{"id":87605,"date":"2025-05-06T00:08:08","date_gmt":"2025-05-06T00:08:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/87605\/"},"modified":"2025-05-06T00:08:08","modified_gmt":"2025-05-06T00:08:08","slug":"zurueck-zum-urahn-allen-lebens-experiment-vollzieht-umgebung-und-wachstum-der-ersten-zellen-nach","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/87605\/","title":{"rendered":"Zur\u00fcck zum Urahn allen Lebens &#8211; Experiment vollzieht Umgebung und Wachstum der ersten Zellen nach"},"content":{"rendered":"<p>Eisensulfide und abiotischer Wasserstoff<\/p>\n<p>\u201eDiese Minerale gelten als Schl\u00fcsselsubstanzen f\u00fcr die Entstehung des Lebens\u201c, erkl\u00e4rt das Team. \u201eDenn sie \u00e4hneln strukturell den aktiven Zentren von Proteinen und Enzymen.\u201c Die Struktur dieser Eisensulfid-Minerale k\u00f6nnte demnach dabei geholfen haben, wichtige chemische Reaktionen der ersten Zellen zu katalysieren.<\/p>\n<p>Doch das war noch nicht alles: Kurze Zeit nach Bildung der Eisensulfid-Kristalle detektierten die Forschenden auch Bl\u00e4schen molekularen Wasserstoffs an den Mini-Schloten \u2013 und damit eine weitere essenzielle Zutat f\u00fcr das erste Leben. Denn Wasserstoff ist noch heute ein wichtiger Energielieferant f\u00fcr viele anaerobe Organismen, beispielsweise der <a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/dossier\/tiefe-biosphaere-2\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Tiefen Biosph\u00e4re<\/a>.\n<\/p>\n<p>\u201eDas abiotische, vom Eisensulfid erzeugte H2 k\u00f6nnte gen\u00fcgend Energie geliefert haben, um die ersten Archaeen in hydrothermalen Umgebungen \u00fcberleben und wachsen zu lassen\u201c, erkl\u00e4ren Helmbrecht und ihre Kollegen. Daf\u00fcr nutzten diese ersten primitiven Ur-Einzeller vermutlich den einfachen und sehr urspr\u00fcnglichen Acetyl-CoA-Stoffwechselweg, der noch heute in vielen Mikroorganismen erhalten ist.<br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/c\/h\/chemicalgarden3g.jpg\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/c\/h\/chemicalgarden3g.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><a href=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/c\/h\/chemicalgarden3g.jpg\" data-lightbox=\"https:\/\/www.scinexx.de\/wp-content\/uploads\/c\/h\/chemicalgarden3g.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-300603\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/chemicalgarden3g-300x244.jpg\" alt=\"Archaeen-Wachstum\" width=\"300\" height=\"244\"  \/><\/a>Wachstum der Archaeen in N\u00e4hrl\u00f6sung (gelb) , im Urozean-Experiment (rot) und in sterilem Wasser (Wasser). \u00a9 Helmbrecht et al.\/ Nature Ecology &amp; Evolution, <a href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by\/4.0\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">CC-by 4.0<\/a>\n<\/p>\n<p>Eine Archaee als Urahn-Ersatz<\/p>\n<p>Aber reicht dies wirklich schon aus, um unter diesen kargen Urzeit-Bedingungen zu gedeihen? Um das zu testen, versetzten Helmbrecht und ihr Team ihre \u201eChemical Gardens\u201c mit einem heute lebenden, aber in vieler Hinsicht noch sehr urspr\u00fcnglichen Einzeller: Sie gaben die Archaeen-Art Methanocaldococcus jannaschii dazu. Diese an hydrothermalen Schloten vorkommende Mikrobe nutzt Wasserstoff, um Kohlendioxid (CO2) chemisch zu reduzieren und Methan zu bilden sowie Energie zu gewinnen.\n<\/p>\n<p>Das \u00fcberraschende Ergebnis: Die Archaeen gediehen unter den minimalistischen Urzeitbedingungen nur wenig schlechter als auf normalem N\u00e4hrmedium: Ihre Wachstumsrate erreichte rund 30 Prozent der normalen Bedingungen. \u201eDie Archaeen zeigten sogar exponentielles Wachstum\u201c, berichtet Helmbrecht. Das war mehr als erwartet: \u201eWir hatten zu Beginn nur mit einem leichten Wachstum gerechnet, da wir keine zus\u00e4tzlichen N\u00e4hrstoffe, Vitamine oder Spurenmetalle zum Experiment hinzugef\u00fcgt hatten\u201c, so die Forscherin.<\/p>\n<p>Dies legt nahe, dass auch die ersten Ur-Einzeller unter diesen Bedingungen wachsen konnten. Erg\u00e4nzende RNA-Analysen best\u00e4tigten, dass die Archaeen in dieser \u201ek\u00fcnstlichen Ursuppe\u201c tats\u00e4chlich den Acetyl-CoA-Stoffwechselweg f\u00fcr ihr Wachstum nutzten.\n<\/p>\n<p>\u201eKickstarter\u201c f\u00fcr das irdische Leben<\/p>\n<p>Die wasserstoffbasierte Methanogenese an Eisensulfidablagerungen urzeitlicher hydrothermaler Schlote k\u00f6nnte demnach die \u00e4lteste Form des biologischen Energiestoffwechsels und der \u201eKickstarter\u201c f\u00fcr das irdische Leben gewesen sein. \u201eUnsere Studie deutet auf eisensulfidreiche chemische G\u00e4rten als potenzielle Wiegen des Lebens hin\u201c, schreibt das Team. \u201eDiese primordialen Umgebungen k\u00f6nnten die kontinuierliche Evolution der ersten Zellen erm\u00f6glicht haben.\u201c\n<\/p>\n<p>Das bedeutet: Der Urahn allen Lebens lebte vor rund vier Milliarden Jahren vermutlich dort, wo hydrothermale Schlote sulfidreiche, hei\u00dfe Fl\u00fcssigkeit in den eisenreichen Urozean freisetzten. Dies best\u00e4tigt fr\u00fchere Annahmen zu wei\u00dfen oder schwarzen Rauchern als primordialen Oasen des Lebens \u2013 und k\u00f6nnte erkl\u00e4ren, warum potenzielle Mikrofossilien fr\u00fcher Zellen oft in Ablagerungen von Eisensulfidmineralien gefunden wurden.\n<\/p>\n<p>Relevant auch f\u00fcr die Suche nach au\u00dferirdischem Leben<\/p>\n<p>Die Ergebnisse des Experiments liefern aber auch neue Erkenntnisse dar\u00fcber, wo sich au\u00dferirdisches Leben finden k\u00f6nnte. Denn auch auf anderen Planeten oder Monden k\u00f6nnte es eisenreiche Ozeane und hydrothermale Schlote wie auf der Urerde geben. Ein vielversprechender Kandidat ist der Saturnmond Enceladus, unter dessen Eiskruste sich ein mineralreicher Ozean fl\u00fcssigen Salzwassers befindet.\n<\/p>\n<p>\u201eIn unserer n\u00e4chsten Studie werden wir die Bedingungen von Enceladus im Labor nachbilden und testen, ob Archaeen in der Lage sind, unter solchen Bedingungen zu \u00fcberleben und zu wachsen\u201c, sagt Helmbrecht. (Nature Ecology &amp; Evolution, 2025; <a href=\"https:\/\/www.nature.com\/articles\/s41559-025-02676-w\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">doi: 10.1038\/s41559-025-02676-w<\/a>)\n<\/p>\n<p>Quelle: Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t M\u00fcnchen<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n&#13;<br \/>\n&#13;\n\t<\/p>\n<p>6. Mai 2025\t&#13;<br \/>\n\t&#13;<br \/>\n\t &#8211; Nadja Podbregar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eisensulfide und abiotischer Wasserstoff \u201eDiese Minerale gelten als Schl\u00fcsselsubstanzen f\u00fcr die Entstehung des Lebens\u201c, erkl\u00e4rt das Team. \u201eDenn&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":87606,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[137],"tags":[36405,36406,29,36407,36408,30,141,232,36409,36410,13337,36411,5702],"class_list":{"0":"post-87605","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gesundheit","8":"tag-acetyl-coa","9":"tag-archaeen","10":"tag-deutschland","11":"tag-eisensulfid","12":"tag-erste-zellen","13":"tag-germany","14":"tag-gesundheit","15":"tag-health","16":"tag-hydrothermale-schlote","17":"tag-lebenswiege","18":"tag-luca","19":"tag-ursuppe","20":"tag-wasserstoff"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114457982711705427","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87605","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=87605"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87605\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/87606"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87605"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=87605"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=87605"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}