{"id":904450,"date":"2026-03-28T23:45:16","date_gmt":"2026-03-28T23:45:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/904450\/"},"modified":"2026-03-28T23:45:16","modified_gmt":"2026-03-28T23:45:16","slug":"europa-braucht-tempo-und-nicht-noch-ein-papier-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/904450\/","title":{"rendered":"Europa braucht Tempo und nicht noch ein Papier \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Europa ist der einzige Kontinent, \u00fcber den sich die Welt derzeit lustig macht \u2013 und in dem trotzdem alle am liebsten leben w\u00fcrden. Das ist kein Paradoxon, das ist unser Gesch\u00e4ftsmodell: Demokratie, Rechtsstaat, soziale Sicherheit und Lebensqualit\u00e4t. Nur: Gesch\u00e4ftsmodelle brauchen auch Ums\u00e4tze.<\/p>\n<p>Die harten Fakten dahinter: Wir sind pro Arbeitsstunde wesentlich unproduktiver als die USA, Kanada, Australien, Japan und andere Staaten. Und w\u00e4hrend andere Hunderte \u201eUnicorns\u201c hervorbringen, diskutieren wir in Europa dar\u00fcber, ob ein Start-up ein \u201e<a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/kmu\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" braucht=\"\" tempo=\"\" und=\"\" nicht=\"\" noch=\"\" ein=\"\" papier=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">KMU<\/a>\u201c ist, bevor es \u00fcberhaupt Umsatz hat.<\/p>\n<p>Unsere Standardantwort hei\u00dft \u201eStrategie\u201c. Wir sind Weltmeister im Ank\u00fcndigen, aber im Umsetzen scheiden wir in der Qualifikationsrunde aus. Dann kommt die Demografie und nimmt uns den Rest der Illusion: 2024 kamen in der EU nur noch knapp drei Menschen im Erwerbsalter auf eine Person \u00fcber 65 \u2013 und es wird Richtung 2050 auf weniger als zwei gehen. Gleichzeitig arbeiten wir im Schnitt 36\u2009Stunden pro Woche. Das ist sympathisch. Nur die Mathematik ist unbarmherzig.<br \/>Was also tun? F\u00fcnf Vorschl\u00e4ge &#8211; ohne Folklore:<\/p>\n<p>Erstens: Schlicht und einfach eine echte Wirtschaftsunion werden, inklusive Bankenunion und einem gemeinsamen Kapitalmarkt, und Z\u00f6lle und Hindernisse komplett abbauen.<\/p>\n<p>Zweitens: Entscheidungsf\u00e4higkeit in der EU herstellen. Einstimmigkeit ist ein sch\u00f6nes Wort f\u00fcr \u201eStillstand mit W\u00fcrde\u201c. Au\u00dfenpolitik, Sanktionen, strategische Industriepolitik \u2013 dort brauchen wir mehr Mehrheitsentscheidungen, nicht mehr Vetorechte.<\/p>\n<p>Drittens: Pensionen kapitalgedeckt erg\u00e4nzen \u2013 verpflichtend, breit, transparent. D\u00e4nemark, Schweden und die Niederlande liegen mit ihren Pensionsverm\u00f6gen bei weit \u00fcber 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Und ja: Das sind robuste Demokratien \u2013 genau deshalb vertraut man ihren Regeln. Das ist keine Ideologie, das ist Generationengerechtigkeit.<\/p>\n<p>Viertens: l\u00e4nger und kl\u00fcger arbeiten. Nicht als Drohung, sondern als Vertrag: mehr gesunde Lebensjahre hei\u00dft sp\u00e4terer Ausstieg, daf\u00fcr bessere Qualifizierung, mehr Erwerbs\u00adchancen f\u00fcr Frauen und \u00c4ltere.<\/p>\n<p>F\u00fcnftens: Verteidigung industrialisieren: Gemeinsame Standards, gemeinsame Beschaffung, gemeinsame Produktion, damit wird\u2019s besser und billiger. Das scheitert nicht an Komplexit\u00e4t, sondern an Faulheit.<\/p>\n<p>Und politisch? Pro-europ\u00e4ische Parteien m\u00fcssen aufh\u00f6ren, Europa wie ein Moralprojekt zu verkaufen. Europa ist ein Schutzprojekt: Grenzen, Sicherheit, Kapital, Energie. Wer das liefert, nimmt den Rechtspopulisten den Sauerstoff. Sie sollen mitmachen \u2013 aber zu klaren Bedingungen: Rechtsstaatlichkeit, keine <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/putin\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" braucht=\"\" tempo=\"\" und=\"\" nicht=\"\" noch=\"\" ein=\"\" papier=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Putin<\/a>-Romantik, keine Blockadepolitik, kein Anti-Europa, kein Zur\u00fcck in die Vergangenheit und keine Verherrlichung von korrupten Staatschefs. Wer \u201eUngarn\u201c als Vorbild preist, sollte erkl\u00e4ren, warum privates Kapital sichere H\u00e4fen sucht \u2013 und nicht polemische Ministerpr\u00e4sidenten-Spr\u00fcche. <\/p>\n<p>Die gro\u00dfe Koalition der Vernunft ist m\u00f6glich: Christdemokraten bringen Ordnung, Liberale Tempo, die Gr\u00fcnen leistbare gr\u00fcne Energie, Sozialdemokraten Aufstieg durch Qualifikation \u2013 und die Rechte liefert Grenzen und Loyalit\u00e4t, nicht nur zu den Nationalstaaten, sondern auch zu Europa. Das ist kein Einheitsbrei. Das ist Arbeitsteilung.<\/p>\n<p>F\u00fcr Sozialdemokraten gilt: Der Sozialstaat wird nicht durch h\u00f6here Steuern auf immer weniger Arbeit gerettet, sondern durch h\u00f6here Wertsch\u00f6pfung. Wettbewerbsf\u00e4higkeit ist kein Gegensatz zu sozialer Fairness; sie ist deren Finanzierungsquelle. Wenn das klar ist, dann den anderen Parteien Gas geben in Richtung gesellschaftlichen Fortschritts.<\/p>\n<p>F\u00fcr Christdemokraten gilt: gegen <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/erbschafts\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" braucht=\"\" tempo=\"\" und=\"\" nicht=\"\" noch=\"\" ein=\"\" papier=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Erbschafts<\/a>&#8211; und Verm\u00f6genssteuern zu sein ist nicht genug, um sich zu profilieren. Dazu geh\u00f6rt auch, f\u00fcr Rechtsstaatlichkeit, Ordnung, Heimatland und Europa, Tradition und Fortschritt, Leistung und soziale Gerechtigkeit einzutreten und all das mit Nachdruck. <\/p>\n<blockquote class=\"fm-quote flexmodule flexmodule--quote\">\n<p class=\"fm-quote__text\">         \u00bbDie EU ist Weltmeisterin im Ank\u00fcndigen, scheidet aber beim Umsetzen in der Qualifikationsrunde aus.  \u00ab     <\/p>\n<\/blockquote>\n<p>F\u00fcr Liberale gilt: weiter f\u00fcr Eure Weltanschauung k\u00e4mpfen und bitte nicht populistisch werden. Das hei\u00dft, damit zu leben, dass man eine Minderheit bleibt, aber stark genug, um die anderen anzutreiben.<\/p>\n<p>F\u00fcr Gr\u00fcne gilt: realisieren, dass man unfassbar viel erreicht hat und wenn man mehr erreichen will, es leider viel langsamer machen muss. <\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/eu\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" braucht=\"\" tempo=\"\" und=\"\" nicht=\"\" noch=\"\" ein=\"\" papier=\"\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Europ\u00e4ische Union<\/a> hat das Zeug: Talent, Wissenschaft, Unternehmer, Ersparnisse, die st\u00e4rksten Demokratien und die beste Lebensqualit\u00e4t der Welt. Wenn wir unsere eigenen Reibungen konsequent abbauen, wenn EU und Nationalstaaten konsequent zusammenarbeiten, sind Produktivit\u00e4tsspr\u00fcnge von 25 Prozent und mehr denkbar \u2013 und damit wieder echter Aufstieg. Er ist die Voraussetzung f\u00fcr alles andere, das unseren Kontinent einzigartig macht. Wir m\u00fcssen nur endlich aufh\u00f6ren, Europa zu erkl\u00e4ren, und anfangen, Europa zu bauen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Europa ist der einzige Kontinent, \u00fcber den sich die Welt derzeit lustig macht \u2013 und in dem trotzdem&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":904451,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,73469,14,15,12],"class_list":["post-904450","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-eu","tag-aktuelle-nachrichten","tag-aktuelle-news","tag-eu","tag-europa","tag-europaeische-union","tag-europe","tag-european-union","tag-headlines","tag-leitartikel","tag-nachrichten","tag-news","tag-schlagzeilen"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116309467497313749","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/904450","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=904450"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/904450\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/904451"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=904450"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=904450"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=904450"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}