{"id":902055,"date":"2026-03-28T00:29:19","date_gmt":"2026-03-28T00:29:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/902055\/"},"modified":"2026-03-28T00:29:19","modified_gmt":"2026-03-28T00:29:19","slug":"du-koenntest-zum-unterricht-auch-mal-im-kleid-kommen-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/902055\/","title":{"rendered":"\u00bbDu k\u00f6nntest zum Unterricht auch mal im Kleid kommen\u00ab \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Musikhochschulen sind von Einzelunterricht, Genie-Kult, Hierarchien und hohem Leistungsdruck gepr\u00e4gt \u2013 Machtmissbrauch ist da kein neues Problem, wird aber zunehmend thematisiert. Wir haben mit Studierenden und Mitarbeitenden der Leipziger Hochschule f\u00fcr Musik und Theater \u00bbFelix Mendelssohn Bartholdy\u00ab \u00fcber ihre Erfahrungen und Eindr\u00fccke gesprochen.<\/p>\n<p>Als Lou ihr Studium an der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater \u00bbFelix Mendelssohn Bartholdy\u00ab (HMT) beginnt, ist sie euphorisch. Sie ist dankbar, einen der umk\u00e4mpften Studienpl\u00e4tze ergattert zu haben, f\u00fchlt sich privilegiert, Einzelunterricht zu bekommen. Heute denkt sie anders \u00fcber ihr Studium: In den sieben Semestern an der HMT ist sie mehrfach Opfer von Machtmissbrauch geworden. Lou hei\u00dft eigentlich anders, auch ihr Hauptstudienfach soll hier nicht genannt werden \u2013 zu klein sind der Hochschulkosmos und die Musikszene, zu gro\u00df die Sorge, erkannt zu werden und dadurch negative Konsequenzen zu erfahren. <\/p>\n<p>Die Erfahrungen von Lou sind kein Einzelfall. Ausgehend vom Hochschulaktionstag gegen Machtmissbrauch und Diskriminierung, der im November vergangenen Jahres bundesweit an staatlichen Musikhochschulen \u2013 und somit auch an der HMT \u2013 stattfand, haben wir in den vergangenen Monaten mit Studierenden, mit Mitarbeitenden des Rektorats, des Gleichstellungs- und des Vertrauensteams sowie mit Lehrkr\u00e4ften der Hochschule \u00fcber ihre Erfahrungen mit Machtmissbrauch im Hochschulalltag gesprochen. Wie Lou wollten auch die anderen Studierenden dabei nur anonym berichten \u2013 im Text sind ihre Namen, F\u00e4cher und einzelne Details daher ver\u00e4ndert oder weggelassen.<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch berichtet Lou von drei verschiedenen Machtmissbrauchserfahrungen, die dazu gef\u00fchrt haben, dass sie die HMT nun weitestgehend meidet und bem\u00fcht ist, m\u00f6glichst z\u00fcgig ihren Abschluss zu machen. Bereits im ersten Semester lassen Lou ungefragte k\u00f6rperliche N\u00e4he und sexualisierte Kommentare im Einzelunterricht sich unwohl f\u00fchlen: \u00bbDie Lehrperson hat sich teilweise zu mir auf die Bank gequetscht, mich ungew\u00fcnscht an meinen H\u00e4nden ber\u00fchrt. Als ich aufgrund des K\u00f6rperkontakts etwas verhalten war, hat er mich ein freches Weib genannt. Irgendwann sagte er zu mir: Du k\u00f6nntest zum Unterricht auch mal im Kleid kommen.\u00ab Lou schafft es, in der Situation zu kommunizieren, dass sie sich unwohl f\u00fchlt, und verl\u00e4sst den Raum. \u00bbMein Lehrer hat mir noch gesagt, ich solle mich nicht so anstellen, er habe nur Spa\u00df machen wollen.\u00ab Lou wendet sich ans Gleichstellungsb\u00fcro der Hochschule und meldet sich das restliche Semester f\u00fcr diesen Unterricht krank. Ein reibungsloser Lehrerwechsel ist m\u00f6glich und die Gleichstellungsbeauftragte, an die Lou sich gewandt hat, k\u00fcndigt an, den Lehrer abzumahnen. Ob das passiert ist, wei\u00df Lou nicht. Auch wir erfragen es im Rahmen unserer Recherche nicht \u2013 denn mit einer Anfrage zu diesem spezifischen Fall w\u00fcrden wir Lous Anonymit\u00e4t gef\u00e4hrden. <\/p>\n<p>Es bleibt f\u00fcr Lou nicht bei dieser einen Erfahrung: \u00bbSt\u00e4ndig fielen Kommentare \u00fcber meinen K\u00f6rper und meine Outfits\u00ab, zudem zieht die Hauptfachlehrperson, jemand in Professur, regelm\u00e4\u00dfig vor ihr \u00fcber andere Studierende her \u2013 sie seien zu dick oder zu d\u00fcnn. \u00bbIch habe von dieser Lehrperson Nachrichten auf Whatsapp erhalten, teilweise nachts, in denen mein Aussehen auf meinem Profilbild kommentiert wurde.\u00ab Kontakt \u00fcber Messenger zwischen Lehrenden und Studierenden ist an Musikhochschulen nicht un\u00fcblich, etwa um Unterrichtszeiten abzustimmen. Die Nachrichten der Lehrperson zu ihrem Aussehen empfindet Lou jedoch als grenz\u00fcberschreitend. \u00dcber dieselbe, dem kreuzer namentlich bekannte Lehrperson sagt uns ein anderer Student, sie habe einer Kommilitonin zu einer Brustverkleinerung geraten. Er und Lou berichten beide davon, dass mehrere Studierende derartige Erfahrungen mit der Person gemacht h\u00e4tten. Zudem sei die Lehrperson oft zu sp\u00e4t zum Unterricht gekommen, habe Stunden unbegr\u00fcndet abgesagt oder w\u00e4hrend der Unterrichtszeit \u00fcber fachfremde Themen monologisiert \u2013 \u00bbmateriellen Machtmissbrauch\u00ab nennt man solches Verhalten. 2024 schlie\u00dft sich Lou anonym einer Sammelbeschwerde an, die eine Kommilitonin initiiert. Die betroffene Lehrperson ist anschlie\u00dfend mehrere Wochen krankgeschrieben, danach aber wieder normal da. Sie habe eine Professur inne, da lasse sich \u2013 wenn es nicht unmittelbar rechtliche Schritte geben solle \u2013 leider nicht so viel machen, habe es seitens der Hochschulleitung gehei\u00dfen. <\/p>\n<p>Auch mit der Initiatorin der damaligen Beschwerde, die diese namentlich beim Rektorat einreichte, haben wir gesprochen: Sie habe zur Zeit der Beschwerde keinen Unterricht mehr bei der Lehrperson gehabt und nach dem Beschwerdeverfahren beantragt, dass die Lehrperson nicht in ihren Pr\u00fcfungen sitzen d\u00fcrfe \u2013 mit Erfolg. Ihre Erfahrungen mit Machtmissbrauch an der HMT verarbeite sie derzeit auch im Rahmen ihres neuen Studiums: Nach dem Abschluss an der HMT studiert sie Journalismus in Halle. F\u00fcr die Reaktion des Rektorats auf ihre Beschwerde ist sie r\u00fcckblickend dankbar \u2013 sie habe sich ernst genommen gef\u00fchlt.<\/p>\n<p>Eine dritte Erfahrung von Machtmissbrauch empfindet Lou als tiefe Manipulation. Sie schluckt mehrfach, als sie davon erz\u00e4hlt. \u00bbIch hatte ja bereits Erfahrungen gemacht, war zum Thema \u00dcbergriffigkeiten und Missbrauch sensibilisiert \u2013 und trotzdem bin ich da irgendwie reingeraten.\u00ab In diesem Fall habe sie sich mit der Lehrperson sehr gut verstanden \u2013 zu gut, denke sie im Nachhinein. Der Umgang im Unterricht sei freundschaftlich gewesen. Irgendwann habe die Lehrperson angefangen, private Dinge zu erfragen und Textnachrichten zu schreiben, die mit dem Unterricht nichts zu tun hatten. Es folgen zweideutige Kommentare und Herz-Emojis unter Fotos auf Social Media. \u00bbIch habe mich da einlullen lassen, habe mich auch geschmeichelt gef\u00fchlt, dass eine Lehrperson, zu der ich aufsehe, mich so sch\u00e4tzt und mag\u00ab, erz\u00e4hlt Lou r\u00fcckblickend. Das Verhalten der Lehrperson ihr gegen\u00fcber habe sich irgendwann aber schlagartig ver\u00e4ndert. Ein herabw\u00fcrdigender und strenger Umgangston, enormer Druck und Vorw\u00fcrfe mangelnder Motivation h\u00e4tten danach zum Unterrichtsklima geh\u00f6rt. Lou wei\u00df bis heute nicht genau, was zu dieser Kehrtwende gef\u00fchrt hat. Im Zuge dieser Erfahrung habe sie psychologische Hilfe in Anspruch genommen: \u00bbIch brauchte Unterst\u00fctzung, um zu sortieren, welche Rolle ich in diesem Verh\u00e4ltnis gespielt habe. Ich h\u00e4tte viel eher meine Grenze ziehen k\u00f6nnen, war aber schlie\u00dflich auch die hierarchisch tiefer gestellte Studentin, die in einem Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnis stand.\u00ab <\/p>\n<p><strong>Musikhochschulen sind anf\u00e4llig f\u00fcr Machtmissbrauch<\/strong><\/p>\n<p>Mit sieben weiteren Studierenden haben wir seit Ende letzten Jahres \u00fcber Machtmissbrauchserfahrungen an der HMT gesprochen. Sie erz\u00e4hlen etwa von der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen bei Studierenden (\u00bbDiese Schwere, die die Person mit in den Unterricht bringt, sei so anstrengend, hat eine Lehrperson \u00fcber eine Kommilitonin zu mir gesagt\u00ab), vielfach von Bodyshaming (\u00bbEine Professorin hat mir gegen\u00fcber den K\u00f6rper einer Mitstudentin herabgew\u00fcrdigt\u00ab), von verletzender Pauschalkritik (\u00bbMir haben Dozierende gesagt: Du bist so langweilig und nichtssagend.\u00ab) oder sexualisierter Sprache (\u00bbDie Lehrperson sagte zu mir, ich solle das O so artikulieren, als w\u00fcrde ich einen Blowjob geben.\u00ab). Auch Tr\u00e4nen im Unterricht sowie L\u00e4stereien durch Lehrpersonen, sowohl \u00fcber Studierende als auch \u00fcber andere Lehrende, scheinen regelm\u00e4\u00dfig vorzukommen. Ein Student erz\u00e4hlt uns, er werde im Unterricht h\u00e4ufig ungefragt ber\u00fchrt, an der Brust, dem Po, zwischen den Oberschenkeln \u2013 alles unter dem Vorwand, die K\u00f6rperhaltung m\u00fcsse korrigiert werden. Eine weitere Studentin berichtet von einer Situation im Kleingruppenunterricht. Die Gruppe habe sich \u00fcber Mozarts Oper \u00bbDon Giovanni\u00ab unterhalten, in der es um einen Mann gehe, der versuche, m\u00f6glichst viele Frauen zu verf\u00fchren \u2013 was nicht wenige Inszenierungen als versuchte Vergewaltigungen darstellen. \u00bbDer Professor hat mich in dem Gespr\u00e4ch angeguckt \u2013 ich war die einzige Frau im Raum \u2013 und gesagt, unfreiwilliger Sex k\u00f6nne ja auch sch\u00f6n sein.\u00ab Sie beklagt, dass insbesondere im Gesangs- und Schauspielstudium sowie auf der Opernb\u00fchne, wo es oft auf k\u00f6rperlichen Ausdruck ankomme und um die Darstellung von Sexualit\u00e4t und Liebe gehe, Sexualisierungen und k\u00f6rperliche \u00dcbergriffigkeiten gang und g\u00e4be seien. \u00bbIch wei\u00df noch, dass ich am Anfang meines Studiums dachte, das w\u00e4re alles normal.\u00ab<\/p>\n<p>Auch andere berichten uns, dass sie ihre Erfahrungen zun\u00e4chst nicht einordnen konnten und teilweise nicht wussten, an wen sie sich wenden sollten. Von allen, mit denen wir dar\u00fcber gesprochen haben, hat lediglich Lou Situationen des Machtmissbrauchs auch im jeweiligen Moment als solche benennen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p><strong>Altes Thema, neuer Umgang <\/strong><\/p>\n<p>Dass Machtmissbrauch an Musikhochschulen schon lange existiere, erz\u00e4hlt uns Pianistin Julia Bartha. Sie arbeitet seit 2009 an der HMT, ist seit 2025 Professorin am Institut f\u00fcr Musikp\u00e4dagogik. \u00bbIm Musikstudium geht es einerseits um das Handwerk, andererseits \u2013 und das vielleicht viel mehr \u2013 aber auch um Emotionalit\u00e4t, die es braucht, um Musik authentisch vermitteln zu k\u00f6nnen\u00ab, so Bartha. \u00bbDas setzt eine Bereitschaft zu emotionaler Durchl\u00e4ssigkeit, Offenheit und Sensibilit\u00e4t voraus \u2013 und geht oft mit Druck einher. Dass das auch ausgenutzt werden kann, habe ich auch zu meinen Studienzeiten schon erlebt\u00ab, berichtet die Professorin, die 1991 bis 2000 an der Musikhochschule in Hannover studiert hat. Bartha schildert, dass Missst\u00e4nde, etwa Verh\u00e4ltnisse zwischen Lehrpersonen und Studierenden, zu ihren Studienzeiten offene Geheimnisse gewesen seien. Dass enormer Druck ausge\u00fcbt wurde, T\u00fcren auch mal von innen abgeschlossen wurden, habe man kopfsch\u00fcttelnd hingenommen. Sie selbst sei \u00bbweitestgehend verschont geblieben\u00ab. <\/p>\n<p>Bartha zeigt sich erleichtert, dass das Thema Machtmissbrauch in der Musikwelt mittlerweile sichtbarer verhandelt wird. Zugleich betont sie, dass der Hochschulkosmos in seinen Ansichten auf das Thema noch lange nicht homogen sei \u2013 auch in der Studierendenschaft. Teilweise spiele da auch die Internationalit\u00e4t eine Rolle, Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen seien auch hinsichtlich ihres Umgangs mit Autorit\u00e4t unterschiedlich sozialisiert. Auch unter Lehrenden nehme sie diese Verschiedenheit wahr. Viele w\u00fcrden am selben Strang ziehen und zur Weiterentwicklung der Hochschule bez\u00fcglich des Themas beitragen wollen, aber: \u00bbWir sind so viele. Wahrscheinlich wird es immer so bleiben, dass es Kolleginnen und Kollegen gibt, die sagen: \u203aDas steht nicht auf meiner Agenda.\u2039\u00ab Einige w\u00fcrden auch denken, dass sie es selbst unter diesen Studienbedingungen geschafft h\u00e4tten und heutzutage darum nicht so ein Brimborium gemacht werden m\u00fcsse. Bartha wolle nicht mit dem Finger auf andere zeigen. \u00bbReinen Wein einzuschenken, ist manchmal ganz sch\u00f6n hart. Die Menschen, um die es in vielen F\u00e4llen geht, sind gro\u00dfe Pers\u00f6nlichkeiten in der Musikwelt, haben einen Ruf, weil sie fantastische K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler sind\u00ab, so die Professorin. \u00bbDann etwas Schmutziges \u00fcber die Person zu erfahren, tut weh.\u00ab <\/p>\n<p>Konstanze Beyer, Geigenprofessorin an der HMT und Leiterin des Instituts f\u00fcr Musikp\u00e4dagogik, teilt diese Einsch\u00e4tzung. In einer Stellungnahme an den kreuzer schreibt sie: \u00bbDie aufrichtige Frage, ob ich mir \u00fcberhaupt des bestehenden Machtverh\u00e4ltnisses bewusst bin, wird meiner Meinung nach noch nicht \u00fcberall konsequent gestellt und beantwortet.\u00ab Lehrkr\u00e4fte seien an Musikhochschulen \u00bbsehr individuell unterwegs\u00ab und h\u00e4tten gro\u00dfen Gestaltungsspielraum in ihrer Arbeit. Umso mehr bed\u00fcrfe es klarer Verhaltensegeln. Beyer betont, dass an der HMT viel in Bewegung sei: \u00bbWir sind aktiv dran, eine Kultur des Miteinanders zu etablieren, die auf Respekt, Fairness, Transparenz und gegenseitiger Wertsch\u00e4tzung beruht.\u00ab Insbesondere in ihrer Funktion als Institutsleiterin sehe sie es in ihrer Verantwortung, an der Weiterentwicklung der Hochschule hinsichtlich des Themas mitzuwirken. <\/p>\n<p>Fehlendes Problembewusstsein und Engagement unter einigen Lehrenden sowie der individuelle Gestaltungsspielraum, den Professorinnen und Professoren an der HMT haben, sind auch Teil der Kritik, die die Studierenden in den Gespr\u00e4chen mit uns \u00e4u\u00dfern. Dar\u00fcber hinaus nennen sie mangelnde p\u00e4dagogische Kompetenzen einiger Lehrender, den tradierten Begriff des K\u00fcnstlergenies, fehlende Anonymit\u00e4t in der Feedbackkultur, Abh\u00e4ngigkeitsverh\u00e4ltnisse zu ihren Lehrenden, starke Hierarchien und den Einzelunterricht in verschlossenen R\u00e4umen als m\u00f6gliche Bedingungen f\u00fcr den Machtmissbrauch, wie sie ihn an der HMT erlebt haben. Sowohl f\u00fcr Bartha als auch f\u00fcr Beyer ist insbesondere der Einzelunterricht, der laut Rektorat der HMT rund achtzig Prozent des Unterrichts an der Hochschule ausmache, eine Chance, ins intensive Arbeiten zu kommen und individuell auf die Studierenden eingehen zu k\u00f6nnen. Was einerseits Potenzial tr\u00e4gt, birgt jedoch auch seine Risiken \u2013 das kritisieren nicht nur die Studierenden. \u00bbWeil die T\u00fcren verschlossen sind und keine weitere Person verfolgen kann, was sich im Unterricht abspielt, ist es besonders wichtig, dass sich jede Lehrperson an ein gemeinsames Verst\u00e4ndnis von Professionalit\u00e4t und pers\u00f6nlichen Grenzen h\u00e4lt\u00ab, schreibt Beyer.<\/p>\n<p><strong>Ausl\u00f6ser der Debatte in M\u00fcnchen<\/strong><\/p>\n<p>Durch das Bekanntwerden von sexualisierter Gewalt an der Hochschule f\u00fcr Musik und Theater M\u00fcnchen (HMTM) vor zehn Jahren erlangten Musikhochschulen erstmals \u00f6ffentlich Aufmerksamkeit als Schauplatz von Machtmissbrauch. Im Studienjahr 2015\/16 erhoben ehemalige Mitglieder der HMTM erste Vorw\u00fcrfe der sexuellen N\u00f6tigung und Vergewaltigung gegen den vormaligen Hochschulpr\u00e4sidenten Siegfried Mauser sowie gegen einen Kompositionsprofessor. Ersterer wurde wegen sexueller N\u00f6tigung zu einer Haftstrafe verurteilt, Letzterer in drei F\u00e4llen vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen, aufgrund von unerlaubtem Rauschmittelbesitz jedoch ebenfalls zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. \u00bbDer Fall Mauser hat das in meinen Augen alles in Bewegung gebracht\u00ab, denkt Bartha heute. Dann kam Metoo. Auch international deckte die Bewegung von Betroffenen sexualisierter Bel\u00e4stigung und Gewalt in der klassischen Musikszene ersch\u00fctternde Missst\u00e4nde in prominenten Orchestern auf. Nennenswert sind etwa der damalige Chefdirigent der New Yorker Metropolitan Opera James Levine sowie der damalige Chef des Amsterdamer Concertgebouw Orkest Daniele Gatti, die 2018 im Zuge von Vorw\u00fcrfen durch Metoo ihrer \u00c4mter enthoben wurden \u2013 zumindest f\u00fcr Gatti kein folgenschwerer Karrierebruch. Wenig sp\u00e4ter wurde er neuer Opernchef in Rom und leitet heute die S\u00e4chsische Staatskapelle Dresden. <\/p>\n<p>Auch innerhalb der Jazzszene entfachte der Erfahrungsbericht von Friede Merz eine Debatte \u00fcber strukturelle Abh\u00e4ngigkeiten im Musikbetrieb: Die S\u00e4ngerin machte 2023 die Beziehung \u00f6ffentlich, die sie w\u00e4hrend ihres Studiums am Jazz-Institut Berlin mit dem dortigen Professor Greg Cohen f\u00fchrte, sprach dabei von emotionaler Manipulation, Isolation und psychischer Gewalt. <\/p>\n<p>Auch in Leipzig gab es zuletzt Vorw\u00fcrfe des Machtmissbrauchs: Gegen einen ehemaligen Dirigenten des Jugendsinfonieorchesters der Leipziger Musikschule \u00bbJohann Sebastian Bach\u00ab habe die Staatsanwaltschaft wegen sexueller Bel\u00e4stigung in zwei F\u00e4llen Anklage erhoben, wie die LVZ am 10.\u00a0M\u00e4rz berichtete. Bereits vergangenes Jahr sei der Dirigent von der Musikschule, an der er 25 Jahre t\u00e4tig war, zun\u00e4chst beurlaubt und dann freigestellt worden. Grund daf\u00fcr seien Chatnachrichten gewesen, die der Orchesterleiter einem minderj\u00e4hrigen Orchestermitglied schickte. <\/p>\n<p>Wie Musikhochschulen reagierten <\/p>\n<p>An der M\u00fcnchener Musikhochschule setzte infolge der strafrechtlichen Ermittlungen gegen die beiden Musiker und Lehrkr\u00e4fte ein Prozess der Aufarbeitung der Geschehnisse und Entstehung von Pr\u00e4ventions- und Aufkl\u00e4rungsma\u00dfnahmen ein, der auch andere deutsche Musikhochschulen erreichte. Die Rektorenkonferenz der deutschen Musikhochschulen (RKM), ein Zusammenschluss der deutschen Musikhochschulen, richtete nach eigenen Angaben im direkten Anschluss an die ersten Ermittlungen in M\u00fcnchen 2016 eine Arbeitsgruppe gegen sexualisierte Diskriminierung und Machtmissbrauch ein \u2013 und verpflichtete 2017 ihre Mitglieder zur Umsetzung von Schutzma\u00dfnahmen vor sexueller Gewalt an ihren Einrichtungen. In einem Empfehlungspapier von 2019 riet die RKM zur Ausarbeitung eines Verhaltenskodex zur Sensibilisierung und Kl\u00e4rung von Rahmenbedingungen im Einzelunterricht an Musikhochschulen \u2013 eine Handlungsempfehlung, die in den darauffolgenden Jahren von mehreren Hochschulen im deutschsprachigen Raum umgesetzt wurde. <\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2024 ver\u00f6ffentlichte das M\u00fcnchener Institut f\u00fcr Praxisforschung und Projektberatung (IPP) die Ergebnisse einer Vollerhebung zu Machtmissbrauch, Diskriminierung und sexualisierter Gewalt an der HMTM. Beauftragt wurde die Studie von der Hochschule selbst. Ziel war es, die seit 2016 eingef\u00fchrten Ma\u00dfnahmen evaluieren zu k\u00f6nnen. Die Studie beschreibt das Hochschulklima zwar insgesamt als positiv, nennt Machtmissbrauch aber als das zentrale Problem \u2013\u00a0wegen der Risikofaktoren Einzelunterricht, starke Hierarchien, Intransparenz und Karriereabh\u00e4ngigkeit der Studierenden von ihren Lehrpersonen. Rund ein Viertel der Befragten hatte angegeben, selbst Machtmissbrauch erlebt zu haben, die H\u00e4lfte sagte, Machtmissbrauch selbst erlebt, gesehen oder davon geh\u00f6rt zu haben. HMT-Professorin Konstanze Beyer bezeichnet diese markanten Studienergebnisse in ihrer Stellungnahme an den kreuzer als \u00bbPaukenschlag aus M\u00fcnchen\u00ab. So muss es auch die RKM wahrgenommen haben, denn die beschloss daraufhin eine bundesweite Studie \u00fcber Machtmissbrauch an Musikhochschulen (noch bis Sommer) sowie einen bundesweiten Hochschulaktionstag als Zeichen gegen Machtmissbrauch und Diskriminierung an den 24 staatlichen Musikhochschulen in Deutschland (im November 2025).<\/p>\n<p><strong>Neue Strukturen und Engagement an der HMT<\/strong><\/p>\n<p>Die Erfahrungsberichte der Musikstudierenden, mit denen wir gesprochen haben, zeigen, dass das Problem, wie es etwa von der RKM adressiert wird oder aus der Studie zur HMTM M\u00fcnchen hervorgeht, auch in Leipzig ganz konkret ist. So nimmt es auch das Rektorat der Hochschule wahr: \u00bbDas Thema besch\u00e4ftigt uns nicht erst seit vorgestern\u00ab, sagt Ute Fries, Prorektorin f\u00fcr Studium und Lehre an der HMT. \u00bbIn den vergangenen zehn Jahren hat das, was hier problematisches Verhalten bedingt, stetig mehr Aufmerksamkeit erlangt.\u00ab Fries sch\u00e4tzt, dass etwa acht bis zw\u00f6lf Prozent der Hochschulmitglieder von Machtmissbrauch betroffen sein k\u00f6nnten. Genaue Zahlen l\u00e4gen noch nicht vor, w\u00fcrden aber in der Umfrage der RKM derzeit erhoben. Laut Fries hat die Hochschule rund 1.300 Studierende, etwa 500 Lehrende sowie circa 60 Mitarbeitende in Service-Bereichen. Stimmen die Einsch\u00e4tzungen von Fries, h\u00e4tten rund 150 bis 230 der gegenw\u00e4rtigen Hochschulmitglieder Erfahrungen mit Machtmissbrauch gemacht. Wie in M\u00fcnchen seien daher auch an der Leipziger Musikhochschule in den letzten Jahren neue Strukturen zur Aufkl\u00e4rung und Pr\u00e4vention von Machtmissbrauch entstanden. Vor allem das Vertrauensteam und Gleichstellungsb\u00fcro der HMT w\u00fcrden diese Ver\u00e4nderungen vorantreiben, so Fries. Aber auch ein engagiertes Rektoratsmitglied, wie die Prorektorin selbst, sowie der Studierendenrat der Hochschule w\u00fcrden zur Sichtbarmachung des Themas beitragen, sagt uns Carmen Maria Thiel, die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der HMT. \u00bbEs kommt h\u00e4ufig vor, dass eine studierende oder hier arbeitende Person in meinem B\u00fcro steht und von Erfahrungen mit unangemessenem oder diskriminierendem Verhalten seitens eines anderen Hochschulmitglieds berichtet.\u00ab Wie die interviewten Studierenden kritisiert auch Thiel, dass die Hierarchien und Abh\u00e4ngigkeiten an Musikhochschulen ein N\u00e4hrboden f\u00fcr Machtmissbrauch seien. 2016 ver\u00f6ffentlichte die HMT etwa eine Richtlinie zum Schutz vor sexualisierter Diskriminierung und Gewalt an der Hochschule. Zu den j\u00fcngsten Entwicklungen z\u00e4hlen auch das bessere Sichtbarmachen m\u00f6glicher Beschwerdeverfahren auf der Website der Hochschule sowie, dass sich neu und fest angestellte Lehrpersonen vertraglich zu regelm\u00e4\u00dfigen p\u00e4dagogischen Weiterbildungen verpflichten. <\/p>\n<p>Zudem sei 2024 eine drittmittelfinanzierte Stelle eigens f\u00fcr die Erarbeitung von neuen Ma\u00dfnahmen zum Schutz vor Diskriminierung und Barrieren im Studium, darunter auch Machtmissbrauch, entstanden. Diese ist bis Juni dieses Jahres aus Mitteln des Europ\u00e4ischen Sozialfonds (ESF) der Europ\u00e4ischen Union projektfinanziert. Wie eine Finanzierung dar\u00fcber hinaus aussehen kann, sei noch unklar, so Fries. Bekleidet wird die Stelle des Referenten f\u00fcr diskriminierungs- und barrierefreies Studium von Dhia Ben-Hamda.<br \/>Der Zusammenschluss der verschiedenen Beratungspersonen der HMT zu einem Vertrauensteam im Herbst 2025 erfolgte etwa auf seine Initiative: \u00bbIch dachte, wenn man sich zusammentut, hat man mehr \u00dcberblick \u00fcber die Themen und die Studierenden haben mehr \u00dcberblick \u00fcber uns.\u00ab Zusammen mit der Inklusionsbeauftragten f\u00fchrt Ben-Hamda derzeit eine Umfrage \u2013 unabh\u00e4ngig von der RKM \u2013 unter Studierenden der HMT zu ihrer Studienerfahrung an der Hochschule durch. Die Ergebnisse der Auswertung sollen laut Ben-Hamda Ende April ver\u00f6ffentlicht werden.<\/p>\n<p>Sowohl Ben-Hamda als auch Vertretende des Stura berichten in den Gespr\u00e4chen mit dem kreuzer zudem von der Entwicklung des besagten Verhaltenspapiers, das vom Stura initiiert wurde. Nach Gegenwind von einigen Lehrpersonen habe sich eine Arbeitsgruppe aus Mitgliedern des Senats, des Stura und Ben-Hamda zur Ausarbeitung des Papiers getroffen. Das Verhaltenspapier solle Grundregeln erfassen, die das Verh\u00e4ltnis zwischen Studierenden und Lehrenden sowie den Umgangston und bestimmte No-Gos klarstellen \u2013 auch zum Schutz der Lehrenden, erl\u00e4utern Vertretende des Stura, die ebenfalls anonym bleiben wollen, im Gespr\u00e4ch mit dem kreuzer. Sie berichten, dass ihre Initiative von einigen Lehrpersonen als Generalverdacht aufgefasst wurde. \u00bbEs sind insbesondere m\u00e4nnliche Personen in h\u00f6heren Positionen, die sich pers\u00f6nlich angegriffen gef\u00fchlt haben und die weniger Bereitschaft zeigen, sich zum Thema Machtmissbrauch auszutauschen oder gar Ver\u00e4nderungen in der Hochschulstruktur zuzulassen\u00ab, sagt ein Mitglied des Stura. Den Eindruck, dass das Thematisieren von Machtmissbrauch unter Kolleginnen und Kollegen teilweise Abwehrreflexe hervorrufe und pers\u00f6nlich genommen werde, teilen auch die beiden Professorinnen Bartha und Beyer.<\/p>\n<p><strong>Aktionstag zum Thema an der Hochschule<\/strong><\/p>\n<p>Von Gegenwind in ihrer Arbeit berichtet auch Thiel, die den Aktionstag gegen Machtmissbrauch und Diskriminierung am 27.\u00a0November 2025 unter dem Motto \u00bbKunst Macht Menschlichkeit\u00ab an der HMT ma\u00dfgeblich organisiert hat. Abgesehen von wenigen missg\u00fcnstigen Stimmen bewertet sie den Aktionstag r\u00fcckblickend positiv: \u00bbBesonders erfreulich war, dass mit circa 150 Personen deutlich mehr anwesend waren als angemeldet.\u00ab <\/p>\n<p>Viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer h\u00e4tten im Anschluss an den Workshop-Tag r\u00fcckgemeldet, dass er Denk- und Reflexionsprozesse hinsichtlich eigener Erlebnisse und eigenen Verhaltens angesto\u00dfen habe, berichtet Thiel. \u00bbKritische Stimmen kamen eher von Personen, die nicht am Aktionstag teilgenommen haben.\u00ab<\/p>\n<p>Auch Prorektorin Ute Fries und Professorin Julia Bartha bewerten den Aktionstag positiv, mahnen aber langen Atem an. \u00bbUnter vielen Hochschulmitgliedern gibt es bereits Bewusstsein f\u00fcr das Thema. Das sind in meiner Wahrnehmung dann auch die, die am Aktionstag teilgenommen haben\u00ab, so Fries. \u00bbNat\u00fcrlich waren andere Mitglieder nicht da, nicht immer aus b\u00f6sem Willen, aber Einigkeit dar\u00fcber, dass es Auseinandersetzung mit dem Thema Machtmissbrauch braucht, herrscht eben noch nicht.\u00ab <\/p>\n<p>Unter den Studierenden fallen die Bewertungen des Aktionstags dem kreuzer gegen\u00fcber kritischer, wenn auch grunds\u00e4tzlich positiv aus. So sagt eine Studentin, dass sie den Tag von der Idee und weiten Teilen der Umsetzung her gut gefunden, an einigen Stellen aber Awareness-Strukturen vermisst habe. \u00bbWenn ein Fotograf ruml\u00e4uft und in den Workshops Fotos macht oder Workshops f\u00fcr Studierende und Dozierende zusammen gemacht werden und wir dann vor den Menschen, zu denen wir in Abh\u00e4ngigkeit stehen, \u00fcber Situationen des Machtmissbrauchs reden sollen, ist das f\u00fcr mich kein Safe Space\u00ab, erz\u00e4hlt sie. Eine andere Studentin pflichtet ihr bei und kritisiert, dass diese Aufkl\u00e4rung nicht l\u00e4ngst ins Studium integriert sei. \u00bbDie Menschen wissen nicht, dass das, was ihnen widerf\u00e4hrt, strukturell ist. Bei Beginn meines Studiums gab es zumindest niemanden, der mich daf\u00fcr sensibilisiert hat\u00ab, sagt sie w\u00fctend. <\/p>\n<p><strong>Wie mit Beschwerden umgegangen wird <\/strong><\/p>\n<p>Wer an der Leipziger Musikhochschule Machtmissbrauch melden m\u00f6chte, kann sich \u2013 ein Programmpunkt des Aktionstages war es auch, das sichtbar zu machen \u2013 an das Vertrauensteam wenden. Auch der Stura bietet sich als Beschwerdestelle an, der regelm\u00e4\u00dfig mit Ute Fries im Austausch ist. <\/p>\n<p>Verschiedene Beschwerdem\u00f6glichkeiten und Konsequenzen f\u00fcr T\u00e4ter sind auf der Website der HMT vermerkt. W\u00e4hrend dort auch formelle Dienstgespr\u00e4che, Abmahnungen, Versetzungen, K\u00fcndigung oder Disziplinarverfahren aufgelistet sind, setzt die HMT in erster Linie auf Kommunikation als Mittel der Deeskalation. Als Mitarbeiter der Hochschule verfolgt Ben-Hamda das Ziel, dass Einzelunterricht mit den betroffenen Personen weiterhin oder wieder stattfinden k\u00f6nne und sich die Konfliktparteien in Gespr\u00e4chen auf einen gemeinsamen Umgang einigen. Theoretisch gebe es auch andere Handlungsm\u00f6glichkeiten, sie seien aber selten realistisch, solange kein strafrechtlich relevantes Verhalten vorliegt. \u00bbInsbesondere Professoren und Professorinnen haben vorher keine echten Konsequenzen zu bef\u00fcrchten, sie sind durch ihren Beamtenstatus besonders gesch\u00fctzt\u00ab, so Ben-Hamda. An der benachbarten Hochschule f\u00fcr Grafik und Buchkunst sah das vor ein paar Jahren anders aus: 2021 wurde dort einem Professor nach \u00bbgravierenden Beschwerden\u00ab mehrerer Studierender wegen sexualisierter Anspielungen fristlos gek\u00fcndigt, berichtete damals unter anderem der Spiegel.<\/p>\n<p>Ben-Hamdas Arbeit sei darauf ausgelegt, problematisches Verhalten weniger zu bestrafen, sondern mehr darauf zu setzen, dass gegenseitiges Verst\u00e4ndnis entstehe und wiederholtes Fehlverhalten vermieden werde. \u00bbEtwa zwei oder drei Mal pro Woche gibt es kleinere Vorkommnisse, bei denen vermittelt werden muss.\u00ab Die \u00bbgr\u00f6\u00dferen F\u00e4lle\u00ab, in denen Parteien zu einem kl\u00e4renden Gespr\u00e4ch zusammengef\u00fchrt werden, w\u00fcrden f\u00fcnf bis zehn Mal pro Semester vorkommen.<\/p>\n<p>Ben-Hamdas Arbeit setzt da an, dass Studierende und Mitarbeitende der HMT die Beschwerdestellen und Gespr\u00e4chsangebote durch das Vertrauensteam nutzen. Bis auf Lou haben sich die Studierenden, mit denen wir gesprochen haben, jedoch dagegen entschieden \u2013 weil sie negative Konsequenzen f\u00fcrchten. Zwar gebe es diese Strukturen oder etwa die M\u00f6glichkeit, Lehrveranstaltungen anonym zu evaluieren, \u00bbaber wenn der Professor nur ein Dutzend Studierende hat oder in dem Kurs, der evaluiert werden soll, nur drei Leute sitzen\u00ab, sei schnell klar, wo eine Beschwerde herkommt. Eine Studentin berichtet, dass bei der Beschwerde einer Mitstudentin die Ansprechperson des Vertrauensteams direkt zur betroffenen Lehrperson gegangen sei und offen \u00fcber die Sorgen der Studentin gesprochen habe.<\/p>\n<p>Die Studierenden w\u00fcnschen sich eine externe und unabh\u00e4ngige Vertrauensstelle. Eine Kooperation mit dem Verein Themis, der bundesweit als Beratungsstelle f\u00fcr Betroffene und Arbeitgeber gegen sexualisierte Gewalt und Machtmissbrauch in der Kultur- und Medienbranche agiert, drohe trotz langer Gespr\u00e4che zu scheitern, so Fries, denn den finanziellen Forderungen des Vereins k\u00f6nne angesichts der ohnehin angespannten Haushaltslage schlichtweg nicht entsprochen werden. Genaue Zahlen nennt Fries nicht, auch Themis selbst \u00e4u\u00dfert sich dem kreuzer gegen\u00fcber nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Musikhochschulen sind von Einzelunterricht, Genie-Kult, Hierarchien und hohem Leistungsdruck gepr\u00e4gt \u2013 Machtmissbrauch ist da kein neues Problem, wird&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":902056,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[5503,3364,29,30,4025,172247,2766,71,198112,57206,21399,13098,1920,810,31438,24633,54030,859,4938],"class_list":["post-902055","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-metoo","tag-de","tag-deutschland","tag-germany","tag-gleichstellung","tag-hierarchie","tag-hochschule","tag-leipzig","tag-machtgefaelle","tag-machtmissbrauch","tag-manipulation","tag-mendelssohn","tag-missbrauch","tag-musik","tag-musikhochschule","tag-musikszene","tag-professor","tag-sachsen","tag-studium"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116303977856601706","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/902055","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=902055"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/902055\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/902056"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=902055"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=902055"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=902055"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}