{"id":91371,"date":"2025-05-07T10:43:09","date_gmt":"2025-05-07T10:43:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/91371\/"},"modified":"2025-05-07T10:43:09","modified_gmt":"2025-05-07T10:43:09","slug":"2-stuttgarter-literaturfestival-startet-angst-wut-und-lebenshunger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/91371\/","title":{"rendered":"2. Stuttgarter Literaturfestival startet: Angst, Wut und Lebenshunger"},"content":{"rendered":"<p>Lesungen, Ausstellung, ein georgischer Abend, Party: Unter dem Motto \u201e(\u00dcber)Leben\u201c findet Mitte Mai das 2. Stuttgarter Literaturfestival statt.<\/p>\n<p>Unter dem Titel \u201eSchreiben, w\u00e4hrend die Welt geschieht\u201c fand<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.literaturfestival-stuttgart-ein-weltstar-kommt-in-die-stadt.4a36f566-de3e-4bfd-9f06-710dae92bce8.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\"> im Mai 2023 das 1. Stuttgarter Literaturfestival statt<\/a>, damals kuratiert von der Schriftstellerin Lena Gorelik. Im Zweijahresrhythmus soll dieses Festival k\u00fcnftig \u00fcber die B\u00fchne gehen, die zweite Ausgabe ist jetzt f\u00fcr die Zeit vom 14. bis zum 24. Mai festgesetzt. Das Programm dazu, <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.nino-haratischwili-im-portraet-extreme-geschichten.252eb3ba-2c44-4d91-9547-e044eb9a906f.html\" target=\"_blank\" rel=\"nofollow noopener\">das dieses Jahr die vom Stuttgarter Literaturhaus benannte Kuratorin Nino Haratischwili zusammengestellt hat<\/a>, wurde k\u00fcrzlich im Boschareal vorgestellt. Neu ist diesmal, dass das von der Stadtbibliothek betreute Kinder- und Jugendprogramm von einer eigenen Kuratorin, der afrodeutschen Autorin Chantal-Fleur Sandjon, ausgew\u00e4hlt wurde.<\/p>\n<p>\u201e(\u00dcber)Leben\u201c lautet in diesem Jahr die \u00dcberschrift \u00fcber den zahlreichen Veranstaltungen des Festivals, das nicht nur aus Autorenlesungen besteht, sondern unter anderem auch zu einer Ausstellung im <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/thema\/Literaturhaus\" title=\"Literaturhaus\" class=\"art_thema\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Literaturhaus<\/a>, einem musikalischen-kulinarischen Abend mit georgischen Gerichten und georgischer Musik und am letzten Festivalwochenende zu einer Party mit DJs aus Georgiens Hauptstadt Tbilissi einl\u00e4dt. Die Spielorte sind dabei \u00fcber die ganze Stadt verteilt.<\/p>\n<p>Nino Haratischwili wurde 1983 in Tbilissi geboren, lebt inzwischen in Berlin und hat sich als Theaterregisseurin, Dramatikerin und Romanautorin einen Namen gemacht. Dass Literatur aus Osteuropa einen Schwerpunkt des Festivals bildet, ist deshalb keine \u00dcberraschung. Sie habe noch nie ein solches Programm kuratiert, gestand Haratischwili bei der Pr\u00e4sentation im Literaturhaus, und sie sei sich zun\u00e4chst vorgekommen wie ein Kind im Spielzeugladen. Dann habe sie sich gefragt: Welche Autoren mag ich? Und was f\u00fcr interessante Neuerscheinungen gibt? Die Auswahl sollte nicht zu eurozentrisch, sondern m\u00f6glichst international sein. Also finden sich unter den eingeladenen G\u00e4sten Autorinnen und Autoren unter anderem aus Polen, der Ukraine, Finnland, Syrien, Frankreich, dem Iran, Italien und Argentinien. <\/p>\n<p>Das Festivalmotto \u201e(\u00dcber)Leben\u201c versteht Haratischwili als Beschreibung der aktuellen Weltsituation. Literatur sehe sich heute konfrontiert mit einer \u201everwirrten, verunsicherten Welt\u201c, mit einer \u201eZeit der Paradigmenwechsel\u201c.<\/p>\n<p>Die Er\u00f6ffnung bestreitet denn auch der polnische Schriftsteller Szczepan Twardoch, der sein neues Buch \u201eDie Nulllinie \u2013 Roman aus dem Krieg\u201c mitbringen wird, das seine Reisen in die Ukraine w\u00e4hrend der letzten beiden Jahre verarbeitet.<\/p>\n<p>Literatur sei ein \u201ePulsmesser\u201c, m\u00fcsse die Angst und die Wut \u00fcber die aktuelle Situation zur Sprache bringen, meinte Haratischwili, aber sie d\u00fcrfe sich dadurch nicht entmutigen lassen, keine L\u00e4hmung erzeugen und nicht in Nihilismus verfallen. Sie solle auch den \u201eLebenshunger\u201c zum Ausdruck bringen, das Leben feiern: \u201ePanzer und Bomben k\u00f6nnen vielleicht Welten zerst\u00f6ren, aber die Literatur kann sie erschaffen. Und neben all dem Schrecken, f\u00fcr den sie Worte findet, ist sie ebenfalls in der Lage, von unermesslicher Sch\u00f6nheit, von Liebe, von G\u00fcte, von Freundschaft, von Hoffnung, vom Lachen zu erz\u00e4hlen\u201c. <\/p>\n<p>Chantal-Fleur Sandjon, 2023 f\u00fcr \u201eDie Sonne, so strahlend und Schwarz\u201c mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet, will als Kuratorin des Kinder- und Jugendprogramms in ihrer Auswahl ebenfalls die Vielfalt des Lebens darstellen und die jungen Menschen dabei gleichzeitig nicht \u00fcberfordern. Vielfalt und zugleich die Suche nach Gemeinsamkeiten, Literatur als Br\u00fcckenbauer, B\u00fccher als Waffen des Widerstands \u2013 auf diese Auswahlkriterien konnten sich offenbar beide Kuratorinnen verst\u00e4ndigen.<\/p>\n<p>\u201eLiteratur und Kunst im Allgemeinen kann leider nicht pr\u00e4ventiv wirken, aber sie kann Sinn stiften, sie kann Zusammenhalt und allem voran: Empathie schaffen\u201c, findet Nino Haratischwili. Die Botschaft h\u00f6r ich wohl, allein mir fehlt der Glaube, k\u00f6nnte man jetzt hier einwenden; das h\u00f6rt sich alles sehr deutsch an: Literatur als moralische Anstalt. Und spontan fallen einem schnell einige Gegenbeispiele ein: von Marinetti \u00fcber D\u2019Annunzio, Ernst J\u00fcnger und C\u00e9line bis zu Mishima. Aber die Festivalbesucher sollten sich durch solche Einw\u00e4nde nicht abschrecken lassen. <\/p>\n<p> <b\/> <\/p>\n<p> <b>(\u00dcber)Leben. <\/b>Das Literatur-Festival findet vom 14. bis zum 24. Mai an verschiedenen Orten der Stadt statt. Infos und Programm unter <b>www.stuttgarter-literaturhaus.de<\/b> <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Lesungen, Ausstellung, ein georgischer Abend, Party: Unter dem Motto \u201e(\u00dcber)Leben\u201c findet Mitte Mai das 2. 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