{"id":916592,"date":"2026-04-02T20:32:14","date_gmt":"2026-04-02T20:32:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/916592\/"},"modified":"2026-04-02T20:32:14","modified_gmt":"2026-04-02T20:32:14","slug":"fusswaschaktion-der-kirchen-in-dresden-kurz-vor-ostern-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/916592\/","title":{"rendered":"Fu\u00dfwaschaktion der Kirchen in Dresden kurz vor Ostern"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nPassanten in der Prager Stra\u00dfe bleiben verwundert stehen. Was soll das: Ein Stuhl, eine Fu\u00dfbank, Sch\u00fcsseln, Wasserkanister? Pfarrerin Anke Arnold steht im Talar in der Sonne und l\u00e4dt zur Fu\u00dfwaschung ein. Auf der anderen Seite kniet schon ein Mann vor einer Frau, die auf einem Klappstuhl sitzt. Annett Schramm war auf dem Weg zur Arbeit am Gr\u00fcndonnerstag. &#8222;Ich hatte davon in der Stra\u00dfenbahn gelesen und wollte mir die F\u00fc\u00dfe waschen lassen.&#8220; Mit Pfarrer Tobias Sommer redet sie leise, w\u00e4hrend er ihren rechten Fu\u00df vorsichtig w\u00e4scht, abtrocknet und einen Segen spricht.\n<\/p>\n<p>Extra vor der Arbeit hingegangen<\/p>\n<p class=\"text\">\nDann beschreibt Annett Schramm, wie sie diese Minuten erlebt: &#8222;Es ist sehr sch\u00f6n. Ich freue mich dar\u00fcber, dass ich das f\u00fcr mich gemacht habe.&#8220; Das Besondere k\u00f6nne sie gar nicht ganz in Worte fassen. &#8222;Es kommt darauf an, dass man sich erst einmal in die Augen schauen kann und dabei etwas Gutes f\u00fchlt. Es ist ein Dienst am Menschen. Da ich ja auch Verk\u00e4uferin bin und Dienst am Menschen vollf\u00fchre, wollte ich das heute erleben. Ich gebe das auch gern weiter: Die Liebe und die W\u00e4rme, die ich jetzt bekomme.&#8220;\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Ich gebe das auch gern weiter: Die Liebe und die W\u00e4rme, die ich jetzt bekomme.<\/p>\n<p>Annett Schramm<br \/>\nDresdnerin<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Emotionale Reaktionen in der Fu\u00dfg\u00e4ngerzone<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuf der anderen Stra\u00dfenseite hat Henry R\u00f6sch die vier evangelischen Theologen in der Einkaufsstra\u00dfe entdeckt und freut sich. &#8222;Ostern ist das h\u00f6chste Fest f\u00fcr uns Christen, wir gehen auf Karfreitag zu&#8220;, erz\u00e4hlt er und findet es &#8222;verr\u00fcckt, in einer Fu\u00dfg\u00e4ngerzone habe ich das noch nicht erlebt&#8220;. Der geb\u00fcrtige Dresdner ist gerade aus Baden-W\u00fcrttemberg zu Besuch in der alten Heimatstadt. Spontan macht er mit: &#8222;Mir sind noch nie so die F\u00fc\u00dfe gewaschen worden.&#8220;\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nWas Pfarrerin Arnold bei der Waschung macht, empfindet er als einen &#8222;Akt des Dienens&#8220;. W\u00e4hrend sie ihm die F\u00fc\u00dfe w\u00e4scht, trocknet und mit Lavendel-Oliven\u00f6l einreibt, sagt er: &#8222;Das geht wirklich zu Herzen. Es ist ein solcher Dienst, dass ein Mensch f\u00fcr den anderen da ist. Es ist extrem emotional.&#8220; Die Waschung erinnere ihn an die &#8222;komplette Geschichte mit Jesus Christus, der seinen J\u00fcngern die F\u00fc\u00dfe gewaschen hat&#8220;. Und dann k\u00e4mpft er mit den Tr\u00e4nen: &#8222;Wenn das heutzutage wiederholt wird, da ist so viel Segen drin. Es r\u00fchrt einen an. Man hat eine direkte Verbindung mit einem Menschen, den man vorher noch nie gesehen hat&#8220;.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Es r\u00fchrt einen an. Man hat eine direkte Verbindung mit einem Menschen, den man vorher noch nie gesehen hat.<\/p>\n<p>Henry R\u00f6sch<br \/>\nzu Bessch in seiner Heimatstadt<\/p>\n<\/blockquote>\n<p>Brauch der Fu\u00dfwaschung am Gr\u00fcndonnerstag<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie \u00f6ffentliche Fu\u00dfwaschung mitten im Einkaufstrubel findet zum dritten Mal statt. &#8222;Wir erinnern am Gr\u00fcndonnerstag daran, wie Jesus seinen Freunden die F\u00fc\u00dfe gewaschen hat. Das ist ein guter j\u00fcdischer Brauch, dass man zu Beginn eines Festes einander die F\u00fc\u00dfe w\u00e4scht&#8220;, erkl\u00e4rt die Theologin Anke Arnold aus Dresden-Blasewitz. Damals sei es aber \u00fcblich gewesen, dass Diener das machten. &#8222;Wir wollen als evangelische Christen erz\u00e4hlen, wie gut es tut, einander zu begegnen.&#8220; Eingeladen seien alle, egal, ob christlich oder nicht, denn: &#8222;Es verbindet uns unser Menschsein&#8220;, meint Arnold.\n<\/p>\n<p>Ist das nicht auch bisschen eklig?<\/p>\n<p class=\"text\">\nViele w\u00fcrden verschreckt denken, warum machten die Pfarrer das &#8211; ungewaschene F\u00fc\u00dfe aus Winterschuhen von fremden Leuten anfassen? Solche Ber\u00fchrungs\u00e4ngste kennt Anke Arnold auch von sich selbst. &#8222;Aber wenn man offen und empf\u00e4nglich bleibt und sich beschenken l\u00e4sst, dann kann dieser kleine Schritt, diese Unsicherheit zu \u00fcberwinden, etwas sehr Wertvolles sein.&#8220; Die Menschen w\u00fcrden bei den Waschungen \u00fcber Gef\u00fchle reden. Und auch \u00fcber &#8222;Lebensgeschichten, wo ich immer wieder staune, wie innerhalb einer kurzen Zeit so eine pers\u00f6nliche Verbindung m\u00f6glich ist, dass sie so pers\u00f6nlich aus ihrem Leben erz\u00e4hlen&#8220;.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nZwischendrin warten die vier Pfarrerinnen und Pfarrer auch l\u00e4ngere Zeit auf Interessierte. &#8222;Die meisten gehen vorbei&#8220;, sagt Pfarrerin Luise Schramm aus Bad Schandau. Sie spricht nur die an, die neugierig stehen bleiben und zu ihr schauen. Am interessiertesten sind die Kinder, hat Pfarrerin Anke Arnold schon bei anderen Fu\u00dfwasch-Aktionen festgestellt. &#8222;Sie staunen und probieren mal was aus. Das w\u00fcnsche ich mir auch mehr von uns Erwachsenen.&#8220;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Passanten in der Prager Stra\u00dfe bleiben verwundert stehen. Was soll das: Ein Stuhl, eine Fu\u00dfbank, Sch\u00fcsseln, Wasserkanister? 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