{"id":877123,"date":"2026-03-18T03:53:19","date_gmt":"2026-03-18T03:53:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/877123\/"},"modified":"2026-03-18T03:53:19","modified_gmt":"2026-03-18T03:53:19","slug":"stuttgarter-migranten-wenn-der-name-staendig-falsch-ausgesprochen-wird-jetzt-nehme-ich-es-mit-humor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/877123\/","title":{"rendered":"Stuttgarter Migranten: Wenn der Name st\u00e4ndig falsch ausgesprochen wird \u2013 \u201eJetzt nehme ich es mit Humor\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u00d6zdemir statt \u00d6sdemir, also Z statt stimmhaftes S \u2013 der Name des Mannes, der demn\u00e4chst Ministerpr\u00e4sident in Baden-W\u00fcrttemberg werden k\u00f6nnte, wird oft falsch ausgesprochen. Die Journalistin \u00d6zge Inan sah das k\u00fcrzlich in der Talkshow \u201eHart aber fair\u201c als Ausdruck mangelnden Respekts vor Menschen mit <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Migrationshintergrund\" title=\"Migrationshintergrund\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Migrationshintergrund<\/a>. <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.gastarbeiter-in-deutschland-cem-oezdemir-anatolischer-schwabe-und-wohl-bald-mp.2209103f-a3aa-491f-8c1b-8021d083fd79.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Cem \u00d6zdemir selbst scheint es weniger zu st\u00f6ren.<\/a> Er bezeichnet seinen Namen teils selbstironisch als \u201e\u00d6tzelbr\u00f6tzel\u201c.<\/p>\n<p>Aber wie sehen Stuttgarter das Thema, deren Name h\u00e4ufig falsch ausgesprochen wird? Korrigieren sie ihr Gegen\u00fcber \u2013 oder lachen sie dar\u00fcber? Vier Betroffene erz\u00e4hlen. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/media.media.3e03855f-73b9-4924-8195-7c6de4982eca.original1024.media.jpeg\"\/>     \u201eManchmal ist es schwer, sich selbst zu erkennen\u201c, sagt Sophie Honor\u00e9, die aus Frankreich kommt.    Foto: Mikhail Balashov    <\/p>\n<p>Sophie Honor\u00e9 kommt urspr\u00fcnglich aus Frankreich. In Deutschland ist sie seit mehr als zehn Jahren, in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a> wohnt sie seit anderthalb. Sie macht oft die Erfahrung, dass Leute ihren Namen falsch aussprechen. \u201eDas passiert h\u00e4ufig bei Menschen, die mich nicht kennen, zum Beispiel beim Arzt im Warteraum\u201c, berichtet die 32-J\u00e4hrige. \u201eAm Anfang ist es manchmal schwer, sich selbst zu erkennen, wenn man gerufen wird.\u201c <\/p>\n<p>Zu Beginn habe sie sich immer bem\u00fcht, die Menschen zu korrigieren. Die h\u00e4ufigsten Fehler, die Menschen bei der Aussprache ihres Namens machen, seien das \u201eH\u201c mitzusprechen und den Akzent auf dem \u201eE\u201c zu ignorieren. Klingen w\u00fcrde das dann wie \u201eHonore\u201c anstatt \u201eOnoree\u201c. Mittlerweile sei ihr das aber weitgehend egal und sie verbessere die Leute nur noch, wenn sie \u00f6fter mit ihnen zu tun habe, sagt die Mitarbeiterin der Gesch\u00e4ftsstelle des Landesverbands (post-)migrantischer Organisationen Baden-W\u00fcrttembergs. \u201eJetzt nehme ich das mit Humor.\u201c <\/p>\n<p>Da viele Menschen in der Schule Franz\u00f6sisch lernen, gibt es einige, die Sophie Honor\u00e9s Namen korrekt aussprechen. \u201eDas ist nat\u00fcrlich sch\u00f6n und es f\u00e4llt mir auf, wenn das direkt gut ausgesprochen wird\u201c, sagt die Franz\u00f6sin. <\/p>\n<p> <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.aktionswochen-gegen-rassismus-in-stuttgart-wir-sind-eine-nation-mensch.c76ce82e-d523-4169-8c80-3ce9ffa87945.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Amina Ousman-Daouda hat \u00e4hnliche Erfahrungen gemacht. Die Leute seien bei ihrem Namen vor allem wegen des \u201eOs\u201c irritiert.<\/a> Dabei wird das gar nicht ausgesprochen. \u201eUsman Dauda\u201c lautet die korrekte Aussprache. \u201eViele Leute sagen es ganz langsam oder versuchen es auch nur mit dem ersten Namen und brechen dann ab, in der Hoffnung, dass ich sage, wie man ihn richtig ausspricht\u201c, erz\u00e4hlt die 34-J\u00e4hrige. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/media.media.93f1cd14-fb57-4d04-ae9b-f8010a280bc5.original1024.media.jpeg\"\/>     Amina Ousman-Daouda hat die Erfahrung gemacht, dass vor allem Menschen aus muslimischen L\u00e4ndern ihren Namen korrekt aussprechen.    Foto: Cora Mishale Altuner    <\/p>\n<p>Ihr ist aufgefallen, dass Menschen aus muslimischen L\u00e4ndern kein Problem mit dem Namen haben. Das liege daran, dass \u201eOusman\u201c dort ein g\u00e4ngiger Vorname sei. Der Ursprung ihres Nachnamens liegt ebenfalls in dieser Region, ihr Vater stammt aus dem westafrikanischen Staat Niger. <\/p>\n<p>Amina Ousman-Daouda ist es wichtig, dass ihr Name im beruflichen und professionellen Kontext richtig ausgesprochen wird. Hier verbessert sie die Aussprache dann auch. Die Co-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin und k\u00fcnstlerische Co-Leiterin des Kultur-Kabinetts Stuttgart kann es aber auch nachvollziehen, wenn viele dies nicht tun, \u201eum Ressourcen zu schonen und Energie zu sparen\u201c. <\/p>\n<p> Korrekte Aussprache hat \u201eetwas mit Wertsch\u00e4tzung zu tun\u201c <\/p>\n<p>F\u00fcr sie habe die korrekte Aussprache ihres Namens allerdings \u201eauch etwas mit Wertsch\u00e4tzung zu tun\u201c und wenn andere Leute nicht darauf achten w\u00fcrden, f\u00fchle man sich leicht abgewertet. <\/p>\n<p>Vor allem mit dem zweiten Nachnamen h\u00e4tten die meisten Menschen Probleme. Amina Ousman-Daouda hat schon die unterschiedlichsten Varianten geh\u00f6rt, wie etwa Duda oder Dadu. Manchmal w\u00fcrden sogar zus\u00e4tzliche Buchstaben eingef\u00fcgt. Ihren Namen m\u00fcsse sie ohnehin jedes Mal buchstabieren. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/media.media.2423a93e-c96d-4fc9-9bd5-e87890c4ceed.original1024.media.jpeg\"\/>     F\u00fcr Freweini Tzeggai ist es normal, dass sie ihren Namen immer buchstabieren muss.    Foto: Forum der Kulturen    <\/p>\n<p>Die Familie von Freweini Tzeggai kommt aus Eritrea, sie selbst ist aber in Stuttgart geboren und aufgewachsen. Dass ihr Name falsch ausgesprochen wird, komme recht h\u00e4ufig vor, vor allem wenn die Leute ihn zum ersten Mal sehen. <\/p>\n<p>Dabei wird ihr Vorname mit einem englischen Einschlag ausgesprochen, also das erste \u201eE\u201c wie ein \u201eI\u201c und das \u201eEi\u201c eher wie \u201eAi\u201c. Beim Nachnamen wird das \u201eTz\u201c zu einem \u201eZ\u201c. Der 41-J\u00e4hrigen ist es auch schon passiert, dass sie in E-Mails f\u00fcr einen Mann gehalten wurde. Das sei nicht so tragisch, aber es falle ihr auf, wer sich die M\u00fche macht, den Namen kurz nachzuschauen \u2013 und wer nicht. <\/p>\n<p> Mehr Verst\u00e4ndnis f\u00fcreinander  <\/p>\n<p>Freweini Tzeggai ist sich bewusst, dass sie keinen gew\u00f6hnlichen Namen hat. \u201eDeswegen sehe ich das \u00fcberhaupt nicht negativ oder dass ich mich dar\u00fcber emp\u00f6ren muss, wenn jemand meinen Namen falsch ausspricht\u201c, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.25-jahre-forum-der-kulturen-in-stuttgart-teamarbeit-gegen-klassismus.ec2ad0ae-07ce-4b44-b9ff-d4a98579e2ed.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">sagt die Mitarbeiterin des Forums der Kulturen.<\/a> \u201eDas passiert mir manchmal bei anderen Namen auch und da w\u00fcnsche ich mir dann auch Verst\u00e4ndnis. Deswegen bringe ich den Leuten auch immer Verst\u00e4ndnis entgegen\u201c. <\/p>\n<p>F\u00fcr sie sei es schon fast zur Gewohnheit geworden, dass sie ihren Namen buchstabieren muss, auf die richtige Aussprache weist sie immer hin. Viele Leute w\u00fcrden ihn aussprechen, wie er geschrieben wird. Eine Situation ist Freweini Tzeggai ganz besonders im Ged\u00e4chtnis geblieben. Als sie in \u00d6sterreich war, habe man ihren Nachnamen dort \u201eTscheggai\u201c ausgesprochen. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/media.media.cfa3f7e2-35f5-4820-a075-1f9a7c93e733.original1024.media.jpeg\"\/>     Daniel Michalos ist in Deutschland geboren und in Griechenland aufgewachsen. Vor allem mit den \u201ech\u201c haben die Leute bei seinem Namen Probleme.    Foto: Forum der Kulturen    <\/p>\n<p>Auch wenn der griechische Name von Daniel Michalos auf den ersten Blick nicht schwierig auszusprechen scheint, passiert es dennoch jedes Mal, wie er sagt. Das liegt an dem griechischen \u201eCh\u201c, das \u201esehr weit hinten am Rachen ist\u201c. Der h\u00e4ufigste Fehler, den Menschen machen, sei aber die Betonung. Richtig ist es, das \u201eOs\u201c zu betonen. \u201eWenn ich ihn dann vorsage, merke ich, wie schwierig das ist\u201c, sagt der 49-J\u00e4hrige.<\/p>\n<p>Was Daniel Michalos aufgefallen ist: dass sich je nach Herkunftsland die Leute mehr oder weniger M\u00fche machen, Namen richtig auszusprechen. Bei spanischen und franz\u00f6sischen Namen werde mehr darauf geachtet, sagt Michalos. Bei nordeurop\u00e4ischen Namen w\u00fcrden sich die Menschen sogar sehr viel M\u00fche geben, bei s\u00fcd-, s\u00fcdost-, oder osteurop\u00e4ischen Namen oder bei Namen von au\u00dferhalb Europas w\u00fcrden sich die Menschen keine M\u00fche geben. <\/p>\n<p>Ihn st\u00f6rt es im professionellen Umfeld, wenn sein Name falsch ausgesprochen wird. Bei der Arbeit beispielsweise weist er auf die korrekte Aussprache hin. Im privaten Kontext ist das kein Thema, die Menschen w\u00fcrden ihn ohnehin nicht mit dem Nachnamen ansprechen. <\/p>\n<p>Auch Daniel Michalos hat schon die unterschiedlichsten Varianten seines Namens geh\u00f6rt \u2013 vom Hinzuf\u00fcgen eines \u201eEs\u201c \u00fcber \u201eMichaelis\u201c bis hin zu \u201eMichalof\u201c.<\/p>\n<p> <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.aktionswochen-gegen-rassismus-grosses-interesse-von-schulen-an-anti-rassismusprogramm.87a90e6b-650b-48f2-8281-4a4bfebaf6ea.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Der Mitarbeiter des Forums der Kulturen<\/a> ist in Deutschland geboren und in Thessaloniki aufgewachsen. Seinen Vornamen k\u00f6nne man auf drei verschiedene Arten aussprechen: neben der deutschen Variante gibt es in Griechenland zwei M\u00f6glichkeiten. Die eine Version klingt wie \u201eDaniel\u201c, aber franz\u00f6sisch ausgesprochen, die andere wie \u201eDanil\u201c, das \u201eE\u201c wird hier nicht gesprochen.<\/p>\n<p> Kein Gef\u00fchl von <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Diskriminierung\" title=\"Diskriminierung\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Diskriminierung<\/a> wegen falscher Aussprache <\/p>\n<p>Wenn Daniel Michalos in Griechenland ist, muss er seinen Namen nie buchstabieren, im Gegensatz zu Deutschland. Das ist f\u00fcr ihn eine Erleichterung. \u201eDie Menschen in Griechenland schreiben den Namen auf und wissen, was gemeint ist. Sie wissen wie es geschrieben wird und m\u00fcssen nicht nachfragen\u201c, erz\u00e4hlt er. \u201eDort merke ich, dass es ein St\u00fcck weit befreiend ist, nicht zu erkl\u00e4ren, wie der Name geschrieben wird\u201c.<\/p>\n<p>Generell f\u00fchlt sich keiner der vier Betroffenen diskriminiert, wenn der Name falsch ausgesprochen wird. Vielmehr ist es f\u00fcr sie zur Gewohnheit geworden, ihn zu buchstabieren oder auf die korrekte Aussprache aufmerksam zu machen. Wenn es aber auch nach mehrfachem Daraufhinweisen vorkommt, erzeuge das ein ungutes Gef\u00fchl und \u00e4rgere sie, weil es an Ignoranz grenze. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u00d6zdemir statt \u00d6sdemir, also Z statt stimmhaftes S \u2013 der Name des Mannes, der demn\u00e4chst Ministerpr\u00e4sident in Baden-W\u00fcrttemberg&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":877124,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1830],"tags":[1634,51,3364,29,2650,193632,81649,30,7224,87461,193631,1441,85897],"class_list":["post-877123","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-stuttgart","tag-baden-wuerttemberg","tag-cem-oezdemir","tag-de","tag-deutschland","tag-diskriminierung","tag-erfahrungen-von-vier-betroffene","tag-forum-der-kulturen","tag-germany","tag-migranten","tag-migrationshintergrund","tag-name-falsch-aussprechen","tag-stuttgart","tag-textmanager"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116248157079435837","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/877123","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=877123"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/877123\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/877124"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=877123"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=877123"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=877123"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}