{"id":878257,"date":"2026-03-18T14:33:14","date_gmt":"2026-03-18T14:33:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/878257\/"},"modified":"2026-03-18T14:33:14","modified_gmt":"2026-03-18T14:33:14","slug":"bodycams-in-der-notaufnahme-schutz-oder-risiko","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/878257\/","title":{"rendered":"Bodycams in der Notaufnahme \u2013 Schutz oder Risiko?"},"content":{"rendered":"<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\">So habe sich gezeigt, dass die Polizeikr\u00e4fte nach dem Einschalten der Kameras h\u00e4ufig in eine &#8222;formale Verwaltungssprache&#8220; verfielen, statt ihren Ton und ihre Ausdrucksweise an die Situation und den Adressaten anzupassen \u2013 und damit Gewalt gegen sie eher h\u00e4ufiger wurde. Damit die Bodycam wirklich ihr Deeskalationspotential entfalte, brauche es eine enge kommunikative Begleitung, betont Kersting daher. <\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\">Dem Einsatz in der Notaufnahme steht er skeptisch gegen\u00fcber: Dorthin k\u00e4men die Menschen, wenn es ihnen schlecht gehe \u2013 k\u00f6rperlich, seelisch oder beides. &#8222;Und dann ist da diese Kamera im Spiel. Das kann erst recht provozierend wirken, egal ob sie eingeschaltet ist oder nicht&#8220;, f\u00fcrchtet er. Allein die Sichtbarkeit einer Kamera ver\u00e4ndere die Interaktion. <\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\">Auch die Kriminologen und Soziologen Simon Egbert und Jasper Janssen von der Fakult\u00e4t f\u00fcr Soziologie, die seit mehreren Jahren zu Bodycams bei der Polizei forschen, weisen auf die uneindeutige Studienlage zur Pr\u00e4ventionswirkung der Bodycams hin: W\u00e4hrend einzelne Studien durchaus Deeskalationspotential feststellten, gebe es auch Befunde, die auf das Gegenteil hindeuteten, so Janssen. &#8222;Relativ sicher k\u00f6nnen wir festhalten, dass der Pr\u00e4ventionseffekt, wenn \u00fcberhaupt, nur dort existiert, wo die Personen eine gewisse rationale Klarheit mitbringen&#8220;, fasst Janssen den Forschungsstand zusammen. <\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\">In der Notaufnahme, so bef\u00fcrchten auch die Bielefelder Forscher, drohen die Kameras die Kommunikation dagegen eher zu belasten: &#8222;Die Kamera ist ja auch ein Symbol f\u00fcr grunds\u00e4tzliches Misstrauen&#8220;, sagt Egbert. Das Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen Patient und medizinischem Personal wird dann gest\u00f6rt oder l\u00e4sst sich gar nicht erst aufbauen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\">Das Klinikpersonal vor Gewalt zu sch\u00fctzen sei fraglos ein wichtiges Anliegen, aber: &#8222;Die zugrunde liegenden Gr\u00fcnde f\u00fcr eine Zunahme der Gewalt geht man dann nicht an&#8220;, kritisiert er. Die l\u00e4gen wom\u00f6glich tiefer. &#8222;Aber lange Wartezeiten oder Beschaffungskriminalit\u00e4t im Umfeld einer Notaufnahme bek\u00e4mpfen Sie nicht mit einer Bodycam.&#8220; Stattdessen drohe eine &#8222;Normalisierung von Kameras in immer mehr R\u00e4umen&#8220;, f\u00fcgt sein Kollege Janssen hinzu. <\/p>\n<p class=\"text-18 leading-17 user-text-lg:text-22 user-text-xl:text-24\">In den Notaufnahmen des Dortmunder Klinikums weisen die Verantwortlichen aber auf erste gute Erfahrungen hin: Es habe in den ersten Wochen der insgesamt dreimonatigen Testphase bereits mehrere Anl\u00e4sse gegeben, in denen die blo\u00dfe Ank\u00fcndigung, die kleine Kamera am Kittel anzuschalten, beim Beruhigen einer sich hochkochenden Situation geholfen habe, schildert Thorsten Stohmann, Leiter der Zentralen Notaufnahme. Auch berichten Kollegen, dass sie sich durch die Kamera sicherer f\u00fchlten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"So habe sich gezeigt, dass die Polizeikr\u00e4fte nach dem Einschalten der Kameras h\u00e4ufig in eine &#8222;formale Verwaltungssprache&#8220; verfielen,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":878258,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1833],"tags":[31481,3364,162492,29,217,30,193825,3523,13305,4045,22611,1209,4358,7003,36761,121,193826,193824],"class_list":["post-878257","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-dortmund","tag-bodycam","tag-de","tag-deutsche-krankenhausgesellschaft","tag-deutschland","tag-dortmund","tag-germany","tag-jasper-janssen","tag-kamera","tag-klinikum","tag-konflikt","tag-nebenwirkung","tag-nordrhein-westfalen","tag-notaufnahme","tag-ordnungskraft","tag-pilotprojekt","tag-polizei","tag-simon-egbert","tag-stefan-kersting"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116250673680217080","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/878257","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=878257"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/878257\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/878258"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=878257"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=878257"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=878257"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}