{"id":889261,"date":"2026-03-23T00:36:14","date_gmt":"2026-03-23T00:36:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/889261\/"},"modified":"2026-03-23T00:36:14","modified_gmt":"2026-03-23T00:36:14","slug":"frankreich-bei-der-kommunalwahl-setzt-sich-die-mitte-durch-le-pens-partei-scheitert-erneut-in-grossstaedten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/889261\/","title":{"rendered":"Frankreich: Bei der Kommunalwahl setzt sich die Mitte durch \u2013 Le Pens Partei scheitert erneut in Gro\u00dfst\u00e4dten"},"content":{"rendered":"<p>Nach der zweiten Wahlrunde relativiert sich der Erfolg extremer Parteien: Konservative und politische Mitte dominieren. Wichtige Gro\u00dfst\u00e4dte bleiben ihnen verschlossen \u2013 ein D\u00e4mpfer mit Blick auf die Pr\u00e4sidentschaftswahl.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Die Erfolge der extremistischen Parteien, die rechts wie links gest\u00e4rkt aus der ersten Runde der franz\u00f6sischen Kommunalwahlen hervorgegangen sind, r\u00fccken nach der zweiten Wahlrunde in ein neues Licht. Der Ausgang der Wahlen in den 1526 verbliebenen Kommunen, in denen die Wahl noch nicht entschieden war, relativiert eindeutig den Durchbruch der Extremisten. Gewinner der Wahl sind die Konservativen, die politische Mitte und diejenigen Sozialisten, die ein B\u00fcndnis mit der extremen Linken verweigert haben.<\/p>\n<p>In Paris hat der sozialistische Kandidat Emmanuel Gr\u00e9goire mit 15 Punkten Vorsprung gegen die konservative Ex-Kulturministerin Rachida Dati gewonnen. Damit bleibt das Pariser Rathaus nach 25 Jahren sozialistischer B\u00fcrgermeister weiterhin in der Hand der Parti Socialiste (PS). Gr\u00e9goire fuhr, begleitet von einem Pulk erleichterter und jubelnder W\u00e4hler, auf dem Fahrrad ins Rathaus. Der Ausgang der Wahl in der Hauptstadt war mit gro\u00dfer Spannung erwartet worden. Weil sich \u2013 im Gegensatz zu allen anderen Listen \u2013 die Kandidatin der linksextremen La France Insoumise (LFI) nicht zur\u00fcckgezogen hatte, kam es in der franz\u00f6sischen Hauptstadt zu einem Dreikampf. Doch die Strategie, die linken W\u00e4hler zu spalten und den Sozialisten zu schaden, ging dort nicht auf.<\/p>\n<p>In Le Havre ist der ehemalige Premierminister \u00c9douard Philippe mit seiner Partei Horizons klar wiedergew\u00e4hlt worden, womit f\u00fcr den Kandidaten der politischen Mitte der Pr\u00e4sidentschaftswahlkampf beginnen kann. Am meisten Stimmen und auch die gr\u00f6\u00dfte Zahl an Rath\u00e4usern konnten Les R\u00e9publicains (LR) verbuchen, die Schwesterpartei der CDU. \u201eWir sind nach wie vor und mehr denn je die st\u00e4rkste politische Kraft\u201c, sagte Parteichef Bruno Retailleau.<\/p>\n<p>Der einzige vorzeigbare Erfolg f\u00fcr den RN an diesem Wahlabend war der klare Sieg des Verb\u00fcndeten \u00c9ric Ciotti in Nizza, der den \u201eBruderkrieg\u201c gegen seinen ehemaligen Parteikollegen Christian Estrosi klar gewonnen hat. Nach eigenen Angaben kann die Partei von Marine Le Pen Siege in insgesamt 30 St\u00e4dten verbuchen. Doch der RN mag die Anzahl seiner Gemeinde- und Stadtr\u00e4te mehr als verdreifacht haben: Gro\u00dfst\u00e4dte wie Marseille und vor allem Toulon sind ein Beleg daf\u00fcr, dass es der Partei \u2013 aller Normalisierung zum Trotz \u2013 nicht gelingt, die ber\u00fchmte \u201eGlasdecke\u201c zu sprengen.<\/p>\n<p>In der s\u00fcdfranz\u00f6sischen Stadt Toulon hat Laure Lavalette die Wahl verloren. Ein Sieg dort w\u00e4re hochsymbolisch gewesen. Entsprechend gro\u00df war die Entt\u00e4uschung im Lager der Sympathisanten. Auch in Marseille ist es dem Kandidaten des RN nicht gelungen, sich durchzusetzen, obwohl er in der ersten Wahlrunde fast gleichauf mit dem Kandidaten der Linken abgeschnitten hatte. In N\u00eemes hat sich ein Kommunist gegen\u00fcber dem Kandidaten des RN durchgesetzt.<\/p>\n<p>Zugewinne \u2013 aber kein Durchbruch<\/p>\n<p>Die Zahl der neuen Gemeinder\u00e4te ist dennoch nicht zu untersch\u00e4tzen. Der RN k\u00f6nnte dadurch bei den n\u00e4chsten Senatswahlen zus\u00e4tzliche Sitze gewinnen und m\u00f6glicherweise eine eigene Gruppe bilden. Wichtig ist dieses Abschneiden auch f\u00fcr die 500 Patenschaften, die ein Pr\u00e4sidentschaftskandidat bei Volksvertretern einsammeln muss, um antreten zu k\u00f6nnen. F\u00fcr Marine Le Pen war das bei allen drei Kandidaturen eine Zitterpartie. Die Wahlen haben aber vor allem gezeigt, dass es ihrer rechtsnationalen Partei immer noch nicht gelingt, sich au\u00dferhalb der angestammten Hochburgen im Nordosten, S\u00fcdosten und an der Mittelmeerk\u00fcste Frankreichs zu verankern.<\/p>\n<p>\u201eDer RN stellt in Lyon, Toulouse, Bordeaux, Nantes und Montpellier kein einziges Mitglied des Stadtrats. Es ist deutlich zu erkennen, dass nach wie vor eine gewisse Zur\u00fcckhaltung besteht, diese Bewegung als etwas Normales anzusehen\u201c, analysiert Luc Rouban, Politologe vom nationalen Forschungsinstitut CNRS. \u201eDieser gravierende Mangel an Unterst\u00fctzung in den franz\u00f6sischen Gro\u00dfst\u00e4dten wird 2027 eine der gr\u00f6\u00dften H\u00fcrden f\u00fcr die Kandidatur von Bardella oder Le Pen darstellen\u201c, so Rouban.<\/p>\n<p>Die zweite Lehre dieser Wahlen ist das Abschneiden der Linken in den 26 St\u00e4dten, in denen sich Sozialisten der PS mit den Linksextremen von La France Insoumise (LFI) zusammengetan haben. Nach mehrfachen antisemitischen \u00c4u\u00dferungen von Jean-Luc M\u00e9lenchon und mangelnder Distanzierung der Partei nach dem Tod eines Rechtsaktivisten, den Parteimitglieder in Lyon am Rande einer Veranstaltung erschlagen hatten, war die offizielle Linie der Sozialisten, keine Allianz mit den Linkspopulisten einzugehen. Doch vielerorts setzten sich PS-Kandidaten \u00fcber die Parteilinie hinweg und bildeten gemeinsame Listen mit den Linksextremen. Vertreter der Partei versuchten, das zu relativieren, indem sie von \u201etechnischen Fusionen\u201c sprachen. Als \u201eAbkommen der Schande\u201c bezeichnete LR-Chef Retailleau diese Allianzen.<\/p>\n<p>Ern\u00fcchterung bei den Linksextremen<\/p>\n<p>Nach dem zweiten Wahlgang zeigt sich, dass diese Rechnung in den meisten F\u00e4llen nicht aufgegangen ist. In Toulouse, wo es zu einer Fusion der Listen kam, hat sich der Kandidat des Unbeugsamen Frankreich (LFI) nicht durchsetzen k\u00f6nnen. Auch in Limoges hat ein Konservativer klar gegen eine gemeinsame Liste von Sozialisten und Linksextremen gewonnen.<\/p>\n<p>In einer wenig enthusiastischen Rede versuchte Manuel Bompard, Parteichef von LFI, die Ergebnisse sch\u00f6nzureden. Er k\u00fcndigte an, bei den Pr\u00e4sidentschaftswahlen im n\u00e4chsten Jahr die Kandidaten der Mitte \u201ewegzufegen\u201c. Vorzeigsiege sind den Linksextremen allerdings nur in der nordfranz\u00f6sischen Stadt Roubaix und in der Pariser Vorstadt Saint-Denis gelungen, wo sich der Kandidat von LFI bereits im ersten Wahlgang durchsetzen konnte.<\/p>\n<p>Die Kommunalwahl gilt als Test f\u00fcr die Pr\u00e4sidentschaftswahlen im n\u00e4chsten Jahr. Wenn man eine Lehre aus ihr ziehen will, dann die, dass die Mehrheit der W\u00e4hler die Traditionsparteien und die politische Mitte den Extremen noch immer vorzieht. Ihr Verlauf zeigt aber auch, dass es immer anders kommt als erwartet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach der zweiten Wahlrunde relativiert sich der Erfolg extremer Parteien: Konservative und politische Mitte dominieren. 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