{"id":89653,"date":"2025-05-06T18:42:10","date_gmt":"2025-05-06T18:42:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/89653\/"},"modified":"2025-05-06T18:42:10","modified_gmt":"2025-05-06T18:42:10","slug":"befreiung-vom-faschismus-zwangsarbeit-in-berlin-die-vergessene-befreiung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/89653\/","title":{"rendered":"Befreiung vom Faschismus \u2013 Zwangsarbeit in Berlin: Die vergessene Befreiung"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img305262\" src=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/640\/305262\" alt=\"Eine ehemalige \u00bbOstarbeiterin\u00ab im Gespr\u00e4ch mit einem Rotarmisten bei Berlin im April\/Mai 1945\"\/><\/p>\n<p>Eine ehemalige \u00bbOstarbeiterin\u00ab im Gespr\u00e4ch mit einem Rotarmisten bei Berlin im April\/Mai 1945<\/p>\n<p>Foto:  Privatbesitz, Foto Arkady Shaikhet<\/p>\n<p>\u00bbDieser Tag ist der gl\u00fccklichste Tag in meinem jungen Leben.\u00ab Mit diesen Worten erinnerte sich der <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190940.virtuelle-ausstellung-zwangsarbeiter-in-leipzig-auf-einmal-waren-wir-frei.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190940.virtuelle-ausstellung-zwangsarbeiter-in-leipzig-auf-einmal-waren-wir-frei.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ukrainische Zwangsarbeiter<\/a> Vasyl Kudrenko an den Tag seiner Befreiung Ende April 1945 in Berlin. Zu lesen ist das Zitat in der Ausstellung \u00bbVergessene Befreiung. Zwangsarbeiter:innen in Berlin 1945\u00ab im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit im Berliner Ortsteil Sch\u00f6neweide, erstellt anl\u00e4sslich des 80.\u2005Jahrestags des Kriegsendes. Zur feierlichen Er\u00f6ffnung in der vergangenen Woche erschienen neben dem damaligen Kultursenator Joe Chialo (CDU) auch zahlreiche Kinder und Enkelkinder ehemaliger Zwangsarbeiter*innen.<\/p>\n<p>Der eigentliche Stargast des Er\u00f6ffnungsabends war Bogdan Bartnikowski: Der mittlerweile 93-j\u00e4hrige Pole wurde w\u00e4hrend des Warschauer Aufstands zusammen mit seiner Mutter zun\u00e4chst ins <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1190934.jahre-befreiung-in-den-tod-getrieben.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">KZ\u2005Auschwitz<\/a>, im Januar 1945 dann nach Berlin zur Zwangsarbeit verschleppt. Der damals 13-J\u00e4hrige musste Tr\u00fcmmer r\u00e4umen und Ziegel reinigen. Neben der harten Arbeit gab es \u00bbHungerrationen\u00ab und die st\u00e4ndige Angst vor Luftangriffen. \u00bbIch war so ersch\u00f6pft\u00ab, erz\u00e4hlt der 93-J\u00e4hrige in einer bewegenden Rede. \u00bbDie Berliner Zeit war f\u00fcr mich sehr schwierig. Die einzige \u00c4nderung im Vergleich zu Auschwitz war, dass ich mit meiner Mutter sein konnte.\u00ab<\/p>\n<p>Anfang 1945 befanden sich rund 370\u2009000 <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1188545.ludwigsfelde-ns-zwangsarbeit-ausgebeutet-und-vergessen.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1188545.ludwigsfelde-ns-zwangsarbeit-ausgebeutet-und-vergessen.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ausl\u00e4ndische Zivilarbeiter*innen<\/a>, Kriegsgefangene und KZ-H\u00e4ftlinge in der Reichshauptstadt Berlin. Ihr Alltag war von Hunger, Luftangriffen, Ausbeutung und Gewalt gepr\u00e4gt. Die Eroberung Berlins vor 80\u2005Jahren durch die Rote Armee war f\u00fcr die Zwangsarbeiter*innen eine Befreiung. 14\u2005ihrer Biografien stehen im Zentrum der Sonderausstellung.<\/p>\n<p>Muckefuck: morgens, ungefiltert, links<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/640\/305264\" alt=\"\" title=\"\" width=\"170\"\/><\/p>\n<p>nd.Muckefuck ist unser Newsletter f\u00fcr Berlin am Morgen. Wir gehen wach durch die Stadt, sind vor Ort bei Entscheidungen zu Stadtpolitik \u2013 aber immer auch bei den Menschen, die diese betreffen. Muckefuck ist eine Kaffeel\u00e4nge Berlin \u2013 ungefiltert und links. Jetzt <a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/muckefuck\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">anmelden<\/a> und immer wissen, worum gestritten werden muss.<\/p>\n<p>\u00bbIn der DDR galt der 8.\u2005Mai als Tag der Befreiung, in Westdeutschland lange als Niederlage, Zusammenbruch oder Stunde null\u00ab, sagt Gedenkst\u00e4ttenleiterin Christine Glauning in ihrer Er\u00f6ffnungsrede. Erst in den 80er Jahren habe sich der 8.\u2005Mai allm\u00e4hlich als Tag der Befreiung f\u00fcr alle Deutschen durchgesetzt. Zwar k\u00f6nne der Begriff der Befreiung kritisch gesehen werden, weil er die T\u00e4ter- und Mitt\u00e4terschaft vieler Deutscher verschleiere. \u00bbAber f\u00fcr die Verfolgten und Verschleppten war es eine Befreiung von Zwangsarbeit, Angst, Terror.\u00ab<\/p>\n<p>Die Ausstellung beleuchtet mit zahlreichen Dokumenten, Fotos und Biografien die wenig erforschte Geschichte der Befreiung der Zwangsarbeiter*innen. Der Fokus liegt dabei auf neu recherchierten Biografien von Betroffenen und umfasst das gesamte Jahr 1945 \u2013 \u00bbdie letzte chaotische Phase im zerst\u00f6rten Berlin, die Radikalisierung, die Kriegsendverbrechen, die Angst der Zwangsarbeiter*innen vor Gewalt in letzter Minute, aber auch die Hoffnung auf die Befreiung, die Befreiung selbst und die Begegnung mit den sowjetischen Befreiern\u00ab, erl\u00e4utert Glauning. Und schlie\u00dflich \u00bbdas Warten auf die R\u00fcckkehr, die vielf\u00e4ltigen Wege zur\u00fcck in die Heimat \u2013 freiwillig oder erzwungen \u2013 oder auch in die Emigration sowie das Bleiben einiger weniger\u00ab.<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/2040\/305263\" title=\"Bild gro\u00df anzeigen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img305263\" src=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/img\/jpeg\/640\/305263\" alt=\"Arbeitskarte von Bogdan Bartnikowski, 1940er Jahre\"\/><br \/>\n\t\t\t\t\t\t<\/a><\/p>\n<p>Arbeitskarte von Bogdan Bartnikowski, 1940er Jahre<\/p>\n<p>Foto: Stiftung Polnisch-Deutsche Auss\u00f6hnung, Warschau<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Krieges waren Zwangsarbeiter*innen allgegenw\u00e4rtig, nach ihrer Befreiung kehrten die meisten so schnell wie m\u00f6glich in ihre Heimatl\u00e4nder zur\u00fcck. So schnell, wie sie nach dem Krieg wieder verschwanden, wurden auch ihre Geschichten vergessen. Das soll sich mit dieser Ausstellung in einer Baracke des ehemaligen <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1184232.ns-aufarbeitung-berlin-schoeneweide-ueberall-zwangsarbeit.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1184232.ns-aufarbeitung-berlin-schoeneweide-ueberall-zwangsarbeit.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zwangsarbeiterlagers in Sch\u00f6neweide<\/a> \u00e4ndern. Sie ist thematisch auf drei R\u00e4ume verteilt: letzte Kriegsphase, Befreiung und Nachkriegszeit. Dass der erste Raum d\u00fcsterer gehalten ist und man dann durch ein blaues Portal in den Raum \u00bbBefreiung\u00ab betritt, f\u00e4llt kaum auf \u2013 zu umfassend sind die zahlreichen Ausstellungstafeln mit Fotos und ergreifenden Berichten der Zwangsarbeiter*innen.<\/p>\n<p>Bogdan Bartnikowski und seine Mutter konnten 1945 aus dem umk\u00e4mpften Berlin fliehen, nachdem die Rote Armee am 22.\u2005April das Au\u00dfenlager des KZ Sachsenhausen in Blankenburg erreicht hatte. \u00bbF\u00fcr uns war wichtig, dass wir frei waren\u00ab, sagt Bartnikowski.<\/p>\n<p>Stimmen wie die des 93-J\u00e4hrigen werden 80\u2005Jahre nach Kriegsende immer wichtiger, denn die Wahrnehmung, dass die Deutschen vor allem Opfer waren, habe die Erinnerungskultur Jahrzehnte sp\u00e4ter gepr\u00e4gt, sagt Sarah von Holt, Kuratorin der Ausstellung im Dokumentationszentrum. \u00bbAktuell erleben wir ein Wiedererstarken der politischen Rechten und auch ein Wiederaufleben genau solcher Narrative.\u00ab Deswegen sei es wichtig, \u00bbdie Perspektiven und Erfahrungen der Menschen in den Mittelpunkt zu r\u00fccken, f\u00fcr die das Jahr 1945 tats\u00e4chlich eine Befreiung von Leid und Ausbeutung war\u00ab.<\/p>\n<p class=\"wp-block-ppi-ndarticlecommet\">Die Ausstellung \u00bbVergessene Befreiung. Zwangsarbeiter:innen in Berlin 1945\u00ab ist bis zum 2.\u2005November im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit zu besichtigen: Britzer Stra\u00dfe\u20055, 12439 Berlin, ge\u00f6ffnet Dienstag bis Sonntag, 10\u2005bis 18\u2005Uhr, Eintritt frei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine ehemalige \u00bbOstarbeiterin\u00ab im Gespr\u00e4ch mit einem Rotarmisten bei Berlin im April\/Mai 1945 Foto: Privatbesitz, Foto Arkady Shaikhet&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":89654,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1825],"tags":[296,29,30,9681,11893,57,20472],"class_list":{"0":"post-89653","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berlin","8":"tag-berlin","9":"tag-deutschland","10":"tag-germany","11":"tag-holocaust","12":"tag-kunstausstellung","13":"tag-nationalsozialismus","14":"tag-zwangsarbeit"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/114462362555428291","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89653","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=89653"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/89653\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/89654"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=89653"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=89653"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=89653"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}