{"id":882425,"date":"2026-03-20T06:22:14","date_gmt":"2026-03-20T06:22:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/882425\/"},"modified":"2026-03-20T06:22:14","modified_gmt":"2026-03-20T06:22:14","slug":"demenz-das-veraendert-die-sichtweise-auf-alzheimer-grundlegend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/882425\/","title":{"rendered":"Demenz: \u201eDas ver\u00e4ndert die Sichtweise auf Alzheimer grundlegend\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Bislang unbekannte Zellen k\u00f6nnten k\u00fcnftig die Basis f\u00fcr innovative Therapien gegen Alzheimer bilden. Versagen diese speziellen Gehirnzellen, werden wesentliche Ausl\u00f6ser der Krankheit nicht abtransportiert.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Trotz der in den letzten Jahren erzielten medizinischen Fortschritte gibt es f\u00fcr die Alzheimer-Krankheit, an der in Deutschland rund 1,2 Millionen, in Frankreich mindestens 900.000 Menschen leiden \u2013 vor allem \u00fcber 65-J\u00e4hrige \u2013 noch immer kein wirksames Heilmittel. Zwar sind die tats\u00e4chlichen Ursachen f\u00fcr diese neurodegenerative Erkrankung nach wie vor kaum bekannt. Man wei\u00df jedoch mittlerweile, dass der wichtigste Biomarker eine ungew\u00f6hnliche Ansammlung des sogenannten Tau-Proteins im Gehirn ist, die zu einer Degeneration der Neuronen und einem langsam fortschreitenden kognitiven Verfall f\u00fchrt. <\/p>\n<p>Das Team um Vincent Pr\u00e9vot der Inserm (Franz\u00f6sisches Institut f\u00fcr Gesundheit und medizinische Forschung) und vom CHU Universit\u00e4tsklinikum in Lille hat vor kurzem die Schl\u00fcsselrolle entdeckt, die bislang unbekannte Zellen bei der Anh\u00e4ufung dieses Tau-Proteins spielen. Ihre Arbeit, die in der <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.cell.com\/cell-press-blue\/fulltext\/S3051-3839(26)00001-0\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.cell.com\/cell-press-blue\/fulltext\/S3051-3839(26)00001-0&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Zeitschrift \u201eCell Press Blue\u201c <\/a>ver\u00f6ffentlicht wurde, verdeutlicht die entscheidende Rolle dieser zuvor unbekannten Gehirnzellen, den sogenannten Tanyzyten, bei der Entstehung und dem Fortschreiten von Alzheimer. Die Entdeckung er\u00f6ffnet neue Ansatzpunkte f\u00fcr k\u00fcnftige Therapien.<\/p>\n<p>Seit \u00fcber zwanzig Jahren untersuchen Pr\u00e9vot, Forschungsleiter am Zentrum Lille \u201eNeurosciences et Cognition\u201c (Neurowissenschaften und Kognition), und sein Team diese Zellen, die f\u00fcr den Austausch wichtiger Informationen zwischen Gehirn und K\u00f6rper bekannt sind. So konnten sie bereits nachweisen, dass die Tanyzyten das S\u00e4ttigungshormon Leptin erkennen und in Richtung Gehirn transportieren, und dass diesbez\u00fcgliche Transportfehler zu \u00dcbergewicht und Diabetes f\u00fchren k\u00f6nnen. Fettleibigkeit ist bereits als Risikofaktor f\u00fcr Alzheimer bekannt. \u201eWir haben also angenommen, dass so ein schlechter Transport auch zur Alterung des Gehirns und somit zu neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer f\u00fchren k\u00f6nnte\u201c, erkl\u00e4rt Pr\u00e9vot. Die sieben Jahre dauernde Studie verlief in mehreren Etappen.<\/p>\n<p>Als erstes \u00fcberpr\u00fcfte das Team, ob die Tanyzyten tats\u00e4chlich am Transport des Tau-Proteins beteiligt sind. Zu diesem Zweck wurde fluoreszierendes Tau-Protein in die Gehirn-R\u00fcckenmarks-Fl\u00fcssigkeit (CFS) von M\u00e4usen injiziert und dann dessen Weg verfolgt. Anschlie\u00dfend konnte man beobachten, dass das Protein in der Fl\u00fcssigkeit aufgefangen und dann zu den Kapillaren transportiert wurde: \u201eDiese Tanyzyten bilden eine Br\u00fccke zwischen der R\u00fcckenmarkfl\u00fcssigkeit und dem Blut\u201c, erkl\u00e4rt der Forscher. <\/p>\n<p>Als N\u00e4chstes gelang es den Wissenschaftlern, den Transport genetisch zu blockieren. Dadurch wurde Tau bei den M\u00e4usen nicht mehr durch das CSF ins Blut transportiert. Parallel studierte das Team Maus-Modelle mit fr\u00fchen Anzeichen der Krankheit und einem erh\u00f6hten Tau-Spiegel. Durch eine Blockade der Aktivit\u00e4t der Tanyzyten stellten sie ein beschleunigtes Fortschreiten der Krankheit fest, einschlie\u00dflich der f\u00fcr Alzheimer demenztypischen Symptome.<\/p>\n<p>\u201eVer\u00e4ndert die Sichtweise auf die Krankheit grundlegend\u201c<\/p>\n<p>Nun musste noch ein entsprechender Zusammenhang beim Menschen nachgewiesen werden. Das Team verglich das Verh\u00e4ltnis von Tau-Proteinen im Blut und im Gehirn bei gesunden Probanden, um auf diese Weise ihre jeweilige F\u00e4higkeit zur Beseitigung von Tau einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen. \u201eWir haben festgestellt, dass diese F\u00e4higkeit bei den erkrankten Personen geringer war, was auf eine Beeintr\u00e4chtigung beim Tau-Transport ins Blut schlie\u00dfen l\u00e4sst\u201c, so die Zusammenfassung des Forschungsleiters.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend untersuchten die Forscher das Gehirn von bereits verstorbenen Alzheimer-Patienten. \u201eBei einer n\u00e4heren Betrachtung der Strukturen der Tanyzyten waren wir wirklich \u00fcberrascht: Wir konnten erkennen, dass diese Br\u00fccken zerst\u00f6rt waren, vollkommen zusammengebrochen. Es existierte nicht mehr die geringste Kommunikation zwischen der Gehirn-R\u00fcckenmarks-Fl\u00fcssigkeit und dem Blut. Man sieht, warum der Abtransport dieser toxischen Proteine nicht mehr richtig funktioniert.\u201c Diese Ver\u00e4nderung scheint ein spezifisches Problem der Alzheimer-Erkrankung zu sein, da es in den Gehirnen von Patienten mit anderen Demenzerkrankungen nicht festgestellt wurde.<\/p>\n<p>Die Identifizierung dieses Mechanismus \u201ever\u00e4ndert die Sichtweise auf Alzheimer grundlegend\u201c, meint Vincent Pr\u00e9vot. Dieser Meinung ist auch Philippe Amouyel, Direktor der Alzheimer-Stiftung und Professor f\u00fcr \u00f6ffentliche Gesundheit am CHU, dem Universit\u00e4tsklinikum in Lille: \u201eWir wussten zwar, dass die Eliminierung dieser anormalen Proteine (Tau) \u00fcber einen Immunmechanismus erfolgte oder auch \u00fcber das vor rund zehn Jahren entdeckte glymphatische System, das w\u00e4hrend des Schlafes aktiviert wird. Nun kommt noch ein dritter Weg hinzu, \u00fcber die Tanyzyten. Das ist eine neue und interessante Hypothese\u201c.<\/p>\n<p>Vincent Pr\u00e9vot hofft, dass die Welt der Wissenschaft diese Entdeckung dazu nutzt, \u201eum neue therapeutische Ans\u00e4tze zu finden\u201c. \u201eDer Nachweis, dass es den Tanyzyten schlecht geht, birgt letztendlich die Hoffnung, dass man sie direkt anvisieren kann. Vor allem muss man verhindern, dass sie sich zersetzen, und zwar bevor dieser Prozess beginnt\u201c, f\u00fcgt er hinzu. Das Hauptziel ist ja die Fr\u00fcherkennung oder sogar Vorbeugung vor der Krankheit.<\/p>\n<p>Der Forscher k\u00f6nnte sich vorstellen, dass man irgendwann in der Lage sein wird, \u201eBiomarker zu entdecken, die f\u00fcr die Sch\u00e4digung der Tanyzyten bei Risiko-Patienten zust\u00e4ndig sind, um deren Lebensgewohnheiten entsprechend anzupassen oder ihnen eine medikament\u00f6se Behandlung\u201c zur St\u00e4rkung der Zellen vorzuschlagen. Der Weg dorthin ist allerdings noch sehr weit, warnt Amouyel. Zun\u00e4chst m\u00fcsse man \u201eerkennen, welche Risikofaktoren auf die Tanyzyten einwirken, bevor man dann in der Lage ist, Mittel zu finden, die ihre Rolle bei der Beseitigung des Tau-Proteins stimulieren k\u00f6nnen\u201c.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/sante.lefigaro.fr\/medecine\/alzheimer-un-mecanisme-cle-dans-l-apparition-et-le-developpement-de-la-maladie-decouvert-par-des-chercheurs-francais-20260309\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/sante.lefigaro.fr\/medecine\/alzheimer-un-mecanisme-cle-dans-l-apparition-et-le-developpement-de-la-maladie-decouvert-par-des-chercheurs-francais-20260309&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\"><b>Dieser Artikel<\/b><\/a><b> erschien zuerst im \u201eLe Figaro\u201c, wie WELT Mitglied der \u201eLeading European Newspaper Alliance\u201c (LENA). \u00dcbersetzt aus dem Franz\u00f6sischen von Bettina Schneider.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bislang unbekannte Zellen k\u00f6nnten k\u00fcnftig die Basis f\u00fcr innovative Therapien gegen Alzheimer bilden. 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