{"id":917262,"date":"2026-04-03T03:15:15","date_gmt":"2026-04-03T03:15:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/917262\/"},"modified":"2026-04-03T03:15:15","modified_gmt":"2026-04-03T03:15:15","slug":"raetselhafte-tierseuche-in-russland-bauern-protestieren-gegen-keulungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/917262\/","title":{"rendered":"R\u00e4tselhafte Tierseuche in Russland \u2013 Bauern protestieren gegen Keulungen"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nTollwut als Ursache des Ausbruchs h\u00e4lt der Experte f\u00fcr unhaltbar. Erstens sei das eine sehr seltene Infektion und zweitens werde sie in der Regel durch Bisse \u00fcbertragen, etwa wenn ein infizierter Wolf eine Kuh bei\u00dfe, was nur in Ausnahmef\u00e4llen vorkomme. &#8222;In Fachkreisen wurde die Erkl\u00e4rung der Beh\u00f6rden mit Spott aufgenommen, da Tollwut nicht von Kuh zu Kuh \u00fcbertragen wird&#8220;, sagt der Experte. Denn: &#8222;Wie oft kommt es schon vor, dass eine Kuh eine andere bei\u00dft?&#8220;, fragt er rhetorisch.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nPasteurellose wird in staatlichen Quellen noch \u00f6fter als Ursache genannt. Diese sei aber eine vergleichsweise gut kontrollierbare bakterielle Infektion, erkl\u00e4rt Faworow. &#8222;Im Falle eines Ausbruchs wird die betroffene Herde isoliert, Tiere mit deutlich ausgepr\u00e4gten Symptomen geschlachtet und die \u00fcbrigen mit Antibiotika behandelt. Warum sollte man die ganzen Tierbest\u00e4nde t\u00f6ten?&#8220; Dieses Wissen sei jedem Landwirt bekannt, der seit Jahren, oft \u00fcber Generationen hinweg, Vieh halte, sagt der Experte.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuf die Diskrepanz zwischen den staatlich durchgesetzten Ma\u00dfnahmen und den Vorgaben, die im Fall von Pasteurellose gelten, weist auch Alexandr Pomasujew hin. Er ist Jurist der Anti-Korruptions-Stiftung, die von dem Oppositionspolitiker Alexej Nawalny gegr\u00fcndet wurde. &#8222;Wenn Tier\u00e4rzte kommen und alle Tiere am Infektionsort t\u00f6ten, gibt es zwei M\u00f6glichkeiten: Entweder \u00fcberschreiten sie systematisch ihre Befugnisse und t\u00f6ten die Tiere rechtswidrig, oder es handelt sich nicht um die Krankheiten, von denen sie sprechen.&#8220;\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung1\" class=\"jumpLabel\"><strong>Experten vermuten Maul- und Klauenseuche<\/strong><\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nImmer h\u00e4ufiger werden Vermutungen laut, dass mit den drastischen Keulungen in Wahrheit die Maul- und Klauenseuche bek\u00e4mpft wird. &#8222;F\u00fcr Tiere ist die Maul- und Klauenseuche eine \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrliche Krankheit, da sie sich wie ein Lauffeuer verbreitet und zu einer hohen Sterblichkeit f\u00fchrt&#8220;, sagte Epidemiologe Faworow dem MDR. Das Vorgehen der Beh\u00f6rden deute eher darauf hin, dass es in Wahrheit um diese Krankheit gehen k\u00f6nnte.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nGerade die massenhaften Keulungen sprechen aus Sicht des Experten f\u00fcr diese Vermutung. Zur Bek\u00e4mpfung der Maul- und Klauenseuche gebe es n\u00e4mlich eine verbindliche Abfolge von Ma\u00dfnahmen. Die wichtigste sei die T\u00f6tung des Viehbestands \u2013 nicht auf Grundlage einzelner Kontakte zwischen Tieren, sondern fl\u00e4chendeckend in den betroffenen Gebieten. Genau das werde von den Beh\u00f6rden in Sibirien mit voller H\u00e4rte umgesetzt. Ein weiteres Indiz ist dem Experten zufolge die Desinfektion der Fahrzeugr\u00e4der, die viele Augenzeugenvideos zeigen. Diese Ma\u00dfnahme geh\u00f6re ebenfalls zum Standard bei einem Ausbruch der Maul- und Klauenseuche.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung2\" class=\"jumpLabel\">Keulungen mit Polizeieskorte, Kreml schweigt<\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nDamit ihre Viehbest\u00e4nde vor Keulungen verschont werden, wandten sich Bewohner mehrerer sibirischer D\u00f6rfer in einer Videobotschaft an Wladimir Putin: &#8222;Unsere K\u00fche sind derzeit gesund. Es wurden weder Blut- noch Milchproben entnommen. Helfen Sie uns, unsere Betriebe zu sch\u00fctzen. Es handelt sich um eine organisierte Sabotage.&#8220; Kremlsprecher Dmitri Peskow reagierte lediglich mit einem Verweis auf das Landwirtschaftsministerium, das die Ma\u00dfnahmen vollst\u00e4ndig koordiniere.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEine politische Antwort auf die Sorgen der Bauern blieb damit aus. Wie die Ma\u00dfnahmen in den betroffenen Gebieten aussehen, verfolgen viele Menschen in Russland unterdessen im Internet, da die Landwirte das Vorgehen der Beh\u00f6rden und ihren eigenen Widerstand mit Handys aufzeichnen und online stellen. Staatliche Veterin\u00e4re erscheinen h\u00e4ufig gemeinsam mit der Polizei in den D\u00f6rfern und fordern die Bewohner auf, ihre Tiere &#8222;freiwillig&#8220; abzugeben. Bei Widerstand drohen sie mit Bu\u00dfgeldern oder dem Verlust von Entsch\u00e4digungszahlungen. Die Tiere werden entweder von den H\u00f6fen abgeholt oder vor Ort get\u00f6tet und anschlie\u00dfend auf den Feldern verbrannt. Vor allem aus der Region Nowosibirsk wird \u00fcber solche Ma\u00dfnahmen berichtet. Die genaue Zahl der gekeulten Tiere l\u00e4sst sich schwer einsch\u00e4tzen, d\u00fcrfte Berichten zufolge jedoch in die Tausende gehen.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung3\" class=\"jumpLabel\"><strong>Russland drohen erhebliche Importverluste<\/strong><\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nEigentlich gilt Russland offiziell als frei von Maul- und Klauenseuche. Der Status wurde dem Land erst 2025 von der Weltorganisation f\u00fcr Tiergesundheit (WOAH) zuerkannt, deren Standards auch im internationalen Handel eine Rolle spielen. Eine offizielle Best\u00e4tigung der Seuche w\u00e4re daher auch wirtschaftlich brisant.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nLaut der russischen veterin\u00e4rmedizinischen Aufsichtsbeh\u00f6rde Rosselchosnadsor betrug der Export von Fleisch und Fleischprodukten aus Russland im Jahr 2025 \u00fcber 911.000 Tonnen. Damit ist er gegen\u00fcber dem Vorjahr um 10,6 Prozent gestiegen \u2013 ein neuer historischer H\u00f6chststand. Zu den wichtigsten Abnehmern z\u00e4hlten China, Belarus, Kasachstan, Saudi-Arabien und Vietnam. Sollte ein Fall der Maul- und Klauenseuche offiziell best\u00e4tigt werden, k\u00f6nnte das zu erheblichen Importverlusten f\u00fchren.\n<\/p>\n<p><a name=\"sprung4\" class=\"jumpLabel\">Nachbarl\u00e4nder reagieren mit Einfuhrverboten<\/a><\/p>\n<p class=\"text\">\nDie erste Reaktion kam bereits aus Kasachstan und Belarus. Diese L\u00e4nder verh\u00e4ngten ein teilweises oder vollst\u00e4ndiges Importverbot f\u00fcr bestimmte Produkte der Tierhaltung aus dem Nachbarland. So stellte Kasachstan den Import von Getreide und Futtermitteln aufgrund der &#8222;j\u00fcngsten Verschlechterung der epizootischen Lage&#8220; ein, und Belarus verbot die Einfuhr von Vieh sowie tierischen Produkten aus betroffenen Gebieten.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nIn den staatlich kontrollierten russischen Medien wird die Krankheit unterdessen weiterhin als Pasteurellose bezeichnet. Trotz der drastischen Ma\u00dfnahmen der Beh\u00f6rden hat sich der Ausbruch Berichten zufolge inzwischen \u00fcber Sibirien hinaus ausgebreitet und wurde bereits in mindestens 15 Regionen best\u00e4tigt. Der heikelste Punkt bleibt der Widerspruch: Offiziell ist weiterhin von der relativ gut beherrschbaren Pasteurellose die Rede \u2013 das Vorgehen der Beh\u00f6rden erinnert Experten aber an Ma\u00dfnahmen gegen die Maul- und Klauenseuche.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tollwut als Ursache des Ausbruchs h\u00e4lt der Experte f\u00fcr unhaltbar. 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