{"id":898795,"date":"2026-03-26T18:17:14","date_gmt":"2026-03-26T18:17:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/898795\/"},"modified":"2026-03-26T18:17:14","modified_gmt":"2026-03-26T18:17:14","slug":"afrikaner-im-ukraine-krieg-gelockt-getaeuscht-an-der-front-news","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/898795\/","title":{"rendered":"Afrikaner im Ukraine-Krieg: gelockt, get\u00e4uscht, an der Front &#8211; News"},"content":{"rendered":"<p class=\"article-paragraph\">Es regnet in Str\u00f6men, als sie James Kamau verabschieden. Rund zweihundert Menschen sind gekommen, in sein Heimatdorf im Kiambu County, n\u00f6rdlich von Nairobi. Die Angeh\u00f6rigen und Freunde stehen dicht gedr\u00e4ngt unter Planen, auf rotem, aufgeweichtem Boden. Es gibt keinen Sarg. Keinen Leichnam. Nur ein grosses Plakat vorne bei der B\u00fchne: Kamau, 33 Jahre alt, in Milit\u00e4runiform, ein Gewehr in den H\u00e4nden. Sie nennen es eine \u00abMock Burial\u00bb. Eine Beerdigung ohne K\u00f6rper. Ein Abschied ohne Gewissheit.<\/p>\n<blockquote class=\"blockquote \">\n<p>\n        Er starb in einem Krieg, den er gar nicht kannte.\n    <\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"article-paragraph\">Seine Schwester tritt nach vorne, ihre Stimme bricht. \u00abEr war mein bester Bruder. Und jetzt hat Russland ihn uns genommen.\u00bb Ein Cousin sagt: \u00abEr starb in einem Krieg, den er gar nicht kannte.\u00bb Und ein Freund blickt lange auf das Plakat: \u00abEr hasste Waffen\u00bb, sagt er. \u00abUnd jetzt kennt man ihn nur so.\u00bb <\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Weinende, sitzende Menschen an James Kamaus \u00abMock Burial\u00bb. \" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>                    Legende:<\/p>\n<p>                Im Regen sitzen sie dicht gedr\u00e4ngt, viele weinen. Es ist ein Abschied ohne K\u00f6rper und ohne Gewissheit, ob und wo James Kamau wirklich liegt.<\/p>\n<p>                    SRF\/Sarah Fluck<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Der Regen f\u00e4llt weiter. Und mit ihm diese Frage, die niemand beantworten kann: Wie kommt ein junger Mann von hier an einen Ort, an dem er stirbt, ohne dass seine Familie ihn je zur\u00fcckholen kann?<\/p>\n<p>    Die Beerdigung, die keine ist<\/p>\n<p>Anfang Bildergalerie<\/p>\n<p>    <a class=\"h-offscreen h-offscreen-focusable js-skiplink\" href=\"#skiplink-target-019ab8c8-57d6-4640-bc69-74b2f57db531-end\">Bildergalerie \u00fcberspringen<\/a><\/p>\n<ul class=\"image-gallery__list js-image-gallery-list\">\n<li class=\"image-gallery__item js-image-gallery-item\" data-app-image=\"\" tabindex=\"0\" data-flying-focus-info=\"no\">\n<p>                        Bild 1 von 5. <\/p>\n<p>                        Neben dem Plakat steht James Kamaus Witwe mit der gemeinsamen Tochter im Arm. Ein Kind, das seinen Vater kaum gekannt hat.<\/p>\n<p>                                                                         Bildquelle: SRF\/Sarah Fluck.<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Plakat, das James Kamau in Milit\u00e4runiform zeigt. Daneben seine Witwe mit seiner kleinen Tochter. \" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>\n                    Legende:<\/p>\n<p>                Neben dem Plakat steht James Kamaus Witwe mit der gemeinsamen Tochter im Arm. Ein Kind, das seinen Vater kaum gekannt hat.<\/p>\n<p>                    SRF\/Sarah Fluck<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"image-gallery__item js-image-gallery-item\" data-app-image=\"\" tabindex=\"0\" data-flying-focus-info=\"no\">\n<p>                        Bild 2 von 5. <\/p>\n<p>                        Ein Freund von James Kamau spricht an der Beerdigung: \u00abBeim letzten Gespr\u00e4ch sagte er: Komm nach. Ich wusste nicht, dass das ein Abschied ist.\u00bb Dann leiser: \u00abIch war eifers\u00fcchtig. Er konnte gehen, ich hatte das Geld nicht.\u00bb Er schaut auf das Bild. \u00abAm Ende hat er f\u00fcr seinen Tod bezahlt.\u00bb.<\/p>\n<p>                                                                         Bildquelle: SRF\/Sarah Fluck.<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Ein Freund von James Kamau spricht an der Beerdigung.\" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>\n                    Legende:<\/p>\n<p>                Ein Freund von James Kamau spricht an der Beerdigung: \u00abBeim letzten Gespr\u00e4ch sagte er: Komm nach. Ich wusste nicht, dass das ein Abschied ist.\u00bb Dann leiser: \u00abIch war eifers\u00fcchtig. Er konnte gehen, ich hatte das Geld nicht.\u00bb Er schaut auf das Bild. \u00abAm Ende hat er f\u00fcr seinen Tod bezahlt.\u00bb<\/p>\n<p>                    SRF\/Sarah Fluck<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"image-gallery__item js-image-gallery-item\" data-app-image=\"\" tabindex=\"0\" data-flying-focus-info=\"no\">\n<p>                        Bild 3 von 5. <\/p>\n<p>                        Leads\u00e4nger im Gottesdienst: \u00abWir singen hier f\u00fcr einen, den wir nicht nach Hause holen konnten.\u00bb.<\/p>\n<p>                                                                         Bildquelle: SRF\/Sarah Fluck.<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Zwei S\u00e4nger singen Worship-Lieder an der Beerdigung. \" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>\n                    Legende:<\/p>\n<p>                Leads\u00e4nger im Gottesdienst: \u00abWir singen hier f\u00fcr einen, den wir nicht nach Hause holen konnten.\u00bb<\/p>\n<p>                    SRF\/Sarah Fluck<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"image-gallery__item js-image-gallery-item\" data-app-image=\"\" tabindex=\"0\" data-flying-focus-info=\"no\">\n<p>                        Bild 4 von 5. <\/p>\n<p>                        Zwei Kolleginnen von James Kamau: \u00abEr hat von einem besseren Leben gesprochen\u00bb, sagt eine von ihnen. \u00abNicht vom Sterben.\u00bb.<\/p>\n<p>                                                                         Bildquelle: SRF\/Sarah Fluck.<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Zwei Freundinnen von James Kamau weinen an der Beerdigung. \" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>\n                    Legende:<\/p>\n<p>                Zwei Kolleginnen von James Kamau: \u00abEr hat von einem besseren Leben gesprochen\u00bb, sagt eine von ihnen. \u00abNicht vom Sterben.\u00bb<\/p>\n<p>                    SRF\/Sarah Fluck<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"image-gallery__item js-image-gallery-item\" data-app-image=\"\" tabindex=\"0\" data-flying-focus-info=\"no\">\n<p>                        Bild 5 von 5. <\/p>\n<p>                        James Kamaus Mutter Hannah Wambui: \u00abIch habe ihn grossgezogen und jetzt weiss ich nicht einmal, wo er begraben liegt.\u00bb.<\/p>\n<p>                                                                         Bildquelle: SRF\/Sarah Fluck.<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"James Kamaus Mutter Hannah Wambui mit einer Kerze in der Hand w\u00e4hrend der Beerdigung. \" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>\n                    Legende:<\/p>\n<p>                James Kamaus Mutter Hannah Wambui: \u00abIch habe ihn grossgezogen und jetzt weiss ich nicht einmal, wo er begraben liegt.\u00bb<\/p>\n<p>                    SRF\/Sarah Fluck<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ende der Bildergalerie<\/p>\n<p>    <a class=\"h-offscreen h-offscreen-focusable h-offscreen-focusable--bottom js-skiplink\" href=\"#skiplink-target-019ab8c8-57d6-4640-bc69-74b2f57db531-start\">Zur\u00fcck zum Anfang der Bildergalerie.<\/a><\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Die Geschichte Kamaus und jener mit demselben Schicksal beginnt nicht mit dem Krieg. Sie beginnt mit einem Versprechen: Junge M\u00e4nner aus afrikanischen L\u00e4ndern werden mit unverf\u00e4nglichen Jobangeboten nach Russland gelockt. Oft beginnt alles online. Anzeigen auf Facebook, Telegram oder in WhatsApp-Gruppen versprechen Arbeit, Visa und ein besseres Leben. <\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"James Kamaus Mutter Hannah Wambui sitzt auf einem Plastikstuhl in ihrem Garten. \" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>                    Legende:<\/p>\n<p>                James Kamaus Mutter Hannah Wambui in ihrem Garten. \u00abIch wusste nicht einmal, ob mein Sohn noch lebt \u2013 oder schon tot ist.\u00bb Heute weiss sie es. Beh\u00f6rden haben seinen Tod best\u00e4tigt. Doch sein K\u00f6rper liegt irgendwo im Kriegsgebiet, eine R\u00fcckf\u00fchrung gibt es nicht.<\/p>\n<p>                    SRF\/Sarah Fluck<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.ohchr.org\/sites\/default\/files\/documents\/hrbodies\/hrcouncil\/coiukraine\/a-hrc-61-61-auv.pdf\" target=\"_blank\" data-urn=\"\" data-title=\"\" rel=\"nofollow noopener\">Laut Angaben der UNO kommen die Betroffenen aus L\u00e4ndern quer \u00fcber den Kontinent<\/a>: aus Uganda, Kenia, Kamerun, Nigeria oder S\u00fcdafrika. Dahinter stehen Netzwerke, die schwer zu greifen sind. Reiseagenturen organisieren Visa und Fl\u00fcge, Vermittler kn\u00fcpfen Kontakte, soziale Medien bringen Angebot und Nachfrage zusammen. F\u00fcr viele klingt es wie ein Ausweg.<\/p>\n<p>                                                        Das Versprechen<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Auch f\u00fcr Dancan Chege. Er ist Lastwagenfahrer, f\u00e4hrt Gem\u00fcse von Nairobi nach Mombasa, dreimal pro Woche. Lange Strecken, wenig Geld. Ein Leben, das nicht vorw\u00e4rtskommt. \u00abIch wollte einfach arbeiten\u00bb, sagt er. Ein Freund schickt ihm Bilder. Ein Job als Wachmann, erz\u00e4hlt er. Unterkunft, Lohn, alles geregelt. Dann eine Nummer. Eine Vermittlerin. Sie fragt ihn: Was kannst du? \u00abFahren\u00bb, antwortet Chege. \u00abGut\u00bb, schreibt sie. \u00abEs gibt Arbeit in Russland.\u00bb <\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Portraitbild von Dancan Chege, der in seinem Garten sitzt. \" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>                    Legende:<\/p>\n<p>                Dancan Chege in seinem Hof im Dorf Mori, zwischen H\u00fchnern und Bananenstauden. Der Krieg klebt noch an ihm. An den schweren Milit\u00e4rstiefeln an seinen F\u00fcssen. Am kamelfarbenen Pullover. An den Worten, die geblieben sind. \u00abSpasiba\u00bb, sagt er und lacht kurz. Das sei Russisch f\u00fcr \u00abDanke\u00bb, erkl\u00e4rt Chege.<\/p>\n<p>                    SRF\/Sarah Fluck<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Der Weg dorthin ist kurz. Ein paar Nachrichten auf WhatsApp. Ein Lebenslauf. Eine Passkopie. Geld \u2013 rund 1000 Dollar \u2013, das er sich leiht. Drei Tage sp\u00e4ter hat er ein Visum. Am n\u00e4chsten Tag ein Ticket. \u00abIch habe alles gepackt\u00bb, sagt er. \u00abIch dachte, ich gehe f\u00fcr ein Jahr. Und komme mit dem Geld von drei zur\u00fcck.\u00bb<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Als er in Moskau landet, scheint das Versprechen noch zu halten. Ein Bett, eine Dusche, Essen. F\u00fcr einen Moment sieht alles aus wie der Anfang eines besseren Lebens. Dann, fast unmerklich, verschiebt sich die Realit\u00e4t. Ein Vertrag wird ihm vorgelegt, auf Russisch. \u00abIch habe gesagt: \u00dcbersetzt mir das.\u00bb Er wartet. Niemand \u00fcbersetzt. Stattdessen dr\u00e4ngen sie. Auch die Vermittlerin schreibt: Er solle sich keine Sorgen machen. Am Ende unterschreibt er. Etwas, das er nicht lesen kann.<\/p>\n<p>                                                        Die rote Zone<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Kurz darauf wird er in ein Trainingslager gebracht. Dort lernt er schiessen. Marschieren. Befehle befolgen, die er nicht versteht. Und er lernt noch etwas anderes: wie man Bilder produziert. Sie m\u00fcssen Videos aufnehmen. L\u00e4cheln. Filmen. Sagen, dass alles gut ist. Material f\u00fcr die n\u00e4chsten. \u00abViele Afrikaner waren dort\u00bb, sagt Chege. \u00abSehr viele.\u00bb <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Nach wenigen Wochen wird Chege an die Front geschickt, \u00abin die rote Zone\u00bb. Irgendwo im Osten der Ukraine. Die Namen weiss er nicht mehr. Was bleibt, sind Bilder. K\u00e4lte. Schnee. \u00abDas Leben dort ist hart\u00bb, sagt er. \u00abEisig kalt.\u00bb<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Die M\u00e4nner werden in kleine Gruppen aufgeteilt, mit Abstand, damit nicht alle auf einmal sterben. \u00abF\u00fcnfzig Meter zwischen uns\u00bb, sagt Chege. \u00abWegen der Drohnen.\u00bb Geschlafen wird in L\u00f6chern im Boden. \u00abDein Haus ist dieses Loch\u00bb, sagt er. Und \u00fcberall Leichen. Viele Leichen. Der Auftrag ist einfach. \u00abT\u00f6ten\u00bb, sagt Chege. \u00abAlle, die keine russischen Soldaten sind, sogar Frauen.\u00bb<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Daten der UNO zeigen: Viele der Rekrutierten sterben nach wenigen Monaten, manche bereits nach wenigen Wochen. F\u00fcr Milit\u00e4ranalysten sind sie Teil einer Abnutzungstaktik, eingesetzt wie Kanonenfutter. Ukrainische Beh\u00f6rden gehen noch weiter und sagen, viele \u00fcberleben nicht einmal einen Monat an der Front.<\/p>\n<blockquote class=\"blockquote \">\n<p>\n        Sei ein Mann. Halt durch.\n    <\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"article-paragraph\">Auch Dancan Chege h\u00e4lt es an der Front nicht lange aus. Versucht zu fliehen. Bittet seine Vorgesetzten, ihn gehen zu lassen. Vergeblich. Dann schreibt er verzweifelt der Vermittlerin. \u00abSie hat gesagt: Sei ein Mann. Halt durch.\u00bb Er sieht nur noch einen Ausweg \u2013 spielt krank. Schiesst grundlos in die Luft, stellt sich wahnsinnig. Erst dann bringen ihn die russischen Vorgesetzten in ein Milit\u00e4rspital. <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Dort beginnt f\u00fcr ihn die eigentliche Flucht. Ein fremder Mann leiht ihm ein Telefon. Chege ruft nach Hause an. Seine Mutter verkauft eine Kuh, schickt Geld. Irgendwann steht er vor der kenianischen Botschaft in Moskau. Verletzt, kraftlos. Irgendwann sitzt er im Flugzeug zur\u00fcck in die Heimat.<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Mehrere Angeh\u00f6rige sitzen dicht beieinander vor dem Parlamentsgeb\u00e4ude in Nairobi. Vor ihnen, die Kenia-Flagge.\" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>                    Legende:<\/p>\n<p>                5. M\u00e4rz 2026, Nairobi: Vor dem Parlament stehen Angeh\u00f6rige mit Kerzen. Sie beten und fordern Antworten. Sie wollen wissen, wie ihre S\u00f6hne in den Krieg geraten konnten.<\/p>\n<p>                    Reuters\/Thomas Mukoya<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Doch auch hier endet die Geschichte nicht. Denn zur\u00fcck ist nur sein K\u00f6rper. \u00abMein Leben ist wieder bei null\u00bb, sagt er. Geld habe er nie gesehen. Und nachts wache er nun schreiend auf, h\u00f6re Sch\u00fcsse, sehe die Drohnen wieder. \u00abImmer wieder\u00bb, sagt er. \u00abEs h\u00f6rt nicht auf.\u00bb<\/p>\n<p>          Kenia stoppt Rekrutierung und holt erste K\u00e4mpfer zur\u00fcck<\/p>\n<p>    Box aufklappen<br \/>\n    Box zuklappen<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Russlands Aussenminister Sergei Lawrow (rechts) und Kenias Aussenminister Musalia Mudavadi (links) geben sich nach Gespr\u00e4chen in Moskau die Hand.Hinter ihnen sind die Flaggen Russlands und Kenias zu sehen. Die Szene wirkt formell, es handelt sich um eine gemeinsame Pressekonferenz nach politischen Gespr\u00e4chen. \" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/14eeb8.webp.webp\"\/><\/p>\n<p>                    Legende:<\/p>\n<p>                Nach wachsendem Druck aus Kenia: Aussenminister Musalia Mudavadi (links) trifft in Moskau seinen russischen Amtskollegen Sergei Lawrow. Bei den Gespr\u00e4chen am 16. M\u00e4rz ging es auch um die Rekrutierung kenianischer Staatsb\u00fcrger f\u00fcr den Ukraine-Krieg.<\/p>\n<p>                    Reuters\/Tatyana Makeyeva<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">In Kenia wuchs seit Anfang Jahr der Druck auf die Politik: Nach Medienberichten kam es in Nairobi zu Protesten von Angeh\u00f6rigen, die lautstark Aufkl\u00e4rung und Hilfe forderten.<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Zun\u00e4chst reagierte die Regierung mit der Schliessung von \u00fcber 600 dubiosen Vermittlungsagenturen, die mit falschen Jobversprechen lockten. Parallel versuchte sie, die Betroffenen zur\u00fcckzuholen: 44 Kenianer wurden bisher repatriiert, weitere sollen folgen.<\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Am 16. M\u00e4rz reiste der kenianische Aussenminister Musalia Mudavadi dann nach Moskau und erhielt dort von seinem russischen Amtskollegen Sergei Lawrow das Versprechen, dass Russland keine weiteren Kenianer mehr rekrutiert. <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Kurz darauf stellt die kenianische Regierung eine weitere pragmatische L\u00f6sung in Aussicht: Sie verspricht R\u00fcckkehrern Amnestie. Denn eigentlich ist die Rechtslage in Kenia klar: Wer ohne Bewilligung in einer fremden Armee dient, macht sich strafbar. Es drohen bis zu zehn Jahre Haft. F\u00fcr die R\u00fcckkehrer soll das nun aber nicht gelten. <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">W\u00e4hrend James Kamau begraben wird und Dancan Chege \u00fcberlebt hat, sitzt Jack Oduk in Nairobi und wartet. Er ist Fahrer, lebt in Korogocho, einem der gr\u00f6ssten Slums der Stadt. Ein schmaler Raum, nackte W\u00e4nde, zwei Plastikst\u00fchle. <\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Er sitzt auf dem Bett, das Handy in der Hand, wischt durch die Bilder seines Bruders Moses. Ein Hochzeitsfoto. Ein Kind auf dem Arm. Dann eine Uniform. \u00abEr war ein ehrlicher Mensch\u00bb, sagt Oduk. \u00abEin guter Mensch.\u00bb Ein Mann hatte auch Moses einen Job versprochen. Wachmann eines Supermarkts in Russland. Ein Ausweg. <\/p>\n<p>    Warten auf Moses Oduk<\/p>\n<p>Anfang Bildergalerie<\/p>\n<p>    <a class=\"h-offscreen h-offscreen-focusable js-skiplink\" href=\"#skiplink-target-c54cef4f-91f0-4854-8d8c-e03566170556-end\">Bildergalerie \u00fcberspringen<\/a><\/p>\n<ul class=\"image-gallery__list js-image-gallery-list\">\n<li class=\"image-gallery__item js-image-gallery-item\" data-app-image=\"\" tabindex=\"0\" data-flying-focus-info=\"no\">\n<p>                        Bild 1 von 3. <\/p>\n<p>                        Jack Oduk h\u00e4lt sein Handy. Darauf: ein Foto, das ihm sein Bruder Moses aus dem Trainingslager in Russland geschickt hat. Ganz rechts Moses. Kurz darauf bricht der Kontakt ab.<\/p>\n<p>                                                                         Bildquelle: SRF\/Sarah Fluck.<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Jack Oduk h\u00e4lt sein Telefon in den H\u00e4nden. Ein Foto zeigt f\u00fcnf M\u00e4nner in Milit\u00e4runiform. Ganz rechts ist Moses. \" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>\n                    Legende:<\/p>\n<p>                Jack Oduk h\u00e4lt sein Handy. Darauf: ein Foto, das ihm sein Bruder Moses aus dem Trainingslager in Russland geschickt hat. Ganz rechts Moses. Kurz darauf bricht der Kontakt ab.<\/p>\n<p>                    SRF\/Sarah Fluck<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"image-gallery__item js-image-gallery-item\" data-app-image=\"\" tabindex=\"0\" data-flying-focus-info=\"no\">\n<p>                        Bild 2 von 3. <\/p>\n<p>                        Jack Oduk vor seinem Zimmer in Korogocho. Hier lebte er mit seinem j\u00fcngeren Bruder Moses \u2013 beide arbeiteten als Fahrer, teilten sich den Raum, den Alltag, die Hoffnung auf ein besseres Leben.<\/p>\n<p>                                                                         Bildquelle: SRF\/Sarah Fluck.<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Portrait von Jack Oduk vor seiner Einzimmerwohnung in Korogocho. \" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>\n                    Legende:<\/p>\n<p>                Jack Oduk vor seinem Zimmer in Korogocho. Hier lebte er mit seinem j\u00fcngeren Bruder Moses \u2013 beide arbeiteten als Fahrer, teilten sich den Raum, den Alltag, die Hoffnung auf ein besseres Leben.<\/p>\n<p>                    SRF\/Sarah Fluck<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"image-gallery__item js-image-gallery-item\" data-app-image=\"\" tabindex=\"0\" data-flying-focus-info=\"no\">\n<p>                        Bild 3 von 3. <\/p>\n<p>                        Die milit\u00e4rische Erkennungsmarke von Moses. Eine Nummer statt eines Namens. Moses erz\u00e4hlte seinem Bruder, man habe ihm einen russischen Namen gegeben und ihn darunter registriert, damit er im System schwerer zu identifizieren ist.<\/p>\n<p>                                                                         Bildquelle: SRF\/Sarah Fluck.<\/p>\n<p>                <img decoding=\"async\" alt=\"Jack Oduk h\u00e4lt sein Telefon in den H\u00e4nden. Ein Foto zeigt eine milit\u00e4rische Erkennungsmarke\" class=\"image__img\" loading=\"lazy\" src=\"data:image\/gif;base64,R0lGODlhAQABAIAAAAAAAP\/\/\/yH5BAEAAAAALAAAAAABAAEAAAIBRAA7\"\/><\/p>\n<p>\n                    Legende:<\/p>\n<p>                Die milit\u00e4rische Erkennungsmarke von Moses. Eine Nummer statt eines Namens. Moses erz\u00e4hlte seinem Bruder, man habe ihm einen russischen Namen gegeben und ihn darunter registriert, damit er im System schwerer zu identifizieren ist.<\/p>\n<p>                    SRF\/Sarah Fluck<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p>Ende der Bildergalerie<\/p>\n<p>    <a class=\"h-offscreen h-offscreen-focusable h-offscreen-focusable--bottom js-skiplink\" href=\"#skiplink-target-c54cef4f-91f0-4854-8d8c-e03566170556-start\">Zur\u00fcck zum Anfang der Bildergalerie.<\/a><\/p>\n<p class=\"article-paragraph\">Der letzte Anruf kommt im November. Moses weint. Seine Stimme bricht. Er sagt, sie wollten ihn an die Front schicken. \u00abIch will das nicht\u00bb, sagt er. Danach: nichts mehr. Oduk h\u00e4lt das Handy fest, als k\u00f6nnte es jeden Moment klingeln. \u00abWir warten\u00bb, sagt er. Eine Pause. \u00abAuf ein Zeichen, dass er noch lebt. Oder dass er es nicht mehr tut.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Es regnet in Str\u00f6men, als sie James Kamau verabschieden. 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