{"id":920812,"date":"2026-04-04T13:48:20","date_gmt":"2026-04-04T13:48:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/920812\/"},"modified":"2026-04-04T13:48:20","modified_gmt":"2026-04-04T13:48:20","slug":"ostermarsch-in-wiesbaden-etwas-leiser-aber-nicht-verstummt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/920812\/","title":{"rendered":"Ostermarsch in Wiesbaden: Etwas Leiser, aber nicht verstummt"},"content":{"rendered":"<p>Weniger Menschen, leisere T\u00f6ne: Der Ostermarsch 2026 in Wiesbaden bleibt politisch \u2013 und zeigt, wie sich die Friedensbewegung ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>Der Platz vor dem Wiesbadener Hauptbahnhof f\u00fcllte sich an diesem Karsamstag langsam. Transparente wurden ausgerollt, Stimmen fanden sich, doch die gro\u00dfe Wucht vergangener Jahre blieb aus. Wer genau hinsah, z\u00e4hlte rund 200 Menschen \u2013 weniger als noch vor zwei Jahren. Und trotzdem: Die Friedensbewegung war da. Sie sprach, sie widersprach, sie ging los.<\/p>\n<p><strong>B\u00fcchel \u2013 Zentrum der nuklearen Teilhabe<\/strong><\/p>\n<p>Der <strong>Fliegerhorst B\u00fcchel<\/strong> (ICAO-Code: ETSB) liegt in Rheinland-Pfalz nahe der Verbandsgemeinde Ulmen im Landkreis Cochem-Zell. Er dient dem Taktischen <strong>Luftwaffengeschwader 33<\/strong> als milit\u00e4rische Basis der deutschen Luftwaffe.<\/p>\n<p>Seit 2004 gilt B\u00fcchel als der einzige Standort in Deutschland, an dem Kernwaffen der Streitkr\u00e4fte der USA gelagert werden. Nach dem Abzug der Waffen aus Ramstein im Jahr 2005 konzentriert sich die sogenannte nukleare Teilhabe der NATO hier.<\/p>\n<p><strong>Deutsche Soldaten trainieren in B\u00fcchel mit Tornado-Kampfflugzeugen den Einsatz amerikanischer B61-Atombomben<\/strong>. Damit bleibt der Standort ein zentraler Baustein der Abschreckungsstrategie \u2013 und zugleich ein politisch umstrittener Ort innerhalb der Friedensbewegung.<\/p>\n<p>Zwischen Tradition und Gegenwart<\/p>\n<p>Der Ostermarsch geh\u00f6rt zu den Ritualen der deutschen Protestkultur. Seit den 1950er Jahren ziehen Menschen durch St\u00e4dte, fordern Abr\u00fcstung, warnen vor Krieg, hoffen auf Vernunft. In Wiesbaden begann der Tag mit einer Auftaktkundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz \u2013 ein Ort, an dem sonst Reisende eilen, Z\u00fcge kommen und gehen. An diesem Vormittag blieben einige stehen.<\/p>\n<p>Die Redebeitr\u00e4ge griffen gro\u00dfe Themen auf: <strong>Atomwaffen, milit\u00e4rische Aufr\u00fcstung, geopolitische Konflikte<\/strong>. Besonders h\u00e4ufig fiel der Name B\u00fcchel. Dort lagern weiterhin US-Atombomben, deren Abzug viele fordern. Deutschland solle dem Atomwaffenverbotsvertrag beitreten, hie\u00df es. <strong>Atomwaffen seien illegal, ihr Besitz widerspreche dem V\u00f6lkerrecht.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Redner zeichnete ein d\u00fcsteres Szenario: Im Fall einer Eskalation werde\u00a0<strong>B\u00fcchel\u00a0in der\u00a0Verbandsgemeinde Ulmen\u00a0im\u00a0Landkreis Cochem-Zell\u00a0in\u00a0Rheinland-Pfalz selbst zum Ziel<\/strong>. Die Worte klangen drastisch, fast apokalyptisch. Und doch nickten viele im Publikum.<\/p>\n<p>Konflikte der Gegenwart<\/p>\n<p>Andere Stimmen weiteten den Blick. Sie sprachen \u00fcber die Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und in weiteren Krisenregionen. Sie kritisierten <strong>geopolitische Machtspiele, warfen Regierungen vor, wirtschaftliche Interessen<\/strong> \u00fcber Menschenrechte zu stellen.<\/p>\n<p>Eine Rednerin thematisierte die Lage der Kurden und griff dabei auch die deutsche Politik an. Sie sprach von einem \u201eRechtsruck\u201c, von wachsender Intoleranz und davon, dass sich Menschen klar positionieren m\u00fcssten. Ihre Worte fanden Zustimmung \u2013 Applaus, aber auch nachdenkliche Gesichter.<\/p>\n<p>Immer wieder fiel der Satz: <strong>Krieg ist kein Naturgesetz<\/strong>. Die Friedensbewegung h\u00e4lt an dieser \u00dcberzeugung fest, auch wenn die Weltlage dagegen zu sprechen scheint.<\/p>\n<p>Weniger Menschen, andere T\u00f6ne<\/p>\n<p>Auff\u00e4llig blieb die geringere Teilnehmerzahl. Die Veranstalter hatten mit rund 300 Menschen gerechnet. Gekommen waren etwa 200. Das ist kein Einzelfall. Seit den 1990er Jahren verliert die Bewegung an Breite. Gro\u00dfe Mobilisierungen wie in den 1980er Jahren \u2013 damals gingen Hunderttausende auf die Stra\u00dfe \u2013 scheinen weit entfernt.<\/p>\n<p>Stadtrat Hartmut Bohrer, Die Linke, erinnerte an jene Jahre, als in Bonn 300.000 Menschen demonstrierten. Damals ging es um den NATO-Doppelbeschluss, um Pershing-Raketen, um atomare Abschreckung. Heute wirken die Parolen moderater, fast vorsichtig. <strong>Provokante Slogans von fr\u00fcher sind verschwunden<\/strong>. Stattdessen dominieren Appelle, die mehrheitsf\u00e4hig wirken sollen.<\/p>\n<p>Vielleicht liegt darin ein Teil der Erkl\u00e4rung: Die Bewegung hat sich ver\u00e4ndert. <strong>Sie sucht Anschluss an eine breitere \u00d6ffentlichkeit<\/strong>, verliert dabei aber ein St\u00fcck ihrer alten Wucht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"683\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/Friedensdemo-1024x683.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-153600\"  \/>Der Osterarsch ist ein gesetzter Termin: Die Gro\u00dfeltern waren schon in Bonn mit dabei. Heute nehmen sie mit ihren Enkeln am Ostermarsch in Wiesbaden teil.<\/p>\n<p>Zwischen Zweifel und Hoffnung<\/p>\n<p>Und doch blieb der Ostermarsch mehr als nur ein Ritual. Menschen kamen zusammen, h\u00f6rten zu, diskutierten. Einige hielten Schilder hoch, andere schwiegen. Viele gingen schlie\u00dflich gemeinsam los \u2013 durch Wiesbaden, durch Stra\u00dfen, die den Alltag kannten und an diesem Tag f\u00fcr einen Moment politisch wurden. Zogen zum Mauritiusplatz, wo am Ende die Hauptkundgebung stattgefunden hat.<\/p>\n<p>Fest steht: Die Friedensbewegung wirkt leiser als fr\u00fcher. Aber sie verschwindet nicht. Sie passt sich an, ringt um Relevanz, sucht neue Worte f\u00fcr alte Fragen. So bleibt am Ende kein gro\u00dfes Pathos. Kein historischer Moment. Aber ein Bild: rund <strong>200 Menschen, die sich nicht abfinden wollen<\/strong>. Die gehen, auch wenn es weniger geworden sind.<\/p>\n<p>Foto \u00a92026 Volker Watschounek <\/p>\n<p>Weitere Nachrichten aus dem\u00a0<strong>Stadtteil Mitte<\/strong>\u00a0<a href=\"http:\/\/wiesbaden-lebt.de\/tag\/mitte\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">lesen Sie hier<\/a>.<\/p>\n<p>Hintergr\u00fcnde zur <strong><a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Friedensbewegung\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener nofollow\">Friedensbewegung in Deutschland<\/a><\/strong>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" id=\"metis-img-pixel\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/04\/a16c6a98e82c4c5691e8d9912e79a48d.gif\" width=\"1\" height=\"1\" alt=\"\"\/>\t\t\t\t\t\t<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Weniger Menschen, leisere T\u00f6ne: Der Ostermarsch 2026 in Wiesbaden bleibt politisch \u2013 und zeigt, wie sich die Friedensbewegung&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":920813,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1847],"tags":[3364,29,548,663,3934,17435,30,13,2052,525,14,15,15577,12,4544],"class_list":["post-920812","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-wiesbaden","tag-de","tag-deutschland","tag-eu","tag-europa","tag-europe","tag-friedensdemo","tag-germany","tag-headlines","tag-hessen","tag-mitte","tag-nachrichten","tag-news","tag-ostermarsch","tag-schlagzeilen","tag-wiesbaden"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/116346755972732067","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/920812","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=920812"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/920812\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/920813"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=920812"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=920812"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=920812"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}