belastung der Vereine vermeiden<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Fritz G\u00fcntzler (CDU), sieht nun Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) in der Pflicht. \u201eDas Urteil darf nicht zu einem Steuerschock f\u00fcr 86.000 Sportvereine werden\u201c, sagte G\u00fcntzler. Das Bundesfinanzministerium m\u00fcsse hier schnell f\u00fcr Klarheit sorgen und gegebenenfalls gesetzgeberisch t\u00e4tig werden.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Aus dem Finanzministerium hie\u00df es, dass man die umsatzsteuerliche Behandlung von Mitgliedsbeitr\u00e4gen bereits seit einiger Zeit gemeinsam mit den L\u00e4ndern pr\u00fcfe. Dabei gehe es auch um die Frage, ob und in welchem Umfang die Verwaltungsregelung angepasst oder dem Gesetzgeber eine Anpassung vorgeschlagen werde. Eine zus\u00e4tzliche umsatzsteuerliche Belastung der Vereine gelte es dabei so weit wie irgend m\u00f6glich zu vermeiden. Die F\u00f6rderung des Sports und des Ehrenamts sei der Bundesregierung ein wichtiges Anliegen.<\/p>\n<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Eine M\u00f6glichkeit, die Umsatzsteuerpflicht von Mitgliedsbeitr\u00e4gen zumindest f\u00fcr Sportvereine zu entsch\u00e4rfen, gab der BFH den Finanzbeh\u00f6rden an die Hand: Eine Erweiterung der Umsatzsteuerbefreiung f\u00fcr Sportleistungen im deutschen Umsatzsteuergesetz. Das gibt das weiter gefasste Europarecht her, erkl\u00e4rt Binger. F\u00fcr alle anderen Vereine sei diese M\u00f6glichkeit jeweils im Einzelfall zu pr\u00fcfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine aktuelle Entscheidung des Bundesfinanzhofs (BFH) sorgt bei den vielen Tausenden Sportvereinen in Deutschland f\u00fcr Unruhe: Ende Februar&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":873811,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1827],"tags":[772,4941,29,1721,666,30,1268,624,2149,193072],"class_list":{"0":"post-873810","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenchen","8":"tag-bayern","9":"tag-cjab","10":"tag-deutschland","11":"tag-finanzen","12":"tag-geld","13":"tag-germany","14":"tag-muenchen","15":"tag-ratgeber","16":"tag-steuern","17":"tag-tmn8160"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116240788363511619","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/873810","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=873810"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/873810\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/873811"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=873810"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=873810"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=873810"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}