{"id":906353,"date":"2026-03-29T18:49:24","date_gmt":"2026-03-29T18:49:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/906353\/"},"modified":"2026-03-29T18:49:24","modified_gmt":"2026-03-29T18:49:24","slug":"housing-action-days-obdachlose-in-berlin-der-winter-war-hart","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/906353\/","title":{"rendered":"Housing Action Days \u2013 Obdachlose in Berlin: \u00bbDer Winter war hart\u00ab"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t<img decoding=\"async\" id=\"img320119\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/320119.jpeg\" alt=\"Bis zu 300\u2005Menschen kamen im Laufe der Mahnwache vorbei. Bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt blieben aber nur einzelne \u00fcber Nacht.\"\/><\/p>\n<p>Bis zu 300\u2005Menschen kamen im Laufe der Mahnwache vorbei. Bei Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt blieben aber nur einzelne \u00fcber Nacht.<\/p>\n<p>Foto: B\u00fcndnis gegen Obdachlosigkeit und Zwangsr\u00e4umungen<\/p>\n<p>Der Boden ist noch nass auf dem Platz gegen\u00fcber dem Roten Rathaus, kurz hatte es stark geregnet. Jetzt strahlt die Sonne auf die B\u00fchne, auf der Faysal einen Redebeitrag h\u00e4lt. Es ist die j\u00e4hrliche Mahnwache gegen <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198528.obdachlosigkeit-berlin-keine-wohnung-kein-schutz-vor-gewalt.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198528.obdachlosigkeit-berlin-keine-wohnung-kein-schutz-vor-gewalt.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Obdachlosigkeit<\/a> und <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198485.prenzlauer-berg-berlin-mieter-sehen-verdraengung-durch-moebliertes-wohnen.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198485.prenzlauer-berg-berlin-mieter-sehen-verdraengung-durch-moebliertes-wohnen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Zwangsr\u00e4umungen<\/a>, die von Donnerstagmittag bis Freitagmorgen vor dem Berliner Regierungssitz stattgefunden hat.<\/p>\n<p>\u00bbIn Berlin gibt es mindestens zwei Pl\u00e4tze, auf denen Familien mit Kindern drau\u00dfen schlafen\u00ab, beschreibt Faysal das Ausma\u00df von Obdachlosigkeit in der Hauptstadt. Er ist 16\u2005Jahre alt und schon seit einigen Jahren bei der Initiative Radtour f\u00fcr obdachlose Menschen dabei. Junge Menschen auf der Stra\u00dfe zu sehen, schockiere ihn besonders.<\/p>\n<p>Faysal selbst war mit seiner Familie vor ein paar Jahren kurz obdachlos gewesen. Die afghanischen Gefl\u00fcchteten mussten von Hotelzimmer zu Hotelzimmer umziehen, weil es in den Unterk\u00fcnften des Landesamtes f\u00fcr Fl\u00fcchtlingsangelegenheiten keinen Platz f\u00fcr sie gab. Einmal musste Faysal mit seinen Eltern und Geschwistern \u00fcber Nacht drau\u00dfen auf der Stra\u00dfe schlafen. Jetzt ist der 16-J\u00e4hrige aktiv, um andere Menschen in einer solchen Situation zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>Etwa 50 Personen mit und ohne Wohnung h\u00f6ren Faysal auf der Mahnwache zu oder informieren sich an einem der Infotische \u00fcber die Situation obdachloser Menschen und \u00fcber Unterst\u00fctzungsangebote. Die Union f\u00fcr Obdachlosenrechte zum Beispiel hat eine Beschwerdestelle aufgebaut; dort k\u00f6nnen Menschen etwa Berichte \u00fcber Gewalt oder Diskriminierung einreichen, die sie in Unterk\u00fcnften oder auf der Stra\u00dfe erfahren haben. Diese sollen schlie\u00dflich dem Berliner Polizeibeauftragten, der Landesantidiskriminierungsstelle und den Berliner Registern \u00fcbergeben werden.<\/p>\n<blockquote class=\"wp-block-quote\"><p>&#13;<\/p>\n<p>\u00bbIch m\u00f6chte von der Stra\u00dfe runter, aber in Berlin gibt es ja nichts.\u00ab<\/p>\n<p>&#13;<br \/>\nNicki<\/p><\/blockquote>\n<p>Zur Mahnwache ist auch Nicki gekommen. Sie findet die Aktion f\u00fcr Obdachlose vor dem Roten Rathaus gut. \u00bbIch bin selbst obdachlos und freue mich, dass es so was wie hier gibt\u00ab, sagt sie zu \u00bbnd\u00ab. Seit drei Jahren lebt Nicki auf der Stra\u00dfe und m\u00f6chte dringend etwas an ihrer Situation \u00e4ndern. \u00bbIch kann das bald nicht mehr\u00ab, sagt sie. Den Winter \u00fcber hat sie nachts in einer K\u00e4ltehilfe-Not\u00fcbernachtung verbracht, doch diese schlie\u00dfe jetzt. Dann m\u00fcsse sie in Treppenh\u00e4usern schlafen.<\/p>\n<p>\u00bbIch m\u00f6chte von der Stra\u00dfe runter, <a data-id=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198571.stadtentwicklung-berlin-mit-rollkoffern-gegen-ferienwohnungen.html\" data-type=\"link\" href=\"https:\/\/www.nd-aktuell.de\/artikel\/1198571.stadtentwicklung-berlin-mit-rollkoffern-gegen-ferienwohnungen.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">aber in Berlin gibt es ja nichts<\/a>\u00ab, sagt Nicki. Ihr sei aufgefallen, dass Obdachlosigkeit in Berlin stark zugenommen habe. \u00bbDas tut mir in der Seele weh.\u00ab Nicki hat das Gef\u00fchl, dass es niemanden gebe, der Menschen wie ihr in solchen Notsituationen helfe: \u00bbHier ist man aufgeschmissen.\u00ab Mitarbeiter*innen von Gangway, einem Verein f\u00fcr Stra\u00dfen-Sozialarbeit, sind auch auf der Mahnwache pr\u00e4sent. Sie kommen mit Nicki ins Gespr\u00e4ch und vereinbaren einen Termin, um ihre Situation zu besprechen und vielleicht doch einen Weg zu finden, um aus der Obdachlosigkeit herauszukommen.<\/p>\n<p>Berlin hat sich, einem EU-Beschluss folgend, zum Ziel gemacht, Obdachlosigkeit bis 2030 zu beenden. Dar\u00fcber k\u00f6nnen die Anwesenden der Mahnwache nur zynisch lachen. Es passiere n\u00e4mlich nichts, um dieses Ziel tats\u00e4chlich zu erreichen, sagt ein Redner auf der B\u00fchne. Stattdessen werde die Wohnungsnot in Berlin gr\u00f6\u00dfer. \u00bbDie H\u00e4user denen, die sie brauchen\u00ab, rufen die Teilnehmer*innen der Mahnwache in Richtung Rotes Rathaus.<\/p>\n<p>Mitarbeiter*innen des Unterschlupfs, eines Tagestreffs f\u00fcr obdachlose Frauen, sind auch zur Mahnwache gekommen. \u00bbWir begleiten Frauen in der Obdachlosigkeit\u00ab, sagt Michaela zu \u00bbnd\u00ab. In der Arbeit beim Unterschlupf sei in diesem Winter besonders aufgefallen, dass ob der sehr niedrigen Temperaturen auch Frauen nachts in Unterk\u00fcnften blieben, die dies in den vorherigen Jahren lieber vermieden hatten, weil sie nicht mit so vielen Menschen auf engem Raum sein wollen. \u00bbDer Winter war hart\u00ab, sagt Michaela. Im Unterschlupf habe man gemerkt, dass die R\u00e4ume in diesem Winter voller waren als in den Jahren zuvor.<\/p>\n<p>Auch Gewalt gegen obdachlose Menschen habe zugenommen. \u00bbFrauen mit gebrochener Nase kamen zu uns.\u00ab Das sei auch ein Grund, warum viele nicht mehr drau\u00dfen schlafen wollen. Der Unterschlupf selbst sucht weiterhin nach neuen R\u00e4umen, berichtet Michaela. Aus den jetzigen in der Wrangelstra\u00dfe in Kreuzberg m\u00fcsse man raus, weil das Haus abgerissen werden soll. Wann das passiere, sei noch nicht klar.<\/p>\n<p>Im Verlauf des Donnerstags kamen bis zu 300\u2005Menschen zur Mahnwache vor dem Roten Rathaus, sagt Nicole Lindner vom B\u00fcndnis gegen Obdachlosigkeit und Zwangsr\u00e4umungen am n\u00e4chsten Morgen zu \u00bbnd\u00ab. Vor allem w\u00e4hrend der Konzerte am Abend sei es voll gewesen auf dem Kundgebungsplatz. \u00bbIch glaube, dass sich Menschen ohne Zuhause gesehen und geh\u00f6rt gef\u00fchlt haben.\u00ab Einige h\u00e4tten die M\u00f6glichkeit des \u00bbOffenen Mikrofons\u00ab genutzt, um ihre Situation zu schildern.<\/p>\n<p>Politiker*innen vom Berliner Senat seien leider nicht zur Kundgebung dazugekommen, um sich mit den Problemen obdachloser Menschen auseinanderzusetzen, bedauert Lindner. Aber Katina Schubert von der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus und Heike Heubach von der SPD-Bundestagsfraktion h\u00e4tten die Mahnwache besucht.<\/p>\n<p>\u00dcber Nacht, bei Temperaturen um den Gefrierpunkt, seien schlie\u00dflich acht Menschen geblieben. \u00bbEs war eine harte Nacht\u00ab, so Lindner. Trotzdem freut sie sich dar\u00fcber, dass sich viele Vereine und Initiativen an der Mahnwache beteiligt haben, und hofft, dass n\u00e4chstes Jahr noch mehr Unterst\u00fctzer*innen mitmachen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bis zu 300\u2005Menschen kamen im Laufe der Mahnwache vorbei. 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