{"id":9100,"date":"2025-04-05T02:35:09","date_gmt":"2025-04-05T02:35:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/9100\/"},"modified":"2025-04-05T02:35:09","modified_gmt":"2025-04-05T02:35:09","slug":"nach-trumps-zoellen-das-neue-nordirische-problem-politik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/9100\/","title":{"rendered":"Nach Trumps Z\u00f6llen: Das neue nordirische Problem &#8211; Politik"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Donald Trump ist schuld, dass die Konservativen und Rechten in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Nordirland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nordirland<\/a> bald wieder die orange drum schlagen werden, die orangefarbene Trommel, so sagt es einer aus der EU am Donnerstag. Offiziell kommentieren will die Lage in Nordirland erst mal niemand, sensibles Thema, mal wieder. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/donald-trump-zoelle-handelskrieg-usa-importe-weltwirtschaft-li.3230354\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Z\u00f6lle, mit denen der US-Pr\u00e4sident gerade die Welt entsetzt<\/a>, haben zahlreiche unerfreuliche Konsequenzen, auch f\u00fcr die ohnehin schon komplizierteste Region des Vereinigten K\u00f6nigreichs.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Die orangefarbene Trommel ist dabei symbolisch gemeint; die Orangemen sind die nordirischen Unionisten und Protestanten, also jene, die unbedingt wollen, dass Nordirland weiterhin Teil des britischen K\u00f6nigreichs bleibt. Am Ostermontag beginnt in Nordirland die\u00a0Marching Season, die Jahreszeit der M\u00e4rsche, in der die Orangemen mit Trommeln und Fahnen monatelang immer wieder historische Ereignisse im Kampf gegen die Nationalisten und Katholiken feiern. Die M\u00e4rsche sind umstritten, die Katholiken f\u00fchlen sich immer noch davon provoziert. F\u00fcr die Konservativen und die Rechten der Reform-Partei aber sind sie ein Symbol der unbedingten Einigkeit des K\u00f6nigreichs.<\/p>\n<p>56 Prozent der Nordiren w\u00e4ren lieber in der EU geblieben<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Um nun zu verstehen, was genau Donald Trump mit der Bedrohung dieser Einigkeit zu tun hat, muss man zun\u00e4chst zur\u00fcckblicken auf das Jahr, in dem so viele britische Probleme der Gegenwart ihren Ursprung haben: 2016.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Damals hat sich eine knappe Mehrheit der Briten bekannterma\u00dfen f\u00fcr den Ausstieg aus der Europ\u00e4ischen Union entschieden. Ausgerechnet an der inneririschen Grenze verl\u00e4uft seitdem (beziehungsweise seit dem Inkrafttreten des Brexit 2020) die einzige Landgrenze zwischen dem Nicht-EU-Mitglied Vereinigtes K\u00f6nigreich und der EU. An jener Grenze also, die nach den einst jahrzehntelangen blutigen K\u00e4mpfen zwischen Protestanten und Katholiken als heikles Gebiet gilt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Jahrelang versuchten die Tory-Regierungen von Boris Johnson und folgende, eine L\u00f6sung daf\u00fcr zu finden, dass Waren zwischen EU-L\u00e4ndern und Drittl\u00e4ndern kontrolliert werden m\u00fcssen, ohne aber den Frieden an der irischen Grenze zu gef\u00e4hrden. Das kleine Nordirland wurde so zu einem komplexen, aber dadurch umso offensichtlicheren Paradebeispiel f\u00fcr <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/projekte\/artikel\/politik\/brexit-uk-eu-slogans-versprechen-bilanz-e939904\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die Folgen des Brexit<\/a>. Dass 56 Prozent der Nordiren sowieso lieber in der EU geblieben w\u00e4ren, macht die Sache nicht einfacher.<\/p>\n<p>Brexit-Bef\u00fcrworter feiern schon eine Art Wirtschaftsparadies<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Etwas besser wurde es erst, als sich Johnsons Nachnachfolger Rishi Sunak vor zwei Jahren mit der EU auf das sogenannte \u201eWindsor Framework\u201c einigte, einen Zusatz zum schon bestehenden Regelwerk f\u00fcr den Handelsverkehr zwischen EU, Nordirland und <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Gro%C3%9Fbritannien\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gro\u00dfbritannien<\/a>. Seitdem gilt die Regel: Waren, die aus Gro\u00dfbritannien nach Nordirland gelangen und dort bleiben, werden \u00fcber eine green lane abgefertigt, also ohne Kontrollen. Nur Waren, die danach weiter auf den EU-Markt gelangen, werden kontrolliert. Dadurch sind Grenzkontrollen an der inneririschen Grenze nur noch in Ausnahmef\u00e4llen n\u00f6tig.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Nordirland hat damit aber auch den Vorteil, dass die Region gleichzeitig Zugang zum EU-Binnenmarkt sowie zum britischen Markt hat. Und genau das ist nun der Grund, weshalb Nordirland schon bald politisiert werden d\u00fcrfte: Belfast, das jedenfalls ist eine dieser Tage oft zu h\u00f6rende Sorge, k\u00f6nnte zu einer Art Boxring der Brexit-Ideologen werden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Weil Donald Trump die EU mit 20 Prozent Z\u00f6llen auf alle Waren au\u00dfer Autos (25 Prozent) belegen will, das K\u00f6nigreich aber nur mit zehn Prozent, beginnen die Brexit-Bef\u00fcrworter bereits, Nordirland als eine Art Wirtschaftsparadies zu feiern: als einzige Region innerhalb des EU-Marktes mit nur zehn Prozent Z\u00f6llen auf US-Waren. Nur, an der Grenze zwischen <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Irland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Irland<\/a> und Nordirland k\u00f6nnte es dann wieder kompliziert werden.<\/p>\n<p>20 Prozent und zehn Prozent: unterschiedliche Z\u00f6lle auf demselben Markt<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Wie die britische Regierung auf die Z\u00f6lle reagieren wird, ist noch unklar, man wolle \u201ek\u00fchlen Kopf\u201c bewahren, sagte Premierminister Keir Starmer bislang. <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/politik\/eu-handelskrieg-usa-reaktions-zoelle-li.3230058\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Sollte die EU aber wie erwartet Gegenma\u00dfnahmen ergreifen<\/a>, etwa \u00e4hnlich hohe Gegenz\u00f6lle festsetzen, w\u00fcrden diese dann auch f\u00fcr US-Waren in Nordirland gelten. Denn im \u201eWindsor Framework\u201c wurde festgelegt, dass Waren, die aus der EU nach Nordirland kommen, EU-Regeln unterworfen sind. Das hei\u00dft: Firmen in Nordirland w\u00e4ren im Nachteil gegen\u00fcber ihren Kollegen in Gro\u00dfbritannien, f\u00fcr sie w\u00fcrden dann auch die von Trump aufgesetzten EU-Z\u00f6lle von 20 Prozent gelten, doppelt so viel wie f\u00fcr die britischen Kollegen. Dass Waren mit unterschiedlichen Z\u00f6llen belegt im britischen Markt w\u00e4ren, das sei nat\u00fcrlich problematisch, sagte am Donnerstag ein EU-Diplomat.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Die Lage sei \u201esehr ernst\u201c, sagte Premierminister Starmer im Unterhaus, die Interessen Nordirlands st\u00fcnden \u201eim Zentrum unserer Bem\u00fchungen\u201c.\u00a0 Nordirische Wirtschaftsvertreter haben sich bereits schriftlich an die EU gewandt, in den Gespr\u00e4chen mit den USA und eventuellen Entscheidungen bitte die Situation in Nordirland zu bedenken.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vtjhd\">Die nordirischen Regierungsparteien, die sich die Macht als Folge des 1998 festgelegten Friedensabkommens gleichm\u00e4\u00dfig aufteilen m\u00fcssen, reagierten entsprechend besorgt \u2013 und in leicht unterschiedlichen, ihrer Ideologie entsprechenden Nuancen. Das, was in Washington verk\u00fcndet worden sei, \u201eerzeugt\u00a0Instabilit\u00e4t\u201c, sagte die nordirische Regionalregierungschefin Michelle O<strong>\u2019<\/strong>Neill von der proirischen Partei Sinn F\u00e9in bei einer Pressekonferenz. Die stellvertretende Regierungschefin Emma Little-Pengelly von der probritischen Democratic Unionist Party sagte, Nordirland d\u00fcrfe nicht zum \u201eKollateralschaden von Gegenma\u00dfnahmen in Br\u00fcssel\u201c werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Donald Trump ist schuld, dass die Konservativen und Rechten in Nordirland bald wieder die orange drum schlagen werden,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":9101,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3976],"tags":[331,332,147,158,551,3986,945,7177,13,5300,7176,148,14,15,5384,16,12,149,3992,3993,3994,3995,3996,3997,55,211],"class_list":{"0":"post-9100","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-vereinigtes-koenigreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-ausland","11":"tag-europaeische-union","12":"tag-grossbritannien","13":"tag-handel","14":"tag-handelskrieg","15":"tag-handelspolitik","16":"tag-headlines","17":"tag-irland","18":"tag-konsum-und-handel","19":"tag-leserdiskussion","20":"tag-nachrichten","21":"tag-news","22":"tag-nordirland","23":"tag-politik","24":"tag-schlagzeilen","25":"tag-sueddeutsche-zeitung","26":"tag-uk","27":"tag-united-kingdom","28":"tag-united-kingdom-of-great-britain-and-northern-ireland","29":"tag-vereinigtes-koenigreich","30":"tag-vereinigtes-koenigreich-grossbritannien-und-nordirland","31":"tag-vereinigtes-koenigreich-von-grossbritannien-und-nordirland","32":"tag-wirtschaft","33":"tag-zoelle"},"share_on_mastodon":{"url":"","error":"Validation failed: Text character limit of 500 exceeded"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9100","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=9100"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/9100\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/9101"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=9100"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=9100"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=9100"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}