{"id":875474,"date":"2026-03-17T12:29:14","date_gmt":"2026-03-17T12:29:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/875474\/"},"modified":"2026-03-17T12:29:14","modified_gmt":"2026-03-17T12:29:14","slug":"wendepunkt-im-ukraine-krieg-der-freitag","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/875474\/","title":{"rendered":"Wendepunkt im Ukraine-Krieg? \u2014 der Freitag"},"content":{"rendered":"<p class=\"bc-article-intro__text u-hyphens\">Die Aufhebung der amerikanischen Sanktionen gegen den russischen \u00d6lhandel wird in Europa nur verhalten aufgenommen. Aber auch in Moskau knallen nicht die Sektkorken. Warum?<\/p>\n<p>        US-Pr\u00e4sident Trump lockert \u00fcberraschend die Sanktionen gegen Russland<\/p>\n<p>Foto: Roberto Schmidt\/Getty Images<\/p>\n<p>Moskau hat schon manchen entt\u00e4uscht. Diesmal trifft es jene, die erwartet hatten, aus dem Kreml werde das Knallen von Sektkorken erklingen, weil Donald Trump die <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/us-sanktionen-russland-oel-100.html\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Sanktionen gegen den russischen \u00d6lhandel<\/a> zeitweilig aufgehoben hat.<\/p>\n<p>Doch eher n\u00fcchtern als enthusiastisch hat <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/internationales\/die-ganze-realitat-hat-sich-verandert-kreml-bereitet-offenbar-weitergehende-forderung-an-ukraine-und-nato-vor-15347286.html\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Pr\u00e4sidentensprecher Dmitrij Peskow<\/a> die am 12. M\u00e4rz verk\u00fcndete Ma\u00dfnahme kommentiert. Dies bedeute, so Peskow \u201ezus\u00e4tzliche Erl\u00f6se f\u00fcr unsere \u00d6lgesellschaften\u201c und damit auch \u201eerh\u00f6hte Einnahmen f\u00fcr das Budget\u201c. <\/p>\n<p>Nach russischen Sch\u00e4tzungen sind 100 Millionen Barrel \u00d6l betroffen <\/p>\n<p>Dahinter stehen bemerkenswerte Zahlen. Nach Daten des finnischen Forschungsinstitutes Center for Research on Energy and Clean Air konnte Russland bis Mitte M\u00e4rz zus\u00e4tzliche 625 Millionen Euro aus dem Export von \u00d6l erzielen. Die Financial Times kommt durch eigene Berechnungen auf weit h\u00f6here Zahlen. Demnach belaufen sich Russlands Einnahmen aus \u00d6lverk\u00e4ufen nach Kriegsbeginn auf t\u00e4glich bis zu 150 Millionen US-Dollar. <\/p>\n<p>Die Moskauer Zeitung Kommersant merkt skeptisch an, der Sanktionserlass betr\u00e4fe nur \u00d6l und \u00d6lprodukte, die sich bereits auf Schiffen bef\u00e4nden. Und er gelte ohnehin nur bis zum 11. April. Neue Lieferungen hingegen seien nach wie vor von Sanktionen betroffen. Nach Einsch\u00e4tzungen des Pr\u00e4sidentenberaters Kirill Dmitrjiew betrifft die Aufhebung des Embargos insgesamt 100 Millionen Barrel russisches \u00d6l, das sich derzeit auf Transportwegen befinde.<\/p>\n<p>Dmitrijew w\u00e4re nicht in seiner Position, wenn er die partielle Sanktionsaufhebung nicht zu einem Seitenhieb gegen die Ukraine nutzen w\u00fcrde. Selenskyj, mache sich nun offenbar Sorgen, dass die Europ\u00e4er wieder russisches \u00d6l kaufen w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Der ukrainische Staatschef, verstehe ausgezeichnet, \u201edass die Aufhebung des Boykotts gegen russisches \u00d6l und schlie\u00dflich auch Gas durch die EU ein Schritt weg vom Krieg, weg von der unbedachten Unterst\u00fctzung der Ukraine\u201c w\u00e4re. Je schw\u00e4cher die Sanktionen, so Dmitrjews Logik, desto schw\u00e4cher werde die Position der ukrainischen F\u00fchrung <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/@@search?SearchableText=+Dmitrij+Peskow+\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">in den laufenden Verhandlungen<\/a>. <\/p>\n<p>US-Beamte betonen, die teilweise R\u00fccknahme der \u00d6lsanktionen sei nur eine tempor\u00e4re Ma\u00dfnahme<\/p>\n<p>\u00c4hnlich argumentiert der au\u00dfenpolitische Kommentator des popul\u00e4ren Blattes Moskowskij Komsomolez, Michail Rostowskij. W\u00fcrde bei den Sanktionen nachgegeben, diene das \u201enicht nur der Stabilisierung der Lage auf den Weltm\u00e4rkten, es gibt auch dem Kiewer Staatschef einen Impuls, \u201aelastischer\u2018 zu werden\u201c.<\/p>\n<p>Ma\u00dfgeblicher Grund f\u00fcr die USA zu den j\u00fcngsten Schritten war der sprunghafte Preisanstieg durch den Iran-Krieg, nicht das Bem\u00fchen, Russlands Position gegen\u00fcber der Ukraine zu st\u00e4rken. Der Kommersant bemerkt dazu, leitende US-Beamte etwa des Finanzministeriums h\u00e4tten betont, die teilweise R\u00fccknahme der \u00d6l-Sanktionen sei nur eine tempor\u00e4re Ma\u00dfnahme, \u201ewelche die Einnahmen Russlands durch den \u00d6l-Export nicht wesentlich erh\u00f6hen soll\u201c. <\/p>\n<p>Iwan Timofejew vom Russischen Rat f\u00fcr Internationale Fragen empfiehlt denn auch, die US-Entscheidung nicht \u00fcberzubewerten. Trotzdem nehmen staatsnahe russische Medien wie die Iswestija gen\u00fcsslich zur Kenntnis, dass der \u00fcberraschende Schritt der USA <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/lutz-herden\/die-nato-wirkt-derzeit-wie-die-erinnerung-an-eine-welt-von-gestern\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">Unbehagen bei den Europ\u00e4ern<\/a> ausl\u00f6st, die von Trump nicht einmal konsultiert wurden.<\/p>\n<p>So zitiert die Iswestija die Aussage der <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/wimalasena\/das-diplomatie-desaster-der-europaeischen-union-hat-einen-namen-kaja-kallas\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">EU-Au\u00dfenbeauftragten Kaja Kallas<\/a>, die von Trump verf\u00fcgte Milderung der \u00f6konomischen Strafma\u00dfnahmen sei \u201eein gef\u00e4hrlicher Pr\u00e4zedenzfall\u201c. Man verfolgt in Moskau mit gespannter Aufmerksamkeit die sich weitenden Bruchlinien im Westen wie Fernsehberichte \u00fcber ein Erdbeben auf einem fernen Kontinent. <\/p>\n<p>Plan \u201eKalter Anker\u201c mehr spekulativ als real <\/p>\n<p>Welche Optionen sich aus der ver\u00e4nderten Interessenlage der USA ergeben, dar\u00fcber spekulieren in j\u00fcngster Zeit russische Blogger. Dabei wird ein angeblich im Kreml <a href=\"https:\/\/www.freitag.de\/autoren\/nikita-gerasimov\/ukraine-russland-geruechte-deuten-auf-einen-im-mai-auslaufenden-krieg\" rel=\"noopener nofollow\" target=\"_blank\">kursierender Plan \u201eKalter Anker\u201c<\/a> erw\u00e4hnt, der auf einen Waffenstillstand in der Ukraine Mitte Mai und die Schaffung einer 30 Kilometer breiten Pufferzone zwischen den Kriegsparteien zielen soll.<\/p>\n<p>Doch f\u00fcr einen solchen Plan gibt es weder konkrete Indikatoren, geschweige denn eine offizielle Best\u00e4tigung. \u00c4u\u00dferungen von Wladimir Putin aus den zur\u00fcckliegenden Monaten legen eher nahe, dass er das Ziel verfolgt, die Ukraine durch massives milit\u00e4risches Vorgehen zum Nachgeben am Verhandlungstisch zu dr\u00e4ngen.<\/p>\n<p>Ein russischer Milit\u00e4rblogger mit traditionell guten Verbindungen in den Generalstab, mit dem der Autor sprach, h\u00e4lt den Plan \u201eKalter Anker\u201c f\u00fcr rein spekulativ und eine Waffenruhe im Mai f\u00fcr sehr unwahrscheinlich. Seine Begr\u00fcndung: \u201eHinter Selenskyj stehen Gro\u00dfbritannien und Frankreich, die Trump in seinen Nahost-Krieg hineinziehen will. Schon deshalb wird er keinen effektiven Druck auf Kiew aus\u00fcben.\u201c Der Krieg in der Ukraine, so der erfahrene Experte, werde daher vorerst weitergehen.<\/p>\n<p>\n    \u201c und damit auch \u201eerh\u00f6hte Einnahmen f\u00fcr das Budget\u201c. Nach russischen Sch\u00e4tzungen sind 100 Millionen Barrel \u00d6l betroffen Dahinter stehen bemerkenswerte Zahlen. Nach Daten des finnischen Forschungsinstitutes Center for Research on Energy and Clean Air konnte Russland bis Mitte M\u00e4rz zus\u00e4tzliche 625 Millionen Euro aus dem Export von \u00d6l erzielen. Die Financial Times kommt durch eigene Berechnungen auf weit h\u00f6here Zahlen. Demnach belaufen sich Russlands Einnahmen aus \u00d6lverk\u00e4ufen nach Kriegsbeginn auf t\u00e4glich bis zu 150 Millionen US-Dollar. Die Moskauer Zeitung Kommersant merkt skeptisch an, der Sanktionserlass betr\u00e4fe nur \u00d6l und \u00d6lprodukte, die sich bereits auf Schiffen bef\u00e4nden. Und er gelte ohnehin nur bis zum 11. April. Neue Lieferungen hingegen seien nach wie vor von Sanktionen betroffen. Nach Einsch\u00e4tzungen des Pr\u00e4sidentenberaters Kirill Dmitrjiew betrifft die Aufhebung des Embargos insgesamt 100 Millionen Barrel russisches \u00d6l, das sich derzeit auf Transportwegen befinde.Dmitrijew w\u00e4re nicht in seiner Position, wenn er die partielle Sanktionsaufhebung nicht zu einem Seitenhieb gegen die Ukraine nutzen w\u00fcrde. Selenskyj, mache sich nun offenbar Sorgen, dass die Europ\u00e4er wieder russisches \u00d6l kaufen w\u00fcrden.Der ukrainische Staatschef, verstehe ausgezeichnet, \u201edass die Aufhebung des Boykotts gegen russisches \u00d6l und schlie\u00dflich auch Gas durch die EU ein Schritt weg vom Krieg, weg von der unbedachten Unterst\u00fctzung der Ukraine\u201c w\u00e4re. Je schw\u00e4cher die Sanktionen, so Dmitrjews Logik, desto schw\u00e4cher werde die Position der ukrainischen F\u00fchrung in den laufenden Verhandlungen. US-Beamte betonen, die teilweise R\u00fccknahme der \u00d6lsanktionen sei nur eine tempor\u00e4re Ma\u00dfnahme\u00c4hnlich argumentiert der au\u00dfenpolitische Kommentator des popul\u00e4ren Blattes Moskowskij Komsomolez, Michail Rostowskij. W\u00fcrde bei den Sanktionen nachgegeben, diene das \u201enicht nur der Stabilisierung der Lage auf den Weltm\u00e4rkten, es gibt auch dem Kiewer Staatschef einen Impuls, \u201aelastischer\u2018 zu werden\u201c.Ma\u00dfgeblicher Grund f\u00fcr die USA zu den j\u00fcngsten Schritten war der sprunghafte Preisanstieg durch den Iran-Krieg, nicht das Bem\u00fchen, Russlands Position gegen\u00fcber der Ukraine zu st\u00e4rken. Der Kommersant bemerkt dazu, leitende US-Beamte etwa des Finanzministeriums h\u00e4tten betont, die teilweise R\u00fccknahme der \u00d6l-Sanktionen sei nur eine tempor\u00e4re Ma\u00dfnahme, \u201ewelche die Einnahmen Russlands durch den \u00d6l-Export nicht wesentlich erh\u00f6hen soll\u201c. Iwan Timofejew vom Russischen Rat f\u00fcr Internationale Fragen empfiehlt denn auch, die US-Entscheidung nicht \u00fcberzubewerten. Trotzdem nehmen staatsnahe russische Medien wie die Iswestija gen\u00fcsslich zur Kenntnis, dass der \u00fcberraschende Schritt der USA Unbehagen bei den Europ\u00e4ern ausl\u00f6st, die von Trump nicht einmal konsultiert wurden.So zitiert die Iswestija die Aussage der EU-Au\u00dfenbeauftragten Kaja Kallas, die von Trump verf\u00fcgte Milderung der \u00f6konomischen Strafma\u00dfnahmen sei \u201eein gef\u00e4hrlicher Pr\u00e4zedenzfall\u201c. Man verfolgt in Moskau mit gespannter Aufmerksamkeit die sich weitenden Bruchlinien im Westen wie Fernsehberichte \u00fcber ein Erdbeben auf einem fernen Kontinent. Plan \u201eKalter Anker\u201c mehr spekulativ als real Welche Optionen sich aus der ver\u00e4nderten Interessenlage der USA ergeben, dar\u00fcber spekulieren in j\u00fcngster Zeit russische Blogger. Dabei wird ein angeblich im Kreml kursierender Plan \u201eKalter Anker\u201c erw\u00e4hnt, der auf einen Waffenstillstand in der Ukraine Mitte Mai und die Schaffung einer 30 Kilometer breiten Pufferzone zwischen den Kriegsparteien zielen soll.Doch f\u00fcr einen solchen Plan gibt es weder konkrete Indikatoren, geschweige denn eine offizielle Best\u00e4tigung. \u00c4u\u00dferungen von Wladimir Putin aus den zur\u00fcckliegenden Monaten legen eher nahe, dass er das Ziel verfolgt, die Ukraine durch massives milit\u00e4risches Vorgehen zum Nachgeben am Verhandlungstisch zu dr\u00e4ngen.Ein russischer Milit\u00e4rblogger mit traditionell guten Verbindungen in den Generalstab, mit dem der Autor sprach, h\u00e4lt den Plan \u201eKalter Anker\u201c f\u00fcr rein spekulativ und eine Waffenruhe im Mai f\u00fcr sehr unwahrscheinlich. Seine Begr\u00fcndung: \u201eHinter Selenskyj stehen Gro\u00dfbritannien und Frankreich, die Trump in seinen Nahost-Krieg hineinziehen will. 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