{"id":894923,"date":"2026-03-25T06:13:16","date_gmt":"2026-03-25T06:13:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/894923\/"},"modified":"2026-03-25T06:13:16","modified_gmt":"2026-03-25T06:13:16","slug":"entwicklung-in-stuttgart-immer-mehr-grundschueler-haben-eine-einzelbegleitung-sind-es-zu-viele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/894923\/","title":{"rendered":"Entwicklung in Stuttgart: Immer mehr Grundsch\u00fcler haben eine Einzelbegleitung \u2013 sind es zu viele?"},"content":{"rendered":"<p>Bei Kindern mit ADHS oder Autismus hat die Zahl der Schulbegleitungen sehr stark zugenommen. Tr\u00e4ger sehen die Entwicklung kritisch. In Stuttgart erprobt man auch Alternativen.<\/p>\n<p>Vorne steht die Lehrerin an der Tafel, doch sie ist nicht die einzige Erwachsene im Raum. In vielen Grundschulklassen haben inzwischen Kinder eine Schulbegleitung an ihrer Seite. Landesweit sind die Zahlen stark gestiegen, auch in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a>. Mehrere Entwicklungen k\u00e4men zusammen, so die gesch\u00e4ftsf\u00fchrende Schulleiterin der Stuttgarter Grundschulen, Isabelle Hagel: Die Zahl der Kinder mit einem hohen Unterst\u00fctzungsbedarf im emotional-sozialen Bereich habe zugenommen, man sei als Schule inklusiver geworden \u2013 und die Kinder verbr\u00e4chten wegen des Ganztags viel mehr Zeit in der Schule. Wer ein zus\u00e4tzliches P\u00e4ckchen trage, brauche Unterst\u00fctzung. <\/p>\n<p> <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.nach-asb-kuendigung-in-stuttgart-betroffene-schulbegleiterin-dachte-das-ist-ein-schlechter-scherz.b2927afa-1f9c-4795-a72e-b60b7e1e6d32.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Schulbegleitungen <\/a>k\u00f6nnen bewilligt werden, weil Kinder eine k\u00f6rperliche, eine geistige oder eine (drohende) seelische Behinderung haben, zum Beispiel wegen einer Aufmerksamkeitsdefizit- oder einer <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Autismus\" title=\"Autismus\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Autismus<\/a>-Spektrum-St\u00f6rung. In den zwei ersten F\u00e4llen ist in Stuttgart das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.sparzwang-in-stuttgart-neue-leiterin-des-sozialamts-ich-werde-mich-wehren.129a444d-de65-46bf-9a0c-737c318ae9fe.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Amt f\u00fcr Soziales und Teilhabe zust\u00e4ndig<\/a>, im dritten Fall das <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.jugendamtsleiterin-zieht-bilanz-wie-sicher-sind-die-stuttgarter-kinder-frau-schulze.e4669447-f90f-48ea-8186-438c948684d4.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Jugendamt<\/a>. Und was diesen dritten Fall angeht, schlagen nun Stuttgarter Tr\u00e4ger Alarm. <\/p>\n<p>Beim Jugendamt hat sich die Zahl der Schulbegleiter mehr als verf\u00fcnffacht  <\/p>\n<p>\u201eWir haben eine sehr gro\u00dfe Zunahme der Schulbegleitungen\u201c, berichtet die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von St. Josef, Stefanie Entzmann. Der Tr\u00e4ger ist einer von f\u00fcnf, die im Auftrag des Jugendamts in dem Bereich t\u00e4tig sind. Die Zahlen seien \u201ebei allen Tr\u00e4gern hoch\u201c, best\u00e4tigt nicht nur Markus Trelle, stellvertretender Leiter des Bereichs Kinder, Jugend, Familie beim Caritas-Verband Stuttgart, sondern auch das Jugendamt selbst. <\/p>\n<p>2015 hatten laut Jugendamt 39 Kinder und Jugendliche eine Eingliederungshilfe wegen einer drohenden seelischen Behinderung. 2020 waren es bereits 145, 2025 wiederum 219 minderj\u00e4hrige Kinder und Jugendliche sowie vier junge Vollj\u00e4hrige. Innerhalb von zehn Jahren ist das eine Zunahme um knapp 462 Prozent. <\/p>\n<p>Hoher Stundenumfang sei ein Problem  <\/p>\n<p>Doch nicht nur die Zahl an Kindern habe zugenommen, sondern auch die der \u201evollumf\u00e4nglichen\u201c Begleitungen, so Stefanie Entzmann. \u201eDie gro\u00dfen Schulbegleitungsstellen bringen das System an seine Grenzen\u201c, sagt die Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin. Diese Option wird ihrer Ansicht nach inzwischen \u201ezu oft gezogen\u201c. Gerade die Schulen seien da \u201estarke Forderer\u201c, meint Entzmann. <\/p>\n<p>Aktuell k\u00f6nne sie keine weiteren vollumf\u00e4nglichen Hilfen anbieten. Sie seien in 2026 mit sieben vollumf\u00e4nglichen und zwei sehr umfangreichen Hilfen (20 und 15 Stunden) in Bad Cannstatt und Stuttgart-Ost gestartet. Insgesamt besch\u00e4ftige sie 30 Mitarbeitende. Wenn die Schulbegleitungen einen \u201eRiesenanteil an Stunden\u201c absorbierten, sei das ein Problem. Das Budget ist fest mit dem Jugendamt vereinbart. <\/p>\n<p>Stefanie Entzmann will nicht den Eindruck aufkommen lassen, es gehe ihr nur um \u201eRessourcen\u201c. Es ist aus ihrer Sicht auch \u201enicht immer zielf\u00fchrend\u201c, eine erwachsene Person mit in die Klasse zu nehmen, wenn es Probleme mit einem Kind gebe. \u201eDas macht auch etwas mit den anderen Kindern\u201c, gibt sie zu bedenken. Bei ihrer Beurteilung der Dringlichkeit schauten sie unter anderem, ob bei einem Kind schon eine Schulbegleitung in der Klasse sei. In einer Klasse mit zwei Schulbegleitungen m\u00fcsse das Ziel sein, dass eine Schulbegleitung ausreiche.<\/p>\n<p>Markus Trelle sieht es ebenfalls kritisch, wenn zu viele Erwachsene in einer Klasse sitzen. Statt immer mehr Schulbegleiter in einer Klasse zu haben, sind aus seiner Sicht Pooling-L\u00f6sungen gefragt. Sie versuchten, Eltern und die Schulen dazu zu gewinnen, Hilfen zu kombinieren. Es gehe darum, \u201eaus der klassischen Denke auszusteigen\u201c. <\/p>\n<p> Alternativen zur Einzelfallhilfe werden erprobt  <\/p>\n<p>Rechtlich ist die Schulbegleitung immer einem Kind direkt zugeordnet. Alternativen zur einzelfallbezogenen Hilfe werden in Stuttgart aber erprobt. \u201eWir sind da auf dem Weg\u201c, so Christof Kuhnle vom Staatlichen Schulamt. Die Probleme sehe man auch, die Bewilligung sei f\u00fcr Eltern m\u00fchsam \u2013 mit ihr k\u00f6nne zudem eine Stigmatisierung einhergehen. Neu ist das \u201eFlex-Konzept\u201c, das nun an der Elise-von-K\u00f6nig-Gemeinschaftsschule in M\u00fcnster startet und wissenschaftlich evaluiert wird, um es letztlich an weiteren Schulen auszurollen. Das Ziel sei, so die Stadt, dass \u201eTeilhabeassistenzen gar nicht erst notwendig\u201c w\u00fcrden. Die Schule erh\u00e4lt die strukturelle F\u00f6rderung, ohne dass Eltern einen Antrag stellen m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Das \u201eFlex-Konzept\u201c baut auf \u201eLeuchtturmprojekten\u201c auf, mit denen man in Stuttgart positive Erfahrungen macht: wie \u201eS\u00fcd\u00b2\u201c in Zusammenarbeit mit der Caritas an der Marienschule, wo die F\u00f6rderung der Kinder laut Markus Trelle \u201enicht an einer Diagnose\u201c h\u00e4nge. Auch das Projekt Ellipse in Kooperation mit mehreren Tr\u00e4gern an der Pragschule in Nord arbeitet laut Isabelle Hagel mit Erfolg. Ein multiprofessionelles Team geht einzelfallunabh\u00e4ngig und pr\u00e4ventiv vor. <\/p>\n<p> Individueller Rechtsanspruch gilt nat\u00fcrlich weiter  <\/p>\n<p>Weiterhin gibt es auch an den Projekt-Schulen individuelle Schulbegleiter. \u201eManche brauchen die Eins-zu-Eins-Begleitung, damit sie am Unterricht teilnehmen k\u00f6nnen\u201c, erkl\u00e4rt Isabelle Hagel, wobei sie an der Pragschule relativ wenige Einzelbegleitungen hat. \u201eM\u00f6glicherweise\u201c h\u00e4nge das mit Ellipse zusammen. Strukturelle Angebote k\u00f6nnten dazu beitragen, vorhandene Ressourcen effizienter zu nutzen, hei\u00dft es im Jugendamt. Der individuelle Rechtsanspruch auf Eingliederungshilfe bleibe aber bestehen. <\/p>\n<p> Die Landeszahlen  <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Zahlen <\/strong><br \/>Auch die Landeszahlen weisen eine klare Zunahme aus. Zum Stichtag 31.12.2024 erhielten laut dem Kommunalverband f\u00fcr Jugend und Soziales (KVJS) knapp 10\u2009000 Kinder und Jugendliche eine Schulbegleitung. 5589 erhielten diese nach Sozialgesetzbuch VIII aufgrund einer seelischen oder drohenden seelischen Behinderung, 4365 Leistungsberechtigte mit geistiger oder k\u00f6rperlicher Behinderung waren es nach Sozialgesetzbuch IX. <\/p>\n<p class=\"infobox\"> <strong>Zunahme <\/strong><br \/>Zum Vergleich: 2021 waren es insgesamt 7095 leistungsberechtigte Kinder und Jugendliche, denen eine Schulbegleitung zustand \u2013 3879 nach SGB VIII und 3216 nach SGB IX. 2014 lag die Gesamtzahl bei 2884.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bei Kindern mit ADHS oder Autismus hat die Zahl der Schulbegleitungen sehr stark zugenommen. 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