{"id":904734,"date":"2026-03-29T02:38:22","date_gmt":"2026-03-29T02:38:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/904734\/"},"modified":"2026-03-29T02:38:22","modified_gmt":"2026-03-29T02:38:22","slug":"smart-meter-rollout-viele-netzbetreiber-hinken-hinterher","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/904734\/","title":{"rendered":"Smart-Meter-Rollout: Viele Netzbetreiber hinken hinterher"},"content":{"rendered":"<ol class=\"a-toc__list\">\n<li class=\"a-toc__item&#10;          &#10;            a-toc__item--counter&#10;          &#10;            a-toc__item--current\">\n<p>              Smart-Meter-Rollout: Viele Netzbetreiber hinken hinterher<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>    close notice<\/p>\n<p class=\"notice-banner__text a-u-mb-0\">\n      This article is also available in<br \/>\n        <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/en\/news\/Smart-meter-rollout-finally-more-speed-at-a-too-low-level-11228651.html\" class=\"notice-banner__link a-u-inline-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">English<\/a>.<\/p>\n<p>      It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.\n    <\/p>\n<p class=\"notice-banner__link a-u-mb-0\">\n    Don\u2019t show this again.\n<\/p>\n<p>Die Stromnetze zu digitalisieren, ist seit mittlerweile zwei Jahrzehnten ein Ziel der Bundesregierungen. Es gilt, die neue Realit\u00e4t aus dezentraler Erzeugung, Speicherung und Elektrifizierung im Zuge der <a href=\" https:\/\/www.heise.de\/thema\/Energiewende\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Energiewende<\/a> sowie die Belastungen im Stromnetz besser in Einklang zu bringen. Sogenannte Smart-Meter, Strommessger\u00e4te, die zugleich auch Steuerfunktionen f\u00fcr die dahinter angeschlossenen Energieverbraucher oder -erzeuger \u00fcbernehmen k\u00f6nnen, gelten daher als zentral. Im Energierechtsdeutsch hei\u00dfen sie \u201eIntelligente Messsysteme\u201c (iMSys). Und 3,094 Millionen davon waren bis Ende 2025 laut den Zahlen der Bundesnetzagentur verbaut \u2013 zu wenige.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Die \u201eiMSys\u201c sind ein wesentlicher Baustein der Hoffnung auf ein intelligentes Stromnetz und nicht zu verwechseln mit dem digitalen Standardz\u00e4hler, der \u201emodernen Messeinrichtung\u201c (mME). W\u00e4hrend diese zwar auch in beide Richtungen z\u00e4hlen k\u00f6nnen und somit \u2013 anders als die alten Ferraris-Drehz\u00e4hler \u2013 nicht r\u00fcckw\u00e4rtslaufen, kommunizieren sie erst einmal h\u00f6chstens lokal, etwa mittels separater <a class=\"heiseplus-lnk\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/ratgeber\/IR-Lesekoepfe-in-Home-Assistant-Digitalen-Stromzaehler-einfach-auslesen-11196666.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Infrarot-Lesek\u00f6pfe zum Auslesen digitaler Z\u00e4hler<\/a>. Damit verbundene Stromerzeuger und Verbraucher sind f\u00fcr die Netzbetreiber mittels \u201emME\u201c nicht steuerbar. Genau darin liegt der Unterschied zu den \u201eintelligenten Messystemen\u201c (iMSys): Eine Kommunikationseinheit zum Betreiber, die (im Regelfall per LTE-M) Viertelstundenwerte sendet und Steuerbefehle empfangen kann. Sodass etwa W\u00e4rmepumpen ihre Leistung tempor\u00e4r drosseln und E-Autos langsamer laden oder Solaranlagen nicht einspeisen, wenn das netzdienlich ist. Das ist politisch gew\u00fcnscht und gesetzlich vorgeschrieben.<\/p>\n<p>Nun z\u00e4hlt\u2019s bei der Einbaupflicht<\/p>\n<p>Jedes Quartal m\u00fcssen die \u201egrundzust\u00e4ndigen Messstellenbetreiber\u201c, in der Regel die regionalen Verteilnetzbetreiber, daher Daten zum Stand ihrer Infrastruktur abliefern. Seit dem vergangenen Jahr herrscht dabei eine Einbaupflicht f\u00fcr die \u201eiMSys\u201c f\u00fcr alle Anschl\u00fcsse mit mehr als 6000 Kilowattstunden Jahresverbrauch \u2013 was im Regelfall gewerbliche oder Industrienutzer sind. Dazu sollen steuerbare Anlagen \u00fcber 4,2 Kilowatt wie gr\u00f6\u00dfere W\u00e4rmepumpen, Klimaanlagen oder <a class=\"heiseplus-lnk\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/hintergrund\/Energiewende-Grossspeicher-zwischen-Ausbau-Engpaessen-und-neuen-Regeln-11206411.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stromspeicher, die als Gro\u00dfspeicher das Netz belasten oder st\u00fctzen k\u00f6nnen<\/a>, hinter die Kombination aus fernbedienbarer Mess- und Steuerungseinheit. Bis Ende 2032 sollen diese F\u00e4lle abgeschlossen sein, 90 Prozent aller Einheiten m\u00fcssen dann \u201eintelligent\u201c sein.<\/p>\n<p>Neben der f\u00fcr die Netzdienlichkeit wichtigen Steuerbarkeit gibt es f\u00fcr die Betreiber vor allem einen positiven Effekt, wie die EON-Tochter Westnetz auf Anfrage erl\u00e4utert: \u201eSie geben Einblick in die Niederspannung. Erst durch intelligente Messsysteme sehen Netzbetreiber, was in den unteren Spannungsebenen tats\u00e4chlich passiert.\u201c Bislang waren n\u00e4mlich auch f\u00fcr die Betreiber die Verbrauchs- und Produktionswerte nicht anschlussgenau aufschl\u00fcsselbar. Doch der Einbau kam in den ersten Jahren bei den meisten Messstellenbetreibern nur langsam voran. Mit den Jahreswechsel-Zahlen z\u00e4hlt es nun: Wer die 20%-Quote nicht erf\u00fcllt, begeht einen Versto\u00df gegen das geltende Recht \u2013 und muss mit Zwangsgeldern rechnen.<\/p>\n<p>77 Verfahren eingeleitet, weitere d\u00fcrften bald folgen<\/p>\n<p>F\u00fcr Klaus M\u00fcller, den Pr\u00e4sidenten der Bundesnetzagentur, ist das Ergebnis der Erhebung nun eindeutig: \u201eWir stellen fest, dass viele Unternehmen die gesetzlichen Ausbauziele nicht erf\u00fcllen.\u201c Gegen 77 Betreiber, die bislang keinen einzigen Pflichteinbaufall gemeldet haben, hat die Bundesnetzagentur daher am Freitag Verfahren eingeleitet.<\/p>\n<p>Ein genauerer Blick in die Zahlen zeigt vor allem Gemeinde- und Stadtwerke, von Zeulenroda \u00fcber Meckenheim in der Pfalz bis Schorndorf, aber auch einzelne Elektrizit\u00e4tswerke. Darunter solche, die offenbar zu Industriebetrieben wie dem Entsorgungswerk f\u00fcr Nuklearanlagen, der R\u00fcckbaugesellschaft f\u00fcr das DDR-Kernkraftwerk in Lubmin bei Greifswald oder dem Flughafen Halle\/Leipzig geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Gut die H\u00e4lfte liegt unter der gesetzlichen Vorgabe<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind diese 77 F\u00e4lle aber nur besondere Ausrei\u00dfer. Auch gro\u00dfe Unternehmen und gr\u00f6\u00dfere Stadtwerke, die selbst Messstellen betreiben, haben die gesetzliche Ausstattungsquote gerissen \u2013 die Energietochter der Deutschen Bahn etwa kommt auf 17,7 Prozent, die Stuttgart Netze GmbH auf den gleichen Wert. Und auch die als \u201e\u00d6kostrom-Rebellen\u201c bekannt gewordenen Elektrizit\u00e4tswerke Sch\u00f6nau (EWS) schaffen es bei den Pflichtf\u00e4llen nur auf 18,4, mit optionalen Einbauf\u00e4llen auf 20,7 Prozent ihrer Z\u00e4hler.<\/p>\n<p>488 der 813 als Messstellenbetreiber registrierten haben laut Bundesnetzagenturzahlen die 20 Prozent Ende 2025 verfehlt, nimmt man die Quote der optionalen Einbauf\u00e4lle hinzu, sind es immer noch 434. Dass es bei den 77 F\u00e4llen bleibt, ist daher unwahrscheinlich \u2013 und die Verh\u00e4ngung von Zwangsgeldern, die nur beim Verfehlen auch der optionalen F\u00e4lle m\u00f6glich ist, ist h\u00f6chst wahrscheinlich.<\/p>\n<p>Smart-Meter-Rollout h\u00e4ngt von Betreibern ab<\/p>\n<p>Zugleich \u00fcbererf\u00fcllen andere Messstellenbetreiber ihr Soll sogar, was jedoch nicht verrechnet wird. 34,8 Prozent Ausstattungsquote \u201eohne optionale Einbauf\u00e4lle\u201c weist etwa die Westnetz GmbH aus \u2013 mit den optionalen F\u00e4llen sogar 49,8 Prozent. Und das l\u00e4sst sich auch in Zahlen \u00fcbersetzen. \u201eBis M\u00e4rz 2026 hat Westnetz mehr als 380.000 intelligente Messsysteme verbaut und geh\u00f6rt damit zu den f\u00fchrenden Netzbetreibern in Deutschland\u201c, schildert eine Sprecherin des Westenergie-Tochterunternehmens den Stand.<\/p>\n<p>Selbst die sonst zuletzt aus anderen Gr\u00fcnden in der Kritik stehende landeseigene Stromnetz Berlin schafft f\u00fcr die Hauptstadt Ungew\u00f6hnliches und liegt weit \u00fcber Soll: 28.700 neue \u201eiMSys\u201c seien 2025 hinzugekommen. \u201eDamit kommen wir aktuell auf rund 78.700 dieser Ger\u00e4te in unserem Zust\u00e4ndigkeitsbereich\u201c, erkl\u00e4rt Pressesprecher Henrik Beuster auf Anfrage von heise online. Und damit 55 Prozent der derzeitigen Pflichteinbauf\u00e4lle. Es geht also offenbar, wenn die Betreiber denn wirklich wollen.<\/p>\n<p>Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BdEW) sieht zwar weiterhin noch R\u00fcckst\u00e4nde, aber vor allem ein steigendes Ausbautempo. \u201eDieses differenzierte Bild ist Ausdruck eines funktionierenden Marktes\u201c, sagt eine Sprecherin auf Anfrage von heise online. \u00dcber alle Anbieter hinweg betrachtet sei die gesetzlich verlangte Quote 2025 schon im dritten Quartal vorzeitig erf\u00fcllt worden, sieht man dort das Glas eher halb voll als halb leer. Das liegt vor allem an den gr\u00f6\u00dften Messstellenbetreibern mit mehr als 500.000 Smart-Metern. Deren Einbauquote liegt durchschnittlich nun bei 27,1 Prozent. Bei den kleinsten, mit weniger als 30.000 Messstellen, waren es durchschnittlich nur noch 14,6 Prozent.<\/p>\n<p>Massive Keller und Z\u00e4hlerschr\u00e4nke als Problem<\/p>\n<p>Diese gro\u00dfen Unterschiede haben etwas mit funktionierenden Prozessen zu tun, aber auch mit Erfahrungswerten. Denn die Schwierigkeiten beim Einbau sind ganz unterschiedlicher Art \u2013 und nicht nur der oft beklagten Fachpersonalknappheit geschuldet. Teilweise sind es ganz banale Dinge, wie etwa inkompatible Verbindungskabel zwischen den beiden unterschiedlichen Bauteilen aus Z\u00e4hler und Kommunikationsmodul, die beim Rollout dann f\u00fcr Schwierigkeiten sorgen w\u00fcrden. Ein weiteres Problem f\u00fcr den Stromnetzbetreiber sind die Hochhausarchitekturen: Stromanschl\u00fcsse kommen \u00fcblicherweise im Keller an \u2013 doch alles, was funkt und massive Beton- und Stahlbauten werden keine Freunde. Der Standard-DDR-Plattenbau, aber auch viele B\u00fcrohochh\u00e4user und manche Privatbauten verf\u00fcgen \u00fcber solch massive Kellergeschosse \u2013 was f\u00fcr die Funksignale, die das Smart-Meter-Gateway empfangen und senden muss, nicht f\u00f6rderlich ist.<\/p>\n<p>Reicht die Verbindungsqualit\u00e4t dann nicht, <a class=\"heiseplus-lnk\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/hintergrund\/Im-Funkloch-Wie-Smart-Meter-auch-ohne-LTE-Empfang-online-gehen-11162416.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">muss eine Au\u00dfenantenne angebunden und installiert werden<\/a> \u2013 was den Aufwand deutlich vergr\u00f6\u00dfert. Die vorgeschriebenen Z\u00e4hlerschr\u00e4nke k\u00f6nnen dabei zus\u00e4tzliche Probleme machen, schildern Fachleute: Erst in den vergangenen Jahren werden sie zunehmend mit weniger signalhemmenden Kunststofft\u00fcren ausgestattet. Am Ende aber muss jeder einzelne Z\u00e4hler physisch einzeln angefasst, verdrahtet und getestet werden \u2013 und das dauert.<\/p>\n<p>Moment-Prozente bei wachsender Pflichteinbaumenge<\/p>\n<p>\u201eEs liegt auf der Hand, dass die neue Technik nicht \u00fcber alle Kunden gleichzeitig ausgerollt werden kann\u201c, sagt eine BdEW-Sprecherin. \u201eDaf\u00fcr fehlen die Ressourcen und es ist nicht effizient.\u201c Doch die politischen Forderungen nach einem besser steuerbaren Netz und das Ausbautempo passen immer noch nicht zusammen. Bei 100% Smart-Meter-Quote angekommen ist bislang nur ein Unternehmen: ausgerechnet die Kraftwerkstochter des derzeit wieder elektroskeptischeren Wolfsburger Volkswagen-Konzerns.<\/p>\n<p>Die Netzbetreiber m\u00fcssen dennoch deutlich schneller werden. Denn die 4,7 Millionen Pflichteinbauf\u00e4lle, die die Bundesnetzagentur f\u00fcr Ende 2025 definiert hat, sind nur eine Momentaufnahme. Allein 93.022 Erzeuger mit mehr als 6 Kilowattstunden Leistung kamen 2026 laut Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur bereits hinzu \u2013 und die viel diskutierte und oft zu Unrecht diskreditierte W\u00e4rmepumpe erlebt angesichts der Unsicherheiten bei fossilen Energietr\u00e4gern gro\u00dfes Interesse. Mit jeder neuen W\u00e4rmepumpe, Wallbox und gr\u00f6\u00dferen Solaranlage w\u00e4chst also die Zahl der Pflichteinbauf\u00e4lle \u2013 allerdings wird inzwischen bereits bei der Installation ein Smart-Meter eingebaut.<\/p>\n<p>An einer Bestandsaufnahme der Bundesregierung aus dem Jahr 2007 hat sich also wenig ge\u00e4ndert: \u201eDie Erfassung des Energieverbrauchs in Deutschland entspricht nicht dem technischen Entwicklungsstand.\u201c Immerhin: 53,8 Prozent oder gut 30 Millionen der Messeinrichtungen sind nun \u201emodern\u201c, also elektronische Zweiwegez\u00e4hler. Dazu kommen die gut drei Millionen \u201eiMSys\u201c. Es liegen also nur noch knapp 23 Millionen mechanische Ferraris-Drehz\u00e4hler vor den Messstellenbetreibern, bis die vollst\u00e4ndige Digitalisierung des Stromnetzes auf Endverbraucherebene gelungen ist.<\/p>\n<p>        Lesen Sie auchMehr anzeigenWeniger anzeigen<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:nie@heise.de\" title=\"Nico Ernst\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">nie<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p><strong>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. Jetzt eine Woche unverbindlich testen \u2013 ohne Verpflichtung!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Smart-Meter-Rollout: Viele Netzbetreiber hinken hinterher close notice This article is also available in English. 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