{"id":916677,"date":"2026-04-02T21:21:23","date_gmt":"2026-04-02T21:21:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/916677\/"},"modified":"2026-04-02T21:21:23","modified_gmt":"2026-04-02T21:21:23","slug":"tagungsband-beleuchtet-umbruch-im-rhein-main-gebiet-nach-1945","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/916677\/","title":{"rendered":"Tagungsband beleuchtet Umbruch im Rhein-Main-Gebiet nach 1945"},"content":{"rendered":"<p>Der Krieg endet, aber die Geschichte beginnt erst. Im Rhein-Main-Gebiet ringen St\u00e4dte und Gemeinden 1945 nicht nur um Ordnung \u2013 sie erfinden sich neu<\/p>\n<p>Es sind keine gro\u00dfen B\u00fchnen, auf denen die Demokratie nach 1945 im Rhein-Main-Gebiet entsteht. Es sind Rath\u00e4user, improvisierte B\u00fcros, Notunterk\u00fcnfte. Genau dort setzt der neue Tagungsband <strong>\u201eKriegsende und Neubeginn an Rhein und Main\u201c<\/strong> an.<\/p>\n<p>Tagungsband Band 18<\/p>\n<p>Peter Quadflieg, Katherine Lukat (Hg.): <br \/><strong>Kriegsende und Neubeginn an Rhein und Main<\/strong>. Perspektiven auf das Ende des Zweiten Weltkriegs und den Beginn des demokratischen Wiederaufbaus im Rhein-Main-Gebiet, <br \/>Schriften des Stadtarchivs Wiesbaden, Bd. 18, <br \/>Wiesbaden 2025, 328 S., Preis: 39,99 Euro,<br \/>ISBN: 978-3-9825083-3-7.<\/p>\n<p>21 Autoren zeichnen nach, wie Kommunen Verantwortung \u00fcbernommen, Entscheidungen getroffen und Strukturen geschaffen haben. Sie zeigen, wie aus Chaos langsam Verl\u00e4sslichkeit gewachsen ist. \u201eDie Kommunen bilden das Fundament des demokratischen Staatsaufbaus\u201c, erkl\u00e4rt Archivleiter <strong>Peter Quadflieg<\/strong>. Ein Satz, der n\u00fcchtern klingt \u2013 und doch von enormer Tragweite ist.<\/p>\n<p>Denn nach Jahren der Gleichschaltung m\u00fcssen St\u00e4dte ihre Selbstverwaltung neu lernen. <strong>Sie w\u00e4hlen Vertreter, organisieren Versorgung, richten Verwaltungen ein, die wieder dem Gemeinwohl dienen<\/strong>. Sie handeln \u2013 oft schneller, als es die gro\u00dfe Politik kann, und oft unter Bedingungen, die kaum planbar sind.<\/p>\n<p>Alltag zwischen Mangel und Mut<\/p>\n<p>W\u00e4hrend neue Verwaltungsstrukturen entstehen, k\u00e4mpfen Menschen ums \u00dcberleben. Wohnungen fehlen, Lebensmittel bleiben knapp, Infrastruktur liegt in Tr\u00fcmmern, und t\u00e4glich kommen neue Fl\u00fcchtlinge in die Region. Der Tagungsband zeigt diesen Alltag ohne Pathos, aber mit Sch\u00e4rfe. Er beschreibt, wie Verwaltungen improvisieren, wie Hilfssysteme wachsen und wie erste Betreuungsstellen f\u00fcr politisch, rassisch und religi\u00f6s Verfolgte entstehen.<\/p>\n<p><strong>Hier beginnt auch die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus<\/strong> \u2013 leise, tastend, oft widerspr\u00fcchlich. Nicht alles gelingt sofort, vieles bleibt bruchst\u00fcckhaft. Doch die Richtung stimmt: Die Gesellschaft beginnt, Verantwortung zu \u00fcbernehmen.<\/p>\n<p>Viele Perspektiven, ein Raum<\/p>\n<p>Der Band geht weit \u00fcber Wiesbaden hinaus. Er nimmt Frankfurt, Darmstadt, Aschaffenburg und kleinere Orte in den Blick. Er sammelt Stimmen aus der Region, verbindet lokale Geschichten mit gr\u00f6\u00dferen Linien.<\/p>\n<p>Was auf einem Kolloquium im Kulturforum Wiesbaden diskutiert wurde, verdichtet sich nun auf 328 Seiten. Beitr\u00e4ge, die damals keinen Platz fanden, erg\u00e4nzen die Perspektiven. Das Buch wirkt dadurch wie ein Mosaik: viele Teile, ein Bild.<\/p>\n<p>Besonders spannend sind die biografischen Zug\u00e4nge. Sie zeigen, wie einzelne Menschen Entscheidungen treffen, Verantwortung tragen oder auch scheitern. Geschichte wird hier greifbar \u2013 nicht als abstrakte Entwicklung, sondern als Summe konkreter Handlungen.<\/p>\n<p>Erinnerung, die weiterarbeitet<\/p>\n<p>Wiesbadens <strong>Kulturdezernent Dr. Hendrik Schmehl<\/strong> nennt den Blick auf die Anfangsjahre \u201ebesonders spannend\u201c. Vielleicht, weil er zeigt, wie fragil Demokratie ist \u2013 und wie sehr sie von konkretem Handeln lebt. Dr. Schmehl freue sich, dass das Stadtarchiv 2025 die Aufgabe \u00fcbernommen hat, f\u00fcr die Landeshauptstadt Wiesbaden an ihren demokratischen Neubeginn vor 80 Jahren zu erinnern.\u201c Das mit der schriftlichen Dokumentation des Kolloquiums die Diskussionsbeitr\u00e4ge des Vorjahres nachzulesen seien. Dass der Tagungsband nicht im Jahr 1945 stehen bleibe. Er fragt bewusst, wie wir heute erinnern, wie sich Narrative ver\u00e4ndern und welche Rolle lokale Geschichte in aktuellen Debatten spielt.<\/p>\n<p>Und er stellt leise die Gegenfrage: <strong>Was machen wir aus dieser Geschichte?<\/strong><\/p>\n<p>Die Antwort bleibt offen. Aber das Buch liefert Material \u2013 und Anlass, sie zu suchen. Es l\u00e4dt dazu ein, genauer hinzusehen, Parallelen zu erkennen und die Bedeutung demokratischer Strukturen neu zu w\u00fcrdigen. Gerade in Zeiten gesellschaftlicher Spannungen wirkt dieser Blick zur\u00fcck erstaunlich gegenw\u00e4rtig.<\/p>\n<p>Archivfoto \u2013\u00a0Rathaus \u00a92026 LH Wiesbaden<\/p>\n<p>Weitere Nachrichten aus dem\u00a0<strong>Stadtteil Mitte<\/strong>\u00a0lesen Sie\u00a0<a href=\"https:\/\/wiesbaden-lebt.de\/tag\/mitte\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/p>\n<p>Mehr Informationen zum <strong><a href=\"https:\/\/www.wiesbaden.de\/kultur\/stadtgeschichte\/stadtarchiv\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Stadtarchiv Wiesbaden<\/a><\/strong>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"metis-img-pixel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/bfc854f998f54f0c95d30cce9d2a4c8b.gif\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/>\t\t\t\t\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Krieg endet, aber die Geschichte beginnt erst. 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