{"id":893110,"date":"2026-03-24T13:16:16","date_gmt":"2026-03-24T13:16:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/893110\/"},"modified":"2026-03-24T13:16:16","modified_gmt":"2026-03-24T13:16:16","slug":"sechs-stunden-wagner-in-wuppertal","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/893110\/","title":{"rendered":"Sechs Stunden Wagner in Wuppertal"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">. Mit einer exzellenten \u201eG\u00f6tterd\u00e4mmerung\u201c erlebte die konzertante Auff\u00fchrung von Richard Wagners \u201eRing des Nibelungen\u201c jetzt ihr gro\u00dfes Finale in der Historischen Stadthalle Wuppertal. Unter der Leitung von Patrick Hahn machte das Sinfonieorchester Wuppertal (SOW) den letzten Teil von Wagners \u201eB\u00fchnenfestspiel\u201c zu einem musikalisch und atmosph\u00e4risch \u00fcberw\u00e4ltigend sch\u00f6nen Konzerterlebnis. Gro\u00dfartige Solisten mit Wagner-Erfahrung wie Ain Anger, Joachim Goltz, Karen Cargill und Sofia Fomina agierten vor dem Orchester auf der B\u00fchne. In der Rolle der Br\u00fcnnhilde konnte man die wunderbare \u201eWagner-Ikone\u201c Catherine Foster erleben.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In \u201eSiegfried\u201c \u2013 aufgef\u00fchrt vier Wochen zuvor \u2013 hatten Siegfried und Br\u00fcnnhilde jubelnd ihre Liebe besungen. In der besonders handlungsdichten \u201eG\u00f6tterd\u00e4mmerung\u201c werden sie zum Opfer einer perfiden Intrige. Zu Beginn h\u00f6rt man das flie\u00dfende Rheinmotiv, das Erda-Motiv klingt an. Dann erz\u00e4hlen drei Schicksalsg\u00f6ttinnen \u2013 die Nornen \u2013 was bisher geschah. Bekannte Motive lassen die Handlung Revue passieren. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Zur Frage \u201eWei\u00dft du wie das wird?\u201c d\u00e4mmert das Ende der G\u00f6tter h\u00f6rbar herauf. Das Schicksalsseil der Nornen rei\u00dft, das Motiv der Todesverk\u00fcndigung erklingt. Selten wurde das so packend erz\u00e4hlt wie in dieser konzertanten Auff\u00fchrung. Mit Deniz Uzun (Alt), Edith Grossman (Mezzo) und Sofia Fomina (Sopran) sind die Nornen stimmlich exzellent besetzt, das SOW begleitet sie behutsam, die Lichtregie verst\u00e4rkt die hohe dramaturgische Dichte.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Br\u00fcnnhilde erwacht neben Siegfried. Bevor er zu neuen Heldentaten aufbricht, gibt er der Geliebten den Ring des Nibelungen. Das Ring-Motiv erklingt, ein Zwischenspiel des SOW verk\u00fcndet Unheil. Hagen, der Sohn des Nibelung Alberich, will den Ring f\u00fcr seinen Vater zur\u00fcckgewinnen. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Am K\u00f6nigshof der Gibichungen erkl\u00e4rt er seinen Halbgeschwistern Gunther und Gutrune seinen Plan. Wagner hat in seiner Musik Gef\u00fchle, Charaktere, Orte und sogar Gegenst\u00e4nde eng verwoben. So kann man h\u00f6ren, wie zwielichtig die Gibichungen sind, welche Ziele Hagen verfolgt und dass Gunther und Gutrune es als Schmach empfinden, unverm\u00e4hlt zu sein. Mit tiefer, klangsch\u00f6ner und sehr beweglicher Stimme singt Ain Anger den Hagen, als mache er nie etwas anderes.<\/p>\n<p>Wagner hat die Rolle vielschichtig gestaltet      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Er ist bestimmend, l\u00e4ssig, berechnend, aber auch nachdenklich. Stimmlich und darstellerisch ist der Bass Ain Anger zurzeit wahrscheinlich der beste \u201eHagen\u201c weltweit. Wagner hat diese Rolle in seiner Musik vielschichtig gestaltet: Hagen kann Menschen manipulieren. Er ist gef\u00e4hrlich und b\u00f6se, doch in der Musik, die ihn charakterisiert, klingt auch Einsamkeit an. Mit Joachim Goltz und Sofia Fomina sind die Geschwister Gunther und Gutrune stimmlich ebenfalls hervorragend besetzt und sie agieren mit gro\u00dfer Spielfreude.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sie geben Siegfried einen Trank, durch den er Br\u00fcnnhilde vergisst und sich in Gutrune verliebt. Gunther soll die im Feuerkreis schlafende Br\u00fcnnhilde f\u00fcr sich gewinnen. Siegfried naht \u2013 immer erkennbar am Hornruf, Hagen lockt ihn herbei. Der naive Held vertraut den Gibichungen und wird ihr Opfer. Benjamin Bruns als Siegfried ist eine Entdeckung. Sein Rollen-Deb\u00fct singt er am Notenpult, agiert dennoch immer glaubhaft. Sein klangsch\u00f6ner, heller Tenor wirkt klar, voller Leichtigkeit und bleibt doch \u00fcber die lange Strecke kr\u00e4ftig.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auf dem Walk\u00fcrenfelsen erscheint Waltraute. Sie berichtet vom desolaten Zustand der G\u00f6tter und dr\u00e4ngt ihre Schwester Br\u00fcnnhilde zur R\u00fcckgabe des Rings an die Rheint\u00f6chter, um den Fluch zu beenden. Die Mezzosopranistin Karen Cargill und Catherine Foster brillieren mit exzellenten Stimmen im hochdramatischen Dialog der Walk\u00fcren-Schwestern. Br\u00fcnnhilde gibt Siegfrieds Liebespfand nicht her. Langsam und intensiv erklingen aus dem Orchester bekannte Motive. Vier H\u00f6rner lassen von der Empore Siegfrieds Ruf erschallen, zu Br\u00fcnnhildes Entsetzen durchdringt aber ein Fremder das Feuer. In Gunthers Gestalt entrei\u00dft Siegfried Br\u00fcnnhilde den Ring. Catherine Foster ist eine gro\u00dfartige Br\u00fcnnhilde. Mit ihrem Sopran verf\u00fcgt sie \u00fcber eine ungeheuer starke Ausdruckskraft. Voller Entsetzen muss sie dem vermeintlich Fremden folgen.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das Vorspiel zum 2. Aufzug ist ein flirrendes Nachtst\u00fcck \u2013 zart und doch akzentuiert. Machtvoll, von Hass und Gier getrieben, fordert Alberich seinen Sohn Hagen auf, den Ring zur\u00fcckzugewinnen. Auch in der Rolle des Alberich singt und agiert Bariton Joachim Goltz fabelhaft. Schlafend entzieht sich Hagen den Forderungen seines Vaters.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sp\u00e4ter ruft er alle Gibichsmannen zur Doppelhochzeit zusammen. Der gut 70-k\u00f6pfige Chor aus Opernchor der Wuppertaler B\u00fchnen und Kart\u00e4userkantorei K\u00f6ln pr\u00e4sentiert sich klangstark und gut vorbereitet. Br\u00fcnnhilde sieht Siegfried als Gutrunes Br\u00e4utigam, wutentbrannt entdeckt sie den Ring an seinem Finger. Sie w\u00e4hnt sich betrogen und bestohlen. Hagen fordert sie zur Rache auf und Br\u00fcnnhilde verr\u00e4t ihm die einzige Stelle, an der Siegfried verletzbar ist. Hagen motiviert auch Gunther zur Rache. Die H\u00f6rner rufen zur Jagd \u2013 hier bietet sich die Gelegenheit, den Helden hinterr\u00fccks mit dem Speer zu ermorden. Br\u00fcnnhilde und Gunther stimmen dem zu.<\/p>\n<p>Siegfried trifft <br \/>auf die Rheint\u00f6chter      <\/p>\n<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Das Vorspiel zum 3. Aufzug bringt das Rheingold in Erinnerung. Siegfried trifft auf die Rheint\u00f6chter, die ihm den Tod vorhersagen, falls er den Ring nicht abgibt. Edith Grossman, Mezzosopranistin vom Ensemble der Oper Wuppertal, sowie Marta Herman (Alt) und Juliana Zara (Sopran) singen die Rheint\u00f6chter verf\u00fchrerisch und ausdrucksstark mit exzellenten Stimmen. Siegfried weigert sich, den Ring zur\u00fcckzugeben. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">So f\u00fchrt sein Tod schlie\u00dflich zum Untergang der Alten Welt \u2013 der Fluch des Rings zeigt Wirkung. Das letzte Wort hat Br\u00fcnnhilde mit einer atemberaubend sch\u00f6nen Schlussarie. Sie gibt den Rheint\u00f6chtern den Ring zur\u00fcck und w\u00e4hlt f\u00fcr sich den Tod. Zu gro\u00dfem Orchesterklang gehen G\u00f6tter und Welt unter. Die Natur holt sich zur\u00fcck, was ihr geh\u00f6rt. Schon seit dem Rheingold sagt die Musik, dass die Sache nicht gut ausgehen kann, doch Streicher und Harfen lassen Hoffnung durchschimmern.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Unter der hochkonzentrierten, fein abgewogenen Leitung von Generalmusikdirektor Patrick Hahn pr\u00e4sentiert das Sinfonieorchester Wuppertal die unendlich vielen musikalischen Farben und Facetten der \u201eG\u00f6tterd\u00e4mmerung\u201c erstklassig und brillant. Zarteste piano pianissimo Phasen und gro\u00dfe Tuttikl\u00e4nge, Tempi und \u00dcberg\u00e4nge \u2013 alles stimmt bei diesem Konzert.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Den 3. Aufzug dirigiert Patrick Hahn deutlich entspannter, lockerer, bewegter und noch zugewandter \u2013 so als sei der Druck des gro\u00dfen Ring-Projektes von ihm abgefallen. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Sein gigantisches Vorhaben ist eindeutig gelungen. Die genialen szenischen Ideen von Fabio Rickenmann, deren Umsetzung durch S\u00e4ngerinnen und S\u00e4nger sowie stets perfekt passende Lichtstimmungen lassen Wagners Musik, die handelnden Personen und ihre Charaktere sowie die Handlung besser verstehen als manche Ring-Auff\u00fchrung auf der Opernb\u00fchne. <\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Nach mehr als sechs Stunden gibt es f\u00fcr diesen Hochgenuss \u00e4u\u00dferst langandauernden Applaus, gro\u00dfen Jubel und viele Bravorufe vom begeisterten Publikum.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":". 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