{"id":87740,"date":"2025-05-06T01:23:30","date_gmt":"2025-05-06T01:23:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/87740\/"},"modified":"2025-05-06T01:23:30","modified_gmt":"2025-05-06T01:23:30","slug":"architektur-koalitionsverhandlungen-meuterei-familienkrach-team-meetings-liebeserklaerungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/87740\/","title":{"rendered":"Architektur: Koalitionsverhandlungen, Meuterei, Familienkrach, Team-Meetings, Liebeserkl\u00e4rungen"},"content":{"rendered":"<p>            Koalitionsverhandlungen, Meuterei, Familienkrach, Team-Meetings,  Liebeserkl\u00e4rungen \u2013 Seite 1<\/p>\n<p>    <a class=\"volume-teaser__link\" href=\"https:\/\/abo.zeit.de\/zeit-wissen-testen\/?icode=01w0296k0230Angdisint2301&amp;utm_campaign=wall_abo&amp;utm_content=premium_packshot_cover_ztwi&amp;utm_medium=fix&amp;utm_source=zeitde_zonpme_int&amp;wt_zmc=fix.int.zonpme.zeitde.wall_abo.premium.packshot.cover.ztwi\" title=\"Zur Ausgabe 03\/2025\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>                <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"volume-teaser__media-item volume-teaser__media-item--portrait\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/05\/original__98x119.png\" alt=\"\" width=\"98\" height=\"120\"\/><\/p>\n<p>        Dieser Artikel stammt aus ZEIT WISSEN Nr. 03\/2025<\/p>\n<p>            Ausgabe entdecken<\/p>\n<p>    <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Als die Abgeordneten des Deutschen Bundestags endlich ihre neuen B\u00fcros in Berlin neben dem Reichstag beziehen konnten, durften die Architekten sich mal selbst loben. F\u00fcnf renommierte Architekturb\u00fcros waren beteiligt, 53.000 Quadratmeter, <a href=\"https:\/\/www.bbr.bund.de\/BBR\/DE\/Bauprojekte\/Berlin\/Politik\/deutscher-bundestag\/jakob-kaiser-haus\/jakobkaiserhaus.html\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">600 Millionen Euro<\/a>, vier Jahre Bauzeit. Fertig! <a href=\"http:\/\/www.pgd-berlin.de\/usicht.htm\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">In der Pressemitteilung schw\u00e4rmten sie<\/a> von verglasten Hallen und offenen Treppen, vom Blick auf die Spree, von Muschelkalk und Zedernholz und den franz\u00f6sischen Fenstern (bodentief). Sie schrieben: &#8222;Die offenen Hallen schaffen innere Pl\u00e4tze und Bereiche f\u00fcr den Aufenthalt und die Kommunikation der Abgeordneten untereinander.&#8220; Und das sollen sie ja, unsere Abgeordneten: miteinander reden! Das war 2002.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Franz M\u00fcntefering, damals Fraktionsvorsitzender der SPD, lobte etwas anderes. Er hatte das Jakob-Kaiser-Haus, das eigentlich aus acht miteinander verbundenen H\u00e4usern besteht, <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/bund-der-nassen-1009456.html\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">als einer der Ersten bezogen<\/a>. Sein B\u00fcro lag in einer Ausbuchtung von Haus 2 in Richtung Spree. Im Oktober 2005 verhandelten SPD und CDU <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2005\/41\/Szenario\/komplettansicht\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">\u00fcber eine gro\u00dfe Koalition<\/a>. Das war nicht so einfach, denn Franz M\u00fcntefering hatte im Wahlkampf \u00fcber Merkel gesagt: &#8222;Die kann es nicht.&#8220; Au\u00dferdem gab es in beiden Parteien m\u00e4chtige Stimmen, die eine gro\u00dfe Koalition ablehnten. Von den Sondierungsgespr\u00e4chen sollte nichts an die \u00d6ffentlichkeit dringen. M\u00fcntefering sagte <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2005\/49\/M_9fntefering\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">Ende 2005 der ZEIT<\/a>: &#8222;Es wussten wahrscheinlich alle: Wenn einer anf\u00e4ngt zu plappern, geht das Ding hoch.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Trotzdem kamen M\u00fcntefering und Merkel miteinander ins Gespr\u00e4ch. Sie hatten eine Verb\u00fcndete: die Architektur.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Frau Merkel und ich hatten den Vorteil, dass unsere beiden B\u00fcros \u00fcbereinanderlagen&#8220;, sagte M\u00fcntefering, &#8222;ich war in der vierten, sie in der f\u00fcnften Etage. Die beiden sind \u00fcber eine Treppe verbunden, es sah also keiner, wenn wir uns besprochen haben.&#8220; Am 22. November 2005 <a href=\"https:\/\/dserver.bundestag.de\/btp\/16\/16003.pdf\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">wurde Angela Merkel als Kanzlerin vereidigt<\/a>, Franz M\u00fcntefering als Vizekanzler.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0ZEIT ONLINE<\/p>\n<p>\n                    Newsletter<\/p>\n<p>                    ZEIT Geldkurs<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Tsch\u00fcss, Finanzchaos: In acht Wochen erkl\u00e4ren wir Schritt f\u00fcr Schritt, wie Sie bessere Geldroutinen aufbauen und das mit den ETFs endlich angehen. Anschlie\u00dfend erhalten Sie unseren Geld-Newsletter mit den besten Artikeln rund um Finanzen.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Hintertreppe zwischen SPD und CDU kommt in keiner Architekturzeitschrift vor. Sie ist ziemlich profan, eine Betontreppe <a href=\"https:\/\/www.google.com\/maps\/@52.5189441,13.3786837,3a,75y,174.67h,103.6t\/data=!3m7!1e1!3m5!1sxbnfvn4K3Kpai_-mFzE31A!2e0!6shttps:%2F%2Fstreetviewpixels-pa.googleapis.com%2Fv1%2Fthumbnail%3Fcb_client%3Dmaps_sv.tactile%26w%3D900%26h%3D600%26pitch%3D-13.597910244793297%26panoid%3Dxbnfvn4K3Kpai_-mFzE31A%26yaw%3D174.67216089080884!7i16384!8i8192?entry=ttu&amp;g_ep=EgoyMDI1MDEyOS4xIKXMDSoASAFQAw%3D%3D\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">hinter einer Glasfront<\/a>. Von der Spree aus hat man den Eindruck, da musste noch ein Notausgang hin. Ihre wahre Bestimmung aber war in jenen Tagen, dass M\u00fcntefering sich eben nicht durch Vorzimmer, luftige Hallen und offene Treppen zur CDU vorarbeiten musste, sondern eine Abk\u00fcrzung von 20 Stufen nehmen konnte, die mutma\u00dflich der Brandschutzverordnung geschuldet war. Auch Friedrich Merz und der fr\u00fchere SPD-Fraktionschef Rolf M\u00fctzenich <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/deutschland\/friedrich-merz-vs-donald-trump-kann-dieser-mann-deutschlands-demokratie-retten-a-01a8fe03-9d44-4328-a7a7-61c82bbec184?\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">nutzten die Hintertreppe zuletzt f\u00fcr Pendeldiplomatie<\/a>.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Architektur sei die politischste aller K\u00fcnste, hat der 2021 verstorbene Politikwissenschaftler Klaus von Beyme gesagt. In diesem Fall ist das w\u00f6rtlich zu nehmen. Die Architektur des Abgeordnetenhauses hat gro\u00dfe Politik erm\u00f6glicht. Blo\u00df anders, als die Architekten das geplant hatten.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Wenn man genau w\u00fcsste, wie die Anordnung von W\u00e4nden, T\u00fcren, Treppen und M\u00f6beln die Kommunikation f\u00f6rdert oder die Kreativit\u00e4t befl\u00fcgelt, w\u00fcrden alle Schulen, B\u00fcros und Parlamente in offenen Gesellschaften wohl \u00e4hnlich aussehen. Aber so einfach ist es nicht. In Gro\u00dfbritannien, einer der \u00e4ltesten Demokratien der Welt, sitzen Opposition und Regierungspartei in engen Bankreihen einander konfrontativ gegen\u00fcber, und zwar in einem Abstand, der angeblich in <a href=\"https:\/\/ec.europa.eu\/programmes\/erasmus-plus\/project-result-content\/f6f82614-ca17-4ee2-8eae-258a82d3bc77\/Parliament-Buildings-FINAL.pdf\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">zwei Schwertl\u00e4ngen bemessen wurde<\/a>. Im deutschen <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/bundestag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bundestag<\/a> dagegen sitzen die Abgeordneten im Halbkreis der Regierung gegen\u00fcber, ebenso in den Parlamenten von sieben Bundesl\u00e4ndern. In neun Bundesl\u00e4ndern sind die Parlamente kreisf\u00f6rmig ausgelegt. Geht es im Vollkreis harmonischer zu als im Halbkreis? Nein.  Ist Gro\u00dfbritannien undemokratischer als Deutschland? Nein.\n<\/p>\n<p>Mehr zum Thema<\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/2025\/16\/ueberseequartier-hafencity-hamburg-architektur\" data-ct-label=\"\u00dcberseequartier: In Deckung, die T\u00fcr \u00f6ffnet sich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    \u00dcberseequartier:<br \/>\n                        In Deckung, die T\u00fcr \u00f6ffnet sich<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/zeit-magazin\/2025\/14\/david-chipperfield-architektur-gebaeude-aesthetik-trends\" data-ct-label=\"David Chipperfield: &quot;Teure Geb\u00e4ude f\u00fcr reiche Leute? Ja. Sorry \u2013 ich baue sie ja auch&quot;\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    David Chipperfield:<br \/>\n                        &#8222;Teure Geb\u00e4ude f\u00fcr reiche Leute? Ja. Sorry \u2013 ich baue sie ja auch&#8220;<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/wirtschaft\/2025-03\/wohnen-architektur-alte-haeuser-umbauen\" data-ct-label=\"Umbau vom Haus: Kann das weg? Bitte nicht!\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    Umbau vom Haus:<br \/>\n                        Kann das weg? Bitte nicht!<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Gleichwohl haben ein paar Jahrtausende H\u00e4uslebauen einige Erkenntnisse dar\u00fcber hervorgebracht, wie Architektur die Kommunikation f\u00f6rdern kann \u2013 oder behindern. Wer diese Gesetzm\u00e4\u00dfigkeiten kennt, kann durch Grundrisse, mobile W\u00e4nde und St\u00fchler\u00fccken f\u00fcr mehr Verst\u00e4ndigung sorgen. Oder Kommunikation gezielt unterbinden, so wie in Gef\u00e4ngnissen oder Gerichten, in denen nicht jeder mit jedem sprechen soll. Und wenn man nicht aufpasst, kann eine ung\u00fcnstige Raumaufteilung eine Katastrophe ausl\u00f6sen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Als das Handelsschiff HMS Bounty im Dezember 1787 von England aus in See stach, war es von der britischen Admiralit\u00e4t f\u00fcr einen besonderen Zweck umger\u00fcstet worden: Es sollte Setzlinge der Brotfrucht in Tahiti an Bord nehmen und in die britischen Kolonien verschiffen, wo man die Frucht<a href=\"https:\/\/www.deutschlandfunknova.de\/nachrichten\/kolonialisierung-wie-die-brotfrucht-in-die-karibik-kam\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\"> f\u00fcr die Verpflegung von Sklaven <\/a>kultivieren wollte. Daf\u00fcr hatten Handwerker die gro\u00dfz\u00fcgige Kapit\u00e4nskaj\u00fcte mitsamt der Bibliothek in eine Art Gew\u00e4chshaus umgewandelt, mit Oberlichtern, Ofen, Entw\u00e4sserungssystem und doppeltem Boden. 629 T\u00f6pfe fanden hier Platz, aber kein Kapit\u00e4n. Der musste mit einer fensterlosen Kabine vorliebnehmen.\n<\/p>\n<p>            Architektur als Machttechnik<\/p>\n<p>                            Manche Entscheidungen beim modernen Bauen sollen Kommunikation verhindern.                 \u00a9\u00a0Cinta Vidal<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Die Konsequenzen der Umbauten f\u00fcr das Machtgef\u00fcge an Bord der Bounty waren erheblich&#8220;, schreibt der Historiker Simon F\u00fcchtenschnieder in dem Sachbuch Meuterei im Paradies: &#8222;Normalerweise wurden die Stellung und die Autorit\u00e4t eines Kapit\u00e4ns auch r\u00e4umlich \u2013 in Form der Kapit\u00e4nskaj\u00fcte \u2013 hervorgehoben und gesch\u00fctzt.&#8220; Der Kapit\u00e4n lud die Offiziere und Offiziersanw\u00e4rter zu Besprechungen in seine Gem\u00e4cher ein. Das ging nun nicht mehr. Die 46-k\u00f6pfige Besatzung musste enger zusammenr\u00fccken. Und ausgerechnet die Kaj\u00fcte des Bootsmanns, der \u00fcblicherweise f\u00fcr Disziplin sorgte, wurde auf ein unteres Deck verlegt. St\u00fcrme, Streit und Alkohol taten ihr \u00dcbriges. Am 28. April 1789 kam es zur Meuterei auf der Bounty. &#8222;Ich wurde im Hemd an Deck gezogen, wo sich kein Mann zu meiner Rettung fand&#8220;, notierte Kapit\u00e4n William Bligh in sein Logbuch.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das war halt ein Schiff, k\u00f6nnte man einwenden. Aber Schiffe sind gar nicht so anders als H\u00e4user, wenn es um die Raumordnung der Macht geht. Wer thront in den gr\u00f6\u00dften und h\u00f6chsten B\u00fcros vieler Konzernzentralen? Der Vorstand. Wo tagt der Rat der Europ\u00e4ischen Zentralbank (EZB)? <a href=\"https:\/\/www.ecb.europa.eu\/ecb-and-you\/visits\/premises\/pdf\/New-ECB-Premises-Fact-sheet-DE.pdf\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">In der obersten B\u00fcroetage<\/a> des Frankfurter EZB-Turms. Wer nutzt <a href=\"https:\/\/www.britannica.com\/topic\/Trump-Tower\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">die obersten drei Stockwerke des Trump Tower<\/a> in New York? K\u00e4pt\u2019n Trump. In solchen H\u00e4usern ist die herrschende Klasse buchst\u00e4blich von den unteren Schichten getrennt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Architektur ist kein neutraler Ort, an dem Macht ausge\u00fcbt wird. <a href=\"https:\/\/www.bda-bund.de\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/Schwarte_BefreiungArchitektur.pdf\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">Sie ist selbst eine Machttechnik<\/a>. Dieser Gedanke geht auf den franz\u00f6sischen Philosophen Michel Foucault zur\u00fcck. <a href=\"https:\/\/verbund-dut.de\/einblicke\/marian-herzog-und-apl-prof-dr-alexander-thumfart-von-heissen-kartoffeln-und-einem-panoptikum-die-logiken-von-ueberwachung-und-ungewissheit\/\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">Er schrieb 1975<\/a> in \u00dcberwachen und Strafen: &#8222;Das Prinzip der Macht liegt weniger in einer Person als vielmehr in einer konzentrierten Anordnung von K\u00f6rpern, Oberfl\u00e4chen, Lichtern und Blicken.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Als Paradebeispiel diente Foucault das vermeintlich perfekte Gef\u00e4ngnis, das der englische Philosoph und Sozialreformer Jeremy Bentham Ende des 18. Jahrhunderts ersonnen hatte: Das Geb\u00e4ude ist rund, und die nach innen offenen Gef\u00e4ngniszellen sind auf mehreren Etagen um den ebenfalls runden Innenhof angeordnet wie die Felder im Rouletterad. Im Zentrum des Hofs befindet sich ein Wachturm. Von hier aus k\u00f6nnen die W\u00e4rter jede Zelle einsehen. Die Insassen wissen nicht, wann sie beobachtet werden, m\u00fcssen aber jederzeit damit rechnen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Allein das Gef\u00fchl, \u00fcberwacht zu werden, f\u00fchre zur Selbstdisziplin und zur Besserung, <a href=\"https:\/\/www.matthes-seitz-berlin.de\/buch\/das-panoptikum.html\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">glaubte Bentham<\/a>. &#8222;Panoptikum&#8220; nannte er seine Big-Brother-Architektur (Argos Panoptes war in der griechischen Mythologie ein allsehender W\u00e4chter mit vielen Augen). <a href=\"https:\/\/www.injusticewatch.org\/criminal-courts\/illinois-prisons\/2020\/stateville-roundhouse-covid\/\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">In den USA<\/a> und <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/presidio-modelo-ueberwachung-in-kubas-rundem-modellgefaengnis-a-1183049.html\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">auf Kuba<\/a> wurden in den 1920er-Jahren derartige Gef\u00e4ngnisse errichtet. Sie gelten heute als Mahnmale f\u00fcr inhumanen Strafvollzug. Das Panoptikum lebt nur noch als Metapher f\u00fcr die totale \u00dcberwachung fort.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das Gegenteil der \u00dcberwachungsanstalt ist die nicht hierarchische, kommunikationsf\u00f6rdernde Architektur. Das Vorbild stammt aus der Renaissance und steht nordwestlich von Venedig: In der Villa Rotonda aus dem 16. Jahrhundert waren die R\u00e4ume symmetrisch um einen Kuppelsaal, die Rotunde, angeordnet. Von jedem der acht umliegenden Zimmer aus f\u00fchrte ein Durchgang zum jeweiligen Nachbarzimmer sowie zu einem von vier kurzen Fluren, die wiederum im Kuppelsaal m\u00fcndeten. &#8222;Der Grundriss machte keinen Unterschied zwischen den Durchgangsbereichen des Hauses und den bewohnten R\u00e4umen&#8220;, schreibt die Architektursoziologin <a href=\"https:\/\/profiles.ucl.ac.uk\/10575-kerstin-sailer\/about\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">Kerstin Sailer<\/a> vom University College London <a href=\"https:\/\/spaceandorganisation.org\/2014\/09\/30\/figures-doors-and-passages-revisited-or-does-your-office-allow-for-sociality\/\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">in ihrem Blog<\/a>. &#8222;Die Villa war durchl\u00e4ssig und bot zahlreiche Bewegungsm\u00f6glichkeiten. Die Wege der Bewohner kreuzten sich st\u00e4ndig.&#8220; \u00dcberall konnte man zwischen T\u00fcr und Angel ins Gespr\u00e4ch kommen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Einem \u00e4hnlichen Grundprinzip folgt das Restaurant <a href=\"https:\/\/grillroyal.com\/\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">Grill Royal in Berlin<\/a>, in dem oft Prominente und Abgeordnete zu sehen sind. Die Lehnen sind niedrig gehalten und erlauben es, quer durch den Raum zu sp\u00e4hen. Die Freir\u00e4ume zwischen den Tischen und Sitzecken bilden ein verzweigtes Netz aus Mini-Boulevards. Viele Wege f\u00fchren zum WC. Man kann anderen Menschen bewusst zuf\u00e4llig in die Arme laufen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Ganz anders die Wohnungen, <a href=\"https:\/\/spaceandorganisation.org\/2014\/09\/30\/figures-doors-and-passages-revisited-or-does-your-office-allow-for-sociality\/\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">die im 19. Jahrhundert in England und Deutschland<\/a> popul\u00e4r wurden. Sie hatten nun einen zus\u00e4tzlichen &#8222;Raum&#8220;: den Korridor. Bewegen und Wohnen wurden getrennt. Man bewegte sich im Flur und verharrte im Zimmer. Die Zimmer waren keine Durchgangsr\u00e4ume mehr, sondern Sackgassen und R\u00fcckzugsorte, in denen man seine Ruhe hatte. Kerstin Sailer: &#8222;Grundrisse mit langen Korridoren sind typisch f\u00fcr eine Architektur und eine Gesellschaft, die Begegnungen vermeiden will.&#8220;\n<\/p>\n<p>            Es kommt auf Details an<\/p>\n<p>                            Die Architektur kann entscheidend sein f\u00fcr die Art des Zusammenlebens oder das Arbeiten in B\u00fcros.                 \u00a9\u00a0Cinta Vidal<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Das gilt auch f\u00fcr die Einfamilienh\u00e4user aus den F\u00fcnfziger- und Sechzigerjahren. &#8222;Der Eingang liegt so, dass der Hausherr sein Arbeitszimmer \u00fcber den Flur direkt aus der Garage betreten kann, ohne am h\u00e4uslichen Geschehen vorbeizukommen&#8220;, sagte der Architekt Jan Engelke unl\u00e4ngst der S\u00fcddeutschen Zeitung. Engelke leitet eine Forschungsgruppe zur Architektur des 21. Jahrhunderts an der Technischen Universit\u00e4t M\u00fcnchen. &#8222;Die Hausfrau dagegen hat kein eigenes Zimmer, und die K\u00fcche ist sehr klein, darauf ausgerichtet, dass dort eine Person allein arbeitet.&#8220; Der Urtypus dieser hochfunktionalen K\u00fcche ist <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/41pyty0-lgs\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">die &#8222;Frankfurter K\u00fcche&#8220;,<\/a> entwickelt 1926 im Bauprogramm Neues Frankfurt. Der Grundriss bilde Geschlechterrollen ab, sagte Engelke. Sein Fazit: &#8222;Das Einfamilienhaus ist eine sexistische Wohnform.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die K\u00fcche muss in der Architektur des Gespr\u00e4chs viel Verantwortung \u00fcbernehmen. Sie ist in vielen Neubauten heute <a href=\"https:\/\/www.taylorfrancis.com\/chapters\/edit\/10.4324\/9781003494072-13\/modern-kitchen-social-economic-technological-tool-david-arredondo-garrido\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">gr\u00f6\u00dfer als damals.<\/a> Und offener. Hier trifft man sich am K\u00fchlschrank. Hier ist das Lagerfeuer. Hier wird geredet. Hier tagt das Familien- oder WG-Parlament. Ist jetzt alles gut?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Es gibt nicht gut oder schlecht&#8220;, sagt die Architektursoziologin Kerstin Sailer. Es gibt Bed\u00fcrfnisse, die sich im Laufe eines Lebens und im Laufe der Zeit ver\u00e4ndern. Dar\u00fcber sollte man sich verst\u00e4ndigen, bevor man eine Wohnung anmietet, ein Haus baut oder eine WG gr\u00fcndet. Wie gut ist die K\u00fcche erreichbar? Wer kommt bei welcher Gelegenheit an ihr vorbei? Welche Esskulturen und Ger\u00fcche mischen sich hier? Eine Patchworkfamilie bevorzugt vielleicht eine offene K\u00fcche. Eine WG m\u00f6chte wom\u00f6glich nicht jeden Geruch vergemeinschaften. Manchmal \u00e4ndern sich die W\u00fcnsche schneller als die W\u00e4nde. Vor der Pandemie waren offene Grundrisse angesagt, in denen Wohnen, Essen und Kochen ineinander \u00fcbergingen. In der Pandemie brauchten B\u00fcromenschen pl\u00f6tzlich ein ruhiges Arbeitszimmer f\u00fcr Videokonferenzen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Kerstin Sailer hat die Analyse historischer Wohnungsgrundrisse weiterentwickelt und auf B\u00fcros \u00fcbertragen. &#8222;Wenn wir mehr Zusammenarbeit erm\u00f6glichen wollen, sollten wir vielleicht zu den Renaissance-Ideen von Geselligkeit und sich kreuzenden Wegen zur\u00fcckkehren&#8220;, sagt sie. Die pauschale Gegen\u00fcberstellung von Gro\u00dfraumb\u00fcros und Einzelb\u00fcros h\u00e4lt sie dabei allerdings f\u00fcr wenig hilfreich.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Auf den ersten Blick scheint die Sache klar: Gro\u00dfraumb\u00fcros erschweren konzentriertes Arbeiten und f\u00f6rdern Gespr\u00e4che, weil dort mehr Menschen auf einem Haufen sitzen und sich \u00f6fter \u00fcber den Weg laufen. Einzelb\u00fcros f\u00f6rdern die Konzentration und erschweren die Kommunikation. Doch so pauschal stimmt das nicht.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Es kommt auf Details an. Wenn Einzelb\u00fcros von einem langen Flur abgehen: Sind die T\u00fcren aus Glas? Dann kann man mal eben vom Schreibtisch aufspringen, sobald eine Person vorbeil\u00e4uft, mit der man noch etwas besprechen wollte. Sind die W\u00e4nde aus Glas? Dann sieht man \u2013 auf Kosten der Privatsph\u00e4re \u2013 \u00fcber mehrere Zimmer hinweg, ob jemand gerade am Platz ist. Sind die Zimmer untereinander verbunden wie in der Renaissance-Villa? Dann kreuzen sich die Wege st\u00e4ndig, aber dauernd l\u00e4uft jemand durch den Raum. Und: Gibt es Sitzgelegenheiten, Nischen, Kaffeeautomaten, Teek\u00fcchen?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Um den Einfluss der Architektur auf die soziale Dynamik ihrer Bewohner systematisch zu erforschen, haben Wissenschaftler am University College London in den Siebzigerjahren <a href=\"https:\/\/discovery.ucl.ac.uk\/id\/eprint\/10114064\/\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">die Space-Syntax-Methode<\/a> entwickelt, eine Art Grammatik der Mensch-Raum-Beziehung. Zimmer, Flure, Treppen, Pl\u00e4tze, Grundrisse und Sichtachsen werden daf\u00fcr einer mathematisch-grafischen Analyse unterzogen. Heatmaps und Computersimulationen zeigen an, wo Menschen sich spontan \u00fcber den Weg laufen und wo sie eher isoliert sind. Es ist ein sehr britischer Ansatz voller Daten, Statistiken und Empirie. <a href=\"https:\/\/dl.designresearchsociety.org\/drs-conference-papers\/drs2008\/researchpapers\/44\/\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">Evidenzbasiertes Design<\/a> ist das Ziel, faktenbasierte Architektur. In dieser Tradition sieht sich Kerstin Sailer, die in Deutschland Architektur studiert hat, aber seit 20 Jahren in Gro\u00dfbritannien forscht und auch <a href=\"https:\/\/brainybirdz.net\/\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">eine Architekturberatung<\/a> leitet. &#8222;Architekten versprechen immer das Blaue vom Himmel&#8220;, sagt sie. Sie reden gerne von &#8222;Kommunikationsr\u00e4umen&#8220;, aber das sei nur Marketing. Ob dort wirklich viel geredet wird, wissen die wenigsten.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Sailer und ihr Team haben mithilfe der Space Syntax <a href=\"https:\/\/discovery.ucl.ac.uk\/id\/eprint\/10099492\/1\/Sailer_Thomas2020_OpenPlan_JofManaPsych_accepted.pdf\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">drei B\u00fcrolandschaften miteinander verglichen<\/a> und die jeweilige Belegschaft interviewt. Erstens das Londoner Gro\u00dfraumb\u00fcro eines gro\u00dfen Silicon-Valley-Konzerns. Zweitens ein deutsches Forschungsinstitut f\u00fcr theoretische Physik mit lauter Einzelb\u00fcros. Drittens eine britische Anwaltskanzlei, die ihre Einzelb\u00fcros drei Jahre zuvor gegen ein Gro\u00dfraumb\u00fcro mit Trennw\u00e4nden eingetauscht hatte. Die Forschenden wollten wissen: Passten die R\u00e4umlichkeiten zu den Anforderungen des jeweiligen Unternehmens? Wie beeinflusste das B\u00fcrodesign Innovation, Effizienz und Privatsph\u00e4re? Was sagte die Belegschaft?\n<\/p>\n<p>            Auch die Wissenschaft macht Fehler<\/p>\n<p>                            Man muss sich \u00fcber den Weg laufen, um kommunizieren zu k\u00f6nnen.                \u00a9\u00a0Cinta Vidal<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Da gab es einige \u00dcberraschungen&#8220;, sagt Kerstin Sailer. So erlaubten die Einzelb\u00fcros des Forschungsinstituts zwar wie erwartet konzentriertes Arbeiten, aber die Mitarbeitenden kamen dennoch oft miteinander ins Gespr\u00e4ch. Denn zum einen wurden die Gastforscher nicht in einem eigenen Geb\u00e4udeteil untergebracht, sondern zwischen die B\u00fcros der einzelnen Abteilungen verstreut. Zum anderen sorgten regelm\u00e4\u00dfige Seminare, Sportveranstaltungen und \u00f6ffentliche Vorlesungen f\u00fcr Austausch und spontane Begegnungen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In den cubicles der Anwaltskanzlei kommunizierten die Teams vor allem untereinander, aber kaum mit anderen Teams. Zu spontanen Begegnungen mit Besuchern kam es so gut wie gar nicht, was durchaus im Sinne der diskreten Kanzlei war.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Im Londoner Gro\u00dfraumb\u00fcro des IT-Konzerns wiederum war die Gespr\u00e4chskultur eher gehemmt. Viele Angestellte gaben an, sie w\u00fcrden Gespr\u00e4che auf ein Minimum reduzieren, um andere nicht zu st\u00f6ren. Auch ist es in Gro\u00dfraumb\u00fcros nicht ungew\u00f6hnlich, dass zwei Kolleginnen einander gegen\u00fcbersitzen und dennoch per Chat kommunizieren. Au\u00dferdem <a href=\"https:\/\/journals.plos.org\/plosone\/article?id=10.1371\/journal.pone.0250058\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">fand Sailer heraus,<\/a> dass die Angestellten zufriedener sind, wenn sie mehr Tische im Blickfeld als im R\u00fccken haben. &#8222;Man guckt lieber in den Raum hinein als aus dem Raum heraus&#8220;, sagt sie. Und: Je weniger Schreibtische jemand von seinem Platz aus im Blick hatte, desto zufriedener war die Person mit der Kommunikation in ihrem Team und \u00fcber Teamgrenzen hinweg. Also doch lieber Einzelb\u00fcros?\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Unklar. Seit einem halben Jahrhundert wird \u00fcber den Wechsel von Einzelb\u00fcros zum Gro\u00dfraumb\u00fcro gestritten und geforscht, aber <a href=\"https:\/\/discovery.ucl.ac.uk\/id\/eprint\/10099492\/1\/Sailer_Thomas2020_OpenPlan_JofManaPsych_accepted.pdf\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">die Studien widersprechen sich<\/a>. In einem Drittel der F\u00e4lle verbesserte sich die Kommunikation, in einem Drittel verschlechterte sie sich, und in einem Drittel war keine Tendenz erkennbar. Unternehmen, die ihren Angestellten eine neue B\u00fcrokultur aufzwingen wollen, k\u00f6nnen sich die passenden Studien heraussuchen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Pandemie hat die Fronten aufgeweicht und hybride B\u00fcrolandschaften entstehen lassen. Activity Based Working (ABW) hei\u00dft das Konzept: Die Firmen stellen unterschiedliche Umgebungen bereit, und die Angestellten entscheiden je nach Terminkalender, ob sie am jeweiligen Tag einen ruhigen Platz brauchen, einen Schreibtisch im Team-Cluster oder \u00fcberhaupt keinen Tisch, weil sie nur in Meetings sitzen oder im Homeoffice bleiben. Die niederl\u00e4ndische Beratungsfirma Veldhoen + Company hat mehr als 10.000 Angestellte in 29 Unternehmen weltweit <a href=\"https:\/\/www.veldhoencompany.com\/measuring-the-impact-of-activity-based-working\" target=\"__blank\" rel=\"noopener\">vor und nach der Umstellung auf Activity Based Working befragt<\/a> (das war noch vor der Pandemie). Ergebnis: ABW wird dort besonders gut angenommen, wo Unternehmen Vertrauen und Autonomie f\u00f6rdern und die Technik reibungslos funktioniert. Die Angestellten sind dann mobiler, f\u00fchlen sich produktiver und loben die bessere Zusammenarbeit.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">ABW funktioniert nicht, wo Vorgesetzte obsessiv die Arbeitszeit \u00fcberwachen, wo ruhige Pl\u00e4tze fehlen, das WLAN nicht \u00fcberall gleich gut funktioniert und die Belegschaft nicht mitreden darf. &#8222;Die Angestellten werden vielleicht gebeten, ein M\u00f6belst\u00fcck zu testen oder \u00fcber die Farbe des Teppichs abzustimmen&#8220;, schreibt das Studienteam, &#8222;aber wie der Raum aufgeteilt wird, sodass er ihren Bed\u00fcrfnissen entspricht, entscheiden andere.&#8220; Die Folge: Die Besch\u00e4ftigten f\u00fchlen sich isoliert und klagen \u00fcber mangelnde Privatsph\u00e4re. Sie kehren zu alten Routinen zur\u00fcck und versuchen, einen Schreibtisch f\u00fcr sich zu besetzen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Vielleicht kann man es so sagen: Gute Architektur bringt gute Gespr\u00e4che hervor. Was gute Architektur ist, h\u00e4ngt von den Bed\u00fcrfnissen ab, und \u00fcber die m\u00fcssen wir reden. Gute Gespr\u00e4che bringen gute Architektur hervor.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Im Jakob-Kaiser-Haus haben viele B\u00fcros der Abgeordneten eigene Waschbecken. Klingt gut, da kann man sich die H\u00e4nde waschen oder Wasser f\u00fcr den Tee abf\u00fcllen. Andererseits werden Begegnungen auf dem Weg zur Teek\u00fcche oder zum WC reduziert. Auch Sitzecken f\u00f6rdern nicht automatisch das Gespr\u00e4ch. Kerstin Sailer hat eine Firma beraten, deren Management Sofas und eine teure Kaffeemaschine angeschafft hatte. Nur sa\u00df dort selten jemand. Es stellte sich heraus, dass in Sichtweite eine Abteilungsleiterin ihr Glasb\u00fcro hatte, die der Ansicht gewesen sei: Wer zusammen Kaffee trinkt, arbeitet nicht. Ein Panoptikum.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Kleiner Trost: Auch die Wissenschaft macht Fehler. Am University College London, wo die Space-Syntax-Methode geboren wurde, wollte man die Doktoranden besser integrieren. Also bekamen sie ein B\u00fcro, das direkt an die Teek\u00fcche grenzte. Nach kurzer Zeit hatte der akademische Nachwuchs in der K\u00fcche Zettel aufgeh\u00e4ngt: Unterhaltungen bitte auf ein Minimum reduzieren!\u2002\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Max Rauner dankt Julia Schwanholz f\u00fcr  Erkenntnisse zur Architektur von Parlamenten.  Er empfiehlt eine Zeitreise in die Frankfurter K\u00fcche mit dem Video unter <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/41pyty0-lgs\" class=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">t1p.de\/ffm-kueche<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Koalitionsverhandlungen, Meuterei, Familienkrach, Team-Meetings, Liebeserkl\u00e4rungen \u2013 Seite 1 Dieser Artikel stammt aus ZEIT WISSEN Nr. 03\/2025 Ausgabe entdecken&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":87741,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1775],"tags":[9071,2250,1793,43,29,214,30,3930,1794,215,591],"class_list":{"0":"post-87740","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-kunst-und-design","8":"tag-abgeordnetenhaus","9":"tag-architektur","10":"tag-art-and-design","11":"tag-deutscher-bundestag","12":"tag-deutschland","13":"tag-entertainment","14":"tag-germany","15":"tag-kommunikation","16":"tag-kunst-und-design","17":"tag-unterhaltung","18":"tag-wissen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114458276835864655","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87740","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=87740"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/87740\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/87741"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=87740"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=87740"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=87740"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}