{"id":898142,"date":"2026-03-26T12:09:37","date_gmt":"2026-03-26T12:09:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/898142\/"},"modified":"2026-03-26T12:09:37","modified_gmt":"2026-03-26T12:09:37","slug":"erhalten-oder-abreissen-diskussion-um-ddr-kulturhaeuser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/898142\/","title":{"rendered":"Erhalten oder abrei\u00dfen? Diskussion um DDR-Kulturh\u00e4user"},"content":{"rendered":"<p data-start=\"0\" data-end=\"340\"><strong>Ein denkmalgesch\u00fctzter DDR-Kulturpalast verf\u00e4llt \u2013 und steht im Zentrum einer aktuellen Debatte. In Berlin diskutierten Expertinnen und Experten \u00fcber seinen Erhalt. Dabei geht es auch um die Zukunft vieler vergleichbarer Bauwerke.<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/BERLIN-OSTMODERNE-\u00a9-ENTWICKLUNGSSTADT.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-90350\" class=\"lazyload wp-image-90350 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%271280%27%20height%3D%27720%27%20viewBox%3D%270%200%201280%20720%27%3E%3Crect%20width%3D%271280%27%20height%3D%27720%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/BERLIN-OSTMODERNE-\u00a9-ENTWICKLUNGSSTADT.jpg\" alt=\"\" width=\"1280\" height=\"720\"\/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-90350\" class=\"wp-caption-text\">Danuta Schmidt und Buchautor Christoph Liepach bei der Buchpr\u00e4sentation und Diskussionsrunde am Montagabend in Marzahn. \/ \u00a9 Foto: ENTWICKLUNGSSTADT<\/p>\n<p>\u00a9 Titelbild: Wikimedia Commons, NoRud (<a href=\"https:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-sa\/4.0\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">CC BY-SA 4.0<\/a>)<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Die Journalistin Danuta Schmidt und der Verleger und Buchautor Christoph Liepach diskutierten am Montagabend in Berlin-Marzahn \u00fcber den Erhalt baulicher Zeitzeugnisse der DDR.<br \/>Im Mittelpunkt des Gespr\u00e4chs stand dabei der Kulturpalast des ehemaligen VEB Maxh\u00fctte Unterwellenborn in Th\u00fcringen.<\/p>\n<p>Das Geb\u00e4ude steht seit 1987 unter Denkmalschutz, ist derzeit ungenutzt und verf\u00e4llt mittlerweile zusehends. Christoph Liepach pr\u00e4sentierte dazu seinen Bildband \u201eMax braucht Gesellschaft\u201c.<\/p>\n<p>In der anschlie\u00dfenden Diskussion zwischen der Journalistin und dem Buchautor, bei der auch weitere Protagonisten der Buchentstehung zu Wort kamen, wurden Fragen zur Wertsch\u00e4tzung und zum Schutz dieses baukulturellen Erbes er\u00f6rtert.<\/p>\n<p>DDR-Kulturh\u00e4user als architektonisches Erbe: Bedeutung und Vielfalt der Bauwerke<\/p>\n<p>\u00dcberregional betrachtet gab es in der DDR wohl rund 2.000 Kulturh\u00e4user, allerdings wurden nicht alle in diesem DDR-typischen neoklassischen Stil errichtet, \u201ewo architektonisch alles enthalten ist, etwa Kunstformen aus der Antike\u201c, so Liepach.<\/p>\n<p>\u00c4hnliche Kulturhaus-Bautypen finden sich auch in Schkopau, Suhl oder in R\u00fcdersdorf, der sogenannten \u201eAkropolis von R\u00fcdersdorf\u201c, wo nach zwei Jahren Leerstand nun der Startschuss f\u00fcr die Sanierung gefallen ist.<\/p>\n<p>Liepach ging in seinen Aussagen sogar so weit, dass er das Kulturhaus in Unterwellenborn mit seinen Holzb\u00f6den und -decken \u201eals Flaggschiff der Kultur in der DDR\u201c bezeichnete.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Kulturpalast-Unterwellenborn-\u00a9-Wikimedia-Commons-4.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-90353\" class=\"lazyload wp-image-90353 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%271384%27%20height%3D%27926%27%20viewBox%3D%270%200%201384%20926%27%3E%3Crect%20width%3D%271384%27%20height%3D%27926%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Kulturpalast-Unterwellenborn-\u00a9-Wikimedia-Commons-4.jpg\" alt=\"Unterwellenborn, Th\u00fcringen, Kulturpalast, VEB Maxh\u00fctte\" width=\"1384\" height=\"926\"\/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-90353\" class=\"wp-caption-text\">Der Kulturpalast in Unterwellenborn im Bau: Eine Fotografie aus dem Jahr 1953 zeigt das Geb\u00e4ude in seiner Entstehen. \/ \u00a9 Foto: Wikimedia Commons, Josef Kaiser (Architekt, CC BY-SA 4.0)<\/p>\n<p>Vom Zufallsfund zur Publikation: Die Entstehung des Bildbands \u201eMax braucht Gesellschaft\u201c<\/p>\n<p>Christoph Liepach, der an der Hochschule f\u00fcr Grafik und Buchkunst in Leipzig studierte und selbst aus dem ostth\u00fcringischen Gera stammt, kam eher zuf\u00e4llig zu diesem Buchprojekt. Im Jahr 2022 stie\u00df er auf Facebook auf ein Netzwerk von Menschen, die sich unter anderem mit der \u201eOstmoderne\u201c in Ostth\u00fcringen auseinandersetzten.<\/p>\n<p>Ein von ihm verfasster Kommentar sowie eine aus seiner Sicht v\u00f6llig unverst\u00e4ndlich ausgel\u00f6ste Hasswelle gegen das Kulturhaus verst\u00e4rkten sein Interesse zus\u00e4tzlich. Dabei spielte sowohl seine regionale Verbundenheit als auch die starke Emotionalit\u00e4t eine Rolle, die sich rund um die Maxh\u00fctte und das Stahlwerk Th\u00fcringen entwickelte.<\/p>\n<p>Industriegeschichte als Grundlage: Die Maxh\u00fctte und ihre Bedeutung f\u00fcr das Kulturhaus<\/p>\n<p>Das Kulturhaus verdankt seine Existenz dem Stahlwerk Unterwellenborn, das zu DDR-Spitzenzeiten bis zu 10.000 Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Angestellte besch\u00e4ftigte. Die Maxh\u00fctte im th\u00fcringischen Unterwellenborn wurde bereits in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts errichtet.<\/p>\n<p>Von 1921 bis 1946 war das Werk Teil des Flick-Konzerns. Als kriegswichtiger Betrieb wurde es ab 1936 vollst\u00e4ndig auf R\u00fcstungsproduktion umgestellt. In den Kriegsjahren wurden rund 600 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, vornehmlich aus Osteuropa, eingesetzt.<\/p>\n<p>Kultur auch im l\u00e4ndlichen Raum: Der \u201eBitterfelder Weg\u201c<\/p>\n<p>Nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs erfolgte am 5. Juni 1946 die Enteignung der Maxh\u00fctte, die zun\u00e4chst als SAG \u2013 sowjetische Aktiengesellschaft \u2013 weitergef\u00fchrt wurde. Ab dem 1. Juli 1948 wurde die Maxh\u00fctte in einen volkseigenen Betrieb umgewandelt.<\/p>\n<p>Mit dem von der DDR-Regierung eingeschlagenen \u201eBitterfelder Weg\u201c, der Kultur auch im l\u00e4ndlichen Raum etablieren sollte, begann der Aufbau von Kulturh\u00e4usern, die den Gro\u00dfbetrieben angeschlossen waren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Kulturpalast-Unterwellenborn-\u00a9-Wikimedia-Commons-3.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-90352\" class=\"lazyload wp-image-90352 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%271516%27%20height%3D%27933%27%20viewBox%3D%270%200%201516%20933%27%3E%3Crect%20width%3D%271516%27%20height%3D%27933%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Kulturpalast-Unterwellenborn-\u00a9-Wikimedia-Commons-3.jpg\" alt=\"Unterwellenborn, Th\u00fcringen, Kulturpalast, VEB Maxh\u00fctte\" width=\"1516\" height=\"933\"\/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-90352\" class=\"wp-caption-text\">Ein Blick ins Innere des Geb\u00e4udes, das zunehmend verf\u00e4llt. Initiativen setzen sich f\u00fcr eine Sanierung des denkmalgesch\u00fctzten Kulturpalastes ein. \/ \u00a9 Foto: Wikimedia Commons, Josef Kaiser (Architekt, CC BY-SA 4.0)<\/p>\n<p>Strukturwandel nach der Wiedervereinigung: Vom VEB zur modernen Stahlproduktion<\/p>\n<p>Nach mehreren Namens- und Besitz\u00e4nderungen wurde der Betrieb des VEB Maxh\u00fctte Unterwellenborn im Jahr 1992 eingestellt.<\/p>\n<p>Seit 1995 produzierte das \u201eStahlwerk Th\u00fcringen\u201c am Standort Unterwellenborn. Seit Februar 2012 stellt das brasilianische Unternehmen CSN mit rund 3.000 Besch\u00e4ftigten Stahl in Unterwellenborn her.<\/p>\n<p>Kein Lost Place: Warum der Kulturpalast Unterwellenborn weiterhin Potenzial hat<\/p>\n<p>Auf die Frage, ob es sich um einen \u201eLost Place\u201c handele, verneint Christoph Liepach dies. F\u00fcr ihn wirkt das Geb\u00e4ude, das von au\u00dfen wie ein \u201eBoot im Wald\u201c erscheint, eher wie ein \u201eDornr\u00f6schenschloss, in dem alles M\u00f6gliche steckt\u201c und das darauf wartet, saniert und restauriert zu werden.<\/p>\n<p>Im Jahr 2016 entdeckte er im Internet ver\u00f6ffentlichte Fotografien eines Fotografen, die das Geb\u00e4ude zu einem Zeitpunkt zeigten, als der \u201eVerein zur Rettung des Kulturpalastes \u2013 \u201aKuPa\u2018 Unterwellenborn\u201c dort ans\u00e4ssig war und sich das Haus noch in einem intakten Zustand befand.<\/p>\n<p>Engagement f\u00fcr den Erhalt: Initiativen und \u00f6ffentliche Debatten zur Industriekultur<\/p>\n<p>Auch wenn die Aktivit\u00e4ten des Vereins zur Rettung des \u201eKuPa\u201c inzwischen nachgelassen haben, engagieren sich in sozialen Netzwerken weiterhin zahlreiche Akteure f\u00fcr den Erhalt des Geb\u00e4udes.<\/p>\n<p>Liepach betont, dass auch sein Buch dazu beitragen soll, ein Bewusstsein zu schaffen und Synergien zu erzeugen, damit das Kulturhaus langfristig erhalten werden kann.<\/p>\n<p>Architekt Josef Kaiser: Pr\u00e4gende Figur der DDR-Architektur und Ostmoderne<\/p>\n<p>Der Architekt des Kulturpalastes Unterwellenborn, Josef Kaiser, dessen Entw\u00fcrfe auch die Architektur Ost-Berlins ma\u00dfgeblich gepr\u00e4gt haben, erh\u00e4lt in Liepachs Buch eine besondere W\u00fcrdigung.<\/p>\n<p>Neben dem Kulturpalast in Unterwellenborn plante und realisierte Kaiser auch das Kulturhaus im neoklassischen Stil in R\u00fcdersdorf sowie in Ost-Berlin das \u201e<a href=\"https:\/\/www.entwicklungsstadt.de\/karl-marx-allee-kino-international-feiert-comeback-im-historischen-gewand\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kino International<\/a>\u201c und das IHZ \u2013 Internationale Handelszentrum \u2013 in der Friedrichstra\u00dfe.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Kulturpalast-Unterwellenborn-\u00a9-Wikimedia-Commons-6.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-90356\" class=\"lazyload wp-image-90356 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%271366%27%20height%3D%27933%27%20viewBox%3D%270%200%201366%20933%27%3E%3Crect%20width%3D%271366%27%20height%3D%27933%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Kulturpalast-Unterwellenborn-\u00a9-Wikimedia-Commons-6.jpg\" alt=\"Kulturpalast, VEB Maxh\u00fctte\" width=\"1366\" height=\"933\"\/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-90356\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Foto: Wikimedia Commons, Josef Kaiser (Architekt, CC BY-SA 4.0)<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Kulturpalast-Unterwellenborn-\u00a9-Wikimedia-Commons-2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-90351\" class=\"lazyload wp-image-90351 size-full\" src=\"data:image\/svg+xml,%3Csvg%20xmlns%3D%27http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg%27%20width%3D%271591%27%20height%3D%27889%27%20viewBox%3D%270%200%201591%20889%27%3E%3Crect%20width%3D%271591%27%20height%3D%27889%27%20fill-opacity%3D%220%22%2F%3E%3C%2Fsvg%3E\" data-orig-src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Kulturpalast-Unterwellenborn-\u00a9-Wikimedia-Commons-2.jpg\" alt=\"Unterwellenborn, Th\u00fcringen, Kulturpalast, VEB Maxh\u00fctte\" width=\"1591\" height=\"889\"\/><\/a><\/p>\n<p id=\"caption-attachment-90351\" class=\"wp-caption-text\">\u00a9 Foto: Wikimedia Commons, Josef Kaiser (Architekt, CC BY-SA 4.0)<\/p>\n<p>Quellen: Bildband \u201eMax braucht Gesellschaft\u201c, Wikimedia Commons<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein denkmalgesch\u00fctzter DDR-Kulturpalast verf\u00e4llt \u2013 und steht im Zentrum einer aktuellen Debatte. 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