{"id":898647,"date":"2026-03-26T16:50:27","date_gmt":"2026-03-26T16:50:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/898647\/"},"modified":"2026-03-26T16:50:27","modified_gmt":"2026-03-26T16:50:27","slug":"russland-china-und-der-machtkampf-um-zentralasien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/898647\/","title":{"rendered":"Russland, China und der Machtkampf um Zentralasien"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"02.09.2025: Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin und Chinas Pr\u00e4sident Xi Jinping bei einem Treffen in Beijing.\" alt=\"02.09.2025: Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin und Chinas Pr\u00e4sident Xi Jinping bei einem Treffen in Beijing.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/russland-china-putin-xi-100-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Partner oder Rivalen? Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin und Chinas Pr\u00e4sident Xi Jinping bei einem Treffen in Beijing. (imago \/ SNA \/ Alexander Kazakov)<\/p>\n<p>Bei \u00f6ffentlichen Auftritten wie der Feier zum 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs stellen sich Russland und China als Freunde dar. Aber unter der Oberfl\u00e4che brodeln Konflikte, weil Russland st\u00e4rker von China abh\u00e4ngig ist als umgekehrt. Das nutzt China aus. Besonders deutlich wird das in Zentralasien, wo Russland traditionell gro\u00dfen Einfluss hatte. Doch nun wird China dort m\u00e4chtiger, und Russland verliert an Einfluss \u2013 beschleunigt durch den Krieg in der Ukraine.<\/p>\n<p>Die Region Zentralasien mit den f\u00fcnf sogenannten \u201eStan-L\u00e4ndern\u201c Turkmenistan, Tadschikistan, Usbekistan, Kirgistan und Kasachstan, grenzt sowohl an Russland als auch an China. China kann \u00fcber Zentralasien Waren nach Europa bringen und dabei Russland umgehen. Dazu gibt es in der Region viele Rohstoffe: sowohl \u00d6l, Gas als auch seltene Erden.\u00a0<\/p>\n<p>F\u00fcr Russland ist Zentralasien seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs wichtiger geworden, weil es deutlich weniger Waren nach Europa liefern kann. Stattdessen handelt Russland nun auch mehr mit Zentralasien.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Historisch geh\u00f6rten die f\u00fcnf \u201eStan-L\u00e4nder\u201c Zentralasiens zur Sowjetunion. Als eigenst\u00e4ndige Staaten gr\u00fcndeten sie sich Anfang der 1990er-Jahre. Doch auch\u00a0heute bestehen\u00a0viele informelle Verbindungen zu den zentralasiatischen L\u00e4ndern: Die Eliten in der dortigen Politik, dem Milit\u00e4r, den Geheimdiensten sind zum gr\u00f6\u00dften Teil noch zu Zeiten der Sowjetunion aufgewachsen. Sie sprechen russisch und pflegen pers\u00f6nliche Kontakte.\u00a0<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Karte von Zentralasien, auf der die einzelnen L\u00e4nder die Farben ihrer Flaggen haben.\" alt=\"Karte von Zentralasien, auf der die einzelnen L\u00e4nder die Farben ihrer Flaggen haben.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/zentralasien-karte-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Karte von Zentralasien. (imago \/ Zoonar \/ Tomas Griger)<\/p>\n<p>Dazu verlaufen gro\u00dfe Stra\u00dfenverkehrsrouten, Zugverbindungen und \u00d6lpipelines zum gr\u00f6\u00dften Teil Richtung Russland, sagt Politikwissenschaftler Stefan Meister: \u201ePraktisch die gesamte Infrastruktur, die wir in Zentralasien haben, ist ja auf Moskau ausgerichtet. Das ist ein Erbe der Sowjetunion. Das macht diese L\u00e4nder abh\u00e4ngig von Russland, was ihre strategische Infrastruktur betrifft.\u201d\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Diese Abh\u00e4ngigkeit macht die L\u00e4nder angreifbar gegen\u00fcber Russland. Ein Beispiel:\u00a0\u200b2022 weigerte sich der kasachische Pr\u00e4sident\u00a0Kassym-Jomart\u00a0Tokayev, die selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk in der Ost-Ukraine als Staaten anzuerkennen.\u00a0Russland blockierte daraufhin die Ausfuhr von kasachischem \u00d6l \u00fcber das Schwarze Meer &#8211; offiziell war der Grund, dass Seeminen gefunden worden seien. Doch das komme immer wieder vor, sagt der Politikwissenschaftler Stefan Meister. Diese Strategie nutze Russland, um Druck auszu\u00fcben auf die L\u00e4nder Zentralasiens.\u00a0<\/p>\n<p>Durch den Krieg in der Ukraine hat sich das Ungleichgewicht von Russland und China weiter verst\u00e4rkt: Aufgrund von Sanktionen konnte Russland in den letzten Jahren deutlich weniger \u00d6l gen Westen verkaufen. Diese Sanktionen wurden infolge des Iran-Kriegs zwar teilweise vor\u00fcbergehend gelockert und auch der gestiegene \u00d6lpreis spielt Moskau in die Karten.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Dennoch steht fest, dass Russland seit seinem Angriff auf die Ukraine bei seinen Energie-Exporten auf andere Partner ausweichen musste &#8211; zum Beispiel auf China. Au\u00dferdem ist Russland f\u00fcr seinen Krieg angewiesen auf die Technologie aus China. China liefere Dual-Use-G\u00fcter, ohne die Russland zum Beispiel keine Drohnen f\u00fcr den Krieg in der Ukraine h\u00e4tte, sagt S\u00f6ren\u00a0Urbansky,\u00a0der mehrere B\u00fccher\u00a0zu den russisch-chinesischen Beziehungen ver\u00f6ffentlicht hat.\u00a0<\/p>\n<p>Dazu schw\u00e4cht der Krieg Russlands Position in der Region, sagt der Politikwissenschaftler Stefan Meister: \u201eDer Krieg in der Ukraine beschleunigt im Prinzip Russlands Abstieg als globale Macht, aber auch als regionale Macht im post-sowjetischen Raum.\u201d\u00a0Denn Russland werde in Zentralasien nun st\u00e4rker als Bedrohung wahrgenommen.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Zentralasien suche sich deswegen andere Partner, zum Beispiel arabische Staaten, die USA oder auch die EU. China bleibt f\u00fcr die zentralasiatischen Staaten aber die wichtigste Alternative zu Russland, sagt der Historiker S\u00f6ren\u00a0Urbansky.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>2013 verk\u00fcndete Xi Jinping in Kasachstan die\u200b Belt-and-Road-Initiative, die auch als neue Seidenstra\u00dfe bekannt ist. Sie gilt als eines der gr\u00f6\u00dften Infrastrukturprojekte der Welt. Ein Prestigeprojekt in der Region ist die China-Kirgistan-Usbekistan-Eisenbahn, abgek\u00fcrzt CKU-Bahn.\u00a0<\/p>\n<p>Offiziell startete das Projekt im Jahr 2024, 2030 sollen die ersten Z\u00fcge fahren. Es ist zwar nicht die erste Strecke, die Asien mit Europa verbindet.\u00a0\u200bAber die CKU-Eisenbahn hat aus Pekings Sicht zwei Vorteile: Zum einen sollen Waren sieben bis zehn Tage schneller von China nach Europa kommen als bisher.\u00a0<\/p>\n<p>Dazu kommt ein weiterer Vorteil aus der Sicht Chinas, erkl\u00e4rt die Sinologin Eva Seiwert: Die anderen Strecken verlaufen nahe der russischen Grenze oder sogar in Russland, wie zum Beispiel die bekannte transsibirische Eisenbahn. Die Strecke der neuen CKU-Eisenbahn hingegen verl\u00e4uft weit weg von Russlands Zugriffszone.\u00a0<\/p>\n<p>Auch die Bev\u00f6lkerung passe sich an Chinas wachsenden Einfluss an, sagt Temur\u00a0Umarov, der aus Usbekistan stammt und am Carnegie-Russia-Eurasia-Center zu Zentralasien forscht. Junge Menschen lernen immer h\u00e4ufiger\u00a0Chinesisch, weil es f\u00fcr sie mehr Jobm\u00f6glichkeiten bringt. So werde die Bindung an Russland immer schw\u00e4cher: \u201eMan kann Russland nicht einfach den R\u00fccken zukehren, weil es zu gef\u00e4hrlich ist. Aber was China bringt, ist die Aussicht auf Zukunft\u201d, sagt er.\u00a0<\/p>\n<p>Auch politisch w\u00e4chst Chinas Macht: Laut der Sinologin Eva Seiwert hat China in den fr\u00fchen 2000er-Jahren stark darauf geachtet, Russland mit einzubeziehen, zum Beispiel mit der Shanghaier Organisation f\u00fcr Zusammenarbeit (SCO). Doch mittlerweile nehme China weniger R\u00fccksicht auf Russland, sagt sie. Neben der SCO schaffte China daher ein neues Format: den China-Central Asia Summit. Hier bleibt Russland au\u00dfen vor: \u201eIch finde es ist ganz anschaulich, wenn man bedenkt, dass der erste China Central Asia Summit\u00a02023 in Xian stattgefunden hat, also ein Jahr nach der Vollinvasion Russland, also f\u00fcr die Ukraine, und das zeigt auch, dass China da seine Politik ge\u00e4ndert hat.\u201d\u00a0<\/p>\n<p>Fr\u00fcher habe Russland versucht, Chinas wachsenden Einfluss in der Region einzud\u00e4mmen, sagt die Sinologin Eva Seiwert. Doch mittlerweile habe Russland verstanden, dass man Chinas Machtgewinn nicht verhindern k\u00f6nne, sagt der Politikwissenschaftler Temur\u00a0Umarov. Und so gebe es keine offiziellen Statements gegen Chinas Expansion in Zentralasien.\u00a0Ein Grund daf\u00fcr ist laut dem Historiker S\u00f6ren\u00a0Urbansky, dass die angebliche Freundschaft mit China f\u00fcr Putin wichtig ist, um sich nicht isoliert darzustellen: \u201eChina ist nach wie vor bereit, Putin sch\u00f6ne Fernsehbilder zu geben. Das ist innenpolitisch ein Kapital f\u00fcr Putin.\u201d\u00a0<\/p>\n<p>Bisher importierte China viel \u00d6l aus dem Iran. Jetzt muss China auf Russland ausweichen, sagt die Sinologin Eva Seiwert: \u201eHier kann Russland die Konditionen der \u00d6llieferungen wieder etwas mehr mitbestimmen, da China sehr viel mehr abh\u00e4ngig von dem russischen \u00d6l ist, als es das im Normalfall ist.\u201d\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Doch dass sich das Machtgef\u00e4lle zwischen China und Russland grunds\u00e4tzlich \u00e4ndern wird, ist Beobachtern zufolge unwahrscheinlich. Denn daf\u00fcr braucht Russland China dringend als Handelspartner und Technologie-Lieferant.\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>China wird wohl weiterhin seine Interessen in Zentralasien durchsetzen, auch auf Kosten Russlands. F\u00fcr den Historiker S\u00f6ren\u00a0Urbansky\u00a0steht fest, dass China trotzdem darauf achten wird, Russland nicht zu sehr zu schw\u00e4chen oder zu br\u00fcskieren: \u201eEin Faktor, der in Europa zu wenig beachtet wird, ist, dass China und Russland Nachbarstaaten sind und China kein Eigeninteresse daran hat, dass Russland zu sehr politisch geschw\u00e4cht wird.\u201d\u00a0\u00a0<\/p>\n<p>Urbansky\u00a0glaubt, dass China Russland daher genug unterst\u00fctzen wird, dass das politische Regime in Russland nicht zusammenbricht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Partner oder Rivalen? Russlands Pr\u00e4sident Wladimir Putin und Chinas Pr\u00e4sident Xi Jinping bei einem Treffen in Beijing. (imago&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":898648,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,13,1128,197404,14,15,4043,4044,850,307,12,47258,151241,5799,105222],"class_list":{"0":"post-898647","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-kasachstan","12":"tag-kirghizistan","13":"tag-nachrichten","14":"tag-news","15":"tag-russia","16":"tag-russian-federation","17":"tag-russische-foederation","18":"tag-russland","19":"tag-schlagzeilen","20":"tag-tadschikistan","21":"tag-turkmenistan","22":"tag-usbekistan","23":"tag-zentralasien"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116296511034838304","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/898647","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=898647"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/898647\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/898648"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=898647"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=898647"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=898647"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}