{"id":902788,"date":"2026-03-28T07:44:18","date_gmt":"2026-03-28T07:44:18","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/902788\/"},"modified":"2026-03-28T07:44:18","modified_gmt":"2026-03-28T07:44:18","slug":"pro-olympia-material-an-schulen-sorgt-fuer-streit-in-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/902788\/","title":{"rendered":"Pro-Olympia-Material an Schulen sorgt f\u00fcr Streit in Hamburg"},"content":{"rendered":"<p>&#13;<br \/>\n            Hamburg. Hamburgs Kinder und Jugendliche sollen in den Schulen \u00fcber die geplante Olympia-Bewerbung der Hansestadt diskutieren, findet der rot-gr\u00fcne Senat. Die SPD-gef\u00fchrte Innenbeh\u00f6rde hat deshalb bereits Infomaterial und Themenvorschl\u00e4ge verschickt und auch Recherchehinweise gegeben &#8211; allerdings nur in ihrem Sinne, also Pro-Olympia. Die ebenfalls SPD-gef\u00fchrte Schulbeh\u00f6rde findet das in Ordnung. Das Material sei vom Amt f\u00fcr Bildung gepr\u00fcft \u201eund als weitergabef\u00e4hig eingesch\u00e4tzt\u201c worden, sagt ein Sprecher. Die Olympia-Gegner sehen darin einen Versto\u00df gegen den Beutelsbacher Konsens. <\/p>\n<p>          &#13;<br \/>\n            Was ist der Beutelsbacher Konsens? <\/p>\n<p>Der inzwischen 50 Jahre alte Beutelsbacher Konsens mit seinen drei Grunds\u00e4tzen gilt nach wie vor als Standard f\u00fcr eine demokratische und verantwortungsvolle Bildungsarbeit in Deutschland. Demnach d\u00fcrfen Lehrkr\u00e4fte Sch\u00fclern nicht ihre eigene Meinung aufzwingen, sollen sie vielmehr in die Lage versetzen, sich eine eigene Meinung zu bilden. Zweitens gilt: Was in der Gesellschaft kontrovers diskutiert wird, soll auch im Unterricht kontrovers dargestellt werden. Am Ende soll der Sch\u00fcler eigenst\u00e4ndig die politische Lage und seine eigene Position darin analysieren k\u00f6nnen, um sich in seinem Sinne aktiv am politischen Prozess beteiligen zu k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Was hat die Innenbeh\u00f6rde gemacht? <\/p>\n<p>Angesichts des B\u00fcrgerschaftsreferendums am 31. Mai, bei dem alle B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger ab 16 Jahren \u00fcber eine Olympia-Bewerbung der Hansestadt entscheiden k\u00f6nnen, hatte die Innenbeh\u00f6rde bereits Anfang Februar in einem Schulbrief &#8211; unterschrieben vom Vorprojektteam f\u00fcr die Olympischen und Paralympischen Spiele \u2013 Unterrichtsmaterialien zu olympischen Werten und zum Hamburger Bewerbungskonzept angek\u00fcndigt. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Die-Olympia-Gegner-von-NOlympia-sehen-im-Vorgehen-der-1274521.jpg\" title=\"Pro-Olympia-Material an Schulen sorgt f\u00fcr Streit in Hamburg\" alt=\"Die Olympia-Gegner von NOlympia sehen im Vorgehen der Innenbeh\u00f6rde einen Versto\u00df gegen den Beutelsbacher Konsens.(Archivbild)\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p>Die Olympia-Gegner von NOlympia sehen im Vorgehen der Innenbeh\u00f6rde einen Versto\u00df gegen den Beutelsbacher Konsens.(Archivbild) &#13;<br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\tFoto: Georg Wendt\/dpa<\/p>\n<p>Zudem sollte es Unterst\u00fctzung bei der Einbindung in schulsportliche Veranstaltungen und einen Aufruf zu ehrenamtlichem Engagement von Lehrkr\u00e4ften und Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern als Volunteers geben. Anfang M\u00e4rz erreichten die Materialien dann die ersten Schulen, zun\u00e4chst vom Vorprojektteam selbst, sp\u00e4ter direkt von der Schulbeh\u00f6rde. In allen F\u00e4llen strahlten die Papiere in den Farben der Olympia-Bewerbung.\u00a0 <\/p>\n<p>Was steht in den Materialien drin? <\/p>\n<p>F\u00fcr die Klassen 8 bis 10 lautet etwa ein Thema \u201eWie w\u00fcrde ich abstimmen? Argumente recherchieren, gewichten und das Referendum nachspielen\u201c. In Aufgabe eins hei\u00dft es: \u201eNutze dazu die Internetseiten aus der Info-Box als Grundlage.\u201c Doch die wiederum verweist allein auf die eigens f\u00fcr die Olympia-Bewerbung eingerichtete Homepage der Innenbeh\u00f6rde sowie auf eine \u201eTagesschau\u201c-Bilanz der Sommerspiele 2024 in Paris.\u00a0 <\/p>\n<p>F\u00fcr die Klassen 11 bis 13 schl\u00e4gt die Innenbeh\u00f6rde vor, dass sich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler mit dem Bewerbungskonzept des Senats besch\u00e4ftigen sollen. Die daf\u00fcr notwendigen Materialien aus Sicht der Innenbeh\u00f6rde? Die Olympia-Homepage, die Websites der f\u00fcnf B\u00fcrgerschaftsfraktionen mit deren Stellungnahmen zu Olympischen Spielen sowie f\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler die von der Beh\u00f6rde erstellten Kopiervorlagen. Kein Wort dazu, dass im Abstimmungsheft zum Referendum gleichberechtigt auch eine Stellungnahme der Olympia-Gegner von NOlympia abgedruckt sein wird. <\/p>\n<p>Was sagt die Schulbeh\u00f6rde dazu? <\/p>\n<p>\u201eAus Sicht der Bildungsbeh\u00f6rde werden die Grunds\u00e4tze des Beutelsbacher Konsenses eingehalten. Auf Grundlage der vorliegenden Materialien und Quellen sowie eigener Recherche k\u00f6nnen und sollen sich Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zu einem eigenen Urteil gelangen\u201c, sagt ein Beh\u00f6rdensprecher. Dass auf die ebenfalls online abrufbaren umfangreichen Informationen der Olympia-Gegner nicht verwiesen worden sei, liege daran, dass zum Zeitpunkt des Versands der Materialien der Senat noch nicht formell festgestellt habe, \u201edass die Unterschriftensammlung von NOlympia erfolgreich war\u201c. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Die-SPD-gefuehrte-Schulbehoerde-hat-am-Vorgehen-der-1274522.jpg\" title=\"Pro-Olympia-Material an Schulen sorgt f\u00fcr Streit in Hamburg\" alt=\"Die SPD-gef\u00fchrte Schulbeh\u00f6rde hat am Vorgehen der ebenfalls SPD-gef\u00fchrten Innenbeh\u00f6rde dagegen nichts auszusetzen. (Archivbild)\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p>Die SPD-gef\u00fchrte Schulbeh\u00f6rde hat am Vorgehen der ebenfalls SPD-gef\u00fchrten Innenbeh\u00f6rde dagegen nichts auszusetzen. (Archivbild) &#13;<br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\tFoto: Christian Charisius\/dpa<\/p>\n<p>Die Gegner von Olympischen und Paralympischen Spielen in Hamburg hatten bereits am 21. Februar, also deutlich vor dem Versand der Materialien, nach eigenen Angaben 19.423 Unterschriften an den Landeswahlleiter \u00fcbergeben &#8211; fast doppelt so viele wie n\u00f6tig. Die \u00dcberpr\u00fcfung und Best\u00e4tigung von mindestens 10.000 g\u00fcltigen Unterschriften durch den Senat erfolgte dann tats\u00e4chlich erst am 17. M\u00e4rz. Ob die NOlympia-Leute nun ebenfalls ihr Infomaterial an den Schulen verteilen d\u00fcrfen, kl\u00e4re die Schulbeh\u00f6rde derzeit mit der Innenbeh\u00f6rde, sagt der Sprecher &#8211; \u201ezumal inzwischen die Homepage von NOlympia online ist und dort auf umfangreiche Materialien zur\u00fcckgegriffen werden kann\u201c. <\/p>\n<p>Wie finden das die NOlympia-Vertreter? <\/p>\n<p>\u201eZu einem Zeitpunkt, wo die Regierungsparteien sich \u00fcber die vermeintlichen Fesseln des Neutralit\u00e4tsgebots bei Volksentscheiden mokieren, ist es erstaunlich wie unreflektiert die Schulbeh\u00f6rde der Hamburger Olympiawerbeabteilung direkten Zugang zu den Lehrkr\u00e4ften erm\u00f6glicht\u201c, sagt NOlympia-Sprecher Eckart Maudrich. Er verweist etwa auf Volunteering-Avancen oder die Unterrichtsmaterialien auf Olympiabewerbungspapier, \u201edie eine deutliche Quellenunwucht zugunsten der Olympiawerbeabteilung\u201c h\u00e4tten. <\/p>\n<p>Was fehlt? <\/p>\n<p>B\u00fcrgermeister Peter Tschentscher (SPD) betont bei jeder sich bietenden Gelegenheit, dass sich das Internationale Olympische Komitee (IOC) ge\u00e4ndert habe. Die Stadt m\u00fcsse sich jetzt nicht mehr den Spielen anpassen, sondern vielmehr die Spiele der Stadt. Eine Aussage, denen etliche widersprechen d\u00fcrften. Eine Diskussion in den Schulen \u00fcber das IOC selbst ist in den Papieren der Innenbeh\u00f6rde dennoch nicht vorgesehen. <\/p>\n<p>Dabei g\u00e4be es durchaus Themen. Etwa \u00fcber die Frage, ob es angemessen ist, dass Russland trotz seines Angriffskriegs in der Ukraine bei den Paralympics in Italien bei der Er\u00f6ffnungs- und Abschlussfeier wieder mit Flagge und Hymne einlaufen durfte, w\u00e4hrend zuvor der ukrainische Skeleton-Pilot Wladyslaw Heraskewytsch vom IOC disqualifiziert worden war, weil er auf seinem Helm im Krieg gefallener Sportlerinnen und Sportler gedenken wollte. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/NOlympia-wirft-der-Schulbehoerde-nun-vor-unreflektiert-der-1274523.jpg\" title=\"Pro-Olympia-Material an Schulen sorgt f\u00fcr Streit in Hamburg\" alt=\"NOlympia wirft der Schulbeh\u00f6rde nun vor, unreflektiert \u201eder Hamburger Olympiawerbeabteilung direkten Zugang zu den Lehrkr\u00e4ften erm\u00f6glicht\u201c zu haben. (Archivbild)\" class=\"img-responsive\"\/><\/p>\n<p>NOlympia wirft der Schulbeh\u00f6rde nun vor, unreflektiert \u201eder Hamburger Olympiawerbeabteilung direkten Zugang zu den Lehrkr\u00e4ften erm\u00f6glicht\u201c zu haben. (Archivbild) &#13;<br \/>\n\t\t\t\t\t\t\t\tFoto: Christian Charisius\/dpa<\/p>\n<p>Ein weiteres Thema k\u00f6nnte sein, ob das IOC mit seinem Bestehen auf politische Neutralit\u00e4t beim ukrainischen Skeleton-Fahrer glaubw\u00fcrdig ist, wenn es gleichzeitig in Italien im offiziellen Fanshop T-Shirts mit dem Motiv von Olympia 1936 in Berlin verkaufen lie\u00df. Die Spiele wurden damals von den Nazis als weltoffenes, tolerantes und friedliebendes Propaganda-Spektakel missbraucht. Hinter den Kulissen wurden l\u00e4ngst Juden und Andersdenkende unterdr\u00fcckt und eingesperrt. <\/p>\n<p>Gibt es direkte Gespr\u00e4che von Abgeordneten und Sch\u00fclern? <\/p>\n<p>Vor dem B\u00fcrgerschaftsreferendum 2015, das letztlich die Olympia-Gegner f\u00fcr sich entschieden, gab es an vielen Hamburger Schulen die \u201eit\u2019s your choice\u201c-Tour. Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler konnten dabei mit Abgeordneten aller Fraktionen und NOlympia-Vertretern \u00fcber das F\u00fcr und Wider von\u00a0<br \/>Olympischen und Paralympischen Spielen in Hamburg diskutieren. Das Ziel war, die Jugendlichen f\u00fcr das Thema zu interessieren und f\u00fcr eine Beteiligung an dem Referendum zu gewinnen. Diesmal wird es das nicht geben. Der Sportausschuss der B\u00fcrgerschaft hat einen entsprechenden Antrag der Linken bereits mit den Stimmen der SPD, der Gr\u00fcnen und der CDU abgelehnt. <\/p>\n<p>F\u00fcr den 28. April organisiere die B\u00fcrgerschaftskanzlei stattdessen im Rathaus eine per Livestream \u00fcbertragene Diskussionsrunde mit Vertreterinnen und Vertretern aller Fraktionen sowie mit Parlamentspr\u00e4sidentin Carola Veit und Schulsenatorin Ksenija Bekeris (SPD), sagt der Sprecher der Schulbeh\u00f6rde. Die Veranstaltung richte sich an Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ab Klasse zehn. Etwa 90 von ihnen w\u00fcrden pers\u00f6nlich ins Rathaus geladen &#8211; von insgesamt fast 271.000 Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern in Hamburg. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#13; Hamburg. 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