{"id":914465,"date":"2026-04-02T00:19:17","date_gmt":"2026-04-02T00:19:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/914465\/"},"modified":"2026-04-02T00:19:17","modified_gmt":"2026-04-02T00:19:17","slug":"freiburg-hamburg-fopo-wenn-die-angst-vor-anderen-meinungen-im-job-bremst","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/914465\/","title":{"rendered":"Freiburg\/Hamburg | FOPO: Wenn die Angst vor anderen Meinungen im Job bremst"},"content":{"rendered":"<p>Freiburg\/Hamburg (dpa\/tmn) &#8211; In Meetings schweigen, trotz einer guten Idee? E-Mails vor dem Absenden dreimal umformulieren? Sich st\u00e4ndig fragen, was Kollegen von einem denken? Dahinter kann die Angst vor negativer Bewertung stecken, vor der Meinung anderer \u00fcber einen selbst. Auf Englisch wird das Ph\u00e4nomen eing\u00e4ngig mit FOPO abgek\u00fcrzt &#8211; f\u00fcr \u00abFear of People\u2019s Opinion\u00bb.\u00a0<\/p>\n<p>Wer sein Handeln st\u00e4ndig danach ausrichtet, was andere denken k\u00f6nnten, h\u00e4lt sich selbst auf und schadet der eigenen Karriere. Was also hilft gegen FOPO? Antworten auf zentrale Fragen.<\/p>\n<p>Was bedeutet Fear of People`s Opinion?<\/p>\n<p>FOPO beschreibt die k\u00f6rperlich sp\u00fcrbare Sorge, was andere \u00fcber uns denken, erkl\u00e4rt der Diplom-Psychologe und Coach Hans-Georg Willmann. Der Puls steigt, man ist verspannt oder sp\u00fcrt Magengrummeln. \u00abAm liebsten wollen Betroffene solche Situation vermeiden oder aus ihr fliehen\u00bb, sagt Willmann.<\/p>\n<p>Eine gewisse Anspannung ist normal und f\u00f6rdert die Leistung, sagt der Coach. FOPO beginnt dort, wo sie l\u00e4hmt und eine Person daran hindert, ihr Potenzial auszusch\u00f6pfen. Im schlimmsten Fall k\u00f6nne FOPO in einer sozialen Angstst\u00f6rung m\u00fcnden: \u00abBetroffene geraten in eine Vermeidungsspirale und sind nicht mehr handlungsf\u00e4hig.\u00bb<\/p>\n<p>Wo beginnt FOPO? Was grenzt sie von R\u00fccksicht ab?<\/p>\n<p>Im Beruf geht es darum, gemeinsam eine Aufgabe zu erledigen. \u00abR\u00fccksichtnahme ist die Orientierung an diesem gemeinsamen Prozess\u00bb, sagt der Coach. Wer unter FOPO leidet, passt sich stattdessen an vermeintliche Erwartungen an die eigene Person an.\u00a0<\/p>\n<p>Die Folge: Betroffene denken mehr \u00fcber ihre Wirkung auf andere nach als \u00fcber die eigentliche Aufgabe. \u00abDann geht es nicht um die Sache, sondern um die Sicherung der Akzeptanz meiner Person\u00bb, so Willmann.<\/p>\n<p>Welche Ursachen hat die Angst vor der Meinung anderer?<\/p>\n<p>Willmann nennt drei Wurzeln, die ineinander greifen. Die erste ist die menschliche Evolution: Menschen sind darauf programmiert, soziale Zugeh\u00f6rigkeit zu suchen, ein Ausschluss aus der Gruppe wird als gef\u00e4hrlich interpretiert. Bis heute f\u00fcrchtet unser Gehirn Ausgrenzung und nimmt Ablehnung als existenzielle Bedrohung wahr.<\/p>\n<p>Die zweite Wurzel liegt in der Erziehung: Erhalten Kinder Anerkennung nur, wenn sie Erwartungen erf\u00fcllen, \u00fcbernehmen sie diesen inneren Antreiber oft ins Berufsleben. \u00abBesonders pr\u00e4gend sind solche Erfahrungen, wenn Lob und Kritik im Elternhaus inkonsistent und v\u00f6llig unberechenbar waren\u00bb, so Willmann.<\/p>\n<p>Die dritte Wurzel ist das Umfeld: Ein leistungsorientierter Beruf mit F\u00fchrungskr\u00e4ften, die inkonsistente Erwartungen haben und sich zum Beispiel abwertend \u00e4u\u00dfern, sind \u00abein idealer N\u00e4hrboden f\u00fcr FOPO\u00bb, sagt Willmann.<\/p>\n<p>Welche Situationen verst\u00e4rken FOPO?<\/p>\n<p>Meetings, Pr\u00e4sentationen, Feedbackgespr\u00e4che, Vortr\u00e4ge \u2013 jede Situation, in der man sichtbar ist, etwas leisten soll und sich bewertet f\u00fchlt, sagt Willmann. Auch Konkurrenzsituationen und die Gegenwart dominanter Menschen k\u00f6nnen Symptome ausl\u00f6sen.\u00a0<\/p>\n<p>Selbst in Alltagssituationen kann die Angst auftreten: \u00abManchen Betroffenen f\u00e4llt es sogar schwer, in der Kantine vor Kollegen zu essen\u00bb, sagt der Coach.<\/p>\n<p>Woran erkenne ich, dass mich meine Angst im Job bremst?<\/p>\n<p>Karriereberaterin und Unternehmerin Ragnhild Struss nennt mehrere Warnsignale: Betroffene investieren \u00fcberm\u00e4\u00dfig viel Zeit in Absicherung, indem sie etwas E-Mails oder Pr\u00e4sentationen immer wieder \u00fcberarbeiten.\u00a0<\/p>\n<p>Im direkten Kontakt w\u00e4gen sie \u00fcbergenau ab, was sie wem sagen. Sie entsch\u00e4rfen Aussagen aus Angst vor Konfrontation, und \u00e4rgern sich sp\u00e4ter dar\u00fcber.<\/p>\n<p>Ebenfalls typisch: Nach Gespr\u00e4chen kreisen die Gedanken. \u00abDie Leute versuchen st\u00e4ndig zu rekonstruieren, wie sie gewirkt haben\u00bb, sagt Struss. Feedback zu ihrem Verhalten betrachten sie als Urteil \u00fcber ihren Wert als Mensch. Selbst Lob k\u00f6nnen sie nicht annehmen, \u00abweil ihnen die innere Grundlage daf\u00fcr fehlt\u00bb.<\/p>\n<p>Oft meiden Betroffene deshalb bewusst Sichtbarkeit, indem sie etwa Pr\u00e4sentationen anderen \u00fcberlassen oder sich aus besonders exponierten Situationen zur\u00fcckziehen. \u00abFOPO kann zu einem echten Karrierehindernis werden\u00bb, warnt die Coachin.<\/p>\n<p>Welche Techniken helfen im akuten Moment?<\/p>\n<p>Ragnhild Struss r\u00e4t bei akuten Symptomen das eigene Nervensystem zu beruhigen. \u00abL\u00e4nger ausatmen als einatmen, zwei bis drei Atemz\u00fcge lang\u00bb, empfiehlt sie. Das senke den Stresslevel, ohne dass andere etwas merken.\u00a0<\/p>\n<p>Auch ein kurzes Verlassen der Situation k\u00f6nne helfen: \u00abHolen Sie sich zum Beispiel ein Getr\u00e4nk, ordnen Sie ihre Gedanken und machen Sie sich immer wieder klar: Ich bin hier, um der Sache zu dienen\u00bb, sagt Struss.<\/p>\n<p>F\u00fcr Meetings und Gespr\u00e4che empfiehlt sie sogenannte Joker-S\u00e4tze: kurze, vorbereitete Formulierungen wie \u00abIch sehe hier ein Risiko\u00bb oder \u00abIch habe eine R\u00fcckfrage\u00bb. Solche S\u00e4tze erleichtern der Beraterin zufolge den Einstieg ins Gespr\u00e4ch. Wichtig sei es, mit kleinen Wortmeldungen zu beginnen, statt den perfekten Beitrag anzustreben.<\/p>\n<p>Was hilft langfristig \u2013 wann ist professionelle Hilfe sinnvoll?<\/p>\n<p>\u00abLangfristig geht es darum, den Selbstwert zu st\u00e4rken und Grenzen zu setzen\u00bb, sagt Struss.\u00a0Wer sp\u00fcrt, dass die Angst vor der Meinung anderer den Berufsalltag stark einschr\u00e4nkt, sollte pr\u00fcfen, welche Ver\u00e4nderungen im Arbeitsumfeld m\u00f6glich sind.<\/p>\n<p>Gen\u00fcgt das nicht, empfiehlt sie professionelle Unterst\u00fctzung. Ob Coaching oder Therapie der richtige Weg ist, h\u00e4nge von der Schwere der Belastung ab. \u00abWer permanent k\u00f6rperliche Stresssymptome hat, dauernd schlecht schl\u00e4ft oder st\u00e4ndig gr\u00fcbelt, sollte eher eine Therapie in Betracht ziehen\u00bb, sagt Struss.<\/p>\n<p>Und wenn sich Betroffene nicht sicher sind, welche Art von Hilfe sie brauchen? Struss empfiehlt ein Erstgespr\u00e4ch mit einem Profi: \u00abEin guter Coach oder Psychologe kann einsch\u00e4tzen, welcher Weg passt, und wird das auch deutlich sagen.\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Freiburg\/Hamburg (dpa\/tmn) &#8211; In Meetings schweigen, trotz einer guten Idee? E-Mails vor dem Absenden dreimal umformulieren? 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