{"id":892352,"date":"2026-03-24T06:07:24","date_gmt":"2026-03-24T06:07:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/892352\/"},"modified":"2026-03-24T06:07:24","modified_gmt":"2026-03-24T06:07:24","slug":"wo-liegt-die-grenze-zwischen-planet-und-braunem-zwerg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/892352\/","title":{"rendered":"Wo liegt die Grenze zwischen Planet und Braunem Zwerg?"},"content":{"rendered":"\n<p><strong>Astronomen k\u00f6nnten ein seit Jahrzehnten bestehendes Problem gel\u00f6st haben: die Unterscheidung zwischen besonders massereichen Gasplaneten und Braunen Zwergen. Beide substellare Himmelsk\u00f6rper haben \u00e4hnliche Temperaturen, Gash\u00fcllen und Helligkeit und lassen dadurch die Grenze zwischen Planet und \u201egescheitertem Stern\u201c verschwimmen. Doch jetzt haben Forschende ein Merkmal gefunden, das helfen k\u00f6nnte, die Grenze besser zu definieren. Demnach rotieren Braune Zwerge signifikant langsamer als ihre planetaren Gegenparts, ihr Tempo liegt weiter vom maximal M\u00f6glichen entfernt. Der Grund daf\u00fcr liegt in den unterschiedlichen Bildungsbedingungen beider Arten von Himmelsk\u00f6rpern und im st\u00e4rkeren Magnetfeld der gescheiterten Sterne.<\/strong><\/p>\n<p>Braune Zwerge sind Grenzg\u00e4nger unter den Himmelsk\u00f6rpern. Denn sie sind zu gro\u00df und warm f\u00fcr Planeten, aber zu massearm, um durch die Wasserstofffusion zu echten Sternen zu werden. Dadurch glimmen sie oft nur schwach im Infrarot und \u00e4hneln in Temperatur und Helligkeit den gr\u00f6\u00dften Vertretern der extrasolaren Gasriesen. Das macht ihre Unterscheidung schwierig, manchmal unm\u00f6glich. G\u00e4ngiger Definition nach liegt die Grenze zwischen Planet und Braunem Zwerg zwar bei rund 13 Jupitermassen \u2013 dem Massenbereich, ab dem eine Deuterium-Fusion im Inneren m\u00f6glich ist. Aber Astronomen haben schon mehrere Himmelsk\u00f6rper entdeckt, die genau auf der Grenze zwischen beiden liegen. Ob es sich bei ihnen um einen gro\u00dfen Gasplaneten oder aber einen Brauen Zwerg handelt, lie\u00df sich nicht eindeutig bestimmen.<\/p>\n<p>Rotation im Visier<\/p>\n<p>Jetzt k\u00f6nnten Astronomen um Chih-Chun Hsu von der Northwestern University ein Merkmal gefunden haben, das Gasplaneten und Braune Zwerge eindeutiger voneinander trennt. F\u00fcr ihre Studie hatten sie sechs extrasolare Gasriesen sowie 25 Braune Zwerge in Doppelsystemen untersucht \u2013 dadurch bewegen sich alle Testobjekte in Orbits um andere Himmelsk\u00f6rper und sind besser vergleichbar. Die Forschenden nahmen diese 32 Objekte mit dem hochaufl\u00f6senden KPIC-Spektroskop des W.M. Keck Observatory auf Hawaii ins Visier. In den Daten analysierten sie unter anderem die Breite der Spektrallinien, die die Gash\u00fclle der Himmelsk\u00f6rper erzeugt. Denn dies erlaubt R\u00fcckschl\u00fcsse auf das Rotationstempo der Objekte: Je schneller sich ein Himmelk\u00f6rper bewegt, desto st\u00e4rker verbreitern sich seine Spektrallinien. \u201eKPIC ist das erste Instrument, das uns solche Messungen von Merkmalen wie der Rotation erm\u00f6glicht, die vorher kaum detektierbar waren\u201c, erkl\u00e4rt Hsu.<\/p>\n<p>Bei den Auswertungen der Spektraldaten wurden die Astronomen f\u00fcndig: \u201eWir haben den ersten klaren Beleg daf\u00fcr gefunden, dass Gasriesen sich in ihrer Rotation von massearmen Braunen Zwergen unterscheiden\u201c, schreibt das Team. Demnach drehen sich Planeten signifikant schneller um sich selbst als gleichalte Braune Zwerge. Ihr Rotationstempo erreicht einen h\u00f6heren Protzentsatz des f\u00fcr eine bestimmte Gr\u00f6\u00dfe maximal M\u00f6glichen, wie Hsu und seine Kollegen berichten. Demnach rotieren zehn Millionen Jahre alte Gasriesen im Schnitt mit 27 Prozent ihres sogenannten Breakup-Tempos, gleichalte Braune Zwerge mit vergleichbaren Orbitneigungen dagegen nur mit rund 9 Prozent. Geht man von zuf\u00e4lligen, nicht gleichen Orbitparametern aus, liegen die Werte bei 25 und 13 Prozent. Diese Unterschiede zeigten sich auch bei 43 weiteren Braunen Zwergen und 54 extrasolaren Gasriesen, deren Rotation in fr\u00fcheren Studien gemessen worden waren.<\/p>\n<p> (Video: W. M. Keck Observatory)Relikt der Bildungsbedingungen<\/p>\n<p>Die Astronomen f\u00fchren diese Unterschiede im Rotationstempo auf die unterschiedlichen Bildungswege von planetaren Gasriesen und Braunen Zwergen zur\u00fcck. \u201eDie Rotation ist ein fossiles Relikt der Bildungsart\u201c, sagt Hsu. Gasplaneten bilden sich in der protoplanetaren Scheibe ihres Sterns und ihr Drehimpuls ergibt sich aus den Wechselwirkungen mit dieser Materiescheibe. \u201eDas n\u00e4her an der Breakup-Geschwindigkeit liegende Rotationstempo von Planeten kann darauf zur\u00fcckgehen, dass sie in ihrer Bildungsphase weniger Drehimpuls durch die Bremswirkung der Scheibe verlieren\u201c, schreiben die Astronomen. Braune Zwerge k\u00f6nnen wie Sterne durch den Kollaps einer Gaswolke entstehen, aber auch durch lokale Instabilit\u00e4t einer Materiescheibe um einen gr\u00f6\u00dferen Stern. Weil Braune Zwerge als gescheiterte Sterne aber ein st\u00e4rkeres Magnetfeld besitzen, sind sie einer st\u00e4rkeren Bremswirkung ausgesetzt, wie das Team erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich kommen dann noch weitere Einflussfaktoren ins Spiel: \u201eUnsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl die Masse des Planeten als auch das Massenverh\u00e4ltnis zwischen ihm und seinem Stern beeinflussen, wie schnell er letztlich rotiert\u201c, sagt Hsu. Auch das Alter spielt eine Rolle, weil sowohl Planeten als auch Braune Zwerge mit dem Alter schneller werden k\u00f6nnen. \u201eWir haben aber gerade erst begonnen zu erkunden, was uns die Rotation eines Planeten verraten kann\u201c, so der Astronom weiter. \u201eMit k\u00fcnftigen Instrumenten und gr\u00f6\u00dferen Teleskopen werden wir die Drehung von noch mehr Welten messen k\u00f6nnen.\u201c Als n\u00e4chstes plant das Team, auch die Rotation von ungebundenen Himmelsk\u00f6rpern im planetaren Grenzbereich zu erforschen \u2013 Planeten und Braunen Zwergen, die allein durch das All fliegen.<\/p>\n<p>Quelle: Chih-Chun Hsu (Northwestern University) et al., The Astronomical Journal, <a href=\"https:\/\/iopscience.iop.org\/article\/10.3847\/1538-3881\/ae434b\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">doi: 10.3847\/1538-3881\/ae434b<\/a><\/p>\n<p class=\"entry-meta meta-small\"> \u00a9 wissenschaft.de &#8211; Nadja Podbregar<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Astronomen k\u00f6nnten ein seit Jahrzehnten bestehendes Problem gel\u00f6st haben: die Unterscheidung zwischen besonders massereichen Gasplaneten und Braunen Zwergen.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":892353,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[135],"tags":[21421,29,21028,196142,30,148623,190,189,196143,194,191,193,192],"class_list":["post-892352","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-wissenschaft-technik","tag-braune-zwerge","tag-deutschland","tag-exoplanet","tag-gariese","tag-germany","tag-rotation","tag-science","tag-science-technology","tag-substellar","tag-technik","tag-technology","tag-wissenschaft","tag-wissenschaft-technik"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116282657822228401","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/892352","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=892352"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/892352\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/892353"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=892352"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=892352"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=892352"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}