{"id":900558,"date":"2026-03-27T10:33:13","date_gmt":"2026-03-27T10:33:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/900558\/"},"modified":"2026-03-27T10:33:13","modified_gmt":"2026-03-27T10:33:13","slug":"europaeischer-forschungsrat-ploetzlich-schneiden-israelische-forscher-bei-der-eu-foerderung-auffaellig-schlecht-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/900558\/","title":{"rendered":"Europ\u00e4ischer Forschungsrat: Pl\u00f6tzlich schneiden israelische Forscher bei der EU-F\u00f6rderung auff\u00e4llig schlecht ab"},"content":{"rendered":"<p>Israel ist f\u00fcr wissenschaftliche Exzellenz bekannt. Entsprechend viele Stipendien bewilligte der Europ\u00e4ische Forschungsrat israelischen Wissenschaftlern jahrelang \u2013\u00a0doch 2025 brach die Zahl geradezu ein. Was steckt dahinter?<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Der Europ\u00e4ische Forschungsrat (European Research Council, ERC) ist ein Grund, auf Europa stolz zu sein. Unter der \u00c4gide der Europ\u00e4ischen Kommission vergibt der ERC jedes Jahr Stipendien f\u00fcr wissenschaftliche Projekte an Forscher aus aller Welt. Einzige Bedingung ist, dass die Forschung in einem Land der Europ\u00e4ischen Union oder einem assoziierten Land \u2013 wie etwa Norwegen, der Schweiz oder Israel \u2013 stattfindet.<\/p>\n<p>Das Budget des ERC f\u00fcr den Zeitraum 2021 bis 2027 betr\u00e4gt mehr als 16 Milliarden Euro, also mehr als zwei Milliarden pro Jahr. Diese werden aufgeteilt auf \u201eStarting Grants\u201c f\u00fcr junge und \u201eConsolidator Grants\u201c f\u00fcr bereits etablierte Forscher sowie \u201eAdvance Grants\u201c f\u00fcr anerkannte Autorit\u00e4ten; hinzu kommen einige zus\u00e4tzliche Programme. <\/p>\n<p>Es ist gut angelegtes Geld. Ehemalige Stipendiaten des ERC haben nach <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/erc.europa.eu\/about-erc\/erc-glance\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/erc.europa.eu\/about-erc\/erc-glance&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">eigenen Angaben der Organisation<\/a> 15 Nobelpreise und viele andere Preise gewonnen, darunter sieben Mal die \u201eFields Medal\u201c, die nach dem Nobelpreis wichtigste Auszeichnung in der Mathematik. Au\u00dferdem haben sie 2200 Patente angemeldet und 400 Start-ups gegr\u00fcndet. Stand jetzt besch\u00e4ftigen ERC-Stipendiaten an die 75.000 Doktoranden, Postdoktoranden und andere Mitarbeiter in ihren Teams. <\/p>\n<p>Eine Vorstellung von der Attraktivit\u00e4t des Programms geben die Zahlen f\u00fcr 2026. Allein um ein \u201eStarting Grant\u201c bewerben sich 4807 Projekte, ein Zuwachs um 22 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 67 Prozent der Antr\u00e4ge kommen aus den Natur- und Ingenieurwissenschaften, 33 Prozent aus den Sozial- und Geisteswissenschaften. Nur etwa jeder zehnte Antrag <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/erc.europa.eu\/news-events\/news\/starting-grants-2026-applications-facts-and-figures\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/erc.europa.eu\/news-events\/news\/starting-grants-2026-applications-facts-and-figures&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">wird bewilligt<\/a>.<\/p>\n<p>Bei den f\u00fcr junge Wissenschaftler besonders wichtigen \u201eStarting Grants\u201c schneidet das kleine Israel seit Jahren \u00fcberdurchschnittlich gut ab: Seit 2019 belegt Israel mit einer Bewilligungsquote von durchschnittlich 26 Prozent vor den Niederlanden und Frankreich den ersten Platz. Doch jetzt ist etwas im Gange, das einem als Europ\u00e4er die Schamr\u00f6te ins Gesicht treiben sollte. <\/p>\n<p>Am 28. Januar schrieb der in Wien lehrende Philosoph Hanoch Ben-Yami einen Brief an die Pr\u00e4sidentin des ERC, die deutsche Biologin Maria Leptin. Ihm war aufgefallen, dass die israelische Bewilligungsquote 2025 pl\u00f6tzlich abfiel, auf nur noch 9,3 Prozent. Wie, fragte Ben-Yami, sei dieser Einbruch zu erkl\u00e4ren? <\/p>\n<p>Dazu muss man etwas \u00fcber den Auswahlprozess wissen. Jedes Jahr kommen Ende Januar Hunderte Wissenschaftler auf Einladung des 18-k\u00f6pfigen Wissenschaftlichen Rats des ERC nach Br\u00fcssel und werden in Panels aufgeteilt, die in einem ersten Durchgang die eingereichten Projekte begutachten. In einem zweiten Durchgang werden im Juni die verbliebenen Projekte noch einmal gesiebt. Jedes Projekt wird von einem Dreierteam begutachtet, wobei sorgsam darauf geachtet wird, eventuelle Vorurteile auszuschalten. So sind die Gutachter dazu gehalten, bei den Projekten und Themen auf \u201eGender Equality\u201c zu achten, die angemessene Vertretung von Frauen in den Forschungsteams, und bei entsprechenden Forschungsfeldern \u2013 man denke etwa an Medizin oder Soziologie \u2013 Projekte zu f\u00f6rdern, die f\u00fcr Frauen relevant sind. <\/p>\n<p>Wenn es aber um politische Vorurteile geht, sind die Richtlinien schwammig. Antisemitismus etwa wird nirgends erw\u00e4hnt. So konnte es etwa kommen, dass der irische Geograf und Soziologe Rob Kitchin dieses Jahr den Vorsitz in einem Panel f\u00fchrt, obwohl er im November 2025 Co-Autor eines pseudowissenschaftlichen Papiers war, in dem es hei\u00dft: \u201eSowohl beim Krieg in der Ukraine als auch beim Genozid in Gaza sehen wir schon, wie autorit\u00e4re Staaten \u00dcberwachungssysteme in bewaffneten, semiautomatischen Drohnen anwenden, um in der Verfolgung ihrer autorit\u00e4ren Agenden Menschen gezielt zu t\u00f6ten.\u201c <\/p>\n<p>Die Bezeichnung des demokratischen j\u00fcdischen Staates als \u201eautorit\u00e4r\u201c, die Gleichsetzung eines mit der Europ\u00e4ischen Union assoziierten Staates mit dem systemischen Gegner Russland, die Behauptung, Israel verfolge mit der gezielten Liquidierung von Terroristen \u00e4hnliche Ziele wie Russland mit seinem Terror gegen ukrainische Zivilisten: Selbstverst\u00e4ndlich sind solche \u00c4u\u00dferungen, so dumm sie sind, erlaubt. Sie m\u00fcssten aber den Autor ebenso selbstverst\u00e4ndlich als Gutachter disqualifizieren, als habe er sich abf\u00e4llig \u00fcber Frauen, Schwule, Schwarze oder Muslime ge\u00e4u\u00dfert. Aber nichts da.<\/p>\n<p>Verbreitete Anti-Israel-Stimmung an Europas Hochschulen<\/p>\n<p>Von WELT mit diesen \u00c4u\u00dferungen konfrontiert, betonte Kommissionssprecher Maciej Berestecki ohne Beleg, das einzige Kriterium f\u00fcr den Erhalt eines Stipendiums sei \u201ewissenschaftliche Exzellenz\u201c, was ja \u2013 siehe \u201eGender Equality\u201c \u2013 nachweislich nicht stimmt; und dass die \u201eunabh\u00e4ngigen Gutachter\u201c die israelischen Beitr\u00e4ge 2025 als \u201enicht so stark wie in den vorangegangenen Jahren\u201c eingesch\u00e4tzt h\u00e4tten. <\/p>\n<p>Ben-Yami ist nicht \u00fcberzeugt. Er war selbst als Gutachter t\u00e4tig und begegnete nach eigenen Angaben seit dem \u00dcberfall der Hamas auf den j\u00fcdischen Staat unter vielen Kollegen einer antiisraelischen Stimmung. Auf seinen Brief habe zwar ERC-Pr\u00e4sidentin Leptin angek\u00fcndigt, beim ersten Gesamttreffen der Gutachter das Problem anzusprechen. Sie habe dann jedoch einen Stellvertreter geschickt, der Anwesenden zufolge allgemein vor politischen Vorurteilen gewarnt, das Problem des israelbezogenen Antisemitismus jedoch nicht erw\u00e4hnt habe. <\/p>\n<p>Was emp\u00f6rt, aber nicht \u00fcberrascht: Mehr als 40 europ\u00e4ische Universit\u00e4ten haben Boykottbeschl\u00fcsse gegen israelische Forschungseinrichtungen beschlossen, mit denen sie fr\u00fcher zusammengearbeitet haben. Nicht wenige Gutachter geh\u00f6ren solchen Universit\u00e4ten an, wie auch eine Vizepr\u00e4sidentin des ERC und vier Mitglieder seines Wissenschaftlichen Rats, der die Gutachter beruft. Das soll nicht hei\u00dfen, dass diese Individuen pers\u00f6nlich einen akademischen Boykott Israels guthei\u00dfen. Aber sie k\u00f6nnten eine gewisse Verpflichtung empfinden, die Beschl\u00fcsse ihrer Einrichtungen zu respektieren.<\/p>\n<p>Hinzu kommt: Die EU-Kommission selbst hat kurz nach Beendigung der letztj\u00e4hrigen Gutachterrunde ein fatales Zeichen gesetzt, indem sie beschlossen hat, Israel wegen des Kriegs in Gaza aus dem <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/eic.ec.europa.eu\/eic-funding-opportunities\/eic-accelerator_en\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/eic.ec.europa.eu\/eic-funding-opportunities\/eic-accelerator_en&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">\u201eAccelerator\u201c-F\u00f6rderprogramm des European Innovation Council<\/a> auszuschlie\u00dfen, das vor allem disruptive und innovative Start-ups f\u00f6rdert. Eine Ma\u00dfnahme, die sie nicht auf jene Mitgliedsl\u00e4nder angewendet hat, die etwa in Serbien, Irak, Afghanistan, Syrien oder Libyen Kriege gef\u00fchrt haben, bei denen Zehntausende Zivilisten umkamen. <\/p>\n<p>Mit einer Bev\u00f6lkerung von nur 9,5 Millionen Menschen steht Israel bei den \u201eAccelerator\u201c-F\u00f6rderprogrammen an dritter Stelle, nach den um ein Vielfaches gr\u00f6\u00dferen L\u00e4ndern Frankreich und Deutschland. Bislang hat Deutschland im Europ\u00e4ischen Rat den Kommissionsbeschluss blockiert; aber dass er \u00fcberhaupt gefasst wurde, zeigt die St\u00e4rke der antiisraelischen Stimmung selbst innerhalb der Kommission. Dass EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen (CDU) ebenso wie ERC-Pr\u00e4sidentin Leptin Deutsche sind, macht dabei besonders betroffen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Israel ist f\u00fcr wissenschaftliche Exzellenz bekannt. 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