{"id":882944,"date":"2026-03-20T11:19:13","date_gmt":"2026-03-20T11:19:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/882944\/"},"modified":"2026-03-20T11:19:13","modified_gmt":"2026-03-20T11:19:13","slug":"initiative-stadtnatur-fordert-die-rechtliche-sicherung-aller-kernflaechen-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/882944\/","title":{"rendered":"Initiative Stadtnatur fordert die rechtliche Sicherung aller Kernfl\u00e4chen \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Am 25. M\u00e4rz soll das Biotopverbundkonzept im Leipziger Stadtrat verabschiedet werden. Der Biotopverbund erm\u00f6glicht es, isolierte Lebensr\u00e4ume (Biotope) zu vernetzen, um das \u00dcberleben von Pflanzen- und Tierarten zu sichern. Aber ist es wirklich gesichert? Die Initiative Stadtnatur hat da so ihre Zweifel, denn auf vielen Gebieten, die eigentlich zum Biotopverbund geh\u00f6ren sollen, liegen heute schon Bebauungspl\u00e4ne. Wie soll der Biotopverbund da dauerhaft gesichert werden?<\/p>\n<p>Das <a href=\"http:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2026\/02\/biotopverbundkonzept-kommt-in-den-stadtrat-leipzigs-umweltverbande-werben-zustimmung-648200\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">geplante Netz<\/a> besteht im Wesentlichen aus Kernfl\u00e4chen geeigneter Lebensr\u00e4ume f\u00fcr Arten, aus Trittsteinen (kleinen, verstreuten Lebensr\u00e4umen) und aus Korridoren, die zwischen diesen Kernfl\u00e4chen \u00fcberbr\u00fccken. Er erm\u00f6glicht Wanderungen und Wiederbesiedlung und wirkt so dem Verlust der Artenvielfalt und dem Klimawandel entgegen und mindert die Aussterberate.<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/5574e721f9fc46faab6a3e715e40a63f.gif\" width=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2026\/03\/1\" height=\"https:\/\/www.l-iz.de\/politik\/leipzig\/2026\/03\/1\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p>Eine Leipziger Erfindung ist der Biotopverbund \u00fcbrigens auch nicht.\u00a0Der Aufbau und die rechtliche Sicherung eines Biotopverbundes sind laut <a href=\"http:\/\/www.gesetze-im-internet.de\/bnatschg_2009\/__21.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u00a7 21 des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatSchG)<\/a> eine beh\u00f6rdliche Pflichtaufgabe. Leipzig ist nur ein bisschen sp\u00e4t dran.<\/p>\n<p>Die Aufstellung eines Biotopverbundkonzeptes in Leipzig ist seit Jahren \u00fcberf\u00e4llig, kritisiert die Initiative Stadtnatur und begr\u00fc\u00dft ausdr\u00fccklich die Entwicklung und Aufstellung eines solchen Konzeptes, das nun seit Januar 2026 vorliegt und Ende M\u00e4rz beschlossen werden soll.<\/p>\n<p>Wo bleibt die Verbindlichkeit?<\/p>\n<p>Das Biotopverbundkonzept ist \u2013 so die Initiative \u2013 allerdings nur dann f\u00fcr den tats\u00e4chlichen Erhalt und die Entwicklung von Gr\u00fcn- und Biotopfl\u00e4chen sinnvoll und zielf\u00fchrend und entspricht den rechtlichen Erfordernissen nur dann, wenn es auch eine entsprechende Verbindlichkeit festsetzt.<\/p>\n<p>Und da wird es schwierig. Denn die Freifl\u00e4chen, die f\u00fcr den Biotopverbund gebraucht werden, stehen in direkter Konkurrenz zu den Bedarfen an neuem Wohnraum, an Gewerbe- und Verkehrsfl\u00e4chen. In den letzten Jahrzehnten verschwanden im Zuge des Baubooms in Leipzig in rasantem Tempo immer mehr Gr\u00fcnfl\u00e4chen. Landschaftsplanung und Klimaschutz im Rahmen der Bauleitverfahren werden fast grunds\u00e4tzlich Opfer der Abw\u00e4gung, konstatiert die Initiative Stadtnatur.<\/p>\n<p>Wiebke Engelsing von der Initiative Stadtnatur kommentiert das so: \u201eAusweisungen im Landschaftsplan wie \u201aKaltluft- und Frischluftentwicklungsfl\u00e4che\u2018, \u201aFreihaltung von Ventilationsbahnen\u2018 und \u201aErhalt von Gr\u00fcnfl\u00e4chen\u2018 wurden und werden in der Abw\u00e4gung der Bauleitplanung der Stadt mit fl\u00e4chenfressenden Bauvorhaben systematisch als nachrangig beurteilt. So auch die ausgewiesenen<br \/>Fl\u00e4chen der Stadtklimaanalyse mit sehr hoher und hoher Schutzw\u00fcrdigkeit f\u00fcr den priorit\u00e4ren Erhalt.\u201c<\/p>\n<p>Beispiele daf\u00fcr gebe es zahlreiche wie den Bebauungsplan Heiterblick-S\u00fcd, den Bebauungsplan \u201eStadtraum Bayerischer Bahnhof \u2013 Stadtquartier L\u00f6\u00dfniger Stra\u00dfe\u201c, den Bebauungsplan \u201ePrager Stra\u00dfe\u201c, den Bebauungsplan \u201eGut Kleinzschocher\u201c, den Bebauungsplan \u201eGemeinbedarfsfl\u00e4chen D\u00f6belner Stra\u00dfe\u201c, den Bebauungsplan \u201eGlesiener Stra\u00dfe\u201c, den Bebauungsplan \u201eArthur-Nagelstra\u00dfe\u201c, Bodenbebauungsplan \u201eWilhelm-Leuschner-Platz\u201c, den Bebauungsplan \u201eWohnsiedlung Emil-Teich-Stra\u00dfe\u201c, den Bebauungsplan \u201eWohnen am Klucksgraben\u201c und den Bebauungsplan \u201eBremer Stra\u00dfe\u201c.<\/p>\n<p>Alles nur Abw\u00e4gungsmaterial?<\/p>\n<p>Auch <a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2025298&amp;refresh=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">im vorliegenden und zur Abstimmung im Stadtrat stehenden Biotopverbundkonzept<\/a> sollen die dargestellten Kernfl\u00e4chenkomplexe \u2013 der zentrale und wichtigste Baustein des Konzeptes \u2013 laut Aussagen der Stadtverwaltung lediglich als \u201eAbw\u00e4gungsmaterial f\u00fcr die Bauleitplanung\u201c ber\u00fccksichtigt werden. Es werde darauf hingewiesen, dass \u201edie Entwicklung von Baufl\u00e4chen innerhalb von Kernfl\u00e4chenkomplexen gut begr\u00fcndet werden muss, wobei das Ziel des Erhalts der Funktion als Kernfl\u00e4che eine besondere Ber\u00fccksichtigung findet.\u201c<\/p>\n<p>Kristine Wiesner von der Initiative Stadtnatur nennt da ihre Bef\u00fcrchtungen: \u201eMithilfe solcher \u201aguten Begr\u00fcndungen\u2018 werden absehbar wesentliche Kernfl\u00e4chenkomplexe verschwinden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eDaran w\u00fcrde auch der <a href=\"http:\/\/ratsinformation.leipzig.de\/allris_leipzig_public\/vo020?VOLFDNR=2028742&amp;refresh=false\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">\u00c4nderungsantrag der gr\u00fcnen Stadtratsfraktion<\/a> nur wenig \u00e4ndern\u201c, erg\u00e4nzt Kristine Wiesner. \u201eDieser m\u00f6chte zwar einen \u201agrunds\u00e4tzlichen Vorrang f\u00fcr Verbundfl\u00e4chen verankern\u2018, f\u00e4hrt dann aber fort, es m\u00fcsse dokumentiert werden, \u201aob im Sinne des Biotopverbundkonzepts geplant wird bzw. wie eine Abweichung gerechtfertigt und ortsnah ausgeglichen werden soll.\u2018 Damit sind Ausnahmen wiederum T\u00fcr und Tor ge\u00f6ffnet.\u201c<\/p>\n<p>Initiative bef\u00fcrchtet: Es hat keine Wirkungen<\/p>\n<p>Zudem ist ortsnaher Ausgleich in Leipzig seit Langem nicht mehr m\u00f6glich. Landschaftsplan und Stadtklimaanalyse sehen den dringend erforderlichen Schutz der klimarelevanten Fl\u00e4chen und die Sicherung der verbliebenen bedeutsamen Biotopstrukturen zwar vor, sind jedoch \u2013 so die Initiative Stadtnatur \u2013 bislang wirkungslose Papiertiger.<\/p>\n<p>\u201eUnd ein Paradigmenwechsel in Form einer Umkehr und Neujustierung der Stadtentwicklung zugunsten von Gr\u00fcnfl\u00e4chen, Klimaschutz unter Betrachtung der \u00d6kosystemfunktionen ist nicht in Sicht. Somit ist absehbar, dass auch das Biotopverbundkonzept, das \u00fcber Jahre mit gro\u00dfer Sachkenntnis ausgearbeitet wurde, keinerlei oder kaum Wirkung zeigen wird\u201c, konstatiert Monika Dirk von der Initiative Stadtnatur.<\/p>\n<p>Und das geplante und nach den dramatischen Verlusten an Gr\u00fcnfl\u00e4chen der letzten Jahrzehnte ohnehin fragile Netz von Biotopverbundfl\u00e4chen br\u00f6ckele schon, bevor es \u00fcberhaupt beschlossen wird. Im Biotopverbundkonzept seien bereits Verlustfl\u00e4chen gekennzeichnet, die durch Bebauungspl\u00e4ne \u00fcberplant werden. Diese Fl\u00e4chen stellen jedoch nur einen Bruchteil der tats\u00e4chlich beschlossenen oder in Verfahren befindlichen Bebauungspl\u00e4ne dar, die Biotopverbundfl\u00e4chen in Anspruch nehmen werden.<\/p>\n<p>Lauter B-Pl\u00e4ne in der Pipeline<\/p>\n<p>Eine Pr\u00fcfung der aktuell noch nicht umgesetzten oder geplanten Bebauungspl\u00e4ne der Stadt durch die Initiative Stadtnatur hat ergeben, dass in K\u00fcrze durch Bebauungspl\u00e4ne (in einer Gr\u00f6\u00dfenordnung von mehr als 270 ha) sogenannte Kernfl\u00e4chenkomplexe \u2013 die wichtigsten Fl\u00e4chen des Biotopverbundkonzeptes \u2013 von \u00dcberbauung betroffen sind. Dazu geh\u00f6ren auch Pl\u00e4ne in der Neuen Harth (am Zwenkauer See), am Bahnbogen Leutzsch und am hei\u00df diskutierten Jahrtausendfeld.<\/p>\n<p>W\u00fcrden allein diese Bebauungspl\u00e4ne vollst\u00e4ndig umgesetzt, sei der Biotopverbund in wesentlichen Bereichen faktisch aufgehoben und nicht mehr funktionsf\u00e4hig, sch\u00e4tzt die Initiative Stadtnatur ein. Hinzu k\u00e4me, dass neben den Bebauungspl\u00e4nen zus\u00e4tzlich st\u00e4ndig Fl\u00e4chen im sogenannten Innenbereich ohne Bauleitplanung \u00fcberbaut werden. Weitere Gr\u00fcnfl\u00e4chen w\u00fcrden durch Bauma\u00dfnahmen wie Stra\u00dfenbau, Leitungsbau usw. in Anspruch genommen. Zus\u00e4tzlich setze allen Stadtb\u00e4umen die D\u00fcrre zu.<\/p>\n<p>\u201eEin sinnvoller Biotopverbund auf der Grundlage des Biotopkonzeptes kann nur verwirklicht werden, wenn die Bebauungspl\u00e4ne erneut auf den Pr\u00fcfstand gestellt und ein gro\u00dfer Teil nicht, bzw. nur in Teilen, umgesetzt wird\u201c, meint Axel Schmoll von der Initiative Stadtnatur.<\/p>\n<p>56 % der Kernfl\u00e4chen und 85 % der Entwicklungsfl\u00e4chen seien bisher nicht gem\u00e4\u00df den Anforderungen des \u00a7 21 Abs. 4 BNatSchG \u201edurch planungsrechtliche Festlegungen, durch langfristige vertragliche Vereinbarungen oder andere geeignete Ma\u00dfnahmen rechtlich gesichert, um den Biotopverbund dauerhaft zu gew\u00e4hrleisten.\u201c<\/p>\n<p>Der Verweis auf die Ber\u00fccksichtigung im Rahmen der Abw\u00e4gung in der Bauleitplanung stelle keine rechtskonforme Sicherung der Fl\u00e4chen dar, sondern verscherbele den Restbestand an Gr\u00fcnfl\u00e4chen und den Biotopverbund der Stadt.<\/p>\n<p>Die Initiative Stadtnatur fordert deshalb: \u201eAngesichts von Biodiversit\u00e4tskrise, Artensterben und Klimawandel sind die Konzepte der Stadt mit ihren fl\u00e4chenkonkreten Ausweisungen \u2013 Landschaftsplan, Stadtklimaanalyse, Biotopverbundkonzept \u2013 auch f\u00fcr die aktuellen Bauvorhaben endlich auf allen Fl\u00e4chen, auf die die Stadt Zugriff hat, vollst\u00e4ndig umzusetzen. Alle weiteren verbliebenen wertgebenden Gr\u00fcnfl\u00e4chen sind im Sinne des \u00a7 21 BNatSchG rechtlich verbindlich zu sichern.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 25. M\u00e4rz soll das Biotopverbundkonzept im Leipziger Stadtrat verabschiedet werden. 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