{"id":902584,"date":"2026-03-28T05:40:34","date_gmt":"2026-03-28T05:40:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/902584\/"},"modified":"2026-03-28T05:40:34","modified_gmt":"2026-03-28T05:40:34","slug":"drohnen-oel-und-mehr-kriege-in-iran-und-ukraine-im-wechselspiel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/902584\/","title":{"rendered":"Drohnen, \u00d6l und mehr: Kriege in Iran und Ukraine im Wechselspiel"},"content":{"rendered":"<p>\u201eDer gr\u00f6\u00dfte Gewinner des Konflikts mit dem Iran ist Russland\u201c, so fasst es Ben Cahill von der US-Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS) zusammen. Der Kreml k\u00f6nne nun zuvor preisreduziertes russisches Roh\u00f6l \u201ezum vollen Marktpreis\u201c verkaufen. Das stelle eine \u201egro\u00dfe Wende\u201c f\u00fcr die Wirtschaft dar, so Cahill zu CNN.<\/p>\n<p>Doch nicht nur russisches \u00d6l wirft wieder viel Geld f\u00fcr den Kreml ab, auch andere Produkte sind durch die iranische Blockade der Stra\u00dfe von Hormus wieder sehr begehrt. Die Meerenge ist ebenso eine wichtige Transitroute f\u00fcr Fl\u00fcssigerdgas, D\u00fcngemittel, Helium und Aluminium \u2013 alles Stoffe, die Russland in gro\u00dfen Mengen produziert. Vor dem Iran-Krieg war der K\u00e4uferkreis f\u00fcr \u00d6l aufgrund versch\u00e4rfter Sanktionen der EU und der USA stark geschrumpft.<\/p>\n<p>Die \u00fcbrigen Kunden forderten hohe Preisnachl\u00e4sse von Moskau. Laut der Internationalen Energieagentur (IEA) brachen die Exporte von russischem Roh\u00f6l und \u00d6lprodukten im Februar auf 6,6 Millionen Barrel pro Tag ein \u2013 den niedrigsten Stand seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine 2022. Die Exporterl\u00f6se sanken in diesem Monat im Vergleich zum Vorjahr um ganze 30 Prozent. Der Druck schien zu wirken.<\/p>\n<p>Rubel rollt wieder<\/p>\n<p>Mit dem Iran-Krieg hat sich nun einiges wieder umgedreht. Einerseits wegen des explodierenden \u00d6lpreises: Laut dem Berliner Carnegie Russia Eurasia Center lag der Preis f\u00fcr russisches Urals-Roh\u00f6l bei 90 US-Dollar (79 Euro) pro Barrel, doppelt so hoch wie im Februar.<\/p>\n<p>Andererseits wegen Trumps drastischer Kehrtwende bei den Sanktionen: Anfang des Monats lockerten die Vereinigten Staaten vor\u00fcbergehend die Strafma\u00dfnahmen gegen russisches Roh\u00f6l auf dem Seeweg, um \u201eden \u00d6lfluss auf dem Weltmarkt aufrechtzuerhalten\u201c.<\/p>\n<p>Vor allem die russischen \u00d6llieferungen nach Indien zogen daraufhin stark an, laut dem Analysedienst Kpler verdoppelten sie sich nahezu. Die Gewinne durch \u00d6l- und Gasexporte machen rund ein Viertel des russischen Budgets aus.<\/p>\n<p>Oligarchen sollen spenden<\/p>\n<p>Der neue Geldsegen f\u00fcr den Kreml kommt der Wirtschaftsforscherin Alexandra Prokopenko zufolge zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Zumindest habe sich der Kreml Zeit verschafft. Denn die kurzfristig durch den Iran-Krieg gekommenen Erleichterungen seien keine dauerhafte L\u00f6sung f\u00fcr das gro\u00dfe Loch im russischen Budget nach vier Jahren Krieg.<\/p>\n<p>Der Kreml setzte heuer schon einige Ma\u00dfnahmen zur Entspannung der Budgetlage, etwa eine Sondersteuer auf einige Gro\u00dfunternehmen. Zus\u00e4tzlich bat Putin einem Medienbericht zufolge Oligarchen um Spenden. Die \u201eFinancial Times\u201c berichtete unter Berufung auf drei Insider, dass Putin am Donnerstag vor einer gro\u00dfen Gruppe prominenter Gesch\u00e4ftsleute sprach, um sie zum Spenden zu bewegen. Das Ziel sei, den Krieg gegen die Ukraine weiterzuf\u00fchren. Und etliche der Oligarchen d\u00fcrften der Bitte des Pr\u00e4sidenten gern Folge leisten, so das Blatt.<\/p>\n<p>Zwischen Freund- und Feindschaft<\/p>\n<p>Seit Trump im Amt ist, wurden die Kontakte zum Kreml deutlich freundlicher, w\u00e4hrend die USA wiederholt Verb\u00fcndete br\u00fcskierten. Mehrmals schwenkte der US-Pr\u00e4sident bei Verhandlungen zum Ukraine-Krieg auf Putins Linie um. Russland wiederum verurteilte die Angriffe Israels und der USA auf den Iran zwar scharf, den Verb\u00fcndeten in Teheran kam man aber nicht zu Hilfe \u2013 wie auch schon bei den Angriffen der USA und Israels auf die iranischen Atomanlagen im vergangenen Sommer.<\/p>\n<p>      <img decoding=\"async\" class=\"lazy-loading\" bad-src=\"data:image\/svg+xml;charset=utf-8,%3Csvg%20xmlns%3D'http%3A%2F%2Fwww.w3.org%2F2000%2Fsvg'%20viewBox%3D'0%200%203891%202594'%2F%3E\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/2983914_bigpicture_1153851_iran_krieg_russland_ukraine_drohnen_body_im.jpg\"  alt=\"US-Pr\u00e4sident Donald Trump und der russische Pr\u00e4sident Vladimir Putin w\u00e4hrend eines Treffens in Anchorage, USA\"\/><\/p>\n<p>   IMAGO\/ZUMA Press\/Sergei Bobylev (Archivbild)<\/p>\n<p>      Putin und Trump: Wer ist Feind, wer Verb\u00fcndeter?<\/p>\n<p>Zudem soll Putin laut dem Magazin \u201ePolitico\u201c den US-Unterh\u00e4ndlern einen Deal vorgeschlagen haben: Der Kreml verzichte k\u00fcnftig darauf, Informationen zu m\u00f6glichen Zielen mit dem Iran zu teilen, wenn die USA ihre Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Ukraine einstellten. Zu einer Abmachung sei es aber nicht gekommen.<\/p>\n<p>Katze, die sich in den Schwanz bei\u00dft<\/p>\n<p>Der Iran ist seit Beginn des Ukraine-Kriegs ein verl\u00e4sslicher Verb\u00fcndeter Russlands. Die russische Armee nutzt die von Teheran gelieferte Schahed-Drohnen, Raketen und Munition. Auch im Krieg im Nahen Osten ist der Einsatz von Kampfdrohnen ein Kernelement der iranischen Milit\u00e4rstrategie. Seit Kriegsausbruch feuerte Teheran mehr als 3.000 dieser Drohnen, die kosteng\u00fcnstig produziert werden k\u00f6nnen, ab.<\/p>\n<p>Inzwischen produziert Russland die Drohnen nach iranischem Entwurf selbst in gro\u00dfem Ma\u00dfstab und modifizierte sie, um Luftabwehrsysteme zu umgehen und schwerere Nutzlasten zu transportieren. Nun, da der Iran selbst Krieg f\u00fchrt, hat sich der Lieferweg umgekehrt und Russland liefert seine Drohnen in den Iran. Die USA erm\u00f6glichten also durch ihren Sanktionenschwenk Russland neue Geldmittel, das dieses nutzt, um den Kampf gegen US-Ziele zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Die \u201eFinancial Times\u201c berichtete unter Berufung auf westliche Geheimdienstberichte, dass eine gro\u00dfe Lieferung derzeit vorbereitet wird. Der Kreml reagierte darauf mit dem Vorwurf von Fake News, in Kiew war man emp\u00f6rt und forderte, dass russische Drohnenproduktionsst\u00e4tten als \u201elegitime Ziele f\u00fcr Milit\u00e4rschl\u00e4ge\u201c gegen den Iran betrachtet werden sollten.<\/p>\n<p>Kiew kooperiert mit Golfl\u00e4ndern<\/p>\n<p>Die Ukraine wiederum, leidgeplagt, aber inzwischen erfahren bei der Verteidigung gegen Drohnen iranischer Bauart, kooperiert nun mit den Golfstaaten. Das ukrainische Know-how ist in den L\u00e4ndern, die der Iran t\u00e4glich angreift, gefragt. Am Freitag unterzeichneten die Verteidigungsministerien der Ukraine und Saudi-Arabiens zudem ein Abkommen zur R\u00fcstungskooperation.<\/p>\n<p>Die Ukraine geriet zuletzt jedoch im Schatten des Iran-Kriegs ins Hintertreffen. Nicht nur die Mehreinnahmen f\u00fcr Russland durch den Iran-Krieg sind eine f\u00fcr Kiew unwillkommene Entwicklung. Auch der Nachschub der Milit\u00e4rhilfen aus den USA sind Grund zur Sorge. Schon im Juni des Vorjahres, als die USA und Israel iranische Anlagen bombardierten, wurden Lieferungen nach Kiew verz\u00f6gert. Laut \u201eWashington Post\u201c erw\u00e4gt die US-Regierung bereits, f\u00fcr die Ukraine bestimmte Waffen in den Nahen Osten umzuleiten.<\/p>\n<p>Der Krieg in der Ukraine und im Nahen Osten zeigt, wie verstrickt und mitunter verdeckt die wirtschaftlichen und politischen Interessen der Beteiligten sind. In den Iran-Krieg spielen nicht nur milit\u00e4rische, finanzielle und strategische Vorteile eine Rolle, sondern auch die Positionierung der Parteien im Ukraine-Krieg. F\u00fcr L\u00f6sungen der Konflikte ist das wohl nicht zutr\u00e4glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eDer gr\u00f6\u00dfte Gewinner des Konflikts mit dem Iran ist Russland\u201c, so fasst es Ben Cahill von der US-Denkfabrik&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":902585,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4012],"tags":[331,332,13,14,15,12,317],"class_list":{"0":"post-902584","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-ukraine","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-ukraine"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116305200794284511","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/902584","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=902584"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/902584\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/902585"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=902584"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=902584"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=902584"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}