{"id":919618,"date":"2026-04-04T01:54:15","date_gmt":"2026-04-04T01:54:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/919618\/"},"modified":"2026-04-04T01:54:15","modified_gmt":"2026-04-04T01:54:15","slug":"moskauer-gericht-verurteilt-duesseldorfer-karnevalswagenbauer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/919618\/","title":{"rendered":"Moskauer Gericht verurteilt D\u00fcsseldorfer Karnevalswagenbauer"},"content":{"rendered":"<p class=\"text_ohne_einzug richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Auch verh\u00e4ngte das Strafgericht ein vierj\u00e4hriges Arbeitsverbot gegen Tilly.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Tilly habe sich der Verletzung religi\u00f6ser Gef\u00fchle und der Verbreitung von Falschnachrichten \u00fcber die russischen Streitkr\u00e4fte schuldig gemacht, so das Gericht. Gemeint sind die in den vergangenen Jahren von Tilly und seinem Team gebauten Karnevalswagen, die auch immer wieder Russlands Pr\u00e4sidenten Wladimir Putin scharf aufs Korn nahmen. So die Gro\u00dfplastik, die Putin beim Blutbad in einer blau-gelben ukrainischen Badewanne zeigt. Oder der Wagen, der Putin und Patriarch Kirill beim Oralverkehr zeigt.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Tilly war nicht offiziell von der russischen Justiz \u00fcber das Verfahren informiert worden. Zu einer Pflichtverteidigerin, die am Donnerstag erfolglos einen Antrag auf Freispruch gestellt hatte, hatte er keinen Kontakt. Diplomaten der deutschen Botschaft in Moskau informierten ihn aber laufend \u00fcber den seit mehreren Monaten laufenden Prozess. Der deutsche Botschafter in Moskau, Alexander Graf Lambsdorff, sagte nach dem Urteil gegen\u00fcber der Deutschen Presseagentur: \u201eDie Verurteilung von Jacques Tilly zeigt, dass Kriminalisierung und Verfolgung freier Meinungs\u00e4u\u00dferung durch die russische Regierung unvermindert weitergehen &#8211; aber jetzt auch verst\u00e4rkt im Ausland. Das betrifft uns direkt.\u201c Die Botschaft der Bundesrepublik Deutschland verurteile \u201edieses absurde Schauspiel in aller Sch\u00e4rfe und wird weiter f\u00fcr freie Meinungs\u00e4u\u00dferung, Kunstfreiheit und damit auch die Freiheit der Satire eintreten\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Im Laufe des mehrmonatigen Prozesses hatte Tilly viel Solidarit\u00e4t erfahren, unter anderem von NRW-Ministerpr\u00e4sident Hendrik W\u00fcst, (CDU), dessen Stellvertreterin Mona Neubaur (Gr\u00fcne) und dem Chef der NRW-Staatskanzlei, Nathanel Liminski (CDU). Aber auch SPD-Politiker st\u00e4rkten dem K\u00fcnstler den R\u00fccken.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Am vergangenen Sonntag war Jacques Tilly noch vom Freundeskreis der D\u00fcsseldorfer Tonhalle mit einem Solidarit\u00e4tspreis geehrt worden. In seiner Dankesrede hatte er mit Blick auf das bevorstehende Ende des Prozesses gesagt: \u201eJeder kann nun deutlich sehen, dass das russische Regime tats\u00e4chlich Angst vor n\u00e4rrischen Pappfiguren hat. Dank euch, ihr Staatsanw\u00e4lte und Ankl\u00e4ger des ber\u00fcchtigten russischen Basmanny-Gerichts, kann jeder sehen, wie viel Furcht ihr vor Kritik und Satire habt, wie klein und wie peinlich unsouver\u00e4n ihr seid.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">In einem Interview mit dem TV-Sender Phoenix am Donnerstag, dem Tag des Urteils, sprach Tilly von einer Farce, von einem Schauprozess, den er nicht ernst nehme. \u201eMeine Aufgabe als Karnevalswagenbauer ist es, einmal im Jahr den Autorit\u00e4ten in die Suppe zu spucken, das werde ich weiter machen. Einsch\u00fcchterung wird bei mir nicht funktionieren, dann h\u00e4tten sie ja ihr Ziel erreicht.\u201c Putin in Zukunft von seiner satirischen Arbeit auszunehmen, k\u00f6nne er sich nicht leisten, \u201edas w\u00e4re ein ziemlicher Gesichtsverlust\u201c.<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Angesichts des nach dem Urteil bestehenden Risikos, dass er bei einer Reise in andere L\u00e4nder an Russland ausgeliefert werden k\u00f6nne, sagte Tilly dem TV-Sender, er werde im EU-Raum bleiben, da f\u00fchle er sich sicher. Ungarn wolle er freilich meiden, das sei eine Grauzone. Und wie sicher f\u00fchlt er sich in Deutschland? Er rede mit dem Verfassungsschutz, mit dem Staatsschutz, \u201eda f\u00fchle ich mich gut aufgehoben und einigerma\u00dfen sicher hier.\u201c Er k\u00f6nne halt nur hoffen, dass die Lage nicht eskaliert. Auf die Frage, ob er Schutz bekomme, sagte er: \u201eKommunizierte Sicherheit ist keine Sicherheit, darum redet man nicht dar\u00fcber.\u201c<\/p>\n<p class=\"richtext text-em-55 !leading-serif mx-6 desktop:mx-0\">Er k\u00f6nne das Urteil nicht akzeptieren, eben nur hinnehmen, in dem Sinne, dass er keinen Handlungsspielraum habe. \u201eRussland ist kein Rechtsstaat, das Urteil ist eine Farce, ich bin auch kein Feind des russischen Staates, das ist alles paranoider Quatsch.\u201c Das Urteil, so schlie\u00dft er mit Blick auf das ihm von dem Gericht auferlegte Arbeitsverbot, sei sogar eine kleine zus\u00e4tzliche Motivation f\u00fcr ihn, seine Arbeit umso beschwingter fortzusetzen. \u201eWeil man sieht, meine Arbeit wirkt.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Auch verh\u00e4ngte das Strafgericht ein vierj\u00e4hriges Arbeitsverbot gegen Tilly. 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