{"id":893421,"date":"2026-03-24T16:10:15","date_gmt":"2026-03-24T16:10:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/893421\/"},"modified":"2026-03-24T16:10:15","modified_gmt":"2026-03-24T16:10:15","slug":"einzigartiges-wertpapier-frankreich-erklaert-zeichnung-von-hans-baldung-grien-zum-nationalen-schatz","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/893421\/","title":{"rendered":"Einzigartiges Wertpapier: Frankreich erkl\u00e4rt Zeichnung von Hans Baldung Grien zum nationalen Schatz"},"content":{"rendered":"<p>In Paris sollte eine neu entdeckte Zeichnung des deutschen Renaissancemeisters Hans Baldung Grien versteigert werden. Doch die franz\u00f6sischen Beh\u00f6rden stellten das wertvolle Blatt unter Kulturgutschutz \u2013 aus einem bestimmten Grund.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Handzeichnung verbindet den Betrachter wie kein anderes Medium auf direktem Weg mit dem K\u00fcnstler, seinen \u2013 noch ungefilterten \u2013 Intentionen. Da pr\u00fcft er einen Einfall, verbildlicht ihn, mal skizzenhaft, mal fein ausgef\u00fchrt. Die prima idea wird zu Papier gebracht, nimmt Gestalt an. Als Ergebnis der Koordination zweier Instanzen: Auge und Hand.<\/p>\n<p>Diese Unmittelbarkeit hat einen besonderen Reiz. Sie bleibt mitunter aber auch ein ausgesprochen spr\u00f6des Sujet, das sich nur dem Kundigen erschlie\u00dfen kann. Zuk\u00fcnftige Sammler von Handzeichnungen werden sich pr\u00e4genden Anstrengungen unterziehen m\u00fcssen. Anders geht es fast nicht. Wer zu einem kundigen Zeichnungssammler werden m\u00f6chte, muss sich mythologisch und religionsgeschichtlich bilden, muss Politik und Kost\u00fcmkunde, die Heiligenlegenden, die Bibel und die historischen Zusammenh\u00e4nge, die Regentschaften und Kriege ebenso kennen wie die Zentren der Hochkultur, in denen die K\u00fcnstler von kunstsinnigen Kirchen- und Landesf\u00fcrsten zusammengef\u00fchrt wurden. Ein Handzeichnungskenner wird \u2013 und das ist das Sch\u00f6nste und Schwierigste zugleich \u2013 im fortw\u00e4hrenden Vergleich die Kriterien der Qualit\u00e4t gleichsam verinnerlichen.<\/p>\n<p>Dass die Kostbarkeiten nicht als Zimmerschmuck dienen k\u00f6nnen, sollte dem Sammler von Handzeichnungen allerdings von Beginn an klar sein; sie liegen in Mappen in eigens daf\u00fcr eingerichteten Sammlerschr\u00e4nken. Nur hin und wieder wird man das ein oder andere Blatt an eine dem nat\u00fcrlichen oder k\u00fcnstlichen Licht abgewandten Wand aufh\u00e4ngen, und dies auch nicht l\u00e4nger als zwei bis drei Monate. Es ist eine Sparte, der sich \u00fcberwiegend Individualisten mit ausgepr\u00e4gtem Hang zur kontemplativen Mu\u00dfe, einer geh\u00f6rigen Portion Wissensdurst und Forscherdrang sowie einem Quantum Geduld widmen sollten.<\/p>\n<p>Von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung (und Problematik) einer Zeichnung sind gesicherte Zuschreibung mit ordentlichem und m\u00f6glichst l\u00fcckenlosem Provenienznachweis. Zeichnungen sind nur in wenigen Ausnahmef\u00e4llen signiert oder nachweislich im Atelier des K\u00fcnstlers oder aus seinem Nachlass erworben. Hier wird im Stilvergleich und vor allem in der handwerklichen Technik argumentiert.<\/p>\n<p>Wenn ein ausgewiesener Experte f\u00fcr Altmeisterzeichnungen von dem Silberstiftportr\u00e4t der Susanna Pfeffinger spricht, ger\u00e4t er ins Schw\u00e4rmen. Dabei ist Patrick de Bayser, der zusammen mit seinen drei Br\u00fcdern die international angesehene Kunsthandlung De Bayser in der Pariser Rue Saint-Anne leitet, schon von Berufs wegen nicht so leicht zu beeindrucken. Aber die im Privatbesitz erhaltenen Zeichnungen von Hans Baldung lie\u00dfen sich, so de Bayser, an einer Hand abz\u00e4hlen. Und dieses Baldung-Blatt aus dem Jahr 1517 sei neben jenen, die sich in den Museen von Karlsruhe und Berlin befinden, das einzige Silberstiftportr\u00e4t in Privatbesitz.<\/p>\n<p>Verhandlungen \u00fcber einen direkten Erwerb<\/p>\n<p>Die Zeichnung wurde vor wenigen Wochen nach 500 Jahren von einer els\u00e4ssischen Familie beim Versteigerer Beaussant Lef\u00e8vre &amp; Associ\u00e9s im Pariser Auktionshaus Drouot eingeliefert (Sch\u00e4tzpreis 1,5 bis 3 Millionen Euro). Die Familie wusste zu keiner Zeit, welchen Schatz sie in einer wenig beachteten Holzkiste \u00fcber Generationen h\u00fctete.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/drouot.com\/de\/hotel-drouot\/actualite\/106520-rare-renaissance-drawing-by-hans-baldung-grien-to-be\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/drouot.com\/de\/hotel-drouot\/actualite\/106520-rare-renaissance-drawing-by-hans-baldung-grien-to-be&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Das Blatt sollte am 23. M\u00e4rz 2026 versteigert werden<\/a>, quasi zum Auftakt f\u00fcr die weltweit bedeutendste Messe f\u00fcr Zeichnungen, dem <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article243661981\/Kunst-sammeln-Wie-Zeichnungen-die-Intimitaet-feiern.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/kultur\/article243661981\/Kunst-sammeln-Wie-Zeichnungen-die-Intimitaet-feiern.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Pariser Salon du Dessin im Palais Brongniart<\/a>. Doch nun hat \u2013 sehr kurzfristig \u2013 das franz\u00f6sische Kulturministerium die Zeichnung als nationales Kulturgut eingestuft und die Auktion verhindert. Man will von seinem Recht Gebrauch machen, mit den Eigent\u00fcmern des Portr\u00e4ts \u00fcber einen direkten Erwerb zu verhandeln. <\/p>\n<p>Die dargestellte Susanne Pfeffinger war Tochter eines einflussreichen Stra\u00dfburger Tuchh\u00e4ndlers, verheiratet mit Friedrich Prechter, einem erfolgreichen Kaufmann mit vielseitigen Handelsverbindungen, der sich auch als Bankier und Kreditgeber bis an den englischen Hof einen Namen machte. Virtuosit\u00e4t und Pr\u00e4zision des Portr\u00e4ts dieser B\u00fcrgerin und seine plastische Anmutung legen nahe, dass es sich bei der vollendet ausgef\u00fchrten Zeichnung nicht um eine Vorstudie zu einem Gem\u00e4lde handelt. Vielmehr wollte Baldung wohl einen Auftraggeber aus dem Kreis der Familie dazu bewegen, ein gemaltes Bildnis zu bestellen. Wir wissen nicht, ob ihm das gelungen ist.<\/p>\n<p>Hans Baldung, um 1484\/85 in Schw\u00e4bisch Gm\u00fcnd in eine angesehene humanistische Gelehrtenfamilie geboren, verbrachte etliche Jahre in Albrecht D\u00fcrers N\u00fcrnberger Werkstatt. Zeitlebens genoss er, trotz unterschiedlicher Ans\u00e4tze, f\u00fcr seine Gem\u00e4lde und Glasmalereien den ungeteilten Respekt D\u00fcrers. Seine eigenst\u00e4ndige, vielfach exzentrische Handschrift brachte ihm \u2013 vereint mit seiner ungeheuren Schaffenskraft und Bandbreite \u2013 den verdienten Ruhm. <\/p>\n<p>Sein Hauptwerk von unvergleichlicher kompositorischer Wucht und strahlender Erz\u00e4hlkraft ist der Hochaltar des Freiburger Marienm\u00fcnsters. In Stra\u00dfburg, wo Baldung sich mit seiner Familie niedergelassen hatte, f\u00fchrte er eine erfolgreiche Werkstatt, wurde dort unter gro\u00dfer \u00f6ffentlicher Anteilnahme beerdigt \u2013 und, wie vor ihm schon Matthias Gr\u00fcnewald, bald vergessen. Erst im 19. Jahrhundert besann man sich wieder auf Hans Baldung genannt Grien und seine einzigartige Meisterschaft.<\/p>\n<p>Die Auktion am 23. M\u00e4rz 2026 bei Drouot findet nun ohne die Baldung-Zeichnung statt. Der <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/salondudessin.com\/en\/home\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/salondudessin.com\/en\/home\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">Pariser Salon du Dessin<\/a> empf\u00e4ngt Sammler und Kenner vom 25. bis zum 30. M\u00e4rz 2026. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In Paris sollte eine neu entdeckte Zeichnung des deutschen Renaissancemeisters Hans Baldung Grien versteigert werden. 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