{"id":904866,"date":"2026-03-29T04:01:12","date_gmt":"2026-03-29T04:01:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/904866\/"},"modified":"2026-03-29T04:01:12","modified_gmt":"2026-03-29T04:01:12","slug":"us-strategie-zur-stabilisierung-der-oelpreise","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/904866\/","title":{"rendered":"US-Strategie zur Stabilisierung der \u00d6lpreise"},"content":{"rendered":"<p>Laut einer Analyse von Elai Rettig gibt es drei Gr\u00fcnde, weshalb die Katastrophenszenarien bez\u00fcglich der \u00d6lpreisentwicklung \u00a0bislang\u00a0 nicht eingetreten sind.<\/p>\n<p class=\"has-text-align-right\">David Isaac<\/p>\n<p>Die Internationale Energieagentur warnte in der vergangenen Woche, der Krieg gegen den Iran habe \u00bbdie gr\u00f6\u00dfte Versorgungsunterbrechung in der Geschichte des globalen \u00d6lmarkts\u00ab ausgel\u00f6st, w\u00e4hrend verschiedene Berichte eine globale Energiekrise voraussagen. Neben diesen Prognosen wurde die US-Regierung daf\u00fcr kritisiert, die Auswirkungen des Kriegs auf die \u00d6lversorgung untersch\u00e4tzt zu haben.<\/p>\n<p>Weder die Weltuntergangsszenarien noch die Kritiker des Wei\u00dfen Hauses haben Recht, meint Elai Rettig, Assistenzprofessor am Institut f\u00fcr Politikwissenschaft der israelischen Bar-Ilan-Universit\u00e4t und leitender Forscher am Begin-Sadat-Zentrum f\u00fcr Strategische Studien (BESA-Center), der sich auf Energiepolitik spezialisiert hat. Die Trump-Regierung leiste gute Arbeit bei der Eind\u00e4mmung der \u00d6lpreise und sei sich v\u00f6llig bewusst gewesen, dass der Iran versuchen w\u00fcrde, die <a href=\"https:\/\/mena-watch-lexikon.com\/das-lexikon\/golfregion-mena-wiki-datenbank\/strasse-von-hormus\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener nofollow\">Stra\u00dfe von Hormus<\/a> zu sperren, durch die zwanzig Prozent der weltweiten \u00d6lversorgung transportiert werden.<\/p>\n<p>\u00bbDie Schlagzeilen spielen mit der Vorstellung, dass die Trump-Regierung v\u00f6llig \u00fcberrascht wurde und nicht wusste, dass die Stra\u00dfe von Hormus gesperrt werden w\u00fcrde. Das ergibt keinen Sinn\u00ab, so Rettig. \u00bbIn jeder Kriegssimulation, an der ich je teilgenommen habe \u2013 am INSS [Institut f\u00fcr Nationale Sicherheitsstudien], am BESA Center, in den Vereinigten Staaten \u2013, war die Stra\u00dfe von Hormus einer der zentralen Faktoren, insbesondere weil der Iran selbst immer wieder mit einer Sperre drohte, sollte er angegriffen werden.\u00ab<\/p>\n<p>Die Kriegssimulationen h\u00e4tten einen \u00d6lpreis von zweihundert Dollar pro Barrel prognostiziert, was genau jener Betrag sei, der ein iranischer Milit\u00e4rsprecher am 11. M\u00e4rz genannt hatte, als er vor dem Schaden warnte, den der Iran der Weltwirtschaft als Vergeltung f\u00fcr den Angriff der USA und Israels zuf\u00fcgen w\u00fcrde, sagte Rettig. Niemand habe vorhergesehen, dass die Preise drei Wochen nach der Blockade der Meerenge immer noch bei etwa hundert Dollar liegen w\u00fcrden. \u00bbWenn der Krieg wie geplant weitergeht, also noch sechs bis acht Wochen, dann haben die USA mehr erreicht, als sich die Kriegsplaner jemals ertr\u00e4umt h\u00e4tten. Die Menschen wissen gar nicht zu sch\u00e4tzen, wie gut dieser Krieg verl\u00e4uft.\u00ab<\/p>\n<p>Drei Gr\u00fcnde<\/p>\n<p>Der Erfolg der amerikanischen Regierung beruhe auf drei Gr\u00fcnden:<\/p>\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>Zu Kriegsbeginn gab es einen \u00d6l\u00fcberschuss.<\/li>\n<li>Weltweit waren die nationalen strategischen \u00d6lreserven aufgef\u00fcllt.<\/li>\n<li>Die Meerenge von Hormus ist nicht hermetisch abgeriegelt.<\/li>\n<\/ol>\n<p>\u00bbZu Beginn des Kriegs war der \u00d6lmarkt sehr gut auf einen zwei- bis dreimonatigen Krieg vorbereitet\u00ab, meinte Rettig.<\/p>\n<p>Erstens sch\u00e4tzte die Internationale Energieagentur, eine in Paris ans\u00e4ssige, zwischenstaatliche Energieaufsichtsbeh\u00f6rde, im Januar, dass das weltweite \u00d6langebot den Verbrauch um rund drei Millionen Barrel pro Tag \u00fcberstieg. Sanktionen gegen den Iran und Russland lie\u00dfen gro\u00dfe Mengen \u00d6l \u2013 bis zu zweihundert Millionen Barrel \u2013 auf See stranden, wo sie auf K\u00e4ufer warteten.<\/p>\n<p>Das US-Finanzministerium hob am 20. M\u00e4rz die Sanktionen gegen das \u00bbschwimmende \u00d6l\u00ab des Irans auf. \u00bbIm Wesentlichen werden wir die iranischen Barrel gegen Teheran einsetzen, um den Preis niedrig zu halten, w\u00e4hrend wir die Operation Epic Fury fortsetzen\u00ab, sagte Finanzminister Scott Bessent vergangene Woche. Durch diesen Schritt k\u00f6nnten etwa hundertvierzig Millionen Barrel \u00d6l freigesetzt werden.<\/p>\n<p>Zweitens hatten die L\u00e4nder monatelang Zeit, strategische Vorr\u00e4te anzulegen. Nicht nur die Vereinigten Staaten haben ihre strategische \u00d6lreserve aufgef\u00fcllt, auch China hat nach dem zw\u00f6lft\u00e4gigen Krieg im Juni 2025, als Israel erstmals iranische Nuklear- und Raketenanlagen angegriffen hatte, seine eigenen Reserven massiv ausgebaut. Externe Sch\u00e4tzungen gehen davon aus, dass China Reserven f\u00fcr etwa zweihundert Tage besitzt. Japan unterh\u00e4lt seit dem arabischen \u00d6lembargo der 1970er-Jahre \u00e4hnliche Vorr\u00e4te.<\/p>\n<p>Mitglieder der Internationalen Energieagentur (IEA) und der OECD (Organisation f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) sind verpflichtet, Reserven f\u00fcr mindestens neunzig Tage zu halten. Am 11. M\u00e4rz einigten sich die 32 Mitgliedsl\u00e4nder der IEA einstimmig darauf, vierhundert Millionen Barrel aus den Notreserven freizugeben, um die \u00d6lpreise zu d\u00e4mpfen. Die Vereinigten Staaten steuern hundertsiebzig Millionen Barrel zu dieser Gesamtmenge bei.<\/p>\n<p>Drittens ist die Stra\u00dfe von Hormus nicht vollst\u00e4ndig gesperrt. Obwohl die Meerenge normalerweise durchschnittlich zwanzig Millionen Barrel pro Tag umschl\u00e4gt, gelangt fast die H\u00e4lfte davon weiterhin <a href=\"https:\/\/www.mena-watch.com\/zwei-pipelines-umgehung-strasse-von-hormus\/\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">\u00fcber zwei Pipelines<\/a>, welche die Meerenge umgehen, auf die M\u00e4rkte au\u00dferhalb der Region. Die Saudi-Arabien durchquerende, 1.200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline nahm am 11. M\u00e4rz ihren Betrieb mit voller Kapazit\u00e4t von sieben Millionen Barrel pro Tag auf und bef\u00f6rdert nun \u00d6l zu einem Hafen am Roten Meer. In den Vereinigten Arabischen Emiraten bringt die vierhundert Kilometer lange Pipeline Habshan\u2013Fujairah \u00d6l zu einem Punkt am Golf von Oman. Ihre Kapazit\u00e4t betr\u00e4gt 1,8 Millionen Barrel pro Tag.<\/p>\n<p>Auch der Iran hat den Transport von \u00d6l nicht eingestellt, das er an seine Verb\u00fcndeten, vor allem an China, verkauft. Die Vereinigten Staaten lassen dieses \u00d6l passieren, da sie den Iran davon abhalten, die Stra\u00dfe von Hormus mit aller Kraft zu blockieren. \u00bbDas gibt ihnen etwas zu verlieren\u00ab, erkl\u00e4rte Rettig die dahinterstehende Strategie.<\/p>\n<p>Vor Eskalation geh\u00fctet<\/p>\n<p>Beide Seiten haben sich vor einer Eskalation geh\u00fctet. W\u00e4hrend der Iran \u00d6lanlagen in den Golfstaaten angegriffen hat, hat er sich bei der Wahl seiner Ziele zur\u00fcckgehalten und es vermieden, die \u00d6lf\u00f6rderung direkt ins Visier zu nehmen. \u00bbDie Schlagzeilen in den Medien sind nach einem iranischen Angriff oft hysterisch. Dann vergehen ein paar Stunden und wir stellen fest, dass nur ein \u00d6ldepot getroffen wurde\u00ab, sagte Rettig. \u00bbDer Iran w\u00e4hlt seine Ziele sorgf\u00e4ltig aus.\u00ab Infolgedessen werden die Nachbarstaaten in der Lage sein, die Produktion schnell hochzufahren, sobald die Feindseligkeiten enden.<\/p>\n<p>Die Vereinigten Staaten haben es ebenfalls unterlassen, die Energieanlagen des Irans zu bombardieren oder die Insel Kharg zu besetzen, \u00fcber die neunzig Prozent der iranischen Roh\u00f6lexporte laufen. Als Israel das iranische South-Pars-Feld angriff, reagierte der Iran mit Vergeltungsschl\u00e4gen gegen Energieanlagen in Katar und Saudi-Arabien. US-Pr\u00e4sident Donald Trump distanzierte sich sofort von dem israelischen Angriff, gab vor, nichts davon gewusst zu haben, und warnte den Iran, dies nicht noch einmal zu versuchen, was zeigt, dass vorerst keine der beiden Seiten im Energiebereich zu weit gehen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Rettig merkte an, dass die von Israel angegriffene Anlage der heimischen Erdgasproduktion diente. Ziel war es, dem Iran die Stromerzeugung zu erschweren. Die \u00d6lexporte waren davon nicht betroffen. \u00bbDer Plan der USA besteht darin, die \u00d6lpreise unter Kontrolle zu halten, w\u00e4hrend sie die Kapazit\u00e4ten des Irans weiter schw\u00e4chen. Diese Strategie funktioniert. Der Iran sei am Verlieren und der \u00d6lpreis bleibe unter Kontrolle. Die Vereinigten Staaten k\u00f6nnten die Meerenge zu einem Zeitpunkt ihrer Wahl, sobald sie der Ansicht sind, dass die iranischen F\u00e4higkeiten ausreichend geschw\u00e4cht sind, mit Gewalt wieder \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass der Gro\u00dfteil des \u00d6ls aus dem Golf in asiatische Staaten flie\u00dft, wirft die Frage auf, warum die amerikanischen Preise \u00fcberhaupt von der Sperre der Stra\u00dfe von Hormus beeinflusst werden, was laut Rettig gr\u00f6\u00dftenteils eine Frage der Wahrnehmung sei. Die US-Preise an den Tankstellen stiegen vor allem wegen der Risikopr\u00e4mien \u2013 einem Aufschlag auf den Grundpreis des Kraftstoffs, der sich an geopolitische Risiken und andere Unsicherheiten anpasst \u2013 schnell an. \u00bbDie \u00d6lpreise schwanken aufgrund der Risikopr\u00e4mie. Deshalb beeinflussen Schlagzeilen oder die Aussagen des Pr\u00e4sidenten den Preis. Trump sagt dies oder jenes, wodurch die \u00d6lpreise steigen und fallen, obwohl physisch nichts passiert ist.\u00ab<\/p>\n<p>Ein weiterer Grund, weshalb sich die h\u00f6heren Weltmarktpreise auf den US-Markt auswirken, ist das internationale Agieren der amerikanischen \u00d6lkonzerne, die nicht darauf beschr\u00e4nkt sind, Erd\u00f6l ausschlie\u00dflich in den Vereinigten Staaten zu verkaufen. Asiatische K\u00e4ufer, die mit einem geringeren Angebot aus dem Nahen Osten konfrontiert sind, bieten aggressiv auf Barrel von US-Produzenten. \u00bbEs mag unpatriotisch klingen\u00ab, sagte Rettig, \u00bbaber US-Exporteure sind private Unternehmen und haben als solche das Recht, an denjenigen zu verkaufen, der den besten Preis bietet, sei es Indien oder Australien\u00ab.<\/p>\n<p>Kein Exportverbot<\/p>\n<p>W\u00e4hrend von einem Exportverbot die Rede war, um amerikanische Verbraucher vor Preisschocks zu sch\u00fctzen, zeigte sich Rettig skeptisch, da solch ein Schritt Amerikas Ruf als zuverl\u00e4ssiger globaler Lieferant sch\u00e4digen k\u00f6nnte. Die Vereinigten Staaten w\u00fcrden das Vertrauen ihrer Kunden verlieren, w\u00fcrden sie Verk\u00e4ufe gerade dann blockieren, wenn ihr \u00d6l am dringendsten ben\u00f6tigt wird. Die gute Nachricht sei, dass die Vereinigten Staaten \u00fcber ausreichende \u00d6lvorr\u00e4te verf\u00fcgen, gro\u00dfe Mengen im Inland produzieren und erhebliche Mengen aus Kanada, Mexiko und seit Kurzem auch aus Venezuela importieren.<\/p>\n<p>In Berichten wird oft behauptet, dass hohe \u00d6l- und Gaspreise die Chancen der Republikaner bei den Zwischenwahlen negativ beeinflussen w\u00fcrden. Rettig meinte, auch dies sei eine Frage der Wahrnehmung und ein Mythos, dass steigende \u00d6lpreise der regierenden Partei ausnahmslos schaden w\u00fcrden. Das sei \u00bbstatistisch nicht zutreffend\u00ab, da historische Daten zeigen, dass Pr\u00e4sidenten bei hohen Kraftstoffkosten sowohl Wahlen gewinnen als auch verlieren k\u00f6nnen. Als Beispiel wies er darauf hin, dass der ehemalige Pr\u00e4sident Barack Obama trotz erh\u00f6hter Benzinpreise eine zweite Amtszeit erringen konnte.<\/p>\n<p>Der Text erschien auf Englisch zuerst <a href=\"https:\/\/www.jns.org\/analysis\/doomsday-scenarios-miss-mark-inside-trumps-strategy-to-stabilize-oil-prices\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">beim Jewish News Syndicate<\/a>. (\u00dcbersetzung von Alexander Gruber.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Laut einer Analyse von Elai Rettig gibt es drei Gr\u00fcnde, weshalb die Katastrophenszenarien bez\u00fcglich der \u00d6lpreisentwicklung \u00a0bislang\u00a0 nicht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":904867,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3977],"tags":[331,332,13,14,15,12,4017,4018,4016,64,4019,4020],"class_list":{"0":"post-904866","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-usa","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-schlagzeilen","14":"tag-united-states","15":"tag-united-states-of-america","16":"tag-us","17":"tag-usa","18":"tag-vereinigte-staaten","19":"tag-vereinigte-staaten-von-amerika"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116310473766867585","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/904866","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=904866"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/904866\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/904867"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=904866"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=904866"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=904866"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}