{"id":879677,"date":"2026-03-19T03:42:31","date_gmt":"2026-03-19T03:42:31","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/879677\/"},"modified":"2026-03-19T03:42:31","modified_gmt":"2026-03-19T03:42:31","slug":"wir-koennen-uns-nicht-weiter-wie-sklaven-behandeln-lassen-fleischverarbeiter-in-colorado-im-streik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/879677\/","title":{"rendered":"\u201eWir k\u00f6nnen uns nicht weiter wie Sklaven behandeln lassen\u201c: Fleischverarbeiter in Colorado im Streik"},"content":{"rendered":"<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/9b8a930f-def9-40f1-8e58-8bd7b23cb32d.jpeg\" style=\"max-height:100%\"\/>Streikende Fleischverarbeiter in Greeley, Colorado, 16. M\u00e4rz 2026<\/p>\n<p>\u00dcber 1.000 Fleischverarbeiter im riesigen JBS-Fleischverarbeitungsbetrieb in Greeley (US-Bundesstaat Colorado) trotzten am fr\u00fchen Montagmorgen eisigen Temperaturen, um stundenlang Streikposten zu stehen. Sie geh\u00f6rten zu den 3.800 Arbeitern, die gestern in den Ausstand getreten sind \u2013 der gr\u00f6\u00dfte Streik in der Branche seit dem <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/en\/articles\/2023\/09\/20\/hvkd-s20.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Hormel<\/a>-Arbeitskampf 1985\u201386.<\/p>\n<p>Die Arbeiter in der Fabrik geh\u00f6ren der Ortsgruppe 7 der Gewerkschaft United Food and Commercial Workers an. Die Ortsgruppe hat 23.000 Mitglieder in Colorado und Wyoming in den Bereichen Lebensmittelverarbeitung, Lebensmittelhandel, Einzelhandel und verarbeitendes Gewerbe. Gewerkschaftsvertreter versuchten am Samstag, sich mit Unternehmensvertretern zu treffen, um einen Streik abzuwenden, doch ihre Bitten wurden zur\u00fcckgewiesen.<\/p>\n<p>Der Streik findet inmitten einer Welle von Streiks und Massenprotesten in den Vereinigten Staaten statt. Zu Beginn des Jahres streikten wochenlang Tausende Besch\u00e4ftigte im Gesundheitswesen in Kalifornien, Hawaii und New York City. Gleichzeitig nahmen zehntausende Einwohner von Minnesota am 23. und 30. Januar an Massenprotesten gegen die Besetzung des US-Bundesstaates durch die Einwanderungspolizei ICE teil.<\/p>\n<p>Der Streik in Greeley ist umso bedeutender, als die \u00fcberwiegende Mehrheit der Belegschaft aus Zugewanderten besteht. Sie sind trotz der allgegenw\u00e4rtigen Schikanen durch die Einwanderungsbeh\u00f6rden in den Arbeitskampf getreten. Es ist zudem der erste gro\u00dfe Streik seit Beginn des v\u00f6lkerrechtwidrigen und unpopul\u00e4ren Krieges gegen den Iran. Er vermittelt eine Ahnung von einem umfassenderen Konflikt, in dem die Arbeiterklasse der Trump-Regierung und der von ihr vertretenen Unternehmensoligarchie gegen\u00fcbersteht.<\/p>\n<p>Die Stimmung bei der Streikpostenkette am Montag war entschlossen. Die Arbeiter demonstrierten vor dem Werk, w\u00e4hrend Passanten zur Unterst\u00fctzung hupten und winkten.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/c0031e14-59be-4636-8f9c-774aa986eb9a.jpeg\" style=\"max-height:100%\"\/>Arbeiter aus Greeley streiken vor dem JBS\/Swift-Werk in Colorado, 16. M\u00e4rz 2026<\/p>\n<p>Chris sagt, er habe \u2013 zusammen mit 99 Prozent der Arbeiter \u2013 f\u00fcr den Streik gestimmt, unter anderem wegen defekter Maschinen. \u201eUnd viele aus dem Management und unter den Vorgesetzten verhalten sich ziemlich ausfallend, wenn es um Toilettenpausen geht.\u201c<\/p>\n<p>Chris erkl\u00e4rt, dass den Arbeitern zwei Pausen und eine Mittagspause zustehen, das Management \u201euns diese Pausen aber nicht gerne gew\u00e4hrt\u201c. Er sagte, manche Vorgesetzte lie\u00dfen die Arbeiter 30 Minuten warten, bevor sie ihnen erlauben, auf die Toilette zu gehen.<\/p>\n<p>Chris erg\u00e4nzt, \u201ees ist wahr\u201c, dass manche Arbeiter gezwungen waren, sich am Flie\u00dfband einzun\u00e4ssen, weil die Vorgesetzten ihnen nicht erlaubten, auf die Toilette zu gehen. \u201eIch habe tats\u00e4chlich gesehen, wie sich Arbeiter eingen\u00e4sst haben.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mehring-verlag.de\/veranstaltungen.html\" class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw-75rem-m bg-black-05 mt3 center\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/1773891744_27_a840bdb7-4790-47ac-ab7e-20a30375ea9b.png\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/1773891745_487_3e3b0868-f0fd-4eaa-b443-e839044a2ac3.png\"\/><\/a><\/p>\n<p>Zu den gef\u00e4hrlichen Arbeitsbedingungen, denen die Arbeiter in der Fleischverarbeitung ausgesetzt sind, sagt Chris: Eine Woche vor dem Streik hatte \u201ejemand vergessen, ein Absperrventil an einem der F\u00f6rderb\u00e4nder anzubringen, also im Grunde ein Ventil, das das Wasser ein- und ausschaltet. Einer der Wartungsmitarbeiter ging dann tats\u00e4chlich hinauf und versuchte, es zu reparieren, und fiel dabei auf den R\u00fccken, wobei er sich den R\u00fccken an einer der Aufkantungen stie\u00df.\u201c<\/p>\n<p>Chris sagt, er verbringe viel Zeit bei der Arbeit am F\u00f6rderband damit, Gegenst\u00e4nde zu entfernen, die sonst in den Fleischprodukten landen w\u00fcrden. \u201eDa kommen wirklich sehr, sehr seltsame Dinge herunter.\u201c Er habe bereits Haken, abgebrochene Teile des F\u00f6rderbands und Holzst\u00fccke aus dem Fleisch herausgeholt.<\/p>\n<p>An der Streikpostenkette in Greeley erz\u00e4hlen mehrere Arbeiter, das Unternehmen habe begonnen, den Arbeitern die Kosten f\u00fcr die pers\u00f6nliche Schutzausr\u00fcstung in Rechnung zu stellen, wenn diese ersetzt werden muss. Chris erinnert sich daran, dass ihm seine M\u00fctze aus dem Spind gestohlen wurde und er dann gezwungen war, 17 Dollar f\u00fcr einen Ersatz zu zahlen. Manchmal wird die Ausr\u00fcstung nicht ersetzt, selbst wenn sie eindeutig kaputt ist.<\/p>\n<p>\u201eIch pers\u00f6nlich\u201c, sagt Chris, \u201ehabe die Vorarbeiter gebeten, einige meiner kaputten oder besch\u00e4digten Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde zu ersetzen. Sie haben sich tats\u00e4chlich geweigert.\u201c Er verwies auf einen Netzhandschuh, den er tr\u00e4gt, um seine H\u00e4nde vor Messern und Haken zu sch\u00fctzen, und bei dem ein gro\u00dfes St\u00fcck auf der R\u00fcckseite fehlt. \u201eIch habe den Vorarbeiter gefragt, ob ich ihn ersetzt bekommen k\u00f6nnte, und er sagte mir: \u201aNein.\u2018\u201c<\/p>\n<p>Auf die Frage nach den k\u00f6rperlichen Auswirkungen der Arbeit im Werk zieht Chris einen seiner Handschuhe aus und zeigte den WSWS-Reportern seine Hand \u2013 geschwollen und vernarbt von jahrelanger Arbeit am Flie\u00dfband, die Haut durch die Arbeit dunkler geworden und diese Verf\u00e4rbung l\u00e4sst sich nicht abwaschen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/69c0abe6-36df-4990-8c4e-fab101b720a6.jpeg\" style=\"max-height:100%\"\/>Die Hand eines Arbeiters aus der Fleischfabrik in Greeley<\/p>\n<p>Die Fabrik in Greeley wurde urspr\u00fcnglich 1960 von der Firma Monfort of Colorado erbaut. Sp\u00e4ter wurde sie Teil von Swift &amp; Company, bevor der brasilianische Multikonzern JBS im Jahr 2007 Swift und dessen Verm\u00f6genswerte, einschlie\u00dflich der Fabrik, \u00fcbernahm. Die Fabrik ist nicht nur eine der gr\u00f6\u00dften Rindfleischverarbeitungsbetriebe in den Vereinigten Staaten. Der Betrieb geh\u00f6rt auch zu den \u00e4lteren noch bestehenden Fabriken aus der Zeit, als die Branche auf riesige l\u00e4ndliche Verpackungsbetriebe in der N\u00e4he der Mastbetriebe im Westen der Vereinigten Staaten umstellte.<\/p>\n<p>Auf den bauf\u00e4lligen Zustand des Werks angesprochen sagt Chris: \u201eLetzte Woche ist eines der F\u00f6rderb\u00e4nder kaputtgegangen, und f\u00fcnf Teile des F\u00f6rderbandes sind tats\u00e4chlich mit dem Band heruntergerutscht.\u201c Chris meint, er habe sich bei den Vorgesetzten \u00fcber den Zustand der Anlage und die Behandlung der Arbeiter darin beschwert. \u201eMeistens ignorieren sie es einfach. Sogar die Sicherheitsbeauftragte schikaniert mich, wenn ich meine drei Pausen mache.\u201c<\/p>\n<p>Auf die Frage von WSWS-Reportern, wie die \u00f6rtlichen Gewerkschaftsvertreter reagieren, wenn Sicherheits- oder andere Probleme angesprochen werden, sagt Chris: \u201eManche Gewerkschaftsvertreter helfen, andere ignorieren es einfach. Ich habe erlebt, dass einige von ihnen das tun \u2013 sie schauen nur hin und gehen dann weg.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/c0dd3dca-d56c-4457-8fb2-760cf8efaf39.jpeg\" style=\"max-height:100%\"\/>Eine Gruppe streikender Arbeiter in Greeley, Colorado, am 16. M\u00e4rz 2026<a href=\"https:\/\/www.mehring-verlag.de\/library\/wohin-geht-amerika\/00.html\" class=\"no-underline pointer\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/1771816935_794_30798615-23b1-4b83-8aaf-ef1826700074.png\" style=\"max-height:100%\"\/><\/p>\n<p>David North (Hrsg.)<\/p>\n<p>Wohin geht Amerika? Faschismus oder Sozialismus<\/p>\n<p>Die Ereignisse vom Januar 2026 in Minneapolis haben die ganze Welt schockiert und deutlich gemacht, dass die Umwandlung der amerikanischen Demokratie in einen Milit\u00e4r- und Polizeistaat nicht l\u00e4nger nur eine theoretische M\u00f6glichkeit ist. Sie vollzieht sich vor unseren Augen.<\/p>\n<p><\/a><\/p>\n<p>Chris erinnert sich an seine Arbeit im Werk im Jahr 2020, als Covid-19 durch die Anlage fegte, Hunderte von Arbeitern infizierte und mindestens sechs t\u00f6tete. \u201eVor einiger Zeit haben sie tats\u00e4chlich ein Denkmal f\u00fcr die Arbeiter errichtet\u201c, erz\u00e4hlt er.<\/p>\n<p>Edison erkl\u00e4rt gegen\u00fcber der WSWS, er streike, weil \u201ewir diese Lohnerh\u00f6hung brauchen, um mit all dem anderen Schritt zu halten, das unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig in die H\u00f6he schie\u00dft.\u201c Er merkt an, dass die Arbeiter in der Fabrik circa 2.600 Rinder pro Schicht verarbeiten.<\/p>\n<p>Auf die Frage, was er von dem v\u00f6lkerrechtswidrigen Krieg gegen den Iran halte, antwortet Edison: \u201eIch glaube, dieser ganze Krieg gegen den Iran ist nur eine weitere massive Vertuschungsaktion im Zusammenhang mit Epstein.\u201c<\/p>\n<p>Kenny, ein j\u00fcngerer Arbeitsmigrant, erz\u00e4hlte der WSWS, dass er seit Januar 2026 in der Fabrik arbeite. \u201eIch habe mit 23 Dollar angefangen, aber in der Nachtschicht verdient man 24 Dollar. Als Fahrer verdient man 26 Dollar und ein paar Cent.\u201c<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob dieses Gehalt ausreiche, um in Greeley \u00fcber die Runden zu kommen, antwortet Kenny: \u201eNein, wir brauchen 33 Dollar pro Stunde.\u201c<\/p>\n<p>Um den Kampf zu untergraben, hat das Unternehmen begonnen, die Produktion in das JBS-Werk in Cactus (US-Bundesstaat Texas) zu verlagern. Die Arbeiter in diesem Werk sind Mitglieder der UFCW Local 540. Auf die Frage, ob er die Arbeiter im Werk in Cactus auffordern w\u00fcrde, gemeinsam mit ihnen zu streiken und sich zu weigern, als Streikbrecher Rinder zu bearbeiten, antwortet Kenny begeistert: \u201eJa, sie m\u00fcssen streiken, denn wir brauchen das Geld.\u201c<\/p>\n<p>Kenny sagt, er habe geh\u00f6rt, dass Arbeiter gezwungen w\u00fcrden, in einem Hotel in der N\u00e4he des Werks zu wohnen. \u201eSie zwingen sie, dort zu wohnen, man schl\u00e4ft schlecht, die Leute haben schon vor langer Zeit dar\u00fcber gesprochen. Jetzt leben viele in Wohnungen, manche zu dritt in einem Schlafzimmer.\u201c Dies ist wahrscheinlich ein Hinweis auf haitianische Arbeiter, die Klage eingereicht haben, weil sie angeblich mit JBS-Versprechen \u00fcber Lohn und Unterkunft ins Land gelockt wurden, nur um dann zu elft in einem Zimmer untergebracht zu werden oder zu Dutzenden in H\u00e4usern ohne Strom oder flie\u00dfendes Wasser zu leben.<\/p>\n<p>Auf die Frage von WSWS-Reportern, ob Kenny gesehen habe, dass Beamte der Einwanderungs- und Zollbeh\u00f6rde (ICE) oder der Zoll- und Grenzschutzbeh\u00f6rde (CBP) Arbeiter im Werk schikanierten oder einsch\u00fcchterten, f\u00fcgt er trotzig hinzu: \u201eDas k\u00f6nnen sie nicht machen. Wenn sie das tun, lassen wir das nicht zu.\u201c<\/p>\n<p>Abschlie\u00dfend betont Kenny, bei diesem Kampf gehe es \u201enicht nur um JBS &#8211; denn jeder Arbeiter muss gut bezahlt werden. Wir k\u00f6nnen nicht weiterhin wie Sklaven arbeiten.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Streikende Fleischverarbeiter in Greeley, Colorado, 16. 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