{"id":909403,"date":"2026-03-31T00:35:22","date_gmt":"2026-03-31T00:35:22","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/909403\/"},"modified":"2026-03-31T00:35:22","modified_gmt":"2026-03-31T00:35:22","slug":"iranische-angriffe-auf-kurdistan-sie-wollen-sich-nicht-von-trump-ausnutzen-lassen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/909403\/","title":{"rendered":"Iranische Angriffe auf Kurdistan: Sie wollen sich nicht von Trump ausnutzen lassen"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">W\u00e4re Kaywan Muzfer Qader nicht von einer Rakete getroffen worden, h\u00e4tte er bald seinen ersten Hochzeitstag gefeiert. Kaywan war ein Peschmerga, ein K\u00e4mpfer im irakischen <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/kurdistan\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Kurdistan<\/a>. Doch gek\u00e4mpft hat er nie. Er wurde 21 Jahre alt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Wir sind umgeben von Feinden&#8220;, sagt Ahmed Muzfer Qader, der Vater von Kaywan und selbst ein Peschmerga. Er hat in den Siebzigerjahren mit den Iranern gegen die Truppen des irakischen Pr\u00e4sidenten Saddam Hussein gek\u00e4mpft. Dann, 2014, war er an der Seite der US-Amerikaner Teil der sogenannten Anti-IS-Koalition; damals erwischte der Splitter einer Artilleriegranate seinen R\u00fccken. Seitdem ist er von der H\u00fcfte an abw\u00e4rts gel\u00e4hmt. Er hat dem Freiheitskampf seinen K\u00f6rper geopfert \u2013 und jetzt seinen Sohn.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Stolz sei er, sagt er, auf dem Bauch liegend in seinem Zuhause in den H\u00fcgeln \u00fcber Soran. Die Stadt liegt im Nordwesten Kurdistans, knapp 30 Kilometer von der Grenze zum <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/iran\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Iran<\/a> entfernt. Ahmed ist 55 Jahre alt, er hat kurz geschorenes Haar und einen entschlossenen Blick. Jetzt ruht er f\u00fcr einen Moment aus, Mittagspause von der langen Trauerfeier. Es ist der Tag der Beerdigung seines Sohns. Er selbst, sagt Ahmed, habe seinen Sohn vor drei Jahren zum Registrierungsb\u00fcro der Peschmerga gebracht, den bewaffneten Einheiten, die jede kurdische Partei unterh\u00e4lt.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Kaywan sei immer gro\u00dfz\u00fcgig und bescheiden gewesen, habe sich nie aus der Ruhe bringen lassen, sagt Ahmed. Jetzt ist er ein M\u00e4rtyrer. Der Iran hatte die Rakete abgefeuert, die ihn traf, und zwei Tage sp\u00e4ter mitgeteilt, dieser Angriff sei ein &#8222;bedauerlicher Fehler&#8220; gewesen.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Sie l\u00fcgen&#8220;, sagt Ahmed. &#8222;Sie wollen uns Kurden ausl\u00f6schen.&#8220;\u00a0Aber er sagt auch, dass der Irankrieg ein Krieg der <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/usa\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">USA<\/a> und Israels sei. &#8222;Das ist nicht unser Kampf.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Trotzdem betrifft der Irankrieg auch die Kurden im <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/irak\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Irak<\/a>, ob Ahmed Qader das will oder nicht. Sein Sohn ist einer von sechs get\u00f6teten K\u00e4mpfern, die vergangene Woche von Raketen aus dem Iran getroffen wurden. Eine weitere Stufe der Eskalation.\n<\/p>\n<p>                            \u00a9\u00a0Lea Dohle<\/p>\n<p>\n                                        Newsletter<br \/>\n                                        Was jetzt? \u2013 Der t\u00e4gliche Morgen\u00fcberblick<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__text\">Starten Sie mit unserem kurzen Nachrichten-Newsletter in den Tag. Erhalten Sie zudem freitags das digitale Magazin ZEIT am Wochenende.<\/p>\n<p class=\"newsletter-signup__datapolicy\" hidden=\"\">\n            Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die <a href=\"https:\/\/datenschutz.zeit.de\/zon#Newsletter\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Datenschutzerkl\u00e4rung<\/a> zur Kenntnis.\n        <\/p>\n<p>    Vielen Dank! Wir haben Ihnen eine E-Mail geschickt.<\/p>\n<p>Pr\u00fcfen Sie Ihr Postfach und best\u00e4tigen Sie das Newsletter-Abonnement.<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Denn der Krieg weitet sich aus. Die Golfstaaten werden angegriffen, Israel und die Hisbollah bek\u00e4mpfen sich im Libanon, am vergangenen Wochenende stiegen auch die Huthis im Jemen in den Krieg ein. In der autonomen Region Kurdistan wie im ganzen Irak versuchen sie, sich so gut wie m\u00f6glich herauszuhalten. Doch das gelingt <a href=\"https:\/\/acleddata.com\/report\/conflict-iran-backed-factions-upending-us-iraq-exit-strategy\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">mit jedem Tag weniger<\/a>. Und US-Pr\u00e4sident Donald Trump hat seinen Anteil daran.\n<\/p>\n<p>                            Amerikanische Kampfjets \u00fcber Erbil, der Hauptstadt der autonomen Region Kurdistan im Irak            \u00a9\u00a0Hawre Khalid<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Am 4. M\u00e4rz berichtete <a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2026\/03\/04\/us\/politics\/kurds-trump-iran-war.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">die New York Times<\/a>, der US-amerikanische Auslandsnachrichtendienst CIA versorge wom\u00f6glich iranisch-kurdische K\u00e4mpfer mit Waffen, um sie dann im Krieg gegen das Regime in Teheran als Bodentruppen einzusetzen. Trump befand das \u00f6ffentlich f\u00fcr gut. Zwei Tage sp\u00e4ter sagte er das Gegenteil und mahnte, der Krieg sei kompliziert genug. Man wolle keine Einmischung durch die Kurden und ihre bewaffneten Einheiten. Die gerieten trotzdem unter Beschuss, aus dem Iran und durch proiranische Milizen im Irak. Entweder, so l\u00e4sst sich das deuten, hat Trump die Komplexit\u00e4t vor Ort untersch\u00e4tzt, oder sie war ihm egal.\n<\/p>\n<p>        Unterdr\u00fcckung, Trag\u00f6dien und Gewalt        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Geschichte der Kurden ist komplex, voller Trag\u00f6dien und Gewalt. Sie gelten mit 30 bis 40 Millionen Menschen als das gr\u00f6\u00dfte Volk der Welt ohne eigenen Staat, wurden immer wieder unterdr\u00fcckt. In der T\u00fcrkei hat die kurdische Arbeiterpartei PKK, die von mehreren L\u00e4ndern als Terrororganisation eingestuft wird, im vergangenen Mai ihre Aufl\u00f6sung angek\u00fcndigt. <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2025-11\/syrien-harasta-damaskus-lebensbedingungen-stadt\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">In Syrien<\/a> hat die Armee von <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-03\/staatsbesuch-ahmed-al-scharaa-syrien-berlin\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">\u00dcbergangspr\u00e4sident Ahmed al-Scharaa<\/a> erst im Dezember die kurdischen Truppen der SDF <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-01\/aleppo-gefechte-syrien-regierung-kurden-gefluechtete\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">gewaltsam auf Linie gebracht<\/a> und dabei deren Selbstverwaltungszone Rojava faktisch aufgel\u00f6st. Auch im Iran, wo die Kurden etwa zehn Prozent der Bev\u00f6lkerung ausmachen, werden sie unterdr\u00fcckt: damals <a href=\"https:\/\/www.washingtonpost.com\/opinions\/2026\/02\/28\/reza-pahlavi-iran-freedom-trump\/\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">vom Schah<\/a>, heute von den Mullahs. Im Irak haben sie sich immerhin eine autonome Region erstritten, ein fragiles Gebilde.\n<\/p>\n<p>                            Peschmerga beim Training im irakischen Kurdistan            \u00a9\u00a0Hawre Khalid<\/p>\n<p>                            Regelm\u00e4\u00dfig werden Camps der iranischst\u00e4mmigen kurdischen Oppositionsparteien im Irak angegriffen.            \u00a9\u00a0Hawre Khalid<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Peschmerga in Kurdistan werden jetzt angegriffen, obwohl sie keinen einzigen Fu\u00df in den Iran gesetzt und keine einzige Patrone abgefeuert haben. Sicher, diskutiert habe man dar\u00fcber, sagen ihre Parteikader und Kommandeure. Im Januar ging das los, parallel zu den Protesten im Iran, nachdem das iranische Regime die eigene Bev\u00f6lkerung auf den Stra\u00dfen niedergeschossen hatte. Da schlossen sich mehrere iranischst\u00e4mmige kurdische Oppositionsparteien, die im irakischen Kurdistan im Exil leben, zu einer Koalition zusammen. Zu der Koalition z\u00e4hlen etwa PAK, die PJAK, die KDPI sowie mehrere Parteien mit dem Namen Komala. Hinter jedem Namen und jeder Abk\u00fcrzung verbergen sich leicht unterschiedliche Ideologien und auch Standpunkte, wie man sich in diesem Konflikt verhalten solle.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Worauf sich die Koalition aber einigen konnte: Alle wollten die Demonstrierenden im Iran unterst\u00fctzen. Dann begannen die USA und Israel den Krieg, dann kamen Ger\u00fcchte auf, die USA wollten Peschmerga als Bodentruppen einsetzen. Anfangs l\u00f6ste das bei einigen der Parteien noch ein gewisses Interesse aus. Die Parteien \u00fcbertrumpften einander mit Aussagen dar\u00fcber, wie lange sie schon im Widerstand seien und wie viele K\u00e4mpfer sie im Iran h\u00e4tten.\n<\/p>\n<p>                        20 Minuten, dann wird es zu gef\u00e4hrlich            <\/p>\n<p>                            Rubar Laylaxi (rechts), 34, ist Kommandeurin bei der PAK.            \u00a9\u00a0Christian Vooren\/\u200bDIE ZEIT<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Zu den kampfeslustigsten der Oppositionsparteien z\u00e4hlt die PAK. Rubar Laylaxi ist Kommandeurin bei den PAK-Peschmerga. Frauen spielen traditionell eine wichtige Rolle in diesen Truppen, Gleichberechtigung war stets eine ihrer zentralen Forderungen. Das Treffen findet an einem Ort statt, der ein Camp der PAK war, in dem die Peschmerga ihre Familien unterbrachten. Jetzt ist es ein Tr\u00fcmmerhaufen, etwa eine halbe<br \/>\nAutostunde \u00f6stlich von Erbil.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">20 Minuten, sagt die 34-J\u00e4hrige gleich zur Begr\u00fc\u00dfung, l\u00e4nger k\u00f6nne hier niemand bleiben. 20 Minuten, dann werde es zu gef\u00e4hrlich. Wie gef\u00e4hrlich, das zeigt ein Blick \u00fcber das Gel\u00e4nde. \u00dcber Tr\u00fcmmer von H\u00e4usern, \u00fcber einen Krater, wo eine Rakete einschlug, ihre scharfkantigen \u00dcberreste stecken noch im Boden. Und \u00fcberall in den W\u00e4nden: daumen- bis faustgro\u00dfe L\u00f6cher, Treffer von Streumunition.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Raketen schlugen am 4. M\u00e4rz ein \u2013 dem Tag, an dem das Ger\u00fccht mit den Bodentruppen die Runde machte. Erst eine, dann noch eine, dann eine dritte. Wenige Sekunden lagen dazwischen. Kaum genug, um sich zu Boden zu werfen. Keinesfalls genug, sich in Sicherheit zu bringen. Drei Menschen wurden leicht verletzt, ein Mann starb bei dem Angriff.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Deshalb wurde das Camp ger\u00e4umt, deshalb auch die 20-Minuten-Regel. Wenn der Iran hier Bewegung bemerkt, f\u00fcrchten die Peschmerga, wird er wieder feuern. &#8222;Wir waren immer bereit f\u00fcr den Kampf&#8220;, sagt Laylaxi, ausgestattet mit Schussweste, Maschinengewehr und reichlich Ersatzmagazinen. &#8222;Wir sind es auch jetzt.&#8220; Es klingt, als w\u00fcrde die PAK mit ihrer Kommandeurin durchaus in den Iran einmarschieren wollen. Doch damit ist Laylaxi unter den Koalitionspartnern und bei der Mehrheit der kurdischen Bev\u00f6lkerung eher allein \u2013 und auch innerhalb ihrer Partei mittlerweile in der Minderheit.\n<\/p>\n<p>                            Zerst\u00f6rung im ehemaligen Camp der PAK nahe Erbil            \u00a9\u00a0Hawre Khalid<\/p>\n<p>        Jeder Angriff eine Warnung        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Eine halbe Stunde vom ehemaligen PAK-Camp entfernt liegt die Stadt Koya. Sie ist Zentrum f\u00fcr verschiedene Oppositionsparteien in Kurdistan. Schon von Weitem ist die schwarze Rauchs\u00e4ule zu sehen. Eine Drohne hat ein weiteres Peschmerga-Camp getroffen. Die Soldaten an einem Checkpoint, der nur wenige hundert Meter vom Camp entfernt liegt, sind nerv\u00f6s. Dann schl\u00e4gt noch eine Drohne ein. Es kracht. Mehr Rauch steigt auf.\n<\/p>\n<p>                            Rauch \u00fcber Koya, nachdem ein Peschmerga-Camp zweimal angegriffen wurde.            \u00a9\u00a0Christian Vooren\/\u200bDIE ZEIT<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Jeder dieser Angriffe ist eine Warnung an die Kurden, sich blo\u00df nicht in die Angelegenheiten des Iran  einzumischen. Und das zeigt Wirkung. Die PJAK lie\u00df mittlerweile \u00fcber Social Media wissen, <a href=\"https:\/\/x.com\/RojhelatInfo_En\/status\/2036388667145531605\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow\">sie lehne eine Zusammenarbeit mit den USA ab<\/a>. Und auch die anderen Parteien bem\u00fchen sich \u00fcberwiegend um Deeskalation.\n<\/p>\n<p>        Politik statt Kampf        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Im S\u00fcden von Kurdistan liegt die Stadt Suleimanija. In dieser Gegend sind die Verbindungen zum Iran oft noch enger als im Norden. Das Zagrosgebirge zwischen den beiden L\u00e4ndern flacht hier ein wenig ab, Menschen pendelten fr\u00fcher zwischen den L\u00e4ndern zur Arbeit, zu Verwandten oder Freunden. Seit Kriegsbeginn ist die Grenze weitgehend geschlossen. Iranische Spione halten sich auf irakischer Seite im Grenzgebiet auf, mutma\u00dflich um Bewegungen der Peschmerga zu beobachten. Manche in Kurdistan f\u00fcrchten, die Spione k\u00f6nnten auch Entf\u00fchrungen planen oder Anschl\u00e4ge vorbereiten.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Ein Camp der Komala, einer anderen iranischst\u00e4mmigen Oppositionspartei, befindet sich au\u00dferhalb von Suleimanija. Deren Generalsekret\u00e4r Hassan Rahmanpanah gibt sich alle M\u00fche, entschlossen zu klingen und gleichzeitig die eigenen Leute in Disziplin zu halten. Er tr\u00e4gt einen tiefblauen Pullover und ein Hemd darunter, alle anderen im Camp tragen Uniform.\n<\/p>\n<p>                            Ein Camp der Komala-Partei in Kurdistan            \u00a9\u00a0Hawre Khalid<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">&#8222;Wir bek\u00e4mpfen das Regime in Teheran seit 47 Jahren&#8220;, sagt er, aber jetzt sei nicht der Zeitpunkt, zu den Waffen zu greifen. Man wolle politische L\u00f6sungen, und vor allem m\u00fcssten sich die Menschen im Iran  selbst gegen das Regime stellen. Schon gar nicht wolle man sich von den USA ausnutzen lassen, damit h\u00e4tten die Peschmerga in der Vergangenheit schlechte Erfahrungen gemacht.\n<\/p>\n<p>                        Kein Vertrauen in die USA        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Denn in den Siebzigerjahren unterst\u00fctzten der Iran und die USA die Kurden im Kampf um Autonomie vom Irak, vor allem aber, um die dortige Regierung zu schw\u00e4chen. 1975 schlossen Teheran und Bagdad ein Abkommen, die Kurden waren die Verlierer. Nach dem Ende des Zweiten Golfkriegs 1991 rief wiederum US-Pr\u00e4sident Bush Senior die Kurden zum Widerstand gegen Saddam Hussein auf. Als der die Kurden daraufhin mit Bomben bewarf und Zehntausende t\u00f6tete, kam die Unterst\u00fctzung der USA vielen zu sp\u00e4t. Daran erinnern sie sich in Kurdistan gut.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Unruhe bricht im Camp aus. Alle raus! Drohnen n\u00e4hern sich. Schon wieder. Eine Einrichtung der Partei wurde erst in der Nacht zuvor angegriffen. Zu sehen ist nichts, der Himmel ist voller Regenwolken. Nur das Dr\u00f6hnen der Drohnen ist zu h\u00f6ren. Dann ein Krachen. Das wenige Kilometer entfernte Nachbarcamp wurde erneut angegriffen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Rahmanpanah sagt, der Iran werde diesen Krieg nicht verlieren. Er werde geschw\u00e4cht daraus hervorgehen, aber nicht geschlagen. Seine Idee von der Zukunft sei daher: Nachdem die K\u00e4mpfe enden, m\u00fcssten die Menschen im Iran durchatmen d\u00fcrfen. Anschlie\u00dfend w\u00fcrden sie sich gegen ein geschw\u00e4chtes Regime selbst  auflehnen. Das k\u00f6nne der Zeitpunkt sein, einzugreifen.\n<\/p>\n<p>                        Zur\u00fcckgekehrt, um zu helfen        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">So viel Geduld haben nicht alle in der Partei. Am n\u00e4chsten Morgen wird im Komala-Camp das Fest zum Ende des Ramadan begangen; Chiako Mohammadi und die meisten anderen haben traditionelle Peschmerga-Tracht angezogen, beige Overalls mit meist gebundenen Bauchgurten. Mohammadi f\u00fchrt vor dem Essen durchs Camp, zeigt die Baracken, solange keine Drohnen zu h\u00f6ren sind.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mohammadi ist 30 Jahre alt und spricht Deutsch. Er ist im Iran aufgewachsen und sp\u00e4ter mit seinen Eltern nach Kurdistan im Irak geflohen, nachdem sein Vater mehrere Jahre im Evin-Gef\u00e4ngnis in Teheran gewesen war. Dort werden politische Gefangene weggesperrt, gefoltert und hingerichtet. Die Wut auf das iranische Regime hat Mohammadi schon als Kind gelernt. Aber ihm fehlt, anders als dem Generalsekret\u00e4r, die Erfahrung, wie gef\u00e4hrlich es ist, sich mit dem Iran anzulegen.\n<\/p>\n<p>                            Chiako Mohammadi ist ein Peschmerga, der in Deutschland gelebt hat.            \u00a9\u00a0Christian Vooren\/\u200bDIE ZEIT<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Zwei Jahre lang hat Mohammadi mit seiner Frau in Niedersachsen gelebt, als Pflegehilfskraft gearbeitet. Sie ist noch dort, w\u00fcrde gern auch nach Kurdistan kommen, auch sie ist<br \/>\neine Peschmerga. Aber das ist nicht so leicht, der Luftraum im gesamten Nahen Osten ist nahezu geschlossen. Mohammadi ruft seine Frau per Video an. Hallo, ein kurzes Gespr\u00e4ch, dann zieht sie den Rei\u00dfverschluss ihres Anoraks zu und verabschiedet sich wieder. Sie hat einen Termin bei der Sparkasse.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mohammadi ging zur\u00fcck nach Kurdistan, als die Proteste im Iran begannen. Er habe helfen wollen, wenn es n\u00f6tig sei, sagt er. Nicht alle in Deutschland h\u00e4tten seine Entscheidung verstanden.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Auch Mohammadi glaubt, jetzt sei nicht der Zeitpunkt f\u00fcr die Peschmerga, in den Krieg einzusteigen. Nicht f\u00fcr die im Iran, schon gar nicht f\u00fcr die im Irak. Aber er hoffe, dass dieser Moment bald kommen werde, sagt er. Und das sagen auch andere im Camp. Mit jedem Angriff wird die Unruhe gr\u00f6\u00dfer, aber auch die Angst vor den Folgen.\n<\/p>\n<p>                            Peschmerga in einem Camp in den Bergen Kurdistans            \u00a9\u00a0Hawre Khalid<\/p>\n<p>        Mahnungen aus Bagdad        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">F\u00fcr die Region Kurdistan und f\u00fcr den gesamten Irak w\u00e4re ein Kriegseintritt sehr gef\u00e4hrlich. Die kurdische Regionalregierung mahnte die Oppositionsparteien deshalb, sich aus dem Konflikt herauszuhalten. Und Iraks First Lady Shanaz Ibrahim Ahmed, selbst Kurdin, sagte k\u00fcrzlich: &#8222;<a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/internationales\/militarische-eskalation-usa-israel-und-kurden-kommt-eine-bodenoffensive-im-iran-15322688.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">Lasst die Kurden in Ruhe!<\/a> Wir sind keine S\u00f6ldner, die man einfach mieten kann.&#8220; Eine klare Botschaft an die USA.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In der irakischen Hauptstadt Bagdad scheint man ebenfalls mit den US-Amerikanern nur noch so wenig wie m\u00f6glich zu tun haben zu wollen. Zwar sind die USA milit\u00e4risch in Irak und in Kurdistan noch sehr pr\u00e4sent.\u00a0Nur scheint sich in den vergangenen Tagen die Erkenntnis durchzusetzen, dass die Anwesenheit amerikanischer Streitkr\u00e4fte nicht zur Sicherheit der Bev\u00f6lkerung beitr\u00e4gt.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Der irakische Ministerpr\u00e4sident Mohammed Schia al-Sudani best\u00e4tigte am 23. M\u00e4rz die Aufl\u00f6sung der 2014 gegr\u00fcndeten Anti-IS-Koalition. Die USA werden sich bis September 2026 aus dem Land zur\u00fcckziehen \u2013 wom\u00f6glich fr\u00fcher.\n<\/p>\n<p>        Die Terroristen eskalieren        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Fast jede Nacht fliegen aus dem S\u00fcden des Irak und aus dem Iran Drohnen und Raketen auf US-Einrichtungen wie den Flughafen in Erbil; das US-Konsulat, sogar Hotels wurden schon angegriffen, in denen angeblich US-Mitarbeiter verkehren. Zwar werden viele Angriffe vom US-Milit\u00e4r abgefangen, aber regelm\u00e4\u00dfig fallen dann Tr\u00fcmmer vom Himmel, die auch Zivilisten in Gefahr bringen. Luftalarm, Fr\u00fchwarn-Apps und Schutzr\u00e4ume \u2013 all das gibt es in Kurdistan nicht. Und mit jedem Angriff wird in der Region die Haltung deutlicher sp\u00fcrbar: W\u00e4ren die Amerikaner nicht hier, g\u00e4be es auch nichts zu beschie\u00dfen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Doch ganz so einfach ist es nicht. Denn die Angriffe richten sich nicht nur gegen die USA, nicht nur gegen die Kurden, sondern auch gegen die Regierung in Bagdad. Und sie kommen nicht nur aus dem Iran. Ein gro\u00dfer Teil der Drohnen wird von Terrorgruppen im Irak abgefeuert. Es sind meist proiranische Milizen, die sich vor allem im S\u00fcden des Irak aufhalten.\n<\/p>\n<p>Mehr zum Thema<\/p>\n<p>            Kurden im Irak        <\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/ausland\/2026-03\/kurden-nahostkonflikt-iran-irak-usa-israel-faq\" data-ct-label=\"Kurden im Nahostkonflikt: Welche Rolle die Kurden im Irankrieg spielen\" data-uuid=\"c0c0c804-6504-4d6e-a451-ea9d30913b17\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>        Z+ (abopflichtiger Inhalt);<\/p>\n<p>    Kurden im Nahostkonflikt:<br \/>\n                        Welche Rolle die Kurden im Irankrieg spielen<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p>                <a href=\"https:\/\/www.zeit.de\/politik\/2026-03\/irankrieg-fronten-irak-nachrichtenpodcast\" data-ct-label=\"Nachrichtenpodcast: Warum der Iran jetzt Kurden im Irak angreift\" data-uuid=\"7c38a858-223e-4b77-9ce2-de3d87dcc17a\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><\/p>\n<p>                        Nachrichtenpodcast:<br \/>\n                        Warum der Iran jetzt Kurden im Irak angreift<\/p>\n<p>                <\/a><\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">In den vergangenen Tagen eskalierten diese Terroristen die Lage ebenso wie der Iran. Sie beschossen die Zentrale des irakischen Geheimdiensts mitten in Bagdad, sie griffen irakische St\u00fctzpunkte an und t\u00f6teten dabei Soldaten der Regierung. Sie schossen sogar auf das Haus des kurdischen Pr\u00e4sidenten.\n<\/p>\n<p>                        Nicht irgendeine Beisetzung        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die USA antworteten mit Luftschl\u00e4gen auf Stellungen der Milizen, wogegen wiederum die irakische Regierung protestierte.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Und in dieser Woche griff der Iran auch ein Camp der PDK an \u2013 eine der beiden Regierungsparteien in Kurdistan. Das war der Angriff, bei dem Kaywan Muzfer Qader get\u00f6tet wurde.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">F\u00fcr einen Moment verliert sein Vater die Fassung und weint. Bis jetzt hatte er sich zusammengerissen, stolz die Tugenden seines Sohns betont. Aber jetzt, auf seiner Matratze, ist er mit der Trauer allein. Was ist seine Lieblingserinnerung an Kaywan? Er \u00fcberlegt kurz: &#8222;Ich habe fr\u00fcher als Betonbauer gearbeitet. Kam einmal von der Arbeit nach Hause, noch ganz dreckig. Aber er hat an der T\u00fcr auf mich gewartet, nahm meine Hand und sagt: Lass uns was essen gehen, Papa.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Am Nachmittag geht die Trauerfeier weiter. Der Vater wird dort sitzen, w\u00e4hrend ihm Hunderte M\u00e4nner kondolieren. Drau\u00dfen werden Fernsehteams warten und dann die Gener\u00e4le, Parteifunktion\u00e4re und den Ministerpr\u00e4sidenten von Kurdistan filmen, wie er mit seinem Konvoi gepanzerter Gel\u00e4ndewagen angerast kommt. Alle wissen: Das hier ist nicht irgendeine Beisetzung. Es ist Weltpolitik. Sie werden die Bilder der M\u00e4rtyrer in den Abendnachrichten senden. Dann wird auch Ahmed wieder Haltung zeigen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Mitarbeit: Aras Maman<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"W\u00e4re Kaywan Muzfer Qader nicht von einer Rakete getroffen worden, h\u00e4tte er bald seinen ersten Hochzeitstag gefeiert. 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