{"id":883641,"date":"2026-03-20T17:56:27","date_gmt":"2026-03-20T17:56:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/883641\/"},"modified":"2026-03-20T17:56:27","modified_gmt":"2026-03-20T17:56:27","slug":"duisburg-haelt-an-einreiseverbot-gegen-den-mauretanier-fest","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/883641\/","title":{"rendered":"Duisburg h\u00e4lt an Einreiseverbot gegen den \u201eMauretanier\u201c fest"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDer Mauretanier\u201c Mohamedou Ould Slahi ist zum \u00f6ffentlichen Gesicht der Anklage gegen das US-Gefangenenlager Guant\u00e1namo geworden, in dem er 14 Jahre lang eingesperrt war und schwer gefoltert wurde. Doch obwohl er vor zehn Jahren freigelassen wurde und seine Unschuld zweifelsfrei bewiesen ist, darf er nicht nach Duisburg reisen. Die deutschen Beh\u00f6rden behandeln ihn weiterhin als \u201eTerroristen\u201c.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"db relative center\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/c1a856ff-0dad-4771-88af-08727a37d4d7.jpeg\" style=\"max-height:100%\"\/>Mohamedou Ould Slahi [Photo by ICRC \/ <a class=\"black-40 hover-black-60 no-underline\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\" href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/3.0\/\">CC BY-SA 3.0<\/a>]<\/p>\n<p>Deutlicher k\u00f6nnten sie ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr die diktatorischen Herrschaftsmethoden Donald Trumps nicht zeigen, der das ber\u00fcchtigte Foltergef\u00e4ngnis Guant\u00e1namo zum Konzentrationslager f\u00fcr 30.000 H\u00e4ftlinge ausbauen l\u00e4sst und nach seinem Vorbild \u00fcberall in den USA \u00e4hnliche Lager f\u00fcr Migranten errichtet.<\/p>\n<p>Slahi wurde international bekannt, weil er seine Leidensgeschichte in Tagebuchaufzeichnungen festgehalten hatte, die unter dem Titel \u201eDas Guant\u00e1namo-Tagebuch\u201c zun\u00e4chst mit vielen Schw\u00e4rzungen ver\u00f6ffentlicht wurden. Es lieferte die Grundlage f\u00fcr das Drehbuch des Films \u201eDer Mauretanier\u201c mit Jodie Foster als Menschenrechtsanw\u00e4ltin und Benedict Cumberbatch als Ermittler, der von etwa 3,8 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern gesehen wurde.<\/p>\n<p>Der Film wurde auch im deutschen Fernsehen gezeigt. Eine Dokumentation unter dem Titel \u201e<a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;source=web&amp;rct=j&amp;opi=89978449&amp;url=https:\/\/www.ardmediathek.de\/video\/panorama\/slahi-und-seine-folterer\/das-erste\/Y3JpZDovL25kci5kZS9lMGQxN2QyNi0zYTdmLTRiNzYtYTczYy1hNzQ3YTgzMGI3YTI&amp;ved=2ahUKEwi2lcze86mTAxWBhv0HHSsrPXcQwqsBegQIDRAB&amp;usg=AOvVaw3fAHW3vsqyWwkTqiuf57zQ\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Slahi und seine Folterer<\/a>\u201c ist in der ARD Mediathek zu sehen.<\/p>\n<p>Doch trotz seiner Rehabilitation darf Slahi, der inzwischen als Schriftsteller t\u00e4tig ist, bis heute nicht nach Deutschland reisen. Die Einreise ist ihm wiederholt verweigert worden.<\/p>\n<p>2021 durfte er nicht zur Berlinale kommen, um die Deutschland-Premiere von \u201eDer Mauretanier\u201c mitzuerleben. 2023 wurde er nach dem Erscheinen seines ersten Romans \u201eDie wahre Geschichte von Ahmed und Zarga\u201c nach Berlin eingeladen, um das <a href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/articles\/2023\/06\/20\/a8c1-j20.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">African Book Festival<\/a> zu leiten, was eine heftige Kampagne gegen ihn ausl\u00f6ste, woraufhin seine Einreise untersagt wurde. \u201eEin Israelhasser sollte kein Buchfest leiten d\u00fcrfen,\u201c schrieb Alan Posener in der Welt.<\/p>\n<p>Einmal in die F\u00e4nge der Geheimdienste geraten, wird Slahi lebenslang als Verd\u00e4chtiger verfolgt. Ganz besonders jetzt, wo alles getan wird, um das islamische Feindbild aufrecht zu erhalten. Das soll jeglichen Widerstand gegen die imperialistischen Kriege im Nahen Osten und anderswo im Keim ersticken. Das Einreiseverbot f\u00fcr Slahi reiht sich in die politischen Angriffe auf K\u00fcnstler und Autoren ein, die sich mit den Pal\u00e4stinensern solidarisieren und die imperialistische Kriegspolitik ablehnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.mehring-verlag.de\/veranstaltungen.html\" class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw-75rem-m bg-black-05 mt3 center\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/1773891744_27_a840bdb7-4790-47ac-ab7e-20a30375ea9b.png\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/1773891745_487_3e3b0868-f0fd-4eaa-b443-e839044a2ac3.png\"\/><\/a><\/p>\n<p>Slahi darf immer noch nicht nach Duisburg kommen, obwohl das Oberverwaltungsgericht D\u00fcsseldorf die Begr\u00fcndung der Stadt f\u00fcr die Einreisesperre am 2. Februar f\u00fcr rechtlich nicht mehr relevant erkl\u00e4rt hatte. Da die Duisburger Beh\u00f6rden beim Bundesverwaltungsgericht (BVerwG) in Leipzig Revision einlegten und den Terrorismusverdacht gegen Slahi aufrechterhalten, darf er weiterhin nicht nach Deutschland einreisen, weder an Premieren seiner St\u00fccke noch an Preisverleihungen teilnehmen und auch nicht seine Frau und seinen Sohn besuchen, die in Deutschland leben.<\/p>\n<p>Duisburg st\u00fctzt sich bei seinem Terrorismusverdacht auf Angaben des US-Justizministeriums. Und dies, obwohl das Bundeskriminalamt keine Hinweise gefunden hat, dass Slahi irgendetwas mit den 9\/11-Anschl\u00e4gen zu tun hatte.<\/p>\n<p>\u00dcber Slahis Geschichte hat die WSWS mehrfach berichtet. Daher hier nur kurz die wichtigsten Fakten.<\/p>\n<p>In Verdacht war Slahi gekommen, weil er 1990 als gl\u00e4ubiger Moslem nach Afghanistan gereist war, um sich in einem al-Qaida-Camp f\u00fcr den Dschihad gegen das von der Sowjetunion unterst\u00fctzte Regime von Nadschibullah vorzubereiten. Al-Qaida und andere islamistische Gruppen wurden damals vom US-Geheimdienst CIA unterst\u00fctzt und gef\u00f6rdert, um den sowjetischen Einfluss in Zentralasien zu schw\u00e4chen.<\/p>\n<p>Nach einer zweiten Afghanistanreise 1992 kehrte Slahi nach Deutschland zur\u00fcck, um sein unterbrochenes Studium der Elektrotechnik abzuschlie\u00dfen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er laut eigener Aussage alle Verbindungen zu al-Qaida abgebrochen.<\/p>\n<p>Er geriet jedoch 1998 beim Verfassungsschutz unter Verdacht, nachdem amerikanische Dienste ein Telefonat zu seinem Cousin Mahfouz Ould al-Walid abgeh\u00f6rt hatten, das dieser von einem Telefon Osama bin Ladens f\u00fchrte. Dabei ging es allerdings nur darum, dass der Cousin Slahi bat, seinem krankem Vater Geld zu schicken.<\/p>\n<p>Die CIA hielt Slahi danach f\u00e4lschlicherweise f\u00fcr den Chefrekrutierer al-Qaidas in Deutschland. Dazu kam, dass ein Verwandter von ihm Mitglied der F\u00fchrung al-Qaidas gewesen war und das religi\u00f6se Beratungsgremium der Organisation geleitet hatte. Er hatte die Organisation jedoch aus Protest gegen die geplanten Anschl\u00e4ge vom 11. September 2001 verlassen. Ab diesem Zeitpunkt war Slahi offenbar f\u00fcr immer im Visier der Geheimdienste.<\/p>\n<p><a class=\"db avenir f6 lh-title pa1 br2 tc mw6 mw7-l bg-black-05 mt3 center\" href=\"https:\/\/www.wsws.org\/de\/special\/pages\/freebogdan.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" class=\"dn db-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/04\/1744237449_988_7e4eabbf-72c5-4c32-bbe7-fbf358c98be8\"\/><img decoding=\"async\" class=\"db dn-m\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/0fbce9ab-d2c4-417c-a910-46ad612cfce5\"\/><\/a><\/p>\n<p>2001 wurde er in Mauretanien, wo er seit einem Jahr wieder lebte und als Elektrotechniker arbeitete, auf Betreiben von US-Sicherheitskr\u00e4ften festgenommen und mehrere Wochen von mauretanischen Beamten und amerikanischen Geheimdienstlern verh\u00f6rt. Die Verh\u00f6re wurden in Jordanien und Afghanistan fortgesetzt. Von 2002 bis 2016 war er dann in Guant\u00e1namo inhaftiert und grausamen Verh\u00f6ren und Foltern ausgesetzt.<\/p>\n<p>Die US-Geheimdienste wollten in ihm einen der Drahtzieher der Anschl\u00e4ge vom 11. September 2001 sehen und Informationen von ihm erhalten. Er wurde mit Isolationshaft, Waterboarding, Dauerbeschallung, sexueller Bel\u00e4stigung, Schlafentzug, K\u00f6rperverletzungen und Androhung von Gewalt gegen seine Mutter gefoltert. Schlie\u00dflich gestand er Taten, die er nie begangen hatte.<\/p>\n<p>Nach seiner Freilassung durchlebte Slahi eine Odyssee zwischen deutschen Beh\u00f6rden. Das Ausw\u00e4rtige Amt stimmte einem Visumsantrag zu, nicht zuletzt, weil er flie\u00dfend Deutsch sprach und in der Deutschen Botschaft von Nouakchott, der Hauptstadt Mauretaniens, ein gern gesehener Gast war und dort Vortr\u00e4ge halten konnte. Das Bundesinnenministerium aber intervenierte dagegen.<\/p>\n<p>Dem Bundeskriminalamt (BKA) liegen allerdings keine Erkenntnisse vor, dass von Slahi eine Terrorgefahr ausgeht, dass er nach seiner Freilassung islamistische Ideologien verbreitete oder dass er in den vergangenen 20 Jahren in der islamistischen Szene in Deutschland aktiv war. Das Verwaltungsgericht D\u00fcsseldorf hatte f\u00fcr den Prozess eine entsprechende Auskunft des BKA eingeholt.<\/p>\n<p>Die Stadt Duisburg hatte bereits 1999 eine unbefristete Einreisesperre gegen Slahi wegen Sozialbetrugs erteilt. Er hatte nach dem Studium Arbeitslosengeld beantragt und sp\u00e4ter eine Firma gegr\u00fcndet, ohne dies \u2013 aus Versehen, wie er sagte \u2013 der Bundesanstalt f\u00fcr Arbeit zu melden. Ein Gericht wertete dies nicht als Ordnungswidrigkeit, sondern als vors\u00e4tzliche Straftat und verh\u00e4ngte sechs Monate Gef\u00e4ngnis auf Bew\u00e4hrung. Slahi wurde aus Deutschland ausgewiesen.<\/p>\n<p>Als er 2020, nach mehr als 20 Jahren, bei der Stadt Duisburg die Befristung der Einreisesperre beantragte, verf\u00fcgte diese eine weitere Sperre f\u00fcr 20 Jahre. Sie begr\u00fcndete dies mit der angeblich weiterhin bestehenden Terrorgefahr. Das Verwaltungsgericht D\u00fcsseldorf und in zweiter Instanz auch das OVG D\u00fcsseldorf haben diese Sperre aufgehoben, aber Revision zugelassen.<\/p>\n<p>Slahi ist inzwischen niederl\u00e4ndischer und damit EU-B\u00fcrger. Er arbeitet als Autor und wollte wegen der Premieren seiner St\u00fccke und Preisverleihungen nach Duisburg reisen. Au\u00dferdem wollte er seine Ehefrau, eine amerikanische Menschrechtsanw\u00e4ltin, und seinen Sohn besuchen. Aber auch sein Antrag auf Familienzusammenf\u00fchrung wurde abgelehnt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eDer Mauretanier\u201c Mohamedou Ould Slahi ist zum \u00f6ffentlichen Gesicht der Anklage gegen das US-Gefangenenlager Guant\u00e1namo geworden, in dem&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":883642,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1838],"tags":[3364,29,3715,30,720,194761,194762,1209,64],"class_list":["post-883641","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-duisburg","tag-de","tag-deutschland","tag-duisburg","tag-germany","tag-guantanamo","tag-mauretanier","tag-mohamedou-ould-slahi","tag-nordrhein-westfalen","tag-usa"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116262796746412588","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/883641","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=883641"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/883641\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/883642"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=883641"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=883641"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=883641"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}