{"id":875098,"date":"2026-03-17T08:44:18","date_gmt":"2026-03-17T08:44:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/875098\/"},"modified":"2026-03-17T08:44:18","modified_gmt":"2026-03-17T08:44:18","slug":"der-tunnel-bei-stuttgart-dem-das-pech-an-den-waenden-klebt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/875098\/","title":{"rendered":"Der Tunnel bei Stuttgart, dem das Pech an den W\u00e4nden klebt"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Schon wieder eine Hiobsbotschaft vom Engelbergtunnel. Das war der erste Gedanke nach dem k\u00fcrzlichen Brand am Eingang der Westr\u00f6hre. Es geht dabei um den verkehrsreichsten Tunnel Baden-W\u00fcrttembergs: bis zu 140.000 Fahrzeuge pro Tag.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Wer sich auskennt, wei\u00df zudem, dass er eine h\u00f6chst sensible Stelle in der ohnehin schon \u00fcberlasteten Autobahnumfahrung von Stuttgart ist. Dies verhei\u00dft jedes Mal \u00dcbles, wenn in den beiden 2530 Meter langen R\u00f6hren etwas nicht stimmt. Was im \u00dcbrigen eher die Regel als eine Ausnahme ist. Fast k\u00f6nnte man meinen, am Tunnel klebt schicksalshaft Pech \u2013 und dies seit seiner Inbetriebnahme 1999.<\/p>\n<p>Alles sollte besser werden<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Damals ersetzte er den alten, 318 Meter langen Tunnel aus dem Dritten Reich. Er lag weit oben am Scheitel der Anh\u00f6he. Die neuen R\u00f6hren verlaufen direkt 60 Meter unter dem Alt-Tunnel, liegen folglich weitaus tiefer in der Erde. Sie sind als Basis-Durchquerung des Engelbergs konzipiert und verhei\u00dfen eine kommode Fahrt ohne Anstiege zu hoch gelegenen Tunnelportalen wie fr\u00fcher. Kein Bergauf-Schleichen von Lkw mehr. Dazu drei Fahrspuren und ein Pannenstreifen in jede Richtung.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Also frei Fahrt, k\u00f6nnte man denken. Aber nein. Aktuell ist es ein Sattelschlepper gewesen, der Ausl\u00f6ser des Chaos wurde: verungl\u00fcckt, wohl aufgrund eines Reifenschadens. Worauf der Lkw in Flammen aufging.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Anfang M\u00e4rz war es zu diesem Inferno gekommen. Es gab einige eher leichter Verletzte.\u00a0 Daneben bekam jedoch die R\u00f6hre viel ab: Das Feuer zerst\u00f6rte die Betriebstechnik auf mehrere hundert Meter. An der Tunneldecke platzte durch die Hitze Beton ab. Die Kabel der Tunnelsteuerung sowie der Brandmeldeanlage seien verschmort, teilte die Autobahn GmbH mit.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/01714e05-0e34-4739-bdb3-d3498d692fd7.jpg\" loading=\"lazy\" alt=\"Das Nordportal des Engelbergtunnels bei Leonberg. W\u00e4hrend der Verkehr durch eine R\u00f6hre wenigstens auf zwei Spuren flie\u00dft (rechts), ist die andere R\u00f6hre gesperrt. Hier hatte ein Lkw Feuer gefangen. Wegen der dadurch am Tunnel entstandenen Sch\u00e4den sind umfangreiche Sanierungen n\u00f6tig geworden.\"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/_next\/static\/media\/imageExpand.10dba927.svg\"\/><\/p>\n<p>Das Nordportal des Engelbergtunnels bei Leonberg. W\u00e4hrend der Verkehr durch eine R\u00f6hre wenigstens auf zwei Spuren flie\u00dft (rechts), ist die andere R\u00f6hre gesperrt. Hier hatte ein Lkw Feuer gefangen. Wegen der dadurch am Tunnel entstandenen Sch\u00e4den sind umfangreiche Sanierungen n\u00f6tig geworden. (Foto: Uwe Jau\u00df)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Allein diese Nachricht hat nach Endlos-Reparaturen geklungen. Kurz darauf kam dann auch die Hiobsbotschaft: Bis auf Weiteres geht nichts. Die Westr\u00f6hre bleibt erst einmal zu. Eine Woche sp\u00e4ter hie\u00df es dann, zumindest die Standspur k\u00f6nne zu einem noch benennenden Termin zeitweise f\u00fcr den Verkehr wieder freigegeben werden \u2013 vorerst.<\/p>\n<p>Verstopfte St\u00e4dte und D\u00f6rfer<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Womit von etwas Licht am Ende des Tunnels gesprochen werden darf. Aber vorerst ist passiert, was angesichts des \u00fcberbordenden Verkehrs in der Stuttgarter Gegend naheliegt: Ein Verkehrschaos brach herein.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Am schlimmsten war es die erste Woche nach der Sperrung. Fuhr man in Richtung Engelbergtunnel, war die Malaise sofort sichtbar. Endlose Lkw-Kolonnen quetschten sich durch St\u00e4dte und D\u00f6rfer. Zu einem der Hauptbrennpunkte wurde Leonberg, vom historischen Herkommen ein altw\u00fcrttembergisches Amtsst\u00e4dtlein mit Schloss und Fachwerkh\u00e4usern. Modern betrachtet handelt es sich um ein Industrie- und Gewerbezentrum mit rund 50.000 Einwohnern.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Wer vom stark industrialisierten Stuttgarter Norden Richtung Karlsruhe oder M\u00fcnchen m\u00f6chte, benutzt \u00fcblicherweise die betroffene Tunnelr\u00f6hre, um Leonberg zu umfahren. Dies tun ebenso jene, die von Heilbronn herkommen. Doch jetzt war diese Option verbaut, die R\u00f6hre zu und Leonberg als Transitort gefragt.<\/p>\n<p>\u00c4rgerliche Hinweise vom Navi<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Selbstverst\u00e4ndlich hat die Polizei Stuttgart rasch in einem Post auf der Plattform \u201eX\u201c vor \u201eeinem erh\u00f6hten Verkehrsaufkommen\u201c gewarnt. Wer k\u00f6nne, solle die Region \u201eweitr\u00e4umig umfahren\u201c. Aber viele konnten dies auf die Schnelle offensichtlich nicht, wie etwa in Leonbergs Innenstadt zu sehen war. Teilweise ruhte der Verkehr sogar weitgehend.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/0b79de9c-dee4-4177-9513-f9a72287dcdc.jpg\" loading=\"lazy\" alt=\"Der Anfang M\u00e4rz ausgebrannte Sattelschlepper in der Westr\u00f6hre des Engelbergtunnels.\"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/_next\/static\/media\/imageExpand.10dba927.svg\"\/><\/p>\n<p>Der Anfang M\u00e4rz ausgebrannte Sattelschlepper in der Westr\u00f6hre des Engelbergtunnels. (Foto: Autobahn GmbH Niederlassung S\u00fcdwest\/dpa)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Schlimmer war es nur noch in Ortsteilen wie H\u00f6fingen, praktisch einem Dorf. Sattelschlepper sind dort zumindest mittendrin nicht vorgesehen \u2013 selbst wenn Navigationsger\u00e4te Fahrer in diese Richtung auf enge Stra\u00dfen lotsen. Die Folge: Sie kamen mit ihren Gef\u00e4hrten blo\u00df durch vielfaches Rangieren um die Kurven.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Dabei hatte Leonberg extra innerorts Schilder mit Anweisungen zum Abschalten der Navis angebracht. Verwaltungspressesprecherin Leila Fendrich wies gegen\u00fcber \u00f6rtlichen Medien sogar mehrmals darauf hin. Fahrzeuglenker sollten demnach nur der ausgeschilderten Umleitung folgen. Scheinbar gab es aber zahllose Oberschlaue, die f\u00fcr sich irgendwo mit dem Navi im Stau ein Schlupfloch finden wollten.<\/p>\n<p>Ein Nadel\u00f6hr<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Speziell f\u00fcr Leonberg ist ein solches Chaos nichts Neues. Das Autobahnkreuz A81\/A8 liegt neben der Stadt. Im Osten davon blockiert der Engelberg den Verkehr, ein Spornberg, der sich in weiteren H\u00f6henz\u00fcgen bis ins elf Kilometer entfernte Stuttgart weiter zieht. Der Tunnel ist also schon geografisch ein Nadel\u00f6hr. Das hei\u00dft: Jedes Mal, wenn drinnen etwas passiert, droht drau\u00dfen die Verkehrsblockade.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Bei dem vielen Verkehr, der durch die R\u00f6hren str\u00f6mt, ist das Zustandekommen von <a class=\"rtr-entity\" data-rtr-entity=\"Unfall\" data-rtr-id=\"eca2f4375da91f21e6077129eaf856c899fc4179\" data-rtr-score=\"10.530284684010116\" data-rtr-etype=\"keyword\" data-rtr-index=\"55\" href=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/thema\/unfall\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Unf\u00e4llen<\/a> kaum verwunderlich. Weshalb nur kurz auf einige Fahrzeugbr\u00e4nde der j\u00fcngsten Zeit eingegangen werden soll \u2013 zumal solche Unf\u00e4lle eine menschliche Urangst hervorrufen und sich zumindest \u00e4ltere Leute an den Brand im Montblanc-Tunnel 1999 erinnern d\u00fcrften. 39 Menschen starben in diesem Inferno. Das Ungl\u00fcck war gleichzeitig Ansto\u00df, die Sicherheitsvorkehrungen in Tunnels generell zu verbessern.<\/p>\n<p class=\"tw-text-neutral-10 tw-py-2 tw-border-t tw-mb-0 tw-text-title-md tw-font-medium tw-border-solid tw-border-b-neutral-10 tw-font-primary\">Empfohlene Artikel<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Brennen kann es trotzdem, siehe Anfang M\u00e4rz. Vergangenen August traf es einen Renault Twingo in der Westr\u00f6hre. Anwohner beschrieben, dass schwarzer Rauch aus der L\u00fcftungsanlage des Tunnels quoll. Der Fahrer rettete sich durch einen Querschlag in die Ostr\u00f6hre.\u00a0 Auf der Stra\u00dfe kam es zum Stopp f\u00fcr alle. Stundenlang verzweifelten andere Motorisierte hinterm Lenkrad.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Im Juni 2025 entflammte ein VW. Die Insassen hatten Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck. Spezialisten des Landeskriminalamts fuhren gerade ebenso durch den Tunnel: ein Team des Kampfmittelbeseitigungsdienstes. Es griff zu seinen Feuerl\u00f6chern und erstickte die Flammen. Stau gab es trotzdem.<\/p>\n<p>Aufquellendes Mineral<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Doch am Engelberg-Tunnel schl\u00e4gt neben den \u00fcblichen Gefahren des Verkehrs noch etwas anderes ung\u00fcnstig in das Kontor \u2013 etwas, das den ganzen Betrieb grunds\u00e4tzlich belastet: n\u00e4mlich die Geologie. Sie macht den Tunnel praktisch zur Endlos-Baustelle. Schuld ist ein spezielles Mineral, das sich auch im Engelberg finden l\u00e4sst: Anhydrit.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Bevor es nun zu akademisch wird, eine grobe Beschreibung des Problems. Trifft permanent Wasser auf Anhydrit, wandelt es sich in Gips um und quillt fast auf wie ein Hefeteig. Das Volumen kann um mehr als 50 Prozent zunehmen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Der bisher bekannteste Problemfall geht auf oberfl\u00e4chennahe Erdw\u00e4rme-Bohrungen in Staufen zur\u00fcck. Das St\u00e4dtchen im Breisgau wollte 2007 sein Rathaus neu beheizen. Durch die Bohrungen erhielt Grundwasser jedoch Zugang zu einer Schicht mit Anhydrit. Der Boden begann sich zu heben \u2013 an Extremstellen bis zu einem halben Meter. Weite Teile der Altstadt waren betroffen. Rund 270 H\u00e4user wurden besch\u00e4digt, darunter 127 stark.<\/p>\n<p>Eine Dauerbaustelle<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Anhydrit hat also Sprengkraft. Was die Mineralie auch im Engelbergtunnel unter Beweis stellt. Weshalb er die wenigste Zeit seit seiner Inbetriebnahme vor 27 Jahren ohne Baustelle war. Auch gegenw\u00e4rtig wird gewerkelt. Das bedeutet auch abseits von Unf\u00e4llen Fahrbahnverengungen und Spursperrungen. In der Westr\u00f6hre m\u00fcssen rund 180 Meter Tunnelwand saniert werden, in der Ostr\u00f6hre sind es 170 Meter.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Die Vorarbeiten fingen schon 2016 an. Richtig los ging es drei Jahre sp\u00e4ter. Seitdem gibt es Verkehrsbehinderungen. Oft sind nur zwei Fahrspuren je Richtung offen. Teilweise ist es n\u00e4chtens zur Komplettsperre einer R\u00f6hre gekommen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/ce87946e-b034-4f58-ab74-234d32a61468.jpg\" loading=\"lazy\" alt=\"Die Ostr\u00f6hre des Engelbergtunnels ist vom Lkw-Brand nicht betroffen. Wegen einer Baustelle sind aber nur zwei Fahrspuren offen.\"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/_next\/static\/media\/imageExpand.10dba927.svg\"\/><\/p>\n<p>Die Ostr\u00f6hre des Engelbergtunnels ist vom Lkw-Brand nicht betroffen. Wegen einer Baustelle sind aber nur zwei Fahrspuren offen. (Foto: Uwe Jau\u00df)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Das Projekt war von Anfang an ambitioniert. Die Bauingenieure wollten die Innenschale des Tunnels mit massiven Stahltr\u00e4gern an der Decke und den Seiten verst\u00e4rken. Eigentlich h\u00e4tte vergangenes Jahr alles fertig sein sollen. Aber angeblich ist es wegen der Corona-Pandemie zu Verz\u00f6gerungen gekommen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Wom\u00f6glich liegt die Frist\u00fcberschreitung auch daran, dass nebenbei noch beschlossen wurde, die komplette Tunnelbetriebstechnik zu \u00fcberarbeiten. Andere Quellen besagen, 30 Prozent der ma\u00dfangefertigten Stahltr\u00e4ger seien von mangelhafter Qualit\u00e4t gewesen. Man habe auf Ersatz warten m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Teure Sanierung<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Wie auch immer. Der Kostenpunkt des gesamten Unterfangens ist jedenfalls betr\u00e4chtlich: mindestens 130 Millionen Euro. Zum Vergleich: Der Tunnelbau kostete 850 Millionen D-Mark nach dem Preisstand von 1999. Gerechnet nach heutigem Kostenniveau, w\u00e4ren dies 711 Millionen Euro. Im Gesamtverh\u00e4ltnis kostet die Sanierung also durchaus einen sch\u00f6nen Batzen Geld.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Nachgearbeitet worden war jedoch bereits zuvor: 2006, 2008 und 2010. Dies wirft die Frage auf, ob das Anhydrid im Engelberg \u00fcberraschend aufgetreten ist? Nein, lautet die Antwort. Schon ein Sondierstollen von 1977 und 1978 gab Aufschluss dar\u00fcber. In den Tunnelannalen kann des Weiteren nachgelesen werden, dass 1981 eine 20 Zentimeter dicke Schicht aus Spritzbeton in einer Erkundungsbohrung zerst\u00f6rt wurde.\u00a0Oberfl\u00e4chenwasser war in das Loch eingedrungen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Um dem Problem entgegenzuwirken, wurden die Tunnelw\u00e4nde drei Meter dick gemacht. Das ist viel. Im Schnitt gehen Bauingenieure von 30 Zentimetern bis gut einem Meter aus. So hat der Gotthardbasistunnel in der Schweiz Abschnitte, bei denen wegen der gro\u00dfen Felsstabilit\u00e4t 30 Zentimeter ausreichen.<\/p>\n<p>Untersch\u00e4tzte T\u00fccken<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Aber die T\u00fccken des Engelbergs sind offenbar untersch\u00e4tzt worden \u2013 und dies angesichts der besagten Sondierungen mit langem zeitlichem Anlauf. Wobei erste \u00dcberlegungen noch einige Jahre weiter zur\u00fcckliegen. Sie haben mit dem alten Engelbergtunnel zu tun.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Der Ur-Tunnel war schon vor rund 60 Jahren \u00fcberholt. Die Wirtschaftswunderzeit mit ihrer steigenden Motorisierung \u00fcberforderte ihn. Was die fr\u00fchen Tunnelbaumeister kaum voraussehen konnten. Ihr Werk war bereits 1938 als Teil einer Reichsautobahn freigegeben worden, also ein Jahr vor dem Beginn des Zweiten Weltkriegs.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Genauso wenig hatten die Ingenieure ahnen k\u00f6nnten, dass ihr Tunnel wenige Jahre sp\u00e4ter ein Verbrecherort des Dritten Reiches werden w\u00fcrde. Um die deutsche R\u00fcstungsindustrie vor Luftangriffen zu sch\u00fctzen, sollte die Produktion m\u00f6glichst unter Tage verlagert werden. Unter anderem bot sich der Engelbergtunnel an.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/158a87a0-4d03-4a5d-865c-ede5dd08cc7c.jpg\" loading=\"lazy\" alt=\"Das S\u00fcdportal des alten Engelbergtunnels aus der Nazi-Zeit. Heute ist dort eine KZ-Gedenkst\u00e4tte untergebracht.\"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"https:\/\/www.schwaebische.de\/_next\/static\/media\/imageExpand.10dba927.svg\"\/><\/p>\n<p>Das S\u00fcdportal des alten Engelbergtunnels aus der Nazi-Zeit. Heute ist dort eine KZ-Gedenkst\u00e4tte untergebracht. (Foto: Uwe Jau\u00df)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Auf zwei Ebenen wurden darin Maschinen aufgestellt. 1944 und 1945 mussten KZ-Arbeiter in den R\u00f6hren Teile f\u00fcr den D\u00fcsenj\u00e4ger ME 262 herstellen, eine von Adolf Hitlers so genannten Wunderwaffen.<\/p>\n<p>Eine weitere Unmenschlichkeit der Nazis<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Zw\u00f6lfstundenschichten sieben Tage die Woche. Dr\u00f6hnender Maschinenl\u00e4rm in den R\u00f6hren, wenig zu essen, d\u00fcnne Kleidung bei niedrigen Tunnel-Temperaturen. Eine weitere Unmenschlichkeit der Nazis. Fast 400 der Zwangsarbeiter starben.\u00a0 Heute erinnert eine Gedenkst\u00e4tte am alten S\u00fcdportal an Verbrechen und Elend. Ansonsten ist der erste Tunnel weitgehend verf\u00fcllt worden. Es bestand die Furcht, er k\u00f6nne ansonsten zusammenbrechen.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Nun hat die Nazi-Zeit nichts mit dem neu gebauten Tunnel von 1999 zu tun. Unmenschlichkeit ist auch eine ganz andere Kategorie wie aufquellende Mineralien, Unf\u00e4lle und Staus \u2013 keine Frage. Wer sich aber mit der Durchl\u00f6cherung des Engelbergs besch\u00e4ftigt, st\u00f6\u00dft automatisch auf das Elend im Zweiten Weltkrieg. Es verd\u00fcstert den Ruf des Verkehrswegs zus\u00e4tzlich.<\/p>\n<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Da l\u00e4sst sich trefflich sinnieren, weshalb der Berg nach Engeln benannt ist. Himmlische Wesen scheinen hier unpassend zu sein. Tats\u00e4chlich lautete sein Name bis vor einigen hundert Jahren auch mal anders: Endelberg. Dies hat mit der Geografie zu tun. Die Kuppe bildet den Schluss des weiter oben beschrieben, von Stuttgart herf\u00fchrenden H\u00f6henzugs. Endelberg bedeutet nichts anderes als Endberg. Was vielleicht treffender ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Schon wieder eine Hiobsbotschaft vom Engelbergtunnel. 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