{"id":917268,"date":"2026-04-03T03:20:14","date_gmt":"2026-04-03T03:20:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/917268\/"},"modified":"2026-04-03T03:20:14","modified_gmt":"2026-04-03T03:20:14","slug":"vereinigtes-koenigreich-brexiteers-wollen-arbeitskraeftemangel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/917268\/","title":{"rendered":"Vereinigtes K\u00f6nigreich: &#8222;Brexiteers wollen Arbeitskr\u00e4ftemangel&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/grossbritannien-erntehelfer-100.jpg\" alt=\"Erntehelfer in Gro\u00dfbritannien\" title=\"Erntehelfer in Gro\u00dfbritannien | ARD\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>europamagazin<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 17.06.2023 \u2022 17:12 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>In Gro\u00dfbritannien fehlen rund 10.000 Erntehelfer. Doch die britische Regierung will den Landwirten nicht mit Visa f\u00fcr Arbeiter aus dem Ausland helfen. Das widerspr\u00e4che ihren Brexit-Versprechungen.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/sven-lohmann-103.html\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Sven Lohmann\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/sven-lohmann-101.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Tim Chambers ist f\u00fcr die britische Regierung ein \u00c4rgernis. Er ist Gro\u00dffarmer im S\u00fcden Englands, leitet 20 Betriebe mit aktuell etwa 1700 Saisonarbeitern. Nahezu alle seiner Erntehelfer kommen aus dem Ausland: aus Bulgarien, Kasachstan, auch Indonesien.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die britische Regierung, gespickt mit Brexit-\u00dcberzeugungst\u00e4tern, will das nicht. Sie will keine billigen Arbeitsmigranten, h\u00f6chstens ein Mindestma\u00df. Die Brexit-Bef\u00fcrworter hatten etwas anderes versprochen: Das seien Jobs, die britische Arbeiter machen sollten. Zu viel besseren L\u00f6hnen.<\/p>\n<p>    Zahl der Arbeitsvisa gedeckelt<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Einheimische zu gewinnen, das habe er zehn Jahre lang versucht &#8211; doch es sei unm\u00f6glich, meint Chambers. Saisonarbeit wollten Engl\u00e4nder nicht. Und die Arbeit auf der Farm auch nicht. Chambers k\u00fcmmert sich gerade um die Erdbeerernte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Er pr\u00fcft die Qualit\u00e4t seiner gepfl\u00fcckten Fr\u00fcchte, wenn er nicht gerade am Telefon h\u00e4ngt. Denn er braucht mehr Erntehelfer und versucht h\u00e4nderingend, weitere zu bekommen. Doch da macht die britische Regierung nicht mit, was f\u00fcr ihn ein gro\u00dfes \u00c4rgernis ist.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">45.000 Arbeitsvisa stellt das Innenministerium aus. Die Zahl ist gedeckelt. Die Dauer auch, maximal f\u00fcr sechs Monate. Die Branche braucht aber nach eigenen Angaben 55.000, es fehlen also 10.000.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Insgesamt fehlen in Gro\u00dfbritannien etwa 10.000 Erntehelfer. Einheimische daf\u00fcr zu gewinnen ist oftmals unm\u00f6glich.\n                    <\/p>\n<p>    Briten sollen selber ausbilden<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Das Innenministerium hat die Arbeitsvisa auch erst genehmigt, als die Saison eigentlich schon angefangen hatte. Viel zu sp\u00e4t&#8220;, kritisiert Chambers. Sie h\u00e4tten keine Planungssicherheit gehabt, weil auch lange Zeit unklar gewesen sei, in welchem Ma\u00dfe es \u00fcberhaupt Visa f\u00fcr Erntehelfer geben w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es klingt ein wenig nach Schikane, und das ist es auch. Innenministerin Suella Braverman sprach j\u00fcngst bei einem Treffen Ultrakonservativer aus ihrer Partei. Es gebe \u00fcberhaupt keinen vern\u00fcnftigen Grund, weshalb das Vereinigte K\u00f6nigreich nicht selbst Lkw-Fahrer, Metzger oder Erntehelfer ausbilden w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es sind s\u00e4mtlich Jobs, die bisher in gro\u00dfem Ma\u00dfe Arbeiter aus dem Ausland \u00fcbernommen haben und deren Fehlen nun in den entsprechenden Branchen gro\u00dfe Probleme verursacht. Der Brexit, so Braverman weiter, erm\u00f6gliche den Briten nun eine Wirtschaft aufzubauen, in der \u00fcberwiegend hohe L\u00f6hne bezahlt w\u00fcrden und die weniger auf ausl\u00e4ndische Billigarbeitskr\u00e4fte angewiesen sei.<\/p>\n<p>    &#8222;Billiglohn-Sektor ausquetschen&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das sei lachhaft, kommentiert Farmer Chambers die Aussagen. &#8222;Wenn mir die Superm\u00e4rkte mehr Geld zahlen, stelle ich gerne auch Pfl\u00fccker mit 100.000 Pfund Jahresgehalt ein.&#8220; Davon sind Superm\u00e4rkte jedoch weit weg. Das wei\u00df eigentlich auch Innenministerin Braverman. Und doch hilft sie den Landwirten nicht bei der Beschaffung von Personal und mit zus\u00e4tzlichen Visa. Fragt sich, warum?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr \u00d6konomen, wie Jonathan Portes vom Londoner King\u00b4s College, ist die Frage leicht zu beantworten: Der Arbeitskr\u00e4ftemangel sei aus Perspektive der Brexiteers gar kein Problem. Den wollten sie sogar. &#8222;Ihre Politik ist, den auf Billigl\u00f6hner angewiesenen Sektor auszuquetschen. Damit dieser gezwungen wird, in Ausbildung zu investieren. Oder in Technologie&#8220;, so Portes.<\/p>\n<p>    &#8222;Wirtschaft wie im Traumland&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Um zu verstehen, was die Brexit-getriebene Regierung vorhat, muss man sich ihre Vision der Wirtschaft vor Augen f\u00fchren. Ihr ehemaliger Frontmann, Ex-Premier Boris Johnson, hat es wieder und wieder erw\u00e4hnt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Zum einen soll die Zahl der Migranten deutlich reduziert werden, vor allem die der billigen Arbeitskr\u00e4fte. &#8222;Die dr\u00fccken nur die L\u00f6hne runter&#8220;, sagte Johnson beispielsweise in einem Interview im Januar 2020. Zum anderen wollen die Brexiteers eine neue Wirtschaft, wie in einem Traumland. &#8222;Unsere Vision ist eine Wirtschaft mit Topgeh\u00e4ltern, geringen Steuern, hoch ausgebildeten Arbeitskr\u00e4ften. Mit hoher Produktivit\u00e4t und rasant steigenden L\u00f6hnen f\u00fcr die Geringverdiener&#8220;, f\u00fchrte Johnson schon im Jahr 2019 aus.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sein Nachfolger als Premierminister, Rishi Sunak, ein Brexiteer, der nicht mehr Johnsons Freund, aber immer noch Bruder im Geiste ist, bombardiert die Nation seit Wochen mit einem Slogan: &#8222;Hohe L\u00f6hne, Top-Fachkr\u00e4fte-Wirtschaft.&#8220; Gro\u00dfbritannien wolle Topleute ausbilden, die Kl\u00fcgsten ins Land holen. &#8222;Diese Migranten wollen wir&#8220;, propagiert Sunak.<\/p>\n<p class=\"absatzbild__info__text\">\n                        Vielerorts werden Roboter als Erntehelfer eingesetzt. Die britische Regierung unterst\u00fctzt diesen Trend.\n                    <\/p>\n<p>    Landwirte sollen in Technologie investieren<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Was bedeutet das eigentlich f\u00fcr die Erdbeerernte? Entweder also, dass gut bezahlte Briten sie \u00fcbernehmen &#8211; oder Roboter. Anders als bei der Erteilung von Arbeitsvisa f\u00fcr Billigl\u00f6hner wird die britische Regierung bei der Entwicklung von Technologien f\u00fcr die Landwirtschaft gro\u00dfz\u00fcgig. Sie gibt umgerechnet 230 Millionen Euro, um Innovationen voranzubringen. Prototypen sind auch schon im Einsatz, aber noch nicht marktreif. Wenn die von gutbezahlten Ingenieuren gesteuert w\u00fcrden, w\u00e4re der Traum der Brexiteers auf dem Erdbeerfeld Realit\u00e4t.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Soweit ist es aber noch nicht. Und schon gar nicht in allen Bereichen, in denen billige Arbeitskr\u00e4fte den Alltag bestimmen. \u00d6konomen sind nicht nur bei der Utopie einer Wirtschaft skeptisch, in der die Masse gut ausgebildet ist und gut verdient. Auch, ob sich Landwirte n\u00f6tigen lassen, auf Helfer aus dem Ausland zu verzichten und in Roboter zu investieren. Jonathan Portes vom King&#8217;s College bezweifelt beides.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Landwirt Chambers weist darauf hin, dass die Strategie der britischen Regierung Unsinn sei. Sie k\u00f6nne die Branche nicht ausquetschen und gleichzeitig verlangen, dass sie mehr Geld f\u00fcr h\u00f6here L\u00f6hne und Roboter ausgebe.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Mangel an Erntehelfern wird bleiben. Zuletzt hat die Regierung immer erst dann reagiert, wenn auch die Verbraucher betroffen waren und vor leeren Obst- und Gem\u00fcseregalen standen. Soweit ist es aber noch nicht.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Diese und weitere Reportagen sehen Sie im Europamagazin &#8211; am Sonntag um 12.45 Uhr im Ersten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"europamagazin Stand: 17.06.2023 \u2022 17:12 Uhr In Gro\u00dfbritannien fehlen rund 10.000 Erntehelfer. 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