{"id":90556,"date":"2025-05-07T03:02:22","date_gmt":"2025-05-07T03:02:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/90556\/"},"modified":"2025-05-07T03:02:22","modified_gmt":"2025-05-07T03:02:22","slug":"polizeiakte-enthuellt-neue-details-ueber-auschwitz-arzt-mengele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/90556\/","title":{"rendered":"Polizeiakte enth\u00fcllt neue Details \u00fcber Auschwitz-Arzt Mengele"},"content":{"rendered":"<p class=\"metatextline\">Stand: 06.05.2025 13:24 Uhr<\/p>\n<p class=\"textabsatz columns twelve  m-ten  m-offset-one l-eight l-offset-two\">\n        <strong>Der NS-Verbrecher Josef Mengele konnte jahrzehntelang in Argentinien und Brasilien in Freiheit leben. Eine bislang verschollene Polizeiakte zeigt nun, wie er sich der Strafverfolgung entziehen konnte. <\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Christian Bergmann, MDR\n                        <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nReporter von MDR investigativ haben im Rahmen einer Recherche eine bislang als verschollen geltende Polizeiakte \u00fcber den NS-Verbrecher Josef Mengele aufgesp\u00fcrt. Die Dokumente, die offensichtlich aus dem Archiv der argentinischen Bundespolizei stammen, enthalten brisante Hinweise auf Mengeles Aufenthalte nach dem Zweiten Weltkrieg &#8211; und erweitern bisherige Erkenntnisse \u00fcber seine Flucht und das internationale Fahndungsinteresse. Die Akte soll nach MDR investigativ-Information im Jahr 2002 aus dem Archiv verschwunden sein.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAus den Dokumenten geht hervor, dass Josef Mengele im Februar 1959 in die Bundesrepublik Deutschland einreisen wollte. So findet sich in der Akte ein entsprechender Antrag an die argentinischen Beh\u00f6rden, der bislang nicht dokumentiert war.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Die Akte gibt Aufschluss dar\u00fcber, wie Mengele sich der Strafverfolgung entziehen konnte.\n                    <\/p>\n<p>    &#8222;Akte erweitert unseren Kenntnisstand&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer renommierte Zeithistoriker und NS-Forscher Bogdan Musial hat Kopien der Akte eingehend gepr\u00fcft und bewertet sie als authentisch. &#8222;Diese Akte erweitert unseren Kenntnisstand. Es zeigt sich, dass mehrere Staaten offenbar \u00fcber genauere Hinweise verf\u00fcgten als bisher angenommen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Was interessant ist, ist dass er im Februar 1959 diese Reise nach Westdeutschland beantragt und das mit seinem richtigen Namen. Wir wissen, dass es diese Ger\u00fcchte gab, wir wissen auch, dass 1959 sein Vater krank war. Das passt. Und hier ist best\u00e4tigt, dass er die Absicht hatte hinzufahren als Josef Mengele. Das zeigt, dass er sich sicher f\u00fchlte. Er sagte, seine Identit\u00e4t ist echt, ich f\u00fchle mich sicher und fahre sogar nach Deutschland, um meinen Vater zu besuchen.&#8220; Bisher habe es dazu nur unbest\u00e4tigte Zeugenaussagen gegeben, so Musial gegen\u00fcber MDR Investigativ.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Historiker Musial: Akte zeigt, dass Mengele sich sicher f\u00fchlte.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAuf die Frage, ob Mengele tats\u00e4chlich noch einmal in Deutschland gewesen ist, teilte das Ausw\u00e4rtige Amt gegen\u00fcber MDR investigativ mit: &#8222;Dem Ausw\u00e4rtigen Amt liegen keine Informationen dar\u00fcber vor, ob Josef Mengele tats\u00e4chlich in die Bundesrepublik Deutschland gereist ist.&#8220;<\/p>\n<p>    Selektionen und grausame Experimente<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDer Zweite Weltkrieg ist vor fast genau 80 Jahren &#8211; am 8. Mai &#8211; zu Ende gegangen. Zudem bedeutet dieses Datum, das Ende des Holocausts &#8211; dem Mord an sechs Millionen Juden. Im Zentrum davon: Auschwitz-Birkenau. Dort wurden \u00fcber eine Millionen Menschen get\u00f6tet. In diesem KZ wirkte Mengele als Lagerarzt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMengele war f\u00fcr die Selektion verantwortlich, das hei\u00dft, er w\u00e4hlte unter den H\u00e4ftlingen aus, wer arbeiten oder seinen medizinischen Versuchen dienen musste, durfte leben, die \u00fcbrigen wurden sofort get\u00f6tet. Ber\u00fcchtigt war Mengele f\u00fcr seine Experimente an Zwillingen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAnfang 1945 wurde das Konzentrationslager von der Roten Armee befreit. Kurz darauf tauchte Mengele unter. Bereits im Mai 1945 wurde er von den Alliierten wegen Massenmords zur Fahndung ausgeschrieben. Wie viele andere NS-Verbrecher nutzte er das Chaos der Nachkriegszeit und floh 1949 nach Argentinien.<\/p>\n<p>    Wer hat Mengele in Argentinien den Tipp zur Flucht gegeben?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nZahlreiche gesuchte NS-Verbrecher flohen nach S\u00fcdamerika. Argentinien konzentrierte sich &#8211; wie viele westliche Staaten &#8211; fr\u00fch auf den Kampf gegen den Kommunismus. Nazis galten als willkommene Verb\u00fcndete. &#8222;Alle Regierungen der damaligen Zeit nahmen deutsche Wissenschaftler auf&#8220;, sagt Ariel Gelblung vom Simon-Wiesenthal-Center in Buenos Aires. Seine Organisation sucht weltweit nach untergetauchten NS-T\u00e4tern. &#8222;Argentinien wollte das Gleiche tun.&#8220;<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Nazis galten nach dem Zweiten Weltkrieg als willkommene Verb\u00fcndete, sagt Ariel Gelblung vom Simon-Wiesenthal-Center.\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nBis heute ist unklar, ob Mengele in Argentinien tats\u00e4chlich wissenschaftlich t\u00e4tig war. Finanziell war er abgesichert &#8211; seine wohlhabende Familie unterst\u00fctzte ihn. Er lebte komfortabel in einer Villa in einem der besten Viertel von Buenos Aires. Es gab offenbar keinen Anlass zur Flucht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch Mengele soll Ende der 1950er-Jahre einen Hinweis erhalten haben, dass man ihm auf der Spur sei. Er war Teil eines Netzwerks ehemaliger Nazis, die sich gegenseitig unterst\u00fctzten. W\u00e4hrend er sich 1959 nach Paraguay absetzte, blieb Adolf Eichmann &#8211; einer der Hauptorganisatoren des Holocaust &#8211; in Buenos Aires.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nEichmann wurde das zum Verh\u00e4ngnis. Der israelische Geheimdienst Mossad sp\u00fcrte ihn auf, entf\u00fchrte ihn und brachte ihn nach Israel, wo er vor Gericht gestellt, zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Josef Mengele dagegen konnte in Freiheit weiterleben &#8211; zun\u00e4chst in Paraguay, sp\u00e4ter in Brasilien.<\/p>\n<p>    Der Inhalt der Polizeiakte: Reiseaktivit\u00e4ten und Hinweise<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">MDR Investigativ konnte sie bei einem Sammler sichten und fotografieren: &#8222;Diese Dokumente stammen aus den Best\u00e4nden der argentinischen Bundespolizei&#8220;, sagt der Sammler, der anonym bleiben m\u00f6chte. &#8222;Hier steht geschrieben, wie die Dinge passiert sind, mit genauen Fakten und Daten.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDie Akte war nach Informationen von MDR Investigativ vor \u00fcber 20 Jahren verschwunden. Doch warum blieb sie so lange verborgen? Die Polizei wollte sich offenbar selbst sch\u00fctzen, erkl\u00e4rt Professor Daniel Feierstein vom Center for Genocide Studies in Buenos Aires \u00fcberzeugt. &#8222;Vor der Entf\u00fchrung von Eichmann haben die Deutschen erstmals Informationen nach Argentinien geschickt und um Josef Mengeles Auslieferung gebeten.&#8220; Doch als die argentinischen Sicherheitskr\u00e4fte eintrafen, war Mengele bereits geflohen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\n&#8222;Er wurde sogar zweimal gewarnt&#8220;, sagt Feierstein. Es bestehe der Verdacht, dass die Hinweise aus Polizeikreisen selbst kamen. Eine interne Untersuchung sei eingeleitet worden. &#8222;Diese interne Untersuchung war geheim und wurde aus den Akten entfernt.&#8220;<\/p>\n<p>    Der Umgang der deutschen Beh\u00f6rden mit Mengele<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nIn verschiedenen Archiven in Buenos Aires gibt es nach Recherchen von MDR Investigativ keine Kopien der aufgesp\u00fcrten Polizeiakte. Aber es finden sich identische Textausz\u00fcge in anderen Dokumenten &#8211; ein Beleg, dass die Akte offenbar echt ist.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAus Akten des deutschen Au\u00dfenministeriums geht hervor, dass die Bundesrepublik erst Ende 1959 einen Auslieferungsantrag an Argentinien f\u00fcr Mengele stellte. Drei Jahre zuvor hatte er noch mit seinem echten Namen in der deutschen Botschaft einen Reisepass beantragt.<\/p>\n<p>    Argentinische Polizei kannte offenbar Mengeles Aufenthaltsorte<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nAus der Akte geht au\u00dferdem hervor, dass die argentinische Polizei offenbar bereits im Januar 1960 informiert wurde, dass Mengele nach Paraguay geflohen war. &#8222;Das ist interessant, dass Argentinien gewusst hat, wo er ist. Das wusste ich auch nicht&#8220;, sagt Experte Musial.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nNoch im selben Jahr floh Mengele weiter nach Brasilien. Aus der Akte geht hervor, dass die brasilianische Polizei bereits ab 1963 alle Daten \u00fcber Mengele, wie Fingerabdr\u00fccke und Fotos, von der argentinischen Polizei anforderte. Offenbar hatte die brasilianische Polizei den konkreten Verdacht, dass sich Mengele im Land aufhielt.<\/p>\n<p>    Kritiker werfen Deutschland mangelhafte Aufarbeitung vor<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDoch was wussten die Beh\u00f6rden in Deutschland? Der Auslandsgeheimdienst BND hatte mit Unterst\u00fctzern von Mengele zusammengearbeitet und gibt bis heute nur sehr eingeschr\u00e4nkt Akten dazu frei. Auf Anfrage teilt der Bundesnachrichtendienst mit: &#8222;Zu Akten \u00fcber (\u2026) Kriegsverbrecher oder NS-Belastete in S\u00fcdamerika gab es bereits Akteneinsichten durch Wissenschaftler und Medienschaffende. Es l\u00e4sst sich nicht pauschal beantworten, wann welche Akten freigegeben werden (\u2026).&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nKritiker werfen dem Staat bis heute vor: Die Aufarbeitung der Zusammenarbeit und die Verbindungen zu NS-Kriegsverbrechern sei mangelhaft &#8211; oder sogar, dass der deutsche Staat versagt habe.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nDa widerspricht allerdings Historiker Musial: &#8222;Versagen w\u00fcrde bedeuten, wenn der Staat wirklich h\u00e4tte verfolgen wollen. Doch bei Mengele ist zu sehen, dass der Wille eigentlich nicht da war.&#8220; Deshalb habe der Staat nicht versagt. &#8222;Im Gegenteil: Sie hatten Erfolg damit. Denn das Ziel war eben, nicht zu verfolgen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">\nMengele lebte bis zu seinem Tod 1979 unter falschem Namen in Brasilien. Erst 1985 wurde sein Grab entdeckt. Die wiederentdeckte Polizeiakte wirft nun neue Fragen auf &#8211; zur Mitverantwortung von Argentinien, Brasilien und Deutschland bei der gescheiterten Verfolgung eines der grausamsten NS-Verbrecher.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mehr zu diesem Thema sehen Sie heute um 21:45 Uhr bei FAKT im Ersten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stand: 06.05.2025 13:24 Uhr Der NS-Verbrecher Josef Mengele konnte jahrzehntelang in Argentinien und Brasilien in Freiheit leben. 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