{"id":898801,"date":"2026-03-26T18:20:22","date_gmt":"2026-03-26T18:20:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/898801\/"},"modified":"2026-03-26T18:20:22","modified_gmt":"2026-03-26T18:20:22","slug":"schweden-und-frankreich-denken-darueber-nach-aus-dem-eu-strommarkt-auszusteigen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/898801\/","title":{"rendered":"Schweden und Frankreich denken dar\u00fcber nach, aus dem EU-Strommarkt auszusteigen"},"content":{"rendered":"<p>Die Verzweiflung bei den Bef\u00fcrwortern der EU-Vertr\u00e4ge muss gross sein. Mit Eduard Kiener hat man nun sogar einen Chefbeamten aus dem letzten Jahrhundert hervorgekramt, der sich f\u00fcr die angeblichen Vorteile des neuen Stromabkommens, das Teil des Vertragspaket ist, einsetzt.<\/p>\n<p>In einem Gastbeitrag in der NZZ schreibt Kiener, der von 1977 bis 2001 Direktor des Bundesamts f\u00fcr Energie war, dass einem beim \u00abunvoreingenommenen\u00bb Lesen des Stromabkommens der Eindruck beschleiche, der Vertrag beruhe auf \u00abgegenseitigem Verst\u00e4ndnis und Willen zur Zusammenarbeit\u00bb zwischen der Schweiz und der EU.<\/p>\n<p>                <img src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/691253805_highres-1024x683.jpg\" alt=\"OLIVIER HOSLET \/ KEYSTONE\" itemprop=\"contentUrl\" class=\"story-img story-img--landscape\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\"\/><\/p>\n<p>                                                    Die schwedische Vizepremierministerin und Energieministerin Ebba Busch spricht w\u00e4hrend eines EU-Energieratstreffens in Br\u00fcssel mit den Medien.<br \/>\n                                                                            <\/p>\n<p>                                        OLIVIER HOSLET \/ KEYSTONE<\/p>\n<p>Bei allem Respekt vor der Karriere Kieners und seiner harmoniebed\u00fcrftigen Lekt\u00fcre der Vertr\u00e4ge: Diese naive Lesart ist nicht nur in der Schweiz, wo sich eine breite Allianz gegen das Stromabkommen formiert hat, sondern in ganz Europa l\u00e4ngst \u00fcberholt. Im EWR-Land Norwegen zum Beispiel ist vor einem Jahr die Regierung an internen Konflikten rund um die Stromvertr\u00e4ge mit Br\u00fcssel gescheitert.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p>Norwegen produziert so viel Strom, dass das Land praktisch autark w\u00e4re, entsprechend tief m\u00fcssten die Preise f\u00fcr Private und Unternehmen sein \u2013 sind sie aber nicht. Norwegen ist verpflichtet, seinen Strom in das europ\u00e4ische Stromsystem zu exportieren, und muss gleichzeitig die hohen Preise importieren, die aufgrund der volatilen und strukturell zu knappen Kapazit\u00e4ten vor allem in Deutschland auf dem europ\u00e4ischen Strommarkt hoch bleiben d\u00fcrften.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p>Weil Norwegen nicht selbst \u00fcber die Exportfl\u00fcsse und Preise bestimmen darf, sitzt das EWR-Land in der Preisfalle. Schweden geht es gleich. Das EU-Vorzeigeland bei der erneuerbaren Stromproduktion wird ebenfalls mit den hohen Preisen des EU-Binnenmarkts daf\u00fcr bestraft, dass es selbst ausreichend sauberen Strom produziert. \u00abUnd trotz dieser Erfolge stehen wir jetzt auf der Verliererseite. Ich meine, welches Signal sendet das aus? Das ist einfach inakzeptabel\u00bb, <a href=\"https:\/\/www.government.se\/speeches\/2026\/03\/statement-by-minister-for-energy-business-and-industry-and-deputy-prime-minister-ebba-busch-at-the-energy-council-meeting-in-brussels\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">sagte<\/a> dazu die schwedische Energieministerin Ebba Busch vor kurzem an einem Treffen der EU-Energieminister.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p>Busch, eine Christdemokratin, geht sogar weiter und droht damit, die Stromexporte zu drosseln, wenn sich Br\u00fcssel bei der Energiepolitik nicht bewege. Schon vor zwei Jahren hatte sie den Bau einer Stromleitung von Schweden nach Deutschland gestoppt. Mit Blick auf die deutsche Energiepolitik sagte sie damals: \u00abWenn der Wind nicht weht, bekommen wir mit diesem gescheiterten Stromsystem hohe Strompreise.\u00bb Mit dem \u00abgegenseitigen Verst\u00e4ndnis\u00bb, von dem Kiener in der NZZ schw\u00e4rmt, ist es in der EU nicht weit her.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p>Auch in Frankreich denkt man laut dar\u00fcber nach, aus dem EU-Strommarkt auszusteigen. Die Welt am Sonntag sprach j\u00fcngst von einem m\u00f6glichen \u00abFlexit\u00bb. So fordert Jordan Bardella, der Parteichef des Rassemblement National (RN) und potenzieller Pr\u00e4sidentschaftskandidat, die \u00abRegeln des Energiemarkts\u00bb auszusetzen, bis sich der Energiepreis vom Iran-Krieg wieder erholt hat. Die Linke um die Partei La France insoumise fordert schon l\u00e4nger, dass Frankreich die Preise auf dem nationalen Strommarkt selbst bestimmen soll.<\/p>\n<p>\n                 _e(&#8218;Werbung&#8216;, &#8218;weltwoche&#8216;); ?&gt;\n            <\/p>\n<p>Und genau darum geht es: Die Energiepolitik bleibt eines der wichtigsten Felder eines souver\u00e4nen Staats. Wer hier Kompetenzen abgibt und seinen Handlungsspielraum einschr\u00e4nkt, wird es bereuen. Unter dem Strich sei das Abkommen \u00abeine gute Basis f\u00fcr die k\u00fcnftige Zusammenarbeit mit der EU im Strombereich\u00bb, schreibt Kiener in seinem Gastbeitrag. In Norwegen, Schweden, Frankreich und weiten Teilen der Schweiz zweifelt man daran.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Verzweiflung bei den Bef\u00fcrwortern der EU-Vertr\u00e4ge muss gross sein. 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