{"id":877014,"date":"2026-03-18T02:48:19","date_gmt":"2026-03-18T02:48:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/877014\/"},"modified":"2026-03-18T02:48:19","modified_gmt":"2026-03-18T02:48:19","slug":"das-verunglueckte-krisenmanagement-koennte-wegner-die-wahl-kosten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/877014\/","title":{"rendered":"Das verungl\u00fcckte Krisenmanagement k\u00f6nnte Wegner die Wahl kosten"},"content":{"rendered":"<p class=\"tspCBnp tspCBnq\">Eine Stunde Tennis \u2013 ist das ein Problem?\u00a0Ganz sicher nicht. Auch der Regierende B\u00fcrgermeister hat ein Recht auf Freizeit.\u00a0Politiker sollen Menschen bleiben, sie sollen sich auch mal erholen k\u00f6nnen, ein Buch lesen, einen Film gucken oder Sport machen, das Handy ausschalten. Was auch immer ihnen guttut, um danach wieder\u00a0frisch ans Werk zu gehen f\u00fcrs Land, f\u00fcr die Demokratie, f\u00fcr uns alle.<\/p>\n<p class=\"tspCBnp\">Es ist ein harter, unbarmherziger Job.\u00a0Und Fehler werden selten verziehen. Vor allem dann nicht, wenn man versucht, sie zu vertuschen. Im Falle von Kai Wegner ging es nie um eine Stunde Tennis. Es ging und es geht darum, dass er versucht hat, die \u00d6ffentlichkeit bewusst zu t\u00e4uschen. Und das, <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/weil-ich-einfach-den-kopf-freikriegen-wollte-kai-wegners-zweite-luge-zum-stromausfall-15343645.html?icid=in-text-link_15368153\" class=\"link link--internal\" data-gtm-class=\"article-text-link\" data-gtm-val=\"internal\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">wie Tagesspiegel-Recherchen jetzt belegen<\/a>,\u00a0mindestens zweimal.<\/p>\n<p> \u201eDen ganzen Tag am Telefon\u201c  <\/p>\n<p class=\"tspCBnp\">Drei Tage nachdem er behauptet hatte, er habe sich am Morgen des gr\u00f6\u00dften Stromausfalls der Nachkriegsgeschichte in seinem \u201eB\u00fcro zu Hause eingeschlossen\u201c und sei \u201eden ganzen Tag am Telefon\u201c gewesen, musste Wegner nach einer Recherche des RBB zugeben, dass das nicht stimmte: mittags hatte er mit seiner Lebensgef\u00e4hrtin, der Schulsenatorin Katharina G\u00fcnther-W\u00fcnsch,\u00a0eine Stunde Tennis gespielt.<\/p>\n<p class=\"tspCBnp\">Eine Stunde Sport, was ist schon dabei? Richtig. Es h\u00e4tte kein Problem f\u00fcr ihn daraus entstehen m\u00fcssen. H\u00e4tte er nur von Beginn an die Wahrheit gesagt. Stattdessen hat er tagelang den Eindruck erweckt, ganz genau \u00fcber sein Arbeitspensum an besagtem Samstag informieren zu wollen. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/checkpoint.tagesspiegel.de\/?icid=single-topic_15368153___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" class=\"tspCRo0\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Jeden Morgen ab 6 Uhr Herausgeber Lorenz Maroldt und sein Team berichten im Tagesspiegel-Newsletter Checkpoint \u00fcber Berlins Irrungen und Wirrungen. Hier kostenlos anmelden. <\/a><\/p>\n<p class=\"tspCBnp\">Er selbst hatte noch am Dienstag, einen Tag vor den Enth\u00fcllungen des RBB, zu einem Hintergrundgespr\u00e4ch eingeladen, um mit Journalisten noch einmal detailliert seinen Tagesablauf durchzugehen \u2013 ohne das Tennisspiel zu erw\u00e4hnen. Zu diesem Zeitpunkt wussten offenbar nur er und G\u00fcnther-W\u00fcnsch davon, selbst enge Mitarbeiter und die Senatskanzlei wurden\u00a0erst nach der RBB-Recherche informiert.  <\/p>\n<p class=\"tspCBnp\">Und damit begann Teil II der v\u00f6llig verungl\u00fcckten Krisenkommunikation, die Wegner am Ende die Wahl kosten k\u00f6nnte. Gerechtfertigt hat er das Match noch am selben Abend in einem Auftritt bei \u201eWelt TV\u201c mit dem Arbeitspensum: Er habe \u201eum 8.08 Uhr begonnen, die Telefonate zu f\u00fchren\u201c und z\u00e4hlte dann ganz genau auf: Er habe mit den Krisenst\u00e4ben telefoniert, mit Stromnetz Berlin, mit der Bundesregierung,\u00a0mit dem Bundeskanzleramt, mit dem Bundesinnenminister. \u201eUnd ja, dann habe ich von 13 bis 14 Uhr Tennis gespielt, weil ich einfach\u00a0den Kopf frei kriegen wollte.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/08\/file7ntvktvuoiw113b5sko6.jpeg\"   alt=\"Anke Myrrhe, stellvertretende Chefredakteurin\" width=\"767\" height=\"767\" loading=\"lazy\" class=\"tspAYip\"\/><\/p>\n<p class=\"tspC1p5\"><strong>Anke Myrrhe<\/strong> ist stellvertretende Chefredakteurin, Autorin des Berlin-Newsletters \u201eCheckpoint\u201c sowie regelm\u00e4\u00dfige Kommentatorin der politischen Lage auf Radioeins. <\/p>\n<p class=\"tspCBnp\">Doch auch das\u00a0war offenbar stark \u00fcbertrieben. Nach Tagesspiegel-Recherchen gab es vor dem Tennisspiel weder Telefonate mit Stromnetz Berlin und auch\u00a0keine Kontakte mit dem Kanzleramt\u00a0oder dem Bundesinnenministerium. Der \u201eAustausch\u201c bestand lediglich aus einem kurzen Textnachrichten-Dialog mit Innensenatorin\u00a0Iris Spranger\u00a0(SPD), einem Kontakt mit der Senatskanzlei, der zeitlich nicht n\u00e4her benannt ist, und (vier Stunden sp\u00e4ter) einem Anruf bei Wirtschaftssenatorin\u00a0Franziska Giffey\u00a0(SPD), die dem Vernehmen nach mehrfach versucht hatte, Wegner zu erreichen.<\/p>\n<p> Senatskanzlei wollte die Informationen nicht rausgeben <\/p>\n<p class=\"tspCBnp\">Kein Wunder also, dass die Senatskanzlei die Herausgabe dieser Informationen verhindern wollte. Erst ein Eilantrag des Tagesspiegels vor dem Berliner Verwaltungsgericht hat jetzt zur Freigabe der vormitt\u00e4glichen Aktivit\u00e4ten gef\u00fchrt. Die Senatskanzlei begr\u00fcndete die Geheimhaltung mit dem Hinweis, es handele sich um \u201esensible Kommunikationsabl\u00e4ufe\u201c, die \u201edie Funktionsf\u00e4higkeit der Regierung beeintr\u00e4chtigen\u201c k\u00f6nnten, wenn sie \u00f6ffentlich w\u00fcrden. <\/p>\n<p class=\"tspCBnp\">Die Funktionsf\u00e4higkeit der Regierung beeintr\u00e4chtigt hat hier wohl eher die Tatsache, dass eine Fehleinsch\u00e4tzung am Morgen des 3. Januar durch L\u00fcgen verschleiert werden sollte \u2013 und das gleich mehrfach.<\/p>\n<p>Lesen Sie auch <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/berlin\/verschweigen-und-unwahrheiten-mussen-ein-ende-haben-spd-grune-und-linke-fordern-aufklarung-von-berlins-regierungschef-kai-wegner-15368139.html?icid=topic-list_15368153___\" data-gtm-class=\"article-mzt-link\" data-hydrate-fingerprint=\"09740a54944caac75fd2c0c63fd5c5df\" 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Zu sagen: Ich habe die Lage an jenem Morgen falsch eingesch\u00e4tzt. Er h\u00e4tte die Bev\u00f6lkerung um Entschuldigung bitten k\u00f6nnen. Das h\u00e4tte Vertrauen geschaffen. Er w\u00e4hlte eine andere Spieltaktik. Auch in der Reaktion auf die neuen Erkenntnisse versucht er nun den zeitlichen Zusammenhang seiner Aussagen zu relativieren. <\/p>\n<p class=\"tspCBnp\">Auf dem Tennisplatz mag das funktionieren, in der Politik aber gilt: Man stolpert selten \u00fcber den Fehler selbst, sondern immer \u00fcber den Umgang damit. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Stunde Tennis \u2013 ist das ein Problem?\u00a0Ganz sicher nicht. 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