{"id":888851,"date":"2026-03-22T20:42:28","date_gmt":"2026-03-22T20:42:28","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/888851\/"},"modified":"2026-03-22T20:42:28","modified_gmt":"2026-03-22T20:42:28","slug":"kriminologe-messerverbotszonen-sind-symbolpolitik-ndr-de-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/888851\/","title":{"rendered":"Kriminologe: Messerverbotszonen sind Symbolpolitik | ndr.de"},"content":{"rendered":"<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/messer-122.webp.webp\" alt=\"Ein Mann h\u00e4lt ein Messer in der Hand. (Themenbild)\" title=\"Ein Mann h\u00e4lt ein Messer in der Hand. (Themenbild) | picture alliance\/dpa, Marijan Murat\" class=\"responsive\"\/><\/p>\n<p>AUDIO: Kriminologe Thomas Bliesener: Die Zahlen sind nicht aussagekr\u00e4ftig (1 Min)<\/p>\n<p>\n                Stand: 17.03.2026 11:43 Uhr<\/p>\n<p class=\"preface\">Der polizeilichen Kriminalstatistik Niedersachsens zufolge ist die Zahl der Messerangriffe gestiegen. Das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN) warnt vor einer \u00dcberinterpretation der Zahlen. <\/p>\n<p class=\"\">Der Direktor des KFN, Thomas Bliesener, h\u00e4lt die Zahlen aus methodischen Gr\u00fcnden f\u00fcr nicht f\u00fcr sehr aussagekr\u00e4ftig. Die Zahl der Gewalttaten insgesamt gehe zur\u00fcck, einen Anlass f\u00fcr gro\u00dfe \u00c4ngste sieht er nicht.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Laut der am Montag vorgestellten Statistik des Innenministeriums ist die Zahl der Messerangriffe in Niedersachsen auf einen neuen H\u00f6chststand gestiegen. Herr Bliesener, wie sch\u00e4tzen Sie diese Zahlen ein?<\/strong><\/p>\n<p>                    <a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/bliesener-100.webp.webp\" class=\"zoomimage\" title=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\"><\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/bliesener-100.webp.webp\" alt=\"Ein Portraitfoto von Thomas Bliesener, Direktor Kriminologisches Forschungsinstitut Niedersachsen e.V.\" title=\"Thomas Bliesener, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen. | Thomas Bliesener\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>                    <\/a><\/p>\n<p>                    Thomas Bliesener, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Thomas Bliesener:<\/strong> 2020 hat die Polizei begonnen, Angriffe mit Messern getrennt auszuweisen, hat also eine neue Kategorie aufgemacht. Wir wissen aus der Vergangenheit, dass solche Erfassung sich erst mal einr\u00fctteln muss. Da gibt es im Laufe der Zeit Nachjustierungen und die f\u00fchren dann zu Ver\u00e4nderungen. Insofern w\u00e4re ich bei der Interpretation dieser Zahlen sehr vorsichtig.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Ich k\u00f6nnte mir vorstellen, dass viele schnell interpretieren: Es gibt Menschen, die kommen zu uns nach Deutschland und kommen aus Kulturkreisen, wo Messerkriminalit\u00e4t m\u00f6glicherweise mehr verbreitet ist als bei uns. Dem w\u00fcrden Sie sich nicht anschlie\u00dfen?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Bliesener:<\/strong> Wir wissen, dass es in anderen Kulturen eine N\u00e4he zu der Durchsetzung eigener Interessen gibt, also insbesondere der Ehre der Familie. Dass da auch eine gr\u00f6\u00dfere N\u00e4he vorliegt, dann diese Familienehre mit Gewalt zu sichern und dass dabei dann auch ein Messer eingesetzt werden kann, auch das ist bekannt. Das will ich gar nicht verhehlen. Gleichwohl m\u00fcssen wir bei der Interpretation der Zahlen vorsichtig sein. Und wir sollten uns auch vor \u00dcbergeneralisierungen sch\u00fctzen oder dabei zur\u00fcckhaltend sein, weil es nat\u00fcrlich auch deutsche Messer-T\u00e4ter gibt und nicht alle Messerangriffe jetzt nur von Personen mit Zuwanderungshistorie begangen werden.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Heute hat die nieders\u00e4chsische Innenministerin Daniela Behrens, SPD, angek\u00fcndigt, dass man weitere Messerverbotszonen einf\u00fchren will. Kann man denn solche Verbotszonen \u00fcberhaupt kontrollieren? Da br\u00e4uchte man doch wahrscheinlich noch viel mehr Sicherheitspersonal, noch mehr Polizei?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Bliesener:<\/strong> Ja, das ist richtig. Das ist ein St\u00fcck weit Symbolpolitik. Man f\u00fchrt diese Verbotszonen ein, um dann auch in diesen Orten oder in diesen Regionen kontrollieren zu k\u00f6nnen. Ja, das ist auch ein Teil des Problems. Da, wo ich mehr kontrolliere, finde ich nat\u00fcrlich auch mehr Messer.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Haben Sie das Gef\u00fchl, dass wir \u00fcberhaupt alle angesichts der schwierigen Lage allgemein, angesichts der weltweiten Kriege, Krisen, aber auch dem inneren Druck in Deutschland, egal, woher wir kommen, aggressiver geworden sind in den letzten Jahren?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Bliesener:<\/strong> Das wird vielfach behauptet aber ich kann daf\u00fcr eigentlich keine passenden Daten liefern, die das best\u00e4tigen w\u00fcrden. Wir sehen ja, dass auch im Bereich der K\u00f6rperverletzungsdelikte, bei der einfachen und auch bei der schweren gef\u00e4hrlichen K\u00f6rperverletzung, die Zahlen zur\u00fcckgehen. Gleichwohl haben wir im Bereich der verbalen Aggression, jetzt auch internetbasierten Aggression, also in den sozialen Medien, da stellen wir schon eine Verrohung der Umgangsformen fest. Aber das schl\u00e4gt sich jetzt nicht in tats\u00e4chlicher Gewalt auf der Stra\u00dfe unbedingt nieder.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/polizei-638.webp.webp\" alt=\"Einsatzkr\u00e4fte von Bundespolizei und Ordnungsdienst gehen durch den Hauptbahnhof Hannover.\" title=\"Einsatzkr\u00e4fte von Bundespolizei und Ordnungsdienst gehen durch den Hauptbahnhof Hannover. | picture alliance\/dpa, Moritz Frankenberg\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Niedersachsens Innenministerin hat die Kriminalit\u00e4tsstatistik vorgestellt. Auch h\u00e4usliche Gewalt bleibt ein Problem.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Trotzdem f\u00fchlen sich immer mehr Menschen nicht sicher auf den Stra\u00dfen. Was k\u00f6nnen wir aus Ihrer Sicht dagegen tun?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Bliesener:<\/strong> Zun\u00e4chst einmal nat\u00fcrlich Aufkl\u00e4rung. Es ist wichtig, eben auch solche Zahlen, die ja guter Grund zu einer Beruhigung sind, dann auch mitzuteilen und zu ver\u00f6ffentlichen und nicht immer nur davon zu berichten, dass alles immer schlimmer wird. Das ist nicht der Fall. Und man muss dann auch Personen, die eine gro\u00dfe Furcht haben, von Kriminalit\u00e4t betroffen werden zu k\u00f6nnen, denen auch zuraten, sich nicht unbedingt in ein Vermeidungsverhalten zu begeben. Also abends nicht mehr rauszugehen oder auch tags\u00fcber \u00f6ffentliche Pl\u00e4tze zu meiden. Dann kann ich nicht lernen, dass es mir eigentlich dort gut geht, dass mir da nichts passiert, dass ich da nette Kontakte habe, freundliche Begegnungen habe, die dann diese Furcht vielleicht doch abbauen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"\"><strong>Kommen wir aber noch zu einem anderen Punkt. Die h\u00e4usliche Gewalt hat auch zugenommen. Es gibt auch mehr Vergewaltigungen bei uns, in Bremen und Niedersachsen. Worauf f\u00fchren Sie das zur\u00fcck?<\/strong><\/p>\n<p class=\"\"><strong>Bliesener:<\/strong> Ein Teil dieses Anstiegs mag dadurch zustande kommen, dass viel mehr Personen bereit sind, sich auch an die Polizei zu wenden. Wir d\u00fcrfen nicht vergessen: Die polizeiliche Kriminalstatistik ist eine Statistik der Polizei \u00fcber die ihr bekannt gewordenen F\u00e4lle. Etwa neun von zehn Straftaten werden durch Zeugen, durch Opfer oder Dritte der Polizei zur Anzeige gebracht. Wenn niemand eine Straftat anzeigt, dann kann die Polizei nur das registrieren, was sie selbst durch eigene Kontrollen erf\u00e4hrt. Wir wissen aber, dass durch \u00f6ffentliche Diskussion von bestimmten Kriminalit\u00e4tsph\u00e4nomenen die Bereitschaft in der Bev\u00f6lkerung steigt, wenn sie dann einen Vorfall erleben, beobachten oder selbst davon betroffen sind, ihn auch zur Anzeige zu bringen. Insofern ist das immer so ein selbstverst\u00e4rkender Prozess, wenn etwas intensiv diskutiert wird, wie zum Beispiel h\u00e4usliche Gewalt in den letzten Jahren im Zuge der MeToo-Debatte, jetzt auch mit den Epstein-Files, und das umf\u00e4nglich diskutiert wird, dann motiviert das Betroffene, das zur Anzeige zu bringen.<\/p>\n<p class=\"\">Das Interview f\u00fchrte Andreas Kuhnt.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/steintor-110.webp.webp\" alt=\"Ein Besch\u00e4ftigter am Steintor spricht in die Kamera. \" title=\"Ein Besch\u00e4ftigter am Steintor spricht in die Kamera.  | NDR\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Die meisten Gewaltdelikte in Hannover passieren unter anderem hier. Partyg\u00e4ste, Kioskbesitzer und T\u00fcrsteher berichten.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/stadtbild-124.webp.webp\" alt=\"Eine Demonstrantin h\u00e4lt ein Schild mit der Aufschrift &quot;T\u00f6chter f\u00fcr ein buntes Stadtbild&quot; hoch.\" title=\"Eine Demonstrantin h\u00e4lt ein Schild mit der Aufschrift &quot;T\u00f6chter f\u00fcr ein buntes Stadtbild&quot; hoch. | picture alliance\/dpa, Alex Talash\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Kriminalwissenschaftlerin Susanne Beck pl\u00e4diert im Interview mit NDR Niedersachsen f\u00fcr eine R\u00fcckkehr zu einer sachlichen Debatte.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/hasskriminalitaet138.webp.webp\" alt=\"Auf dem Bildschirm eines Smartphones sieht man die Hashtags Hass und Hetze in einem Twitter-Post.\" title=\"Auf dem Bildschirm eines Smartphones sieht man die Hashtags Hass und Hetze in einem Twitter-Post. | picture alliance\/dpa\/Fabian Sommer, Fabian Sommer\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Die zust\u00e4ndige Beh\u00f6rde in Niedersachsen sieht als Grund unter anderem eine zunehmende Verrohung des Sprachgebrauchs im Netz.<\/p>\n<p>        <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/kontrolle-106.webp.webp\" alt=\"Ein Polizist z\u00e4hlt 50er-Geldscheine, auf einem Tisch liegen Utensilien aus Durchsuchungen.\" title=\"Ein Polizist z\u00e4hlt 50er-Geldscheine, auf einem Tisch liegen Utensilien aus Durchsuchungen. | picture alliance\/dpa-Bildfunk, Moritz Frankenberger\" class=\"responsive\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>Die Bundespolizei hat am Wochenende Hunderte Personen kontrolliert, unter anderem in Hannover, Bremen und Hamburg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"AUDIO: Kriminologe Thomas Bliesener: Die Zahlen sind nicht aussagekr\u00e4ftig (1 Min) Stand: 17.03.2026 11:43 Uhr Der polizeilichen Kriminalstatistik&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":873772,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1836],"tags":[3364,29,30,46,1584,3920,15330,1411,3931],"class_list":["post-888851","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-hannover","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-hannover","tag-kriminalitaet","tag-kriminalstatistik","tag-messerangriffe","tag-niedersachsen","tag-sicherheit"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116274774211023096","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/888851","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=888851"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/888851\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/873772"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=888851"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=888851"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=888851"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}