{"id":882537,"date":"2026-03-20T07:28:13","date_gmt":"2026-03-20T07:28:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/882537\/"},"modified":"2026-03-20T07:28:13","modified_gmt":"2026-03-20T07:28:13","slug":"debatte-um-den-sozialstaat-kaputtgespart-oder-noch-zu-teuer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/882537\/","title":{"rendered":"Debatte um den Sozialstaat &#8211; Kaputtgespart oder noch zu teuer?"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;F\u00fcr Reformen ohne Kahlschlag&#8220;, lautet die Kampagne, mit der der DGB Bayern in den kommenden Monaten in Bayern in Betrieben und in der \u00d6ffentlichkeit f\u00fcr seine Vorstellungen werben will. <\/p>\n<p>Nach Ansicht des DGB Bayern Vorsitzenden Bernhard Stiedl ist es falsch, so zu tun, als sei der Sozialstaat vor allem ein Kostenproblem. &#8222;Der Sozialstaat ist kein Nice-to-have f\u00fcr gute Zeiten \u2013 er ist das Fundament unseres Zusammenlebens.&#8220; Der Sozialstaat sorge daf\u00fcr, dass ein Krankheitsfall nicht zur Armutsfalle werde, Arbeitslosigkeit nicht zu sozialen Absturz f\u00fchre und jahrzehntelange Arbeit nicht in Altersarmut ende, sagte Stiedl bei der Vorstellung der Kampagne in M\u00fcnchen. <\/p>\n<p>Seiner Ansicht nach ist der Sozialstaat hierzulande auch nicht aufgebl\u00e4ht. Deutschland liege bez\u00fcglich der Kosten im internationalen Mittelfeld. Entscheidend sei, ob man die Risiken solidarisch trage. Finanzierbar sei der Sozialstaat auch \u2013 indem Verm\u00f6gende st\u00e4rker zur Kasse gebeten werden. Und arbeitswillig seien die Deutschen nach wie vor \u2013 nur w\u00fcrden sie zum Beispiel durch fehlende Betreuungspl\u00e4tze oder zu viele Teilzeitangebote ausgebremst. <\/p>\n<p>Gewerkschaftsbund geht mit Anliegen in die Regionen<\/p>\n<p>Der DGB Bayern h\u00e4lt die Zeit f\u00fcr gekommen, aufgrund der zahlreichen Diskussionen &#8211; zum Beispiel \u00fcber &#8222;<a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/teilzeit-in-bayern-wer-wieviel-und-warum,V9QQIPi\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Lifestyle-Teilzeit<\/a>&#8222;, <a href=\"https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/muenchner-runde\/faire-rente-wer-soll-das-bezahlen\/br\/Y3JpZDovL2JyLmRlL2Jyb2FkY2FzdC9GMjAyNFdPMDE2NjQxQTA\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Rente<\/a> und hohe Gesundheitsausgaben &#8211; auch seine Sicht der Dinge einmal darzustellen. Neben Brosch\u00fcren, die verteilt werden, laufen seit Ende Februar bayernweit regionale Sozialstaatskonferenzen. Ziel ist es laut DGB Bayern, Besch\u00e4ftigte, Betriebs- und Personalr\u00e4te, sowie Gewerkschaftsb\u00e4nde und kommunal Verantwortliche zusammenzubringen. Geplant sind in den n\u00e4chsten Tagen Veranstaltungen in Schweinfurt, Regensburg, Ingolstadt, N\u00fcrnberg und M\u00fcnchen. Daneben kann man die Forderungen auch auf der <a href=\"https:\/\/bayern.dgb.de\/mitmachen\/kampagnen\/sozialstaat\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Internetseite des Gewerkschaftsbunds<\/a> (externer Link) nachlesen. Unter anderem setzt sich die Arbeitnehmervertretung f\u00fcr mehr Tarifbindung ein und &#8222;ordentliche&#8220; L\u00f6hne. Wer die Rente st\u00e4rken wolle, m\u00fcsse niedrige L\u00f6hne bek\u00e4mpfen, so Stiedl. <\/p>\n<p>Auch \u00d6konom Cremer kritisiert &#8222;aufgeheizte&#8220; Debatte<\/p>\n<p>Der fr\u00fchere Generalsekret\u00e4r des Deutschen Caritasverbands Georg Cremer kritisiert im <a href=\"https:\/\/1.ard.de\/plusminus-podcast-sozialstaat?br24text\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Plusminus-Podcast die aufgeheizte und unsachliche Debatte \u00fcber den deutschen Sozialstaat<\/a>. Er sieht zwei Extreme: Auf der einen Seite die &#8222;Kettens\u00e4gen-Rhetorik&#8220;, die massive K\u00fcrzungen fordert, ohne konkret zu werden. Auf der anderen Seite die Klage, der Sozialstaat werde &#8222;kaputtgespart&#8220;. Beides h\u00e4lt der Wirtschaftswissenschaftler f\u00fcr unzutreffend. <\/p>\n<p>Deutschland gebe stabil knapp ein Drittel seiner Wirtschaftsleistung f\u00fcr soziale Sicherung aus; der Sozialstaat sei weder zusammengebrochen noch &#8222;explodiert&#8220;, sondern werde seinen Aufgaben gerecht. Allerdings sieht auch er dringenden Handlungsbedarf und zwar, wenn es darum geht, die Aufgaben effizienter und zielgenauer zu erf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Cremer r\u00e4t zum Faktencheck<\/p>\n<p>Als Beispiel nennt der Wirtschaftswissenschaftler die Diskussion \u00fcber Armut. Demnach sind Menschen armutsgef\u00e4hrdet, wenn sie weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens zur Verf\u00fcgung haben. Bedeutet bei Alleinstehenden: Wer weniger als 1.400 Euro pro Monat hat, gilt als armutsgef\u00e4hrdet. <\/p>\n<p>Cremer weist daraufhin, dass ein Gro\u00dfteil der Studierenden, die bereits von zuhause ausgezogen sind, in dieser Armutsstatistik mitgez\u00e4hlt werden, weil sie weniger als 1.400 Euro zur Verf\u00fcgung haben. Das gilt allerdings nur w\u00e4hrend ihres Studiums. Cremer sieht dadurch eine &#8222;Problem\u00fcberzeichnung&#8220; der Armutsdiskussion, andererseits fordert er eine zielgenaue Baf\u00f6g-Reform. Das Baf\u00f6g regelt die staatliche Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ausbildung von Sch\u00fclern und Studenten in Deutschland. <\/p>\n<p>\u00c4hnliche Realit\u00e4ts-Checks schl\u00e4gt Cremer bei anderen Diskussionen vor, zum Beispiel, ob die bundesweit vielen Tafeln ein Zeichen von Staatsversagen seien. <\/p>\n<p>\u00d6konom sieht aber auch Reformbedarf<\/p>\n<p>Der Volkswirt fordert einen b\u00fcrgerfreundlicheren, digitaleren, weniger b\u00fcrokratischen und st\u00e4rker auf Bed\u00fcrftige fokussierten Sozialstaat, der nicht teure Leistungen nach dem Gie\u00dfkannenprinzip auszahlt. Zus\u00e4tzliche Ausgaben m\u00fcssten begrenzt, Mittel umgeschichtet und Bildung deutlich gest\u00e4rkt werden. Er ist zuversichtlich, dass Reformen gelingen. Allerdings m\u00fcssten daf\u00fcr die politischen Kr\u00e4fte der Mitte sachlich zusammenarbeiten. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;F\u00fcr Reformen ohne Kahlschlag&#8220;, lautet die Kampagne, mit der der DGB Bayern in den kommenden Monaten in Bayern&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":882538,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1827],"tags":[1141,1165,772,29,90880,30,1268,379,41381],"class_list":["post-882537","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-muenchen","tag-arbeitszeit","tag-armut","tag-bayern","tag-deutschland","tag-dgb-bayern","tag-germany","tag-muenchen","tag-rente","tag-sozialstaat"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116260326998346679","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/882537","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=882537"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/882537\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/882538"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=882537"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=882537"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=882537"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}