{"id":905306,"date":"2026-03-29T08:38:15","date_gmt":"2026-03-29T08:38:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/905306\/"},"modified":"2026-03-29T08:38:15","modified_gmt":"2026-03-29T08:38:15","slug":"fieber-nein-traum-ja-liebe-da-parsifal-premiere-an-der-semperoper-dresden-das-opernmagazin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/905306\/","title":{"rendered":"Fieber nein, Traum ja, Liebe da \u2013 &#8222;Parsifal&#8220;-Premiere an der Semperoper Dresden \u2013 DAS OPERNMAGAZIN"},"content":{"rendered":"<p>\t\t<a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/fieber-nein-traum-ja-liebe-da-parsifal-premiere-an-der-semperoper-dresden\/parsifal_khp_c_jochen_quast_047-1\/\" rel=\"attachment wp-att-32934 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-32934\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Parsifal_KHP_c_Jochen_Quast_047-1-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/><\/a>Semperoper\/PARSIFAL\/Georg Zeppenfeld (Gurnemanz), Mich\u00e8le Losier (Kundry)\/Foto:<br \/>\u00a9 Semperoper Dresden\/Jochen Quast<\/p>\n<p><strong>In Dresden taucht passend zum musikalischen Karfreitagszauber der Fr\u00fchling auf. Die Sonne scheint; vor den Eisdielen bilden sich sonntagsmittags Schlangen. Manch ein Neugieriger kauft sich ein Osterbrot und bei\u00dft vor der B\u00e4ckerei ungeniert in den tellergro\u00dfen Teigbatzen rein. Die Losung: Energie tanken! F\u00fcr Richard Wagners zauberhafte letzte Opernpartitur unter Daniele Gatti, aber \u2013 wie sich herausstellen soll \u2013 auch f\u00fcr Floris Vissers ziemlich maximalistische Regie. Sie punktet, fordert heraus, verrennt sich, flirtet mit dem Heute, feiert das Fantastische, verheddert sich und hat doch alles verstanden. Dranbleiben lohnt sich. (Rezension der Premiere v. 22. M\u00e4rz 2026)<\/strong><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Die Abtei St. Parsifal wird von Besuchern aller Art besucht: Pilger zu Fu\u00df, Sterbenskranke, eine rauchende Prostituierte vor Dienstantritt. Alle suchen sie dort etwas. Wunder, Heilung, Rettung, oder halt mal eine ruhige Minute und eine sch\u00f6ne Aussicht, mein Gott. Unter den j\u00fcngsten Besuchern, einer Schulklasse, findet sich ein Junge, der von der Geschichte des heiligen Parsifal v\u00f6llig fasziniert ist. Vielleicht hat er \u2013 wie sich im Laufe der Oper herausstellen soll \u2013 auch einst seine Eltern verloren und irrt mit gro\u00dfen Augen durch die Welt. Zum \u00c4rger seines Lehrers m\u00f6chte der Bursche am liebsten den anderen Besuchern sein Buch \u00fcber den rettenden Ritter Parsifal zeigen, anstatt brav bei der Gruppe zu bleiben. Beim Versuch, den zappeligen Haufen weiter zu scheuchen, seilt sich der Junge endg\u00fcltig ab. Seiner kindlichen Begeisterung zuliebe lassen sich die n\u00e4chstbesten Umliegenden \u2013 besagte Prostituierte, ein paar verirrt herumlungernde Klima-Aktivisten und ein ehemaliger Soldat im Rollstuhl \u2013 von dem Jungen die Geschichte aus dem Buch erz\u00e4hlen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/fieber-nein-traum-ja-liebe-da-parsifal-premiere-an-der-semperoper-dresden\/parsifal_ohp_c_jochen_quast_108\/\" rel=\"attachment wp-att-32935 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-32935\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Parsifal_OHP_c_Jochen_Quast_108-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/><\/a>Semperoper\/PARSIFAL\/Staatsopernchor, Komparserie\/Foto: \u00a9 Semperoper Dresden\/Jochen Quast<\/p>\n<p>Dabei werden \u2013 wie das nun einmal ist, wenn man aus dem Stegreif Geschichten erz\u00e4hlt \u2013 die real anwesenden Personen zur Inspiration f\u00fcr das Geschehen. Der Junge dirigiert sie zun\u00e4chst durch das B\u00fchnenbild \u2013 (B\u00fchnenbild: <strong>Frank Philipp Schl\u00f6\u00dfmann, <\/strong>Kost\u00fcme: <strong>Jon Morell)<\/strong>, \u2013 schiebt die Erwachsenen energisch durchs Bild, bevor die Saga ihren Lauf nimmt und zunehmend von dem pl\u00f6tzlich auftauchenden Gurnemanz gesteuert wird. Zwei v\u00f6llig verwirrte Umweltsch\u00fctzer werden demnach von einem begeisterten Elfj\u00e4hrigen zum Anziehen von M\u00f6nchskutten gen\u00f6tigt und spielen fortan die \u201eWaldh\u00fcter\u201c der Gralsbruderschaft; der alte, mit Orden dekorierte Soldat wird zur Inspiration f\u00fcr Amfortas, die Prostituierte zu Kundry. Parsifal selbst, Identifikationsfigur des jungen Erz\u00e4hlers, taucht demnach logischerweise in einer Schuluniform auf. Das verlangt sehr schnelles Mitdenken und l\u00e4sst ein wenig au\u00dfer Acht, dass man im Parsifal dazu neigt, mal die Augen zu schlie\u00dfen. Denn: aufgrund ihres Doppeldaseins als Figuren des eigentlichen Plots sowie ihrer Konzeption als zuf\u00e4llige Abteibesucher tragen alle gleichzeitig eine weitere, pers\u00f6nliche Ebene in sich, die an den Plot angelehnt eine Parallele zu modernen Problemen und heutiger Suche nach Erl\u00f6sung in unterschiedlichen Facetten darstellt: Die \u201eWaldh\u00fcter\u201c f\u00fcrchten eine unbewohnbare Welt. Kundry k\u00e4mpft mit Heroinsucht und sehnt sich, passend zu ihrem gesungenen Text, nach einem ewigen Schlaf, der in der Realit\u00e4t eines Rausches aber nie erholsam ist. Amfortas, der einst f\u00fcr das Heilige k\u00e4mpfte und f\u00fcr Ideale und Ideologie Krieg betrieb, hat in diesem Krieg schon Gr\u00e4uel erlebt und ver\u00fcbt, die ihn nicht loslassen. Ihre Traumata und \u00c4ngste erscheinen w\u00e4hrend der Verwandlungsmusik zum ersten Mal als Projektionen auf den W\u00e4nden der Abtei und werden in kommenden Akten als einschl\u00e4gige Anspielungen h\u00e4ufiger wiederholt.<\/p>\n<p>So jongliert <strong>Floris Visser<\/strong>s Inszenierung mit den Abstraktionsebenen, die sich im B\u00fchnengeschehen mischen und dem Zuschauer geh\u00f6rig K\u00f6pfchen abverlangen. \u201eFiebertraum\u2026\u201c, murmelt jemand im roten Abendlicht vor der Oper. Tats\u00e4chlich? Fieber nein, Traum ja. Die Inszenierung bel\u00e4sst viele fantastische Elemente wie den heilenden Gral und die religi\u00f6sen Reliquien, ja, feiert sie sogar und schm\u00fcckt sie mit wei\u00df befl\u00fcgelten Engeln und Luzifer als Klingsors Haustier aus. Nach einem wirklich starken ersten Akt schw\u00e4chelt das Konzept etwas im zweiten; zu viele illustrierende Szenen im Hintergrund nach der gelungenen Blumenm\u00e4dchen-Szene betr\u00fcben ein wenig das faktisch interessante Geschehen im Vordergrund. An dieser Stelle t\u00e4te mehr Vertrauen in die Besetzung gut, die auch ganz allein f\u00e4hig ist, durch gute Darstellung im Vordergrund die Geschichte zu erz\u00e4hlen. Auch bleiben manche Dinge doch etwas zu sehr im Unklaren, beispielsweise woraus das Gralsritual nun wirklich besteht sowie wie Klingsors Zauber von Parsifal gebrochen wird. Da geschehen durchaus unn\u00f6tige Verkomplizierungen, die die Regie gar nicht n\u00f6tig hat, schafft sie es doch dank der Einbettung der Story in der kindlichen Fantasie, s\u00e4mtliche mythisch-mystische Elemente des Librettos ohne Umschweife auf die B\u00fchne zu bringen.<\/p>\n<p>Im dritten Akt kehrt im Hintergrund endlich wieder mehr Ruhe ein, gar Tristesse. Es regnet. Das Essen ist knapp geworden. Kundry ist (mal wieder) fast ihrer Drogensucht erlegen. Titurel hat das Zeitliche gesegnet. Zum gro\u00dfen Finale tauchen wieder die Teilnehmenden des Gottesdienstes aus dem ersten Akt auf, w\u00e4hrend dem in der Abtei der Gral enth\u00fcllt wird. Nur hat sich leider niemand mehr um ihre Sorgen gek\u00fcmmert, w\u00e4hrend der eigentlich angedachte Heilsbringer Amfortas selbst zum S\u00fcndenfall auf der Suche nach Erl\u00f6sung wurde. Und zack, sammeln sich wahre Horden von Demonstranten s\u00e4mtlicher politischer Bewegungen vor Titurels Sarg. Das ist teils freilich v\u00f6llig \u00fcberladen mit Anspielungen auf heutige Zust\u00e4nde. Was der Regisseur dabei immerhin versteht: im Herzen vieler heutigen politischen (Protest-)Bewegungen sind letzten Endes Menschen, die unter einer Angst, einer Ungerechtigkeit, ja, etwas Existenziellem zerquetscht werden. Die Darstellung dessen ist aufgrund der gro\u00dfen F\u00fclle an Ideen, die der Zuschauer schnell begreifen k\u00f6nnen muss, nur leider mit Klischees gespickt und \u00fcberdeutlich in den dargebotenen Bildern; dann haben Klima-Aktivisten eben Dreadlocks und sehen wie \u201eUmwelt-Linke\u201c aus dem Buche aus. Da wird teils zu plakativ erz\u00e4hlt; die Videoprojektionen haben sich bis dahin ebenfalls ersch\u00f6pft.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/fieber-nein-traum-ja-liebe-da-parsifal-premiere-an-der-semperoper-dresden\/parsifal_ohp_c_jochen_quast_185\/\" rel=\"attachment wp-att-32936 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-32936\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Parsifal_OHP_c_Jochen_Quast_185-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/><\/a>Semperoper\/PARSIFAL\/Mich\u00e8le Losier (Kundry), Scott Hendricks (Klingsor)\/Foto:<br \/>\u00a9 Semperoper Dresden\/Jochen Quast<\/p>\n<p>Durchweg r\u00fchrend allerdings: Der Kleine will \u201eseinen\u201c Helden gewinnen sehen, versucht, ihm die richtigen Antworten aus seinem Buch zu zeigen, ihn von den Blumenm\u00e4dchen wegzurei\u00dfen \u2013 doch zunehmend verselbstst\u00e4ndigt sich das Geschehen; Gurnemanz und sp\u00e4ter auch Kundry steuern das Geschehen mit. Geduld, mein Junge, macht Gurnemanz dem Jungen klar, dein Held muss aus sich heraus zum Helden werden. Das alles spielt Kinderstatist <strong>Leander Wilde<\/strong> als tr\u00e4umender Erz\u00e4hler der Parsifal-Geschichte \u2013 \u00fcber vier Stunden lang fast durchgehend auf der B\u00fchne \u2013 mit einem ganz nat\u00fcrlichem Detailreichtum und nicht einem einzigen Moment der Unsicherheit, was ihn v\u00f6llig verdient bei den Vorh\u00e4ngen ganz zuletzt gemeinsam mit dem gesungenen Parsifal erscheinen l\u00e4sst. Tenor<strong> Eric Cutler<\/strong> als ebendieser wirkt als Teil einer Besetzung, die insgesamt auf klassisch-durchschlagende \u201eHeldenstimmen\u201c verzichtet, leiht der Rolle ein jugendliches, lyrisches Stimmfundament und hinreichend kraftvolle H\u00f6hen bei Bedarf. Das passt zum \u201ereinen Toren\u201c, der nicht als Held beginnt. Einzig das deutsche \u201ach\u2018 macht in der Aussprache leider Schwierigkeiten und wird regelm\u00e4\u00dfig zum \u201asch\u2018. <strong>Georg Zeppenfeld<\/strong> als Gurnemanz besticht mit erstklassiger Diktion, ordentlich eingeflochtener Spannung in seinen vielen Dialogmomenten. Einmal mehr ist hier zu bewundern, wie unglaublich gleichm\u00e4\u00dfig und fluide diese Bassstimme in allen Registern, auch in den Spitzent\u00f6nen, klingt. <strong>Mich\u00e8le Losier<\/strong> singt ihre erste Kundry mit schlankem Mezzo, einem wirkungsvollen bis hin zu loderndem Crescendo auf diesem legend\u00e4ren \u201eUnd \u2013 lachte!\u201c, doch w\u00fcnscht man sich manchmal mehr von einem gewissen Etwas, sei es Glanz oder Schw\u00e4rze, in der Stimme. Darstellerisch skizziert sie gekonnt eine Frau eingeklemmt im Kampf, voller Selbstverachtung, doch nicht ohne ihre W\u00fcrde. <strong>Scott Hendricks<\/strong> steuert einen passenden Klang f\u00fcr den B\u00f6sewicht Klingsor bei, besticht mit versierter Phrasierung. \u201eFurchtbare Not [\u2026] so lacht nun der Teufel mein\u201c kommt sogar mit Gravitas und gro\u00dfem emotionalem Ernst. <strong>Oleksandr Pushniak<\/strong> bleibt klangsch\u00f6n, k\u00f6nnte sich des \u00d6fteren mehr trauen, in unterschiedliche Richtungen auszubrechen in den Monologen des Amfortas. <strong>Albert Dohmen<\/strong> als Titurel punktet mit einer geschickten stimmlichen Wandlung: absichtlich \u00e4ltlicher Klang in seinen ersten S\u00e4tzen und erfrischte, volle T\u00f6ne nach der Gralsenth\u00fcllung<\/p>\n<p><strong>Daniele Gatti<\/strong>s Dirigat am Pult der <strong>S\u00e4chsischen Staatskapelle<\/strong> ist gut auf diese Besetzung abgestimmt, nimmt sich zur\u00fcck, ohne blass zu werden, kostet Pausen in den Dialogen zu Spannungszwecken besonders im ersten Akt aus. Die leisen T\u00f6ne in diesem Akt dienen der Vorahnung: was lauert dort drau\u00dfen, hinter den Landen der Gralsbr\u00fcder? Was ist dieses Dunkle? Das entfaltet insgesamt das Zauberhafte, passend zum B\u00fchnengeschehen. Die zur\u00fcckgenommene Art ist besonders im zweiten Akt dienlich, wo es zwischen den Blumenm\u00e4dchen und dem Orchester zu einer gut austarierten akustischen Balance kommt, bei der die Vielzahl an Frauenstimmen endlich einmal nicht den orchestralen Part verschlingt. Die unheilvollen Schwingungen aus dem Graben zu Kundrys Kuss sind weniger Erotik und mehr Weissagung, auf welche Erkenntnis die Hauptfigur nun zusteuert. Insgesamt f\u00e4llt an diesem Abend besonders das Zusammenspiel zwischen Orchester und S\u00e4ngerschaft auf \u2013 mag es an der Akustik der Semperoper liegen, am Dirigat, der Besetzung oder schlicht an der Platzierung der S\u00e4nger zumeist in der hinteren Mitte der B\u00fchne, die Stimmen schweben nicht immer obenauf wie das Petersilienblatt auf der Suppe, sind vielmehr ein Instrument mitten im Klang eines weitreichenden akustischen Geschehens. Das st\u00f6\u00dft beim Schlussapplaus auf gro\u00dfe Zustimmung.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/opernmagazin.de\/fieber-nein-traum-ja-liebe-da-parsifal-premiere-an-der-semperoper-dresden\/parsifal_khp_c_jochen_quast_248\/\" rel=\"attachment wp-att-32937 nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-32937\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/Parsifal_KHP_c_Jochen_Quast_248-300x200.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"200\"  \/><\/a>Semperoper\/PARSIFAL\/Kinderkomparse, Eric Cutler (Parsifal), Mich\u00e8le Losier (Kundry)\/Foto: \u00a9 Semperoper Dresden\/Jochen Quast<\/p>\n<p>Die Regie tut dies weniger. Die Buh-Kr\u00e4herei eines Premierenpublikums von leicht gehobenem Alter schmeckt etwas bitter nach. Mag die Inszenierung manchen zu blau\u00e4ugig wirken oder teils zu \u00fcberladen, Letzteres zu Recht, r\u00fchrt eins an der Sache jedoch ungemein: die bemerkenswerte Abwesenheit jeglichen Zynismus gegen\u00fcber einer Erl\u00f6sergeschichte. \u00dcber allem strahlt der Wille heraus, etwas Liebevolles erz\u00e4hlen zu wollen. Das beeindruckt auf seine ganz eigene Art, wird doch manchmal auch auf Schock-Effekte und m\u00f6glichst viel D\u00fcsternis gesetzt, auf die uns\u00e4gliche Idee, dass erwachsen und klug vor allem sei, in allem das Schlechte zu erkennen. \u201eDu siehst, das ist nicht so\u201c, lehrt Gurnemanz \u00fcber die Erwartung von allem Schlechten, und es ist eine F\u00e4higkeit, Skepsis und Zynismus gegen\u00fcber dem mystischen Plot und dem Happy End an der Garderobe abzugeben, auch einmal wie ein Kind zu tr\u00e4umen, dass es gut enden k\u00f6nnte, mit einer Umarmung. Auch dem Fantastischen der Geschichte sowie der religi\u00f6sen Grundierung nicht aus dem Weg gehen zu wollen oder es wegrationalisieren zu wollen, weil Religion, der Glaube an das Unbeweisbare, nicht mehr in den Zeitgeist passt, ist \u00e4u\u00dferst erfrischend. Ein wanderndes Kind sucht Verbindung in der Welt, findet sie und gibt, dadurch weiser geworden, etwas an seine Mitmenschen zur\u00fcck. Und das nicht nur im eigentlichen Opern-Plot; es ist der junge Erz\u00e4hler, der Kundry gegen Ende umarmt, der sie begreifen l\u00e4sst, dass auch sie ein geliebter und gesch\u00e4tzter Teil dieser Geschichte ist, und ein wenig ihrer Selbstverachtung heilt. Eine so passende wie sch\u00f6ne Herangehensweise an die Reise von Naivit\u00e4t zur Weisheit in der Oper Parsifal.<\/p>\n<p>Am Ende sch\u00fcttelt sich der Tenor aus seiner Rolle, strubbelt dem Kind freundschaftlich durch die Haare, schnappt sich sein Gep\u00e4ck und geht. Sehr pl\u00f6tzlich, man blinzelt etwas verwirrt \u2013 aber nat\u00fcrlich, es ist auserz\u00e4hlt. Der hereingeirrte \u201eTor\u201c war einfach ein Pilger zu Fu\u00df gewesen, der sich der Geschichte angeschlossen hatte, ganz nat\u00fcrlich mitgespielt hatte. Die Teilhabenden verabschieden sich leise und vers\u00f6hnlich, um eine etwas kuriose gemeinsame Erfahrung reicher. Gef\u00fchl einer unbestimmten Leichtigkeit \u2013<\/p>\n<p>Bis der Lehrer der Schulklasse auftaucht. Nachdem er seinen Ausrei\u00dfer zun\u00e4chst w\u00fctend am Ohr zur Schulgruppe zur\u00fcckgeschleift hatte (Ouvert\u00fcre) sowie mit einer Taschenlampe durch die Szenerie der dunklen Kapelle gejagt hatte (Vorspiel zum zweiten Akt), erschrickt der Junge, duckt sich vor dem gro\u00dfen Mann. Doch der breitet nur die Arme aus und dr\u00fcckt das wiedergefundene Kind an sich. Das Kind entspannt sich in diesen Armen. Die Erleichterung siegt. Ist das nicht die Ur-Sorge aller Kinder \u2013 dass man etwas falsch gemacht hat und die Erwachsenen w\u00fctend sein werden? Eine kleine Sorge gegen\u00fcber den gewaltigen Sorgen der Menschheit, die vorher auf der B\u00fchne thematisiert wurden. Aber auch Kieselsteine im Schuh dr\u00fccken. Auch diese Sorge wurde erh\u00f6rt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Rezension von Lynn Sophie Guldin \/ Red. DAS OPERNMAGAZIN<\/strong><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.semperoper.de\/spielplan\/stuecke\/stid\/parsifal\/62480.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Semperoper Dresden \/ St\u00fcckeseite<\/a><\/li>\n<li>Titelfoto: Semperoper\/PARSIFAL\/Eric Cutler (Parsifal), Kinderkomparse, Mich\u00e8le Losier (Kundry)\/Foto:\u00a9 Semperoper Dresden\/Jochen Quast<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Semperoper\/PARSIFAL\/Georg Zeppenfeld (Gurnemanz), Mich\u00e8le Losier (Kundry)\/Foto:\u00a9 Semperoper Dresden\/Jochen Quast In Dresden taucht passend zum musikalischen Karfreitagszauber der Fr\u00fchling&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":905307,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1835],"tags":[198687,120348,127219,3364,29,2386,198688,198689,133887,30,198690,133891,198691,127225,198692,198693,38190,859,198694,198695,31043,127230,198696],"class_list":["post-905306","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-dresden","tag-albert-dohmen","tag-daniele-gatti","tag-das-opernmagazin-semperoper","tag-de","tag-deutschland","tag-dresden","tag-eric-cutler","tag-floris-visser","tag-georg-zeppenfeld","tag-germany","tag-leander-wilde","tag-lynn-sophie-guldin-das-opernmagazin","tag-michele-losier","tag-oleksandr-pushniak","tag-parsifal","tag-parsifal-semperoper","tag-richard-wagner","tag-sachsen","tag-saechsischen-staatskapelle","tag-scott-hendricks","tag-semperoper","tag-semperoper-dresden","tag-semperoper-parsifal"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116311563404017302","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/905306","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=905306"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/905306\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/905307"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=905306"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=905306"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=905306"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}