{"id":903348,"date":"2026-03-28T13:06:35","date_gmt":"2026-03-28T13:06:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/903348\/"},"modified":"2026-03-28T13:06:35","modified_gmt":"2026-03-28T13:06:35","slug":"lieder-gegen-hakenkreuzzeiten-fjort-feiern-brachiales-stuttgart-comeback-im-wizemann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/903348\/","title":{"rendered":"Lieder gegen Hakenkreuzzeiten: Fj\u00f8rt feiern brachiales Stuttgart-Comeback im Wizemann"},"content":{"rendered":"<p>Die Aachener Post-Hardcore-Band Fj\u00f8rt hat nach langer Pause wieder Stuttgart besucht. So war es beim Konzert im Wizemann.<\/p>\n<p>In seligen Keller- Klub-Zeiten waren Fj\u00f8rt regelm\u00e4\u00dfige und gern gesehene G\u00e4ste in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stuttgart<\/a>. Die Aachener Post-Hardcore-Band stand schon damals f\u00fcr berstend intensive Konzerte, f\u00fcr eine kathartische L\u00e4rmwand, die \u00fcber dem Publikum zusammenbricht wie eine Monsterwelle. Nach Jahren des R\u00fcckzugs und der Einkehr sind Fj\u00f8rt jetzt zur\u00fcck \u2013 und zeigen in einem gut gef\u00fcllten Wizemann, wieso diese Band im Live-Zirkus des Landes so schmerzlich gefehlt hat.<\/p>\n<p>Nach den d\u00fcsteren, schwelenden Indie-Hymnen des starken Supports Koj macht sich positive Anspannung im Wizemann breit. Viele haben diese Band seit Jahren nicht live gesehen, f\u00fcr viele ist es gar das erste Mal. Ihre fr\u00fcheren Auftritte in Stuttgart waren kleiner, deutlich kleiner sogar. Im erw\u00e4hnten Keller Klub lie\u00dfen sie Schwei\u00df von der Decke regnen, auch das Universum zerlegten sie fachgerecht. Beide L\u00e4den, schn\u00fcff, gibt es nicht mehr. Aber daf\u00fcr haben wir Fj\u00f8rt wieder. Ist ja auch was.<\/p>\n<p>Menge wogt in Harmonie <\/p>\n<p>Um kurz nach neun erlischt das Licht, eine Stimme und eine Textnachricht von der B\u00fchne ermahnen zu respektvollem Verhalten, zu Toleranz und Harmonie. Konzerte von Fj\u00f8rt sind kein Alpham\u00e4nnchen-S\u00e4belrasseln, das zeigt sich auch an diesem Abend. Die Menge wogt in lauter Harmonie, getragen von dem reinigenden Inferno, das das Trio auf der B\u00fchne entfesselt. \u201eBelle \u00e9poque\u201c haben sie ihr neues Album getauft, triefende Ironie nat\u00fcrlich angesichts der unsteten Zeiten, in denen wir leben. Und vielleicht musste es erst so schlimm werden, bis Fj\u00f8rt wieder Lieder \u00fcber den Niedergang schreiben konnten.<\/p>\n<p>Mit einem \u00fcberw\u00e4ltigenden, brachialen, dichten Sound fegen Fj\u00f8rt durch ihr Set, gute 100 Minuten Eskalation, eine verzerrte, verzweifelte, abgr\u00fcndig harte Bestandsaufnahme der Gegenwart. Wenige Bands kanalisieren Wucht auf der B\u00fchne so gut wie Fj\u00f8rt, wenige Bands beherrschen die Dynamik zwischen apokalyptisch laut und verletzlich leise so meisterhaft. Chris Hell, David Frings und Frank Schophaus verlassen sich blind aufeinander, bilden eine so derma\u00dfen kompakte, unverw\u00fcstliche Einheit, dass ihr Wall aus heilsamem L\u00e4rm sogar den Nerven ebenb\u00fcrtig ist. Es macht eben was, wenn man seit Tag eins in dieser Besetzung spielt. Und unz\u00e4hlige Konzerte von \u201ekleinen Rattenl\u00f6chern\u201c, wie es Chris Hell selbst sagt, bis zu gro\u00dfen Festivalb\u00fchnen abgerissen hat.<\/p>\n<p>Pl\u00e4doyer gegen Faschismus <\/p>\n<p>Musikalisch stehen nat\u00fcrlich der Furor und die Ohnmacht des neuen Albums im Fokus, ein verdichtetes Noise-Theater am Abgrund unserer Zeit, durchdrungen von verlorener Sch\u00f6nheit. St\u00fccke wie \u201eMesser\u201c bohren sich direkt in die Haut des Publikums, Lieder wie Mahnmale in Zeiten, die an dunkle Tage erinnern. Bei \u201e43\u201c, einem der intensivsten Momente des Abends, badet David Frings im Publikum, h\u00e4lt ein flammendes Pl\u00e4doyer gegen Faschismus und l\u00e4sst sich zum brodelnden Refrain von \u201eWir leben in Hakenkreuzzeiten\u201c auf den H\u00e4nden des Publikums zur\u00fcck zu seinem Arbeitsplatz tragen. Der Klo\u00df im Hals, er ist danach nicht kleiner. Aber es ist heilsam, in Gegenwart einer Band zu sein, die sich immer und immer wieder klar positioniert und anklagt.<\/p>\n<p>Mit \u201eNacht\u201c haben Fj\u00f8rt einen gro\u00dfen Abschlusssong geschrieben, der nicht nur das neue Album, sondern auch diesen sengenden Konzertabend in Bad Cannstatt beschlie\u00dft. Die Band tritt die Laternen aus, ein Schlussakt wie eine Moritat, die musikgewordende \u201eDo Not Go Gentle Into That Good Night\u201c von Dylan Thomas. Was bleibt, ist tiefe Ergriffenheit \u00fcber diesen Donnerhall. Und die Freude dar\u00fcber, dass Fj\u00f8rt wieder da sind. Und das gr\u00f6\u00dfer denn je.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die Aachener Post-Hardcore-Band Fj\u00f8rt hat nach langer Pause wieder Stuttgart besucht. 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