{"id":905330,"date":"2026-03-29T08:51:17","date_gmt":"2026-03-29T08:51:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/905330\/"},"modified":"2026-03-29T08:51:17","modified_gmt":"2026-03-29T08:51:17","slug":"lost-places-in-stuttgart-tennis-ist-auf-diesen-sandplaetzen-nur-noch-ein-mythos-mit-einer-ausnahme","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/905330\/","title":{"rendered":"Lost Places in Stuttgart: Tennis ist auf diesen Sandpl\u00e4tzen nur noch ein Mythos \u2013 mit einer Ausnahme"},"content":{"rendered":"<p>Die elf Tennispl\u00e4tze in Stuttgart-Sonnenberg liegen seit Jahren brach. Was dort eigentlich geplant ist, kommt nicht in die G\u00e4nge. Warum l\u00e4sst die Stadt ihr Grundst\u00fcck verwildern?<\/p>\n<p> Auf den Feldern zwischen M\u00f6hringen und Sonnenberg kann man wundersch\u00f6ne Spazierg\u00e4nge machen. Doch wer etwas vom Weg abkommt, der landet kurz vor Beginn des Haldenwaldes auf einem von Pflanzen wild \u00fcberwucherten Gel\u00e4nde, das gr\u00f6\u00dftenteils noch von einem gr\u00fcnen, knapp vier Meter hohen Zaun umrandet ist. <\/p>\n<p>Dass es sich \u2013 wie vermutet \u2013 tats\u00e4chlich um eine stillgelegte Tennisanlage handelt, auf der bis vor einigen Jahren noch die gelbe Filzkugel hin- und herflog, wird nach wenigen Metern klar: Netzpfosten, Flutlichtmasten, Bew\u00e4sserungsschl\u00e4uche und jede Menge wei\u00dfer Plastikstr\u00e4nge, die einst die Spielfelder markierten. <\/p>\n<p>Was ist hier in den vergangenen Jahren passiert oder besser gesagt nicht passiert? Ein Spazierg\u00e4nger, ausgestattet mit einer gro\u00dfen Kamera, gibt Nachhilfe \u00fcber einen sehr speziellen Lost Place, wie es in der Landeshauptstadt wohl keinen zweiten gibt. Ja, er wohne in der Nachbarschaft und interessiere sich f\u00fcr das Grundst\u00fcck. Aber nur, was die Entwicklung von Mutter Natur angehe. Das werde fotografiert und schriftlich festgehalten. <\/p>\n<p>Und die Natur hat in den vergangenen Jahren ganze Arbeit geleistet und sich St\u00fcck f\u00fcr St\u00fcck zur\u00fcckgeholt, was Menschen ihr einst vor Jahrzehnten abgerungen hatten: eine Tennisanlage mit elf Pl\u00e4tzen, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Vereinsheim\" title=\"Vereinsheim\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Vereinsheim<\/a> und Parkplatz. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/media.media.e1ee1bcc-c72b-448a-a95d-683bec989fa9.original1024.media.jpeg\"\/>     Stuttgarter Ex-Tennisplatz. \u00dcberall liegen noch Wasserschl\u00e4uche herum.    Foto: Uli Nagel    <\/p>\n<p>Laut Archiv soll die Anlage im Jahr 1961 von der Familie Weinberger gebaut worden sein, die damals schon das Potenzial des Sports erkannt hatte. Ihr Ziel: Tennis f\u00fcr jedermann zug\u00e4nglich und erschwinglich zu machen und somit als Volkssport zu etablieren. <\/p>\n<p>Tennis war damals noch eine elit\u00e4re Veranstaltung in Stuttgart <\/p>\n<p>Damals war Tennis noch eine ziemlich elit\u00e4re Veranstaltung, die Mitgliedschaft in einem Verein und somit auch das Spielen teilweise nur \u00fcber B\u00fcrgen und horrende Jahresbeitr\u00e4ge m\u00f6glich. Die Weinbergersche Tennisoffensive in Stuttgart nahm also in Sonnenberg ihren Anfang, im Lauf der Zeit kamen noch Pl\u00e4tze in Stammheim, Hofen und Ostfildern hinzu.<\/p>\n<p>Doch der Tennisboom, der vor allem durch Boris Becker und Steffi Graf in den 80er- und 90er-Jahren ausgel\u00f6st worden war, lie\u00df irgendwann nach. 2019 war endg\u00fcltig Schluss. Die Familie Weinberger, die auch <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.sonnenberg-brand-zerstoert-gaststaette-der-tennisanlage.c4a2a6fe-afd8-46c3-bf10-6fd311db12a8.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">den Brand der beliebten Sportgastst\u00e4tte Schwabenh\u00e4usle samt Umkleider\u00e4ume und Duschen im Jahr 2014<\/a> wirtschaftlich \u00fcberstanden hatte, gab auf. <\/p>\n<p> Pl\u00e4ne wurden im Bezirksbeirat von Stuttgart-M\u00f6hringen pr\u00e4sentiert <\/p>\n<p>\u201eNach reiflicher \u00dcberlegung haben wir uns entschieden, die Tennisanlage ab 2019 nicht weiter zu betreiben. Wir schauen auf 57 sch\u00f6ne und ereignisreiche, aber auch sehr arbeitsintensive Jahre zur\u00fcck. Wir haben hier wirklich Einzigartiges erlebt. Gerade auch als uns das Schicksal mit dem <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Brand\" title=\"Brand\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Brand<\/a> nicht hold war, haben wir unheimlich viel Anteilnahme und Soforthilfe erfahren d\u00fcrfen\u201c, lauteten die r\u00fchrenden Abschiedszeilen auf der Homepage. <\/p>\n<p>Das war auch gleichzeitig der Abschied des Tennissports aus Sonnenberg. Die Stadt als Eigent\u00fcmerin des Gel\u00e4ndes hatte andere Pl\u00e4ne. 400\u2009000 Euro standen damals f\u00fcr die Reaktivierung der Fl\u00e4che zur Verf\u00fcgung, und 2021 stellten Vertreter des Sportamts erste Ideen im Bezirksbeirat M\u00f6hringen vor. Eine sportliche Nutzung war klar, aber eine, von der vor allem Kinder und Jugendliche profitieren sollten. Denn f\u00fcr sie gibt es in Sonnenberg wenig bis gar nichts. So wurde auch die Idee eines Pumptracks geboren, also einer Wellenstrecke f\u00fcr Radfahrer. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/media.media.a308671c-8ee9-4711-9cf7-a4c60f759e9d.original1024.media.jpeg\"\/>     Anwohner richten jedes Jahr einen Platz in Stuttgart-Sonnenberg her.    Foto: Uli Nagel    <\/p>\n<p> Eine B\u00fcrgerbeteiligung, bei der Jugendliche sich ebenfalls einbringen konnten, fand genauso statt wie Gespr\u00e4che mit Vereinen und dem angrenzenden Jugendheim Sonnenberg. Zudem gab es einen Vorentwurf eines Landschaftsarchitekten, Boden- und L\u00e4rmgutachten sowie Grundst\u00fccksvermessungen.<\/p>\n<p> Anwohner bef\u00fcrchten mehr L\u00e4rm <\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Nachbarschaft mehr Radfahrer, L\u00e4rm und M\u00fcll bef\u00fcrchtete und dem Vorhaben kritisch gegen\u00fcberstand, gab es gr\u00fcnes Licht vom B\u00fcrgerverein Sonnenberg. Ziel war es, dass Projekt 2023 auf die Baustelle zu bringen. Jetzt schreiben wir 2026. Die B\u00fcsche und B\u00e4ume werden immer gr\u00f6\u00dfer und dichter, der Zustand des Gel\u00e4ndes immer wilder \u2013 bis auf einen Platz. Der wird von den Anwohnern w\u00e4hrend der Freiluftsaison immer mit viel Enthusiasmus zu ihrem privaten Center Court hergerichtet. Spiel, Satz und Sieg. Aber wie lange noch? <\/p>\n<p> Artenschutzgutachten existiert bereits <\/p>\n<p>Laut dem Stuttgarter Amt f\u00fcr Sport und Bewegung, das als Fl\u00e4cheneigent\u00fcmerin gemeinsam mit dem Garten, Friedhofs- und Forstamt die Entwicklung der ehemaligen Tennisanlage betreut, wurde f\u00fcr die Fl\u00e4che bereits ein artenschutzrechtliches Gutachten erstellt und vor einem Jahr eine Bauvoranfrage gestellt. Da sie sich planungsrechtlich jedoch im Au\u00dfenbereich befindet, ist eine Bebauung oder Umnutzung schwierig, zumal f\u00fcr das Gel\u00e4nde mittlerweile naturschutzrechtliche Einschr\u00e4nkungen bestehen. Unter anderem durch das Vorkommen gesch\u00fctzter Pflanzen. <\/p>\n<p> Kein Geld f\u00fcr Gel\u00e4ndepflege <\/p>\n<p>\u201eSogenannte Pionierpflanzen wie das Weider\u00f6schen breiten sich sehr schnell aus, wenn keine Sportnutzung mehr auf einer Anlage stattfindet\u201c, sagt Oliver Hillinger, Sprecher der Stadt. Um Grundst\u00fccke wie die Tennisanlage in Sonneberg \u00fcber viele Jahre zu pflegen und frei von Pionierpflanzen zu halten, fehlen dem Amt f\u00fcr Sport und Bewegung das n\u00f6tige Geld. \u201eAktuell pr\u00fcft die Stadt, ob Teilfl\u00e4chen, die davon nicht betroffen sind, grunds\u00e4tzlich bebaut oder f\u00fcr Sport- und Bewegungsangebote genutzt werden k\u00f6nnten\u201c, sagt Oliver Hillinger. Hierzu bedarf es noch weiterer stadtinterner Abstimmungen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die elf Tennispl\u00e4tze in Stuttgart-Sonnenberg liegen seit Jahren brach. 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