{"id":898225,"date":"2026-03-26T12:56:16","date_gmt":"2026-03-26T12:56:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/898225\/"},"modified":"2026-03-26T12:56:16","modified_gmt":"2026-03-26T12:56:16","slug":"deutschland-stack-mit-ueber-50-offenen-standards-zur-souveraenen-verwaltung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/898225\/","title":{"rendered":"Deutschland-Stack: Mit \u00fcber 50 offenen Standards zur souver\u00e4nen Verwaltung"},"content":{"rendered":"<p>Wer in Deutschland eine Verwaltungsleistung digital nutzen will, st\u00f6\u00dft schnell auf ein Grundproblem: 16 Bundesl\u00e4nder, hunderte Kommunen und der Bund betreiben jeweils eigene IT-Systeme, die oft nicht miteinander sprechen k\u00f6nnen. Unterschiedliche Formate, propriet\u00e4re Schnittstellen, gewachsene Insell\u00f6sungen \u2013 die technische Fragmentierung der deutschen Verwaltung ist einer der Hauptgr\u00fcnde daf\u00fcr, dass die Digitalisierung des Staates seit Jahren stockt.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Der IT-Planungsrat \u2013 das zentrale politische Steuerungsgremium f\u00fcr die Verwaltungsdigitalisierung von Bund und L\u00e4ndern \u2013 hat nun einen Versuch unternommen, dieses Problem grunds\u00e4tzlich anzugehen. Mit B-2026\/03-IT hat der IT-Planungsrat f\u00fcr den Deutschland-Stack einen verbindlichen Standardrahmen beschlossen. Bund, L\u00e4nder und Kommunen sollen die Stack-L\u00f6sungen bei Neu- und Weiterentwicklungen gem\u00e4\u00df Portfolio nutzen.<\/p>\n<p>Das Papier, vorgelegt vom Bundesministerium f\u00fcr Digitales und Staatsmodernisierung, gliedert die gesamte IT-Architektur der Verwaltung in sieben Schichten \u2013 von der virtualisierten Infrastruktur ganz unten bis zur k\u00fcnstlichen Intelligenz ganz oben. F\u00fcr jede Schicht benennt es konkrete Standards, die als souver\u00e4n gelten sollen: also offen, herstellerunabh\u00e4ngig und interoperabel. Gleichzeitig listet es in jeder Schicht explizit auf, wo noch Festlegungsbedarf bestehen \u2013 hier fehlen also Standards.<\/p>\n<p>Im Ergebnis ist das Dokument in seiner Breite und seinem Detailgrad ungew\u00f6hnlich konkret f\u00fcr die sonst eher vorsichtige Standardisierungspolitik der deutschen Verwaltung. Es reicht von Dateiformaten wie ODF \u00fcber Cloud-Standards wie OpenStack und Sovereign Cloud Stack bis hin zu KI-Agenten-Protokollen, die teils erst wenige Monate alt sind.<\/p>\n<p>Daten und Dokumente: ODF statt MS Office<\/p>\n<p>Den Kern des Stacks bildet die Schicht semantische Technologien, die den Umgang mit Daten und Dokumenten regelt. Hier finden sich die meisten Standards und einige bemerkenswerte Entscheidungen.<\/p>\n<p>Bei den Dokumentenformaten setzt der IT-Planungsrat auf das Open Document Format (ODF), den offenen ISO-Standard f\u00fcr Textdokumente, Tabellen und Pr\u00e4sentationen. ODF wird nativ zum Beispiel von LibreOffice unterst\u00fctzt und gilt seit Jahren als wichtigster Hebel gegen die Abh\u00e4ngigkeit von Microsoft Office. Dass ODF im Stack steht, ist keine \u00dcberraschung: Der IT-Planungsrat hatte bereits im M\u00e4rz 2025 beschlossen, dass offene Formate wie ODF in der Verwaltung zunehmend verwendet und bis 2027 zum Standard f\u00fcr den Dokumentenaustausch werden sollen.<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig ist die Wahl von PDF\/UA statt PDF\/A. PDF\/UA ist der ISO-Standard 14289 f\u00fcr barrierefreie PDFs. Dass der Stack dieses Format nennt, passt zum regulatorischen Umfeld: Das <a class=\"heiseplus-lnk\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/hintergrund\/Digitale-Barrierefreiheit-wird-Pflicht-Was-Unternehmen-umsetzen-muessen-10369344.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">BFSG setzt den European Accessibility Act<\/a> um und ist grunds\u00e4tzlich seit dem 28. Juni 2025 anzuwenden. Barrierefreiheit hat also Vorrang vor reiner Archivierungsf\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>F\u00fcr den Datenaustausch setzt der Stack auf bew\u00e4hrte Web-Standards: JSON, XML und CSV als Formate, erg\u00e4nzt um SQL sowie die offenen Datenbankschnittstellen ODBC und JDBC f\u00fcr herstellerunabh\u00e4ngigen Datenbankzugriff. F\u00fcr die semantische Vernetzung von Daten kommen die W3C-Standards RDF, OWL, SPARQL, SKOS und DCAT zum Einsatz \u2013 das klassische Instrumentarium des Semantic Web, das unter anderem die Grundlage f\u00fcr das Open-Data-Portal GovData bildet. Das OAI-PMH-Protokoll erg\u00e4nzt den Katalog f\u00fcr den Metadatenaustausch zwischen Archiven und Repositorien.<\/p>\n<p>Was allerdings auff\u00e4llt: F\u00fcr modernere Formen der Datenhaltung \u2013 Vektordatenbanken, Graphdatenbanken, dokumenten- und objektorientierte Systeme \u2013 gibt es noch keine Festlegungen. Ebenso fehlen Standards f\u00fcr Datenmodellierung, -integration, -auswertung und -visualisierung sowie f\u00fcr harmonisierte Fachdatenr\u00e4ume. Gerade letztere w\u00e4ren entscheidend, um den Datenaustausch \u2013 beispielsweise von Personendaten \u2013 zwischen Fachverfahren verschiedener Beh\u00f6rden zu standardisieren.<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p><strong>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. 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