{"id":904328,"date":"2026-03-28T22:29:05","date_gmt":"2026-03-28T22:29:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/904328\/"},"modified":"2026-03-28T22:29:05","modified_gmt":"2026-03-28T22:29:05","slug":"wenn-die-justiz-kurzen-prozess-macht-ein-tag-im-schnellgericht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/904328\/","title":{"rendered":"Wenn die Justiz kurzen Prozess macht: Ein Tag im Schnellgericht"},"content":{"rendered":"<p class=\"\">\n                    Mbarak C. konnte bei der Kontrolle im Zug keinen Fahrschein vorzeigen.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Piotr O. hat Parf\u00fcms und eine Weinflasche gestohlen.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Auch Leonid S. hat geklaut. Und einen Ladendetektiv verletzt.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Im Sitzungssaal 2041 des Amtsgerichts Hannover ist die Luft schon um neun Uhr morgens schwer. Der Raum ist eng, Linoleumboden, grelles Licht. Auf die zwei schmalen Besucherreihen dr\u00e4ngen sich 20 Jurastudenten, f\u00fcr einen Blick in den <a href=\"https:\/\/www.noz.de\/deutschland-welt\/politik\/artikel\/elektronische-justiz-akte-bis-jahresende-in-fast-allen-laendern-49408673\" class=\"link underline-blue\" title=\"\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\">Maschinenraum der Justiz<\/a>. Spektakul\u00e4re Verbrechen werden hier aber nicht verhandelt. Und doch erz\u00e4hlt dieser Saal etwas \u00fcber das Land.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Noch hei\u00dft es warten. Im zweiten von insgesamt acht Verfahren fehlt der Angeklagte. Erst nach einer Viertelstunde taucht er auf. Mbarak C. ist Ende zwanzig, schwarzer Kapuzenpullover, das Basecap nimmt er ab. Der geb\u00fcrtige Sudanese hat keinen festen Wohnsitz, wie \u00fcbrigens alle anderen T\u00e4ter auch nicht. Das wird sich in den n\u00e4chsten Stunden herausstellen.\n            <\/p>\n<p class=\"\">Lesen Sie auch: <a href=\"https:\/\/www.noz.de\/deutschland-welt\/politik\/artikel\/so-viele-gefaengnis-insassen-wurden-2025-vorzeitig-entlassen-50139599\" class=\"link underline-blue\" title=\"\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\">So h\u00e4ufig kommen Straft\u00e4ter vorzeitig aus dem Gef\u00e4ngnis<\/a><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Die Ankl\u00e4gerin wirft C. Leistungserschleichung vor. Paragraf 265a Strafgesetzbuch. Konkret: Er war ohne Fahrkarte in einem Regionalzug unterwegs. \u201eMein Mandant r\u00e4umt das Fehlverhalten ein\u201c, sagt der Verteidiger. \u201eDie 28 Euro f\u00fcr ein Ticket hatte er nicht dabei.\u201c Die Aussage eines Zugbegleiters, den das Gericht als Zeugen geladen hat, wird nicht mehr ben\u00f6tigt.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Mbarak C. sitzt still auf dem Stuhl hinter dem Anklagetisch, schaut zu Boden. Sein Vorstrafenregister ist lang, zw\u00f6lf Eintr\u00e4ge. Wegen eines Drogendelikts ist er nur auf Bew\u00e4hrung drau\u00dfen. \u201eUnd selbst das hat Sie nicht von einer erneuten Straftat abgehalten\u201c, sagt die Ankl\u00e4gerin. Sie fordert eine Geldstrafe, eine Art letzte Chance, bevor h\u00e4rtere Mittel folgen. Der Verteidiger h\u00e4lt das f\u00fcr angemessen, merkt aber an: \u201eBei 28 Euro sollten wir uns aber die Frage stellen, ob es sich um eine Straftat handelt oder eine Ordnungswidrigkeit.\u201c\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Mbarak C. hat das letzte Wort: \u201eIch m\u00f6chte mich entschuldigen.\u201c Dann ist der Prozess gegen ihn vorbei. Nach einer Viertelstunde.\n            <\/p>\n<p>            Warum die Gef\u00e4ngnisse voll mit Schwarzfahrern sind<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Oft hei\u00dft es, die Justiz in Deutschland sei zu tr\u00e4ge. Hier, im Saal 2041, dr\u00fcckt sie aufs Tempo. Die Abl\u00e4ufe sind straff getaktet: In kurzen Abst\u00e4nden f\u00fchren Wachtmeister neue Beschuldigte aus den Zellen im Gerichtskeller herein und wieder hinaus. Anklage, Anh\u00f6rung, Urteil. Der N\u00e4chste, bitte!\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Solche Schnellgerichte gibt es in fast jeder gr\u00f6\u00dferen Stadt. Verhandelt werden Taten mit klarer Beweislage, \u00fcberschaubarem Strafma\u00df und f\u00fcr die niemand so wirklich Zeit hat. Juristen sprechen von \u201ebeschleunigten Verfahren\u201c. Meist sind sie f\u00fcr 30 Minuten angesetzt, manchmal auch weniger.\n            <\/p>\n<p class=\"\">Auch interessant: <a href=\"https:\/\/www.noz.de\/deutschland-welt\/politik\/artikel\/richterbund-alarmiert-woechentlich-kommt-ein-mutmasslicher-straftaeter-frei-49920404\" class=\"link underline-blue\" title=\"\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\">Richterbund schl\u00e4gt Alarm \u2013 \u201eW\u00f6chentlich kommt ein mutma\u00dflicher Straft\u00e4ter frei\u201c<\/a><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Dem Wiederholungst\u00e4ter Mbarak C. dr\u00fcckt die junge Richterin eine Geldstrafe von 1200 Euro auf. Glimpflich ist er davongekommen und trotzdem: Wie soll er die Summe bezahlen?\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Die meisten Angeklagten vor dem Schnellgericht sind Leistungsempf\u00e4nger, Obdachlose, Junkies. Mittelloses Klientel, ohne Halt, ohne Perspektive. Sie bewegen sich wie in einer Endlosschleife, machen einfach weiter, bleiben kriminell und mit jedem Urteil wird die Strafe h\u00e4rter, bis sie so viele Kleindelikte angeh\u00e4uft haben, dass sie eine \u201eErsatzfreiheitsstrafe\u201c erhalten und eingesperrt werden. Eine Nacht Haft pro offenem Tagessatz. So f\u00fcllen sich die Gef\u00e4ngnisse mit Schwarzfahrern und Ladendieben.\n            <\/p>\n<p>            In der Regel m\u00fcssen sich die Angeklagten selbst verteidigen<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Auch Piotr O. ist wegen Ladendiebstahls angeklagt. Auch er steht nicht das erste Mal vor Gericht. Weil er seine Freundin verpr\u00fcgelt hatte, wurde er bereits verurteilt. Das war vor einer Woche.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Nun ist O., 35, polnischer Staatsb\u00fcrger, ein kleiner Mann mit m\u00fcden Augen, dem ein paar Z\u00e4hne fehlen, erneut straff\u00e4llig geworden. Er hat bei Rossmann drei Parf\u00fcms und eine Flasche Prosecco gestohlen. Gesamtwert: 138,67 Euro. Bei der Tat an einem Freitagmorgen war er m\u00e4chtig zugedr\u00f6hnt. Ein Alkoholtest ergab 3,3 Promille.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    \u201eEin Wert, bei dem die meisten von uns schlafen w\u00fcrden\u201c, sagt die Ankl\u00e4gerin, die seitlich zur Richterin sitzt. Ein Schild weist sie als \u201eStaatsanw\u00e4ltin\u201c aus. Sie ist aber eine Rechtspflegerin mit einer Zusatzausbildung zur sogenannten Amtsanw\u00e4ltin. Bei Bagatelldelikten \u00fcbernehmen sie oft die Aufgaben der Staatsanwaltschaft. F\u00fcr die Justiz ist das g\u00fcnstiger.\n            <\/p>\n<p>\n                                Amtsgericht Hannover: In der nieders\u00e4chsischen Landeshauptstadt wird jeder zehnte Kriminalfall im beschleunigten Verfahren abgewickelt.<br \/>\n                            Foto: IMAGO\/Rust<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/amtsgericht-hannover.jpg\" title=\"Amtsgericht Hannover: In der nieders\u00e4chsischen Landeshauptstadt wird jeder zehnte Kriminalfall im beschleunigten Verfahren abgewickelt.\" alt=\"Amtsgericht Hannover: In der nieders\u00e4chsischen Landeshauptstadt wird jeder zehnte Kriminalfall im beschleunigten Verfahren abgewickelt.\" class=\"lightbox__single-image__content__image-wrapper__img\" loading=\"lazy\" width=\"375\" height=\"250\"\/>Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize<\/p>\n<p>SchliessenX ZeichenKleines Zeichen welches ein X symbolisiert<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"lightbox--enabled__container__image-wrapper__img\" src=\"\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Die Sache mit den Amtsanw\u00e4lten ist nur ein Merkmal des Schnellgerichts. Ein anderes ist, dass sich die Angeklagten selbst verteidigen m\u00fcssen. Normalerweise h\u00e4tte auch Piotr O. niemanden auf der Anklagebank, der in seinem Sinne argumentieren w\u00fcrde. Doch heute ist Mittwoch.\n            <\/p>\n<p>            Die Strafen treffen die T\u00e4ter empfindlich, aber sind sie wirklich nachhaltig?<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Einen vom Staat bezahlten Strafverteidiger gibt es in Deutschland nur in Ausnahmef\u00e4llen. Dann, wenn eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr droht, wenn der Angeklagte geistig behindert ist oder wenn er sich bereits in Haft befindet. Dieser letzte Punkt kommt Piotr O. zugute.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Im Schnellgericht in Hannover werden mittwochs die F\u00e4lle vom Wochenende abgewickelt. Die Beschuldigten wurden am Freitag oder Samstag festgenommen und \u2013 anders als bei kleineren Delikten \u00fcblich \u2013 nicht wieder freigelassen. Viele sind ohne festen Wohnsitz, sodass die Justiz ihnen keine Vorladung schicken kann. Deshalb bleiben sie in der JVA, bis sie einige Tage sp\u00e4ter dem Richter vorgef\u00fchrt werden. Dann stellt das Gericht ihnen einen Verteidiger zur Seite.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Im Fall von Piotr O. geht es jetzt darum, wie hoch der Wert des Diebesguts tats\u00e4chlich war. Sein Verteidiger weist also darauf hin, dass die Parf\u00fcms nur Testflaschen waren, keine regul\u00e4re Verkaufsware, f\u00fcr die Rossmann ohnehin nichts bezahlen m\u00fcsse. Dass der Preis f\u00fcr den Prosecco bei 3,99 Euro liege. Dass der Schaden f\u00fcr den Drogeriemarkt marginal sei. Der Rechtsanwalt beantragt eine Geldstrafe von 500 Euro. Wenige Minuten sp\u00e4ter das Urteil: 50 Tagess\u00e4tze \u00e0 15 Euro, insgesamt 750 Euro. Die Vorsitzende unterrichtet O., dass er binnen einer Woche Einspruch einlegen k\u00f6nne.\n            <\/p>\n<p class=\"\">Lesen Sie auch: <a href=\"https:\/\/www.noz.de\/deutschland-welt\/panorama\/artikel\/unschuldig-im-gefaengnis-so-schwer-ist-der-weg-in-die-freiheit-49574202\" class=\"link underline-blue\" title=\"\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\">Unschuldig im Gef\u00e4ngnis \u2013 so schwer haben es Opfer der deutschen Justiz<\/a><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Verbringt man als Au\u00dfenstehender eine Weile im Schnellgericht, kann man ins Gr\u00fcbeln geraten. So unterschiedlich die Angeklagten auch auftreten, so \u00e4hnlich sind ihre Schicksale. Der Weg in die Kriminalit\u00e4t wirkt bei vielen fast wie eine logische Konsequenz. Nat\u00fcrlich: Diese Menschen haben gegen Gesetze versto\u00dfen. Manche haben gestohlen, manche zugeschlagen. Ein Staat darf das nicht ignorieren. Doch hat er die richtigen Antworten, wenn dieselben Menschen wie Unverbesserliche immer wieder vor Gericht landen?\n            <\/p>\n<p>            Geldstrafen schrecken kaum ab \u2013 sagt eine Richterin<\/p>\n<p class=\"\">\n                    In Hannover wird inzwischen jeder zehnte Kriminalfall im \u201ebeschleunigten Verfahren\u201c abgearbeitet. F\u00fcr die Justiz bedeutet das viel Kleinkram, w\u00e4hrend die unerledigten Strafverfahren in Deutschland eine Rekordzahl erreicht haben. Und kommen die T\u00e4ter in Haft, weil sie ihre Geldstrafe nicht bezahlen k\u00f6nnen, wird es teuer. F\u00fcr alle.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    In Niedersachsen kostet ein Haftplatz den Steuerzahler 200 Euro pro Nacht. Es ist einer der Gr\u00fcnde, warum die Debatte immer wieder aufflammt: ob Schwarzfahren, ob kleine Diebst\u00e4hle wirklich ins Strafrecht geh\u00f6ren. Oder ob die j\u00fcngsten Vergehen von Mbarak C. oder Piotr O. nicht zur Ordnungswidrigkeit herabgestuft geh\u00f6ren, wof\u00fcr sich etwa der Deutsche Anwaltverein starkmacht.\n            <\/p>\n<p>\n                                Zellentrakt im Amtsgericht Hannover: Hier werden die T\u00e4ter vor den Verfahren kurzzeitig untergebracht.<br \/>\n                            Foto: dpa\/Michael Matthey<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/amtsgericht-hannover-zellentrakt.jpg\" title=\"Zellentrakt im Amtsgericht Hannover: Hier werden die T\u00e4ter vor den Verfahren kurzzeitig untergebracht.\" alt=\"Zellentrakt im Amtsgericht Hannover: Hier werden die T\u00e4ter vor den Verfahren kurzzeitig untergebracht.\" class=\"lightbox__single-image__content__image-wrapper__img\" loading=\"lazy\" width=\"375\" height=\"250\"\/>Icon MaximizeIcon Lightbox Maximize<\/p>\n<p>SchliessenX ZeichenKleines Zeichen welches ein X symbolisiert<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"lightbox--enabled__container__image-wrapper__img\" src=\"\" alt=\"\"\/><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Gleichzeitig k\u00f6nne eine \u201eErsatzfreiheitsstrafe\u201c etwas Stabilisierendes haben, sagt eine Richterin, die viel mit Bagatelldelikten zu tun hat. Ein geregelter Tag, drei Mahlzeiten, ein warmes Bett. Geldstrafen wiederum w\u00fcrden nicht abschrecken. Wenn \u00fcberhaupt, dann erst die Aussicht auf Knast. Nach dieser Logik k\u00f6nnte der n\u00e4chste Angeklagte im Saal 2041 gel\u00e4utert aus dem Verfahren hinausgehen.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Leonid S., tief h\u00e4ngende Jeans, ausgebeulter Adidas-Pullover, darunter ein schm\u00e4chtiger K\u00f6rper, der in dem Stoff fast verschwindet. Auf dem Papier ein Erwachsener, 18 Jahre alt, der in diesem Moment aber viel j\u00fcnger wirkt. Vor einer Woche musste S. sich schon mal vor dem Schnellgericht verantworten. Es ging um ein gef\u00e4lschtes Rezept f\u00fcr Beruhigungs- und Schlafmittel. Dieses Mal geht es um Diebstahl.\n            <\/p>\n<p>            \u201eWeitere Straftaten zu begehen, kann nicht die L\u00f6sung sein\u201c<\/p>\n<p class=\"\">\n                    S. ist angeklagt, weil er im MediaMarkt im Hauptbahnhof, der direkt neben dem Amtsgericht liegt, teure Ladekabel im Wert von 2.000 Euro gestohlen hat. Die Ware steckte er in einen Rucksack. Einen Ladendetektiv, der ihn beim Hinausgehen aufhalten wollte, verletzte er leicht am Finger.\n            <\/p>\n<p class=\"\">Mehr zum Thema: <a href=\"https:\/\/www.noz.de\/deutschland-welt\/politik\/artikel\/queer-im-gefaengnis-wo-gehen-nicht-binaere-menschen-hinter-gitter-49164391\" class=\"link underline-blue\" title=\"\" target=\"_self\" rel=\"nofollow noopener\">Wo gehen straff\u00e4llige nicht-bin\u00e4re Menschen hinter Gitter?<\/a><\/p>\n<p class=\"\">\n                    Der Junge ist gest\u00e4ndig. Er sagt, er sei drogens\u00fcchtig. Crack, Amphetamine. Seine Nase ist wund, seine Stimme zittert, bricht fast weg. Weil er kein Geld mehr hatte, habe er seinem Dealer seinen Pass gegeben, als Pfand. Die Kabel wollte er verkaufen, um ihn zur\u00fcckzubekommen. Die Richterin spricht erst verst\u00e4ndnisvoll von einer Zwickm\u00fchle, wird dann strenger: \u201eWeitere Straftaten zu begehen, kann nicht die L\u00f6sung sein.\u201c\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Der Junge nickt.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Er erz\u00e4hlt, dass er sich so durchschl\u00e4gt, seit er vor etwas mehr als zwei Jahren aus der Ukraine nach Deutschland geflohen ist. Seine Eltern seien tot, beide im Krieg gestorben. Mal \u00fcbernachte er bei Freunden auf der Couch, mal auf der Stra\u00dfe. Ein hartes Leben. Nur sch\u00fctzt das nicht vor Strafe.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Gegen S. spricht die hohe R\u00fcckfallgeschwindigkeit, wie es im Juristendeutsch hei\u00dft. Neulich erst zu einer Geldstrafe verurteilt, heute wieder vor Gericht, und diesmal auch wegen K\u00f6rperverletzung. Muss er ins Gef\u00e4ngnis?\n            <\/p>\n<p>            Das l\u00e4ngste Verfahren an diesem Tag<\/p>\n<p class=\"\">\n                    Das Urteil \u201eim Namen des Volkes\u201c: eine Freiheitsstrafe von f\u00fcnf Monaten, aber auf Bew\u00e4hrung, milder als von der Amtsanw\u00e4ltin beantragt. \u201eDa haben Sie noch mal Gl\u00fcck gehabt\u201c, sagt die Vorsitzende. Kurz hatte sie gez\u00f6gert. Da war die Frage, ob S. nicht nach Jugendstrafrecht verurteilt werden sollte, das auch f\u00fcr Heranwachsende bis 21 Jahre gilt. Am Ende entschied sich die Richterin dagegen. Wer seit zwei Jahren allein klarkommen muss, so ihre Begr\u00fcndung, dessen Reifung sei abgeschlossen.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Noch w\u00e4hrend der Urteilsverk\u00fcndung werden S. die Handschellen abgenommen. Er solle sich einen Bew\u00e4hrungshelfer suchen, sagt die Richterin, jemanden, der Straff\u00e4llige betreut. S. beteuert, sich noch heute Hilfe zu organisieren. Ein Bekannter habe Kontakte.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Dann darf er den Saal verlassen. Aber ob er wiederkommt, scheint nicht die Frage zu sein. Sondern wann.\n            <\/p>\n<p class=\"\">\n                    Die Richterin schaut auf die Uhr. 50 Minuten hat der Prozess gegen Leonid S. gedauert. Das l\u00e4ngste Verfahren an diesem Tag, mit Abstand.\n            <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Mbarak C. konnte bei der Kontrolle im Zug keinen Fahrschein vorzeigen. 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