{"id":909494,"date":"2026-03-31T01:32:27","date_gmt":"2026-03-31T01:32:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/909494\/"},"modified":"2026-03-31T01:32:27","modified_gmt":"2026-03-31T01:32:27","slug":"rechtsextremer-terror-in-stuttgart-ausstellung-im-hotel-silber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/909494\/","title":{"rendered":"\u201eRechtsextremer Terror\u201c in Stuttgart: Ausstellung im Hotel Silber"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Ausgelassen feiern und gemeinsam Musik h\u00f6ren? Fehlanzeige! Fr\u00f6hliches Miteinander ist offenbar Gesinnungssache. So war es Walter Eyermann ein Dorn im Auge, als in Konstanz 1970 Popkonzerte stattfinden sollten. Er f\u00fchlte sich von gutgelaunten jungen Leuten gest\u00f6rt. Deshalb wiegelte er zun\u00e4chst den Stadtrat auf, die Konzerte zu verbieten. Als das nicht half, rief er die B\u00fcrger dazu auf, mit \u201eS\u00e4uberungen\u201c selbst f\u00fcr Ordnung zu sorgen. Dieser Walter Eyermann war keineswegs ein Abgeh\u00e4ngter, sondern ein erfolgreicher Immobilienmakler und einflussreicher Lokalpolitiker, der sich als NPD-Mitglied Hass und Hetze auf die Fahnen geschrieben hatte. Sein Feindbild waren die jungen Leute und Hippies, in denen er \u201earbeitsscheue und asoziale Berufsgammler\u201c sah.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Rechtsextremismus lebt vom Hass auf andere, das zeigt auf erschreckende Weise die neue Ausstellung, die das Haus der Geschichte Baden-W\u00fcrttemberg im Hotel Silber zeigt: \u201eRechtsextremer Terror\u201c.<\/p>\n<p>Zitate, die fassungslos machen<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Schon zum Einstieg schl\u00e4gt einem der geballte Hass entgegen und liest man fassungslos die Zitate, die Rechtsextreme in den vergangenen Jahrzehnten verbreitet haben. Da ist vom \u201eKampf gegen die Brut\u201c die Rede, von \u201eEindringlingen\u201c oder einer \u201eRattenbande\u201c, der man \u201eden Garaus\u201c machen m\u00fcsse. Da wird von \u201eV\u00f6lkerselbstmord\u201c gesprochen und aufgerufen, \u201edie Endl\u00f6sung des deutschen Volkes\u201c zu stoppen.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/03\/7b803706-d6b2-46af-9dad-374f1d9f2634.jpg\" loading=\"lazy\" alt=\"Brandsatzreste und ein Fensterladen von einem rechtsextremen Anschlag. \"\/><img decoding=\"async\" alt=\"Bild vergr\u00f6\u00dfern\" class=\"sm:tw-w-9 sm:tw-h-9\" src=\"data:image\/svg+xml,%3csvg%20width='48'%20height='48'%20viewBox='0%200%2048%2048'%20fill='none'%20xmlns='http:\/\/www.w3.org\/2000\/svg'%3e%3crect%20width='48'%20height='48'%20rx='24'%20fill='white'%20fill-opacity='0.8'\/%3e%3cmask%20id='mask0_13797_3251'%20style='mask-type:alpha'%20maskUnits='userSpaceOnUse'%20x='12'%20y='12'%20width='24'%20height='24'%3e%3crect%20x='12'%20y='12'%20width='24'%20height='24'%20fill='%23D9D9D9'\/%3e%3c\/mask%3e%3cg%20mask='url(%23mask0_13797_3251)'%3e%3cpath%20d='M15%2033V25H17V29.6L29.6%2017H25V15H33V23H31V18.4L18.4%2031H23V33H15Z'%20fill='%231C1B1F'\/%3e%3c\/g%3e%3c\/svg%3e\"\/><\/p>\n<p>Brandsatzreste und ein Fensterladen von einem rechtsextremen Anschlag.  (Foto: Max Kovalenko)<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Wie kann es in einem Land, in dem man an sich halbwegs zivilisiert miteinander umgeht, so viel Aggression geben? Warum der Wunsch, das friedliche, fr\u00f6hliche und tolerante Miteinander brutal zu zerschlagen? Die freie Entfaltung der Menschen ist ein Feindbild rechtsextremer Gesinnung, wie die Ausstellung zeigt, die den Bogen schl\u00e4gt von der Weimarer Republik bis zu den \u201eReichsb\u00fcrger\u201c-Prozessen, die derzeit vor den Oberlandesgerichten Stuttgart, Frankfurt und M\u00fcnchen stattfinden. Auch sie planten einen gewaltsamen Umsturz und horteten Waffen, um eines Tages wieder die Monarchie einzuf\u00fchren und unter der F\u00fchrung eines Kaisers Gebiete des ehemaligen Deutschen Reichs zur\u00fcckzuerobern. Ihre Thesen und Ideen seien lange bel\u00e4chelt worden, hei\u00dft es in einem Fernsehbeitrag, denn die Ideen seien tats\u00e4chlich l\u00e4cherlich. Die Folgen dieser bewaffneten Truppe, zu der auch ehemalige Milit\u00e4rs geh\u00f6rten, sind es aber nicht.<\/p>\n<p>Vom Mord bis zur Gr\u00e4bersch\u00e4ndung<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Auch Matthias Erzberger wurde gewaltsam zum Schweigen gebracht. Der Politiker war ein Vork\u00e4mpfer der Demokratie, was ihn zum Feindbild der Rechtsterroristen machte, die ganz offen nach seinem Leben trachteten, weil er anders als sie dachte. 1921 verbrachte Erzberger den Sommerurlaub mit seiner Familie im Schwarzwald. Bei einem Spaziergang wurde er von rechtsradikalen Freikorps-Mitgliedern ermordet. Sie wollten einen Putsch ausl\u00f6sen und die Gesellschaft spalten, ernteten aber starken Gegenwind: Es gab zahlreiche Proteste gegen die rechte Gewalt. Zur Beerdigung von Erzberger kamen Zehntausende nach Biberach an der Ri\u00df.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Im Nationalsozialismus wurde der rechtsextreme Terror dann zum Staatsterror. Aber selbst nachdem man mehr als sechs Millionen J\u00fcdinnen und Juden ermordet hatte, lebte der Antisemitismus in Deutschland fort. Fortan richtete sich die Gewalt an das wenige, was von den Menschen geblieben war \u2013 ihre Gr\u00e4ber. Zahlreiche j\u00fcdische Friedh\u00f6fe wurden seit dem Holocaust gesch\u00e4ndet \u2013 besonders h\u00e4ufig in den 1960er-Jahren, Ende der 1970er-Jahre und nach der Wende.<\/p>\n<p>Eine antisemitische Variante von Monopoly<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">In der Ausstellung im Hotel Silber, das w\u00e4hrend der NS-Zeit ein Hauptquartier der Geheimen Staatspolizei war, ist auch ein Baseballschl\u00e4ger ausgestellt, der in den 1990ern zur beliebten Waffe der rechtsextremen Schl\u00e4gertrupps wurde, die nun durch deutsche St\u00e4dte zogen und Anschl\u00e4ge auf Asylbewerberheime ver\u00fcbten. Trotzdem wurde die Gefahr von Rechts lange untersch\u00e4tzt oder heruntergespielt, selbst bei den NSU-Morden war man lange auf dem rechten Auge blind.<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\">Wer sich dagegen f\u00fcr die Ereignisse im eigenen Land interessiert, wird einiges bereits wissen. Neu wird f\u00fcr die meisten aber vermutlich ein besonders au\u00dfergew\u00f6hnliches wie ekelhaftes Ausstellungsst\u00fcck sein: das Brettspiel \u201ePogromly\u201c von 1997, eine antisemitische Variante von Monopoly, bei der die Bahnh\u00f6fe durch Konzentrationslager ersetzt wurden. Auch hier ist man fassungslos, welche Verachtung politische Gesinnungen hervorrufen k\u00f6nnen. So ist das Spielfeld nicht nur mit Totenk\u00f6pfen und Frakturschrift gespickt, sondern es gibt auch besonders widerliche Ereigniskarten: \u201eJuden m\u00fcssen f\u00fcr Verbrechen am deutschen Volk zahlen. Du erh\u00e4ltst 400 RM.\u201c<\/p>\n<\/p>\n<p class=\"paragraph tw-mx-auto tw-mb-6\"><strong>Die Ausstellung \u201eRechtextremer Terror\u201c<\/strong> im Stuttgarter Hotel Silber dauert bis 14. Februar 2027. \u00d6ffnungzeiten: Di.-So. und Fei. 10-18 Uhr, Mi. 10-21 Uhr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ausgelassen feiern und gemeinsam Musik h\u00f6ren? Fehlanzeige! Fr\u00f6hliches Miteinander ist offenbar Gesinnungssache. 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