{"id":914643,"date":"2026-04-02T01:58:17","date_gmt":"2026-04-02T01:58:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/914643\/"},"modified":"2026-04-02T01:58:17","modified_gmt":"2026-04-02T01:58:17","slug":"warum-sich-unilever-selbst-zerschlaegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/914643\/","title":{"rendered":"Warum sich Unilever selbst zerschl\u00e4gt"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Am B\u00f6rsenplatz 5 dreht \u201eUnilever\u201c weiterhin seine Dauerschleife. Das Unternehmen zieht von rechts nach links auf dem LED-Band \u00fcber dem Eingang zur Amsterdamer B\u00f6rse : Name, B\u00f6rsenk\u00fcrzel und aktueller Kurs erscheinen \u2013 wie jene der anderen Aktien im 30 Werte umfassenden Leitindex AEX. Viele Jahre lang f\u00fchrte der Konsumg\u00fcterkonzern zusammen mit Shell die Liste der teuersten Unternehmen an. Inzwischen sind beide vom Chipmaschinenhersteller ASML aus Veldhoven \u00fcberholt, dem Kometen am niederl\u00e4ndischen Unternehmenshimmel, der im B\u00f6rsenwert jetzt alle AEX-Mitglieder weit hinter sich l\u00e4sst.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Aber Platz zwei und drei belegen immer noch die beiden anderen Schwergewichte: jene Unternehmen, die bis vor wenigen Jahren sowohl in den Niederlanden als auch in Gro\u00dfbritannien sa\u00dfen. Beide gaben kurz nacheinander ihr binationales Dasein auf, lie\u00dfen den Niederlandeteil ihrer Doppelzentralen wegfallen \u2013 und bestehen nun als rein britische Unternehmen mit Zentrale in London fort. Ihr binationales Dasein an der B\u00f6rse geht hingegen weiter, denn die Aktien sind unver\u00e4ndert in Amsterdam in der ersten Liga gef\u00fchrt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Beide werden auch immer noch als Teil der niederl\u00e4ndischen Identit\u00e4t wahrgenommen. Unilever unternimmt jetzt aber einen drastischen Schritt, mit dem es seinen niederl\u00e4ndischen Zweig weitestgehend beschneidet. Das Unternehmen fusioniert die noch verbliebenen Lebensmittelgesch\u00e4fte rund um die zentrale Marke Knorr mit dem amerikanischen Gew\u00fcrzhersteller McCormick. Beide Seiten gaben diese Woche eine entsprechende Vereinbarung bekannt. Unilever wird damit zu einem reinen Anbieter von Haushalts- und K\u00f6rperpflegeprodukten \u2013 mit dem Waschmittel \u201eOmo\u201c, dem Deo \u201eRexona\u201c, der Seife \u201eDove\u201c und vielen anderen.<\/p>\n<p>Mit Margarine fing es 1930 an<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Unilever erh\u00e4lt in der Transaktion 15,7 Milliarden Dollar und knapp zehn Prozent am neuen fusionierten Unternehmen. Seine Lebensmittelsparte wird dabei mit 44,8 Milliarden Dollar bewertet. Die Fusion soll als \u201eReverse Morris Trust\u201c strukturiert werden, was steuerliche Vorteile bietet. Dabei soll Unilever die Sparte abspalten und sie anschlie\u00dfend in McCormick einbringen. Das Gesch\u00e4ft, zu dem auch noch Marken wie Hellmann\u2019s-Mayonnaise und Marmite geh\u00f6ren, erl\u00f6ste im vergangenen Jahr rund 10,7 Milliarden Euro Umsatz \u2013 etwa zwei Drittel mehr als McCormick. \u201eF\u00fcr Unilever ist diese Transaktion ein weiterer entscheidender Schritt, um unser Portfolio zu sch\u00e4rfen und unsere Strategie auf wachstumsstarke Kategorien auszurichten\u201c, sagte der Vorstandsvorsitzende Fernando Fernandez.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Aus Produktsicht ist es der letzte Schritt im Ausstieg aus dem Lebensmittelgesch\u00e4ft \u2013 aus niederl\u00e4ndischer Sicht ist es der Abschied vom hiesigen Unternehmenszweig. Unilever entstand 1930 aus der Fusion der niederl\u00e4ndischen Margarine Unie mit der britischen Lever Brothers. Die Konstruktion mit dem Doppelsitz endete im Jahr 2020, als sich das Unternehmen f\u00fcr London als einzigen Zentralstandort entschied. Die Lebensmittelsparte behielt ihren Sitz in Rotterdam. <\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Nach der neuesten Vereinbarung soll es in den Niederlanden zwar eine zus\u00e4tzliche \u201einternationale Zentrale\u201c geben \u2013 der Hauptsitz aber wird f\u00fcr den McCormick-Sitz in Maryland festgelegt. Den Niederlanden bleibt noch das Forschungszentrum in Wageningen. Die Indizien f\u00fcr eine Abtrennung der Lebensmittelsparte hatten sich zuletzt immer weiter verdichtet: Fernandez richtet Unilever auf die K\u00f6rperpflege und Waschmittel aus, die mit Produkten unter anderem von Henkel konkurrieren. Branchen\u00fcbergreifend passt der Plan in den gro\u00dfen Trend kapitalmarktorientierter Unternehmen zur Entflechtung. Analysten bef\u00fcrworten solche Transaktionen daher in der Regel \u2013 zeigten sich in diesem Fall aber skeptisch \u00fcber die gew\u00e4hlte Art.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">\u201eDas hier erscheint uns nicht als geschmeidiger Weg, das umzusetzen\u201c, urteilten etwa Fachleute von Bernstein. Die neue Gesellschaft werde hoch verschuldet sein und zun\u00e4chst nur eine Prim\u00e4rnotiz in New York haben, was Verkaufsdruck durch europ\u00e4ische Unilever-Investoren nach sich ziehen k\u00f6nne. Die Unilever-Aktie verlor nach Bekanntwerden der Entscheidung deutlich an Wert.<\/p>\n<p>Politisch pikant: Geschichte einer Zusage<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Politisch pikant ist die Entwicklung wegen der Vorg\u00e4nge rund um den Abschied aus den Niederlanden vor gut einem halben Jahrzehnt: Die Regierung in Den Haag hatte sich damals angeschickt, das Steuerrecht zu \u00e4ndern, um dieses Aush\u00e4ngeschild der niederl\u00e4ndischen Unternehmenswelt im Lande zu behalten. Der damalige Ministerpr\u00e4sident Mark Rutte hatte zu Beginn seiner Berufslaufbahn selbst einmal f\u00fcr Unilever gearbeitet. Der Konzern entschied sich tats\u00e4chlich zun\u00e4chst daf\u00fcr, Rotterdam als Zentrale zu behalten \u2013 und London aufzugeben. Doch angels\u00e4chsische Gro\u00dfinvestoren protestierten, das Management drehte den Beschluss zur\u00fcck und gab London den Zuschlag. <\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Um zu beschwichtigen, gab das Unternehmen eine Zusage an die Regierung. Wenn Unilever sich aufspalten sollte, w\u00fcrde die Lebensmittelsparte den Sitz in den Niederlanden einnehmen und dort auch b\u00f6rsennotiert sein. Das schrieben der Vorstand und der Aufsichtsrat in einem Brief an den damaligen Wirtschaftsminister Eric Wiebes und Finanzminister Wopke Hoekstra. Eine Hintert\u00fcr war von vornherein eingebaut: Das Land m\u00fcsse weiterhin ein g\u00fcnstiger Standort f\u00fcr eine Unternehmenszentrale sein, hie\u00df es in dem Brief.<\/p>\n<p>Alles geht raus: Margarine, Tee, Eiscreme<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Was folgte, war aber keine reine Aufspaltung, sondern ein Ausverkauf des Lebensmittelzweigs in mehreren Schritten. Einen Vorboten daf\u00fcr hatte es schon unter dem alten Management und noch unter der binationalen Struktur gegeben: Unilever verkaufte 2018 das Margarinegesch\u00e4ft (\u201eRama\u201c, \u201eFlora\u201c, \u201eBecel\u201c) an den Finanzinvestor KKR und kappte damit die Wurzeln des niederl\u00e4ndischen Teils, der \u00fcber die Fusion von 1930 in Form der Margarine Unie hineingekommen war.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-8b7c0cff=\"\" data-v-308ce35d=\"\">Die Teesparte (Lipton, PG) ging sp\u00e4ter an die Beteiligungsgesellschaft CVC. Im Jahr 2022 schlie\u00dflich l\u00f6ste Unilever die Eissparte aus dem Lebensmittelgesch\u00e4ft heraus, Ende vergangenen Jahres ging sie an die B\u00f6rse. Unilever h\u00e4lt noch einen Anteil von knapp einem F\u00fcnftel an dem neuen Konstrukt mit dem Namen The Magnum Ice Cream Company. Es hat den Sitz in Amsterdam eingenommen \u2013 und ist damit der einzige Teil, der tats\u00e4chlich b\u00f6rsennotiert im Land bleibt. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am B\u00f6rsenplatz 5 dreht \u201eUnilever\u201c weiterhin seine Dauerschleife. 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